Die Zehn Grossen Irrtümer des Gamers, Part One

Wenn man so durch Foren und Blogs und das Usenet streift, stößt man im Laufe der Zeit auf diverse Behauptungen, die immer wieder gerne ungeprüft in die Diskussion eingebracht werden, weil „es ja so ist“. Selbstverständlichkeiten, die sich bei näherer Betrachtung als Vorurteil, als Schutzbehauptung, als haltloses Gerücht oder schlichtweg als blanker Irrtum entpuppen, den jeder mal begehen kann.

Ohne Wertung nach weniger oder stärker „irrtümlich“ folgen hier nun:

DIE ZEHN GROSSEN IRRTÜMER DES GAMERS:

1. Raubkopien sind schädlich!
Das hört man schon seit vielen, vielen Jahren. Zuerst war es der Amiga, der angeblich durch exzessives Kopieren getötet wurde, weil niemand mehr Software für diese Plattform entwickeln wollte. FLASCH! Der Amiga wurde getötet, weil Commodore dem plötzlich einsetzenden Siegeszug des PCs nichts entgegenzusetzen hatte. Auch wenn die letzten Amiga-Modelle leistungsmäßig die damaligen PC-Jahrgänge locker in den Schatten gestellt haben, so waren sie schlichtweg ZU TEUER, um für den sich öffnenden Massenmarkt attraktiv genug zu sein. Diverse Managementfehler und finanzielle Schludrigkeiten haben ihr Übriges zum Untergang der Marke Amiga und der Firma Commodore beigetragen.

Dann werden immer wieder gerne bestimmte Entwickler angeführt, die angeblich wegen Kopien bankrott gingen. Wie zB. Looking Glass. Nein, Looking Glass ging NICHT wegen Kopien zugrunde. Hauptsächlich verantwortlich waren finanzielle Turbulenzen ihres damaligen Publishers, Eidos Interactive. Einen detaillierten Blick auf die Hintergründe des tragischen Geschehens findet man übrigens HIER. Kein Wort von Raubkopien. Kein einziges …

Interessant ist auch der logische Zirkelschluss, den manche Leute in diesen Diskussion anbringen: „Wenn Kopien kein Problem wären, warum packt dann jeder Publisher einen Kopierschutz auf die Scheiben?“. Nun, einen Kopierschutz zu umgehen und/oder Code-Tabellen zu erstellen und zu fotokopieren waren Kinderkram für den Kopierer und Belästigung für den Kunden, seit es Key-Disks gab, die durch regelmäßiges Benutzen natürlich ruckzuck den Geist aufgaben und den Kunden dumm dastehen ließen. Kopierschutz-Systeme haben niemals ihren eigentlichen Zweck erfüllt. Kopierschutz-Systeme werden heute nur noch verwendet, wenn der Verantwortliche paranoid ist und tatsächlich an einen Nutzen glaubt oder wenn der Publisher börsennotiert ist und den (in der Regel ahnungslosen) Aktionären beweisen möchte, dass man gewillt ist die Umsätze zu schützen.

2. MMO/Multiplayer ist die Zukunft
Direkt verknüpft mit dem Thema „Raubkopien“ ist die Behauptung, dass MMO-Spielen und Multiplayer generell die Zukunft gehört. Wer heute keinen MP-Mode anbietet, der verkauft nix!

Nun, das ist so nicht ganz richtig 🙂

MMO-Spiele sind ein neues Genre, dass sich in den letzten Jahren einer gewissen Beliebtheit erfreut. Vergleicht man aber die Mitspieler-, bzw. Abonenntenzahlen von MMO-Spielen mit den Umsatzzahlen von reinen SP-Spielen, so relativiert sich diese Behauptung sehr schnell. MMO-Spiele sind „nur“ ein bestimmtes Genre, dass Leute anspricht, die eben an MMO-Spielen Gefallen finden. Die Immersion, mit der diese Spiele den Teilnehmer „aufsaugen“, führt gerne zu einer gewissen Scheuklappenhaltung, in der man nur zu gerne denkt, dass es ausser MMO sonst nicht mehr viel gibt. Verstärkt wird diese Denkhaltung natürlich auch von den üblichen großkotzigen Pressemitteilungen und Interviewäusserungen der Entwickler, die schlichtweg aus eigenem Interesse hier gerne auf den Putz hauen.

