Über Emulatoren – MS-DOS

Im steten Bemühen mein Blog mit allerlei lehrreichen und unterhaltsamen Dingen zu füllen *gähn* und meinen Lesern das Licht der Erkenntnis ein Stück näher zu bringen *ommm* , werde ich heute einen näheren Blick auf drei MS-DOS-Emulatoren werfen, die für jeden Zocker, der sich auch nur ansatzweise Senior Gamer nennen möchte, zur Standardausrüstung gehören müssen. Beginnen wir mit dem Klassiker, mit …

· ScummVM„:
ScummVM begann sein Dasein vor ca. sechs Jahren als kleine Fingerübung von Ludvig Strigeus, um alte LucasArts-Adventures (basierend auf der SCUMM-Skriptengine), auch auf anderen und/oder ganz neuen Betriebssystemen zm Laufen zu bringen. Rein technisch betrachtet ist ScummVM kein „richtiger“ Emulator, sondern „nur“ eine Art Interpreter, eine Virtual Machine, da das Programm keine MS-DOS-Umgebung erzeugt, sondern lediglich die Spieldaten ausliest und sie auf dem jeweiligen Betriebssystem ausgibt. Man benötigt daher auch nicht das komplette Spiel, sondern nur die Ressource-Dateien des Spieles, in denen Graphik, Sound und Skripte abgelegt wurden. Was mich natürlich besonders erfreut, da ich hier nur eine MAC-Version der seltenen Talkie-Ausgabe von „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ habe und somit einfach nur die Spieldaten extrahieren muss. Nein, Harrison Ford spricht leider nicht selbst. Aber sein (wohl deutlich preiswerteres) Alter Ego klingt ähnlich genug 🙂

In seiner aktuellen Version unterstützt ScummVM längst nicht mehr nur LucasArts-Spiele, sondern eine ganze Reihe anderer, älterer Adventure wie zB. die BrokenSword-Serie oder die beiden ersten Simon The Sorcerer-Teile.

Typisch für viele Projekte dieser Art ist der rechtliche Status. Sehr schnell betrat LucasArts mit einem Cease&Desist-Letter die Bühne, da man angeblich Copyright und IP von LucasArts verletze und widerrechtlich nutze. Mutig und selbstbewusst stellten sich die Enwickler diesem Ansinnen entgegen und verwiesen darauf, dass ScummVM ein reines Re-Engineering-Projekt sei, keinen Code von LucasArts verwende und auch keine Spieldaten beinhalte. Zusätzlich tobte noch ein heftiger Fansturm durch die Mailboxen und Postfächer von LucasArts, so dass man von den ursprünglichen Forderungen zurücktrat und nur eine Änderung der ScummVM-Lizenz forderte, da LucasArts sich als typischer ClosedSource-Kommerzbetrieb mit der GPL und ähnlichen nicht ausdrücklich kommerziellen Lizenzen sehr schwer tut. Doch auch hier gab man nicht nach, so dass der rechtliche Status von ScummVM das übliche „Ignoriert und bestenfalls Geduldet“ erreicht hat. Dazu passt auch der Umstand, dass Paypal keine Zahlungen mehr für ScummVM akzeptiert hat, da man angeblich fremdes geistiges Eigentum verletze.

*seufz* Es wird wohl noch eine Weile vergehen müssen, bis Projekte dieser Art den juristischen Limbo verlassen können, ohne Gefahr zu laufen auf Grund eines Formfehlers in Grund und Boden gestampft zu werden. Lobend seien hier ausdrücklich Revolution Software und die Entwickler von „Flight of the Amazon Queen“ erwähnt, die ihre alten Spiele offziell freigegeben haben und Projekten wie ScummVM sehr offen gegenüberstehen.

Überhaupt gar nie nicht niemals kann ich bei diesem Thema vorbei an …

· DOSBox:
DOSBox ist jetzt aber ein „richtiger“ Emulator. DOSBox emuliert (wie der Name schon vermuten lässt, haha) eine vollwertige Intel x86-Hard- und Softwareumgebung, um alte DOS-Applikationen unter moderneren Windows-Systemen, unter Linux, MAC OS, OS/2 usw. usf. starten und benutzen zu können. Jedoch hauptsächlich für Spiele gedacht, hat sich DOSBox zu DER Nummer Eins bei DOS-Emulatoren entwickelt und unterstützt weit mehr als 2500 Spiele.

Jaja, toll, Applaus, SNES-Emus unterstützen aber mehr Spiele!

Dummbatz! Ein System wie das SNES ist ein fixes System mit einer sehr (!) überschaubaren Anzahl an Hardware-Komponenten und einer fest definierten Systemumgebung. DOSBox hingegen emuliert ein offenes System mit einer Unzahl von Variationen, Ausnahmen und exotischen Speicherzugriffen. So ist es zB. erst seit Version 0.7 möglich die alten Microprose-Adventure wie zB. „Return of the Phantom“ oder „Dragonsphere“ mit Sound zu starten, da diese auf höchst absonderliche Art Speicher und Interrupts ansprachen.

„Fertig“ ist DOSBox natürlich nicht. Die Versionsnummer ist ein deutliches Kennzeichen dafür, dass man noch ein ganzes Stück weit weg von einer lückenlosen und nahezu hundertprozentigen DOS-Emulation ist. Reichen tut es aber bereits für sehr, sehr viele alte Spiele. Ein interessanter Nebeneffekt ist übrigens der Umstand, dass man vor allem bei „moderneren“ SVGA-Spielen (wie früher) eine leistungsfähige Hardware benötigt, um diese Spiele flüssig darstellen zu können. DOSBox emuliert nicht nur rein technisch frühere Zeiten. Nein, es versetzt einen auch wieder in die Situation, als man sich beim Betrachten der Diashow auf dem Bildschirm flehentlich einen dieser tollen, neuen Pentium-Prozessoren gewünscht hat. Hach, damals …

Ein Wort der Warnung für den Unwissenden, den neuen Akolythen und Initiaten: Wer mit Kommandozeilengefrickel nicht viel anfangen kann oder gar keine Ahnung von DOS-Befehlsparametern hat, sollte nach Möglichkeit eine der vielen GUIs benutzen, die es für DOSBox gibt. Für Windows-Rechner empfehle ich D-Fend. Kinderleicht zu bedienen und mit Hilfe-PopUps versehen, damit man nach und nach versteht, was man da eigentlich einrichtet. Sehr schön!

So gut DOSBox auch ist, perfekt ist es noch lange nicht. Für die Spezialfälle, wo DOSBox nicht oder nicht sonderlich gut funktioniert, gibt es …

· VDMSound:
VDMSound wurde vor etwa sieben, acht Jahren gestartet, um DOS-Spielen unter W2K und XP das Ansprechen der Soundkarten-Hardware zu ermöglichen. Es emuliert also nicht eine komplette DOS-Umgebung, sondern nur die Softwarezugriffe auf die seit W2K nicht mehr direkt ansprechbaren Hardware-Interrupts. VDMSound war mein erster Kontakt mit Emulatoren und hat mir vor allem in den ersten Jahren der XP-Benutzung sehr oft weitergeholfen. Es existiert zwar noch eine Sourceforge-Projektseite, die Entwicklung wurde leider schon vor einer Weile aufgegeben. Eine letztmalig aktualisierte Version bekommt man HIER. Der Code wurde aber in DOSBox integriert und dort weitergeführt, so dass man in Zukunft sich dem 1.0-Status wohl schneller nähern kann.