Auch der MP-Part ist in der Regel nur ein Teil des Gesamtpaketes. Manche spiele nur Multiplayer, andere nur Singleplayer, dritte beides. Man muss nicht ums Verrecken einen MP-Part in jedes Spiel einbauen. Vor allem Rollenspiele funktionieren tatellos als SP-Spiel (und werden auch entsprechend verkauft), weil sie auf narrative Strukturen setzen, die in einem MP-Spiel nicht realisiert werden können. MMO und Multiplayer sind für bestimmte Genres wichtig, keine Frage. Aber sie sind NICHT die Zukunft. Sie nur nur ein Teil der Zukunft!

3. Innovativ ist besser!
Ja, natürlich (!) ist Innovation besser. Aber Spiele werden nicht gemacht, um die Menscheit geistig-moralisch voranzubringen, sondern um für Publisher und Entwickler Profite zu erwirtschaften.

Innovation gilt in der Branche sogar als ausgesprochenes Kassengift. Innovative, hervorragende und erstklassig gemachte Spiele, die jedoch wie Blei in den Regalen liegen bleiben, sind Legion. Entwickler wie Publisher haben ihre bitteren Lektionen gelernt. Wie sehr trauere ich zB. den ersten Entwürfen und Gameplay-Konzepten von Warcraft 3 hinterher, die jedoch später zu Gunsten eines „herkömmlichen“ und traditionellen RTS-Ansatzes weichen mussten. Weil zuviel Innovation den Kunden verschreckt. Weil der Kunde im Grunde immer nur das Gleiche will. Die Graphik darf gerne aufgehübscht werden, das Spiel MUSS jedoch oftmals unverändert bleiben. Weil man sich nur ungern umgewöhnen möchte. Denn für einen Großteil der Kundschaft sind Spiele keine elementarer Lebeninhalt, sondern simple Freizeitunterhaltung, die man ohne große Anstrengung locker-flockig-leicht konsumieren möchte. Jede Abweichung von der Norm stört daher. Innovation darf, wenn überhaupt, nur in kleinen, homöopathischen Dosen verabreicht werden.

4. Savepoints machen Spiele schwerer
Hierzu sage ich nicht mehr viel. Savepoints machen ein Spiel nur länger. Fertig, Aus. Diskussion beendet! Wer anderer Meinung ist, hat unrecht und ist selber doof!

5. Graphik ist nichts, Gameplay ist alles
Hier muss mich etwas an die eigene Nase fassen. Denn ich bin jemand, der gerne lautstark über Graphikblender herzieht und „Gameplay, Gameplay uber alles!“ intonierend jeden einzelnen Pixelshader verteufelt.

Nun, auch dies ist sooo nicht ganz richtig … ich möchte dies mit einem einfachen Beispiel erläutern, ohne mich in ellenlangen Erläuterungen zu ergehen.

Betrachten wir die graphische Evolution, welche die Final Fantasy-Spiele im Laufe der Jahre durchgemacht haben. Von den 16 Farben und groben Blockgraphiken eines NES-Spieles, über die gerenderten Hintergründe eines FF VII bis hin zum aktuellsten HD-Trailer des angekündigten Final Fantasy XIII für die PS3. Im Grunde hat sich am Gameplay nicht viel geändert. Doch, ganz ehrlich, ich würde ein 16 Farben-Blockgraphik-Soundgepiepse heute nicht mehr mit der Kneifzange anfassen. Vielleicht für ein, zwei Stunden, um ein wenig im Retro-Rausch zu schwelgen, aber so richtig ernsthaft spielen, bzw. dafür sogar Geld ausgeben? Näääää!

Gameplay IST wichtig! Ohne eine gutes Gameplay-Konzept nützt mir die schönste Graphik nichts. Gameplay *MUSS* *IMMER* an erster Stelle kommen. Doch ich habe nichts, überhaupt nichts gegen ein gediegenes, optisches Feuerwerk einzuwenden. Graphik ist nicht so sehr wichtig, aber gute Graphik möchte ich nicht mehr missen.

Und morgen geht’s weiter mit den nächsten fünf großen Irrtümern!

16 Kommentare zu „Die Zehn Grossen Irrtümer des Gamers, Part One

  1. Weiter so Herr Harzzach! Nichts gegen Deine Civ4-Sucht, aber ich fand es wurde Zeit, sich wieder den großen, weltbewegenden, polarisierenden Themen zuzuwenden.Ich warte mit Spannung auf Teil 2.-Ein Stammleser

  2. Einspruch!Son bischn zumindest…Ich würde auch heute noch so manchen Klassiker spielen, aber von der Grafik mal ganz abgesehen:Wer möchte denn heute noch wie bei Bard’s Tale Karten zeichnen?!Oder wie bei Doom 1 und 2 ohne Maus zocken?!Zumindest ich bin zu bequem geworden, mich stundenlang erstmal mit nem Spiel vernünftig zu beschäftigen 😦

  3. Sollte ich irgendwann BtS über haben, möchte ich mich wieder an die drei „Eye of the Beholder“-Teile setzen. Inklusive Kartenzeichnen!Ich bin Dipl. Ing. Kartographie (FH). Ich muss meine Fähigkeiten wieder etwas einüben, bevor ich sie ganz vergesse 🙂 Ich habe hier auf der Festplatte das etwas seltsam zu bedienende, aber sonst wunderschöne Programm „Campaign Cartographer“. Ursprünglich zur Visualisierung von Pen&Paper-RPGs gedacht, kann man damit auch herrliche Spielekarten produzieren.Nee, stimmt aber schon. Im zweiten Teil sage ich auch was dazu.

  4. Oder wie bei Doom 1 und 2 ohne Maus zocken?!Mausunterstützung war wie beim Vorgänger Wolfenstein 3D drin. Und ich war vermutlich der einzige, der sie benutzt hat. ;-)Nur bei Descent mußte ich, nachdem sich der Maustreiber dort regelmäßig nach einiger Zeit verabschiedet hat, auf den Joystick umsteigen.

  5. FLASCH!*g* habs dir mal mit meiner mouse gesture angestrichen, genauso wie „tatellos“ok, nun zu den irrtümern:raubkopien:ja, hast recht, amiga ist nicht wegen der kopien vor die hunde gegangen und da es wirklich überhaupt keine glaubhaften statistiken für entstandenen schaden gibt, ist die diskussion darüber genauso hinfällig wie das wort „raubkopie“. allerdings wär ich als softwareproduzent schon beunruhigt, wenn niemand mein produkt illegal sharen wollte..der einzige kopierschutz, der wirklich hilft ist starforce oder (in manchen fällen) die zwangsonlineregistrierung.mmo sind die zukunftcommunity sux, sometimes. ja, ich habe internet, aber ich will nicht:meine bookmarks, meine fotos, meine musik und meine sonstigen interessen mit ALLEN sharen. das gleiche gilt für spiele: ich glaube seitdem ich bei wow den trollkönig erst killen durfte, nachdem ich eine halbe stunde in der schlange stand, gehen mir mmo´s gegen den strich. diese art von spielen kommen eigentlich nur in frage, wenn ich einmal lust auf ein rollenspiel mit null atmospäre hab, vorher nicht. innovationeninnovativ muss ja gar nicht unbedingt das spielprinzip sein. es reicht ja meistens aus etwas am setting zu ändern(wwii, anyone?)savepoint, derein relikt aus konsolenportierungen ohne spielerischen wertgrafik nix, gameplay allesdas würde ich so unterschreiben, da es ja wohl einen grund geben muss warum ich mir die augen beim zocken von alten dos, gba, snes, megadrive, etc freiwillig ruiniere..

  6. Ohje, noch mehr entdeckt. Das kommt davon, wenn man in der Hektik ein Posting einfach so dahinrotzt 😉

  7. Wenn man hier ein paar Wochen liest hat man sich eh so an das Geschluder gewöhnt, daß man selber kaum noch in der Lage ist nen ordentlichen Satz zu dingsen….na…machen halt ! Also da wo stört mich nich mehr.

  8. ..und was heisst „FLASCH“? ist das a)ein kosewort für flascheb)denglisch für „Blitz“c)“FALSCH“ fast fehlerfrei ich brauch n joker:D

  9. @stefanstarforce: gibt es irgendeine neue Version die nicht umgangen werden kann???Das würde mich jetzt aber wundern.(Spiele seit 3 Monaten nichts aktuelles