Dennoch macht es aber in Einzelfällen immer noch Sinn VDMSound einzusetzen. So kann man zB. System Shock 1 unter DOSBox starten, erlebt aber eine höchst unangenehme Diashow, wenn man mehr als die voreingestellte VGA-Auflösung haben möchte. Auch etliche Soundaussetzer können das Erlebnis trüben. Eine etwas aufwendige, aber dafür narrensichere und ausführliche Anleitung bekommt man bei „The Looking Glass„, einer Community-Seite zu allen Spielen der *schnüff* verblichenen Looking Glass Studios. Auch tut sich DOSBox immer noch sehr schwer mit den Spielen der Build-Engine wie DN3D, Shadowarrior oder Blood. Sofern es wie bei DN3D keinen Sourceport gibt, muss man sich zB. bei Blood mit einer Menge Gefrickel und Gebastel behelfen, bei der VDMSound eine zentrale Rolle spielt.

Und angesichts diverser älterer W95- und W98-Spiele, die nicht mehr mit neuen Graphikkarten-Treiber zusammenarbeiten wollen, sehe ich noch viele neue Projekte am Horizont heraufziehen … 🙂

7 Kommentare zu „Über Emulatoren – MS-DOS

  1. Wusste gar nicht dass es Grafikfrontends für DosBox gibt :)) Wie lange ich da seinerzeit gebastelt hatte um die CD-Zugriffe für Albion richtig hinzubekommen…. Spass hats dennoch gemacht.Aber der Duke und dessen Engine-Derivate laufen doch auch unter XP, oder vertue ich mich da so sehr???

  2. DND3- Direkt: Läuft, aber ohne Sound und nur in VGA-Auflösung. Zusätzlich rauscht das Teil wegen Speicherkonflikten zumindest bei mir ständig ab.- DOSBox: Mit Sound, aber auch nur akzeptabel in VGA-Auflösung. – Sourceports wie zB. DukeGL: In aller Pracht und sogar mit HighRes-Texturen ;)Shadowarrior:Selbes Spielchen. Gibt AFAIK sogar einen eigenen Sourceport.Blood:Da Atari/Infogrames den Code nicht freigibt, muss heftig gefrickelt werden. Aber es geht.Ich muss mal die diversen Ports und Bastelanleitungen auflisten und zusammenfassen …

  3. @system shock1hatte keine probleme mit ss. alles flüssig in vga. svga gibts doch net, oder?@dukelief bei mir in 800×600 flüssig. man kann doch per shortcut die taktzahl der dosbox erhöhen..vielleicht wär das eine möglichkeit?die grösste herausforderung für mich und die box war bisher riddle of master lu, wegen installation von cd unter dosbox.. aber alles glatt gegangen.@scummvmhatte eine talkie in deutsch von sam&max..OMFG.ich glaub die stummheit der charaktere machte zu einem hohe maße ihren charme aus..monkey island(1,2 und 3) hatteste nicht erwähnt..

  4. Die CD-Version von System Shock konnte man in mehreren SVGA-Auflösungen spielen.

  5. Bei ScummVM liegt der Quelltext offen. Es ist also jedermann möglich, nach Rechtsverletzungen darin zu suchen. Offenbar ist es LucasArts bisher nicht gelungen, auch welche zu finden. Daher bedient man sich irgendwelcher inhaltslosen Blähworte wie „geistiges Eigentum“. Sicherlich ärgert sich der George bloß über die fehlenden Handbuchabfragen.

  6. Ich teste die neueren Dos Spiele (so ab 1993) eigentlich immer erstmal mit VDMSound, da DosBox auf meinem Laptop (1 GHz Klasse) doch einiges an Resourcen benötigt. Toonstruck und Discworld sind Beispiele, die in der DosBox extrem ruckeln, mittels VDMS aber sehr flüssig und ohne Soundaussetzer laufen. Zu System Shock: da gab es nur 640×480 als Auflösung, da mehr die damaligen Rechner kaum verkraftet hätten. Bei http://www.ttlg.com/forums/showthread.php?t=100041 ist aber beschrieben, wie man die Auflösung höher schrauben kann.

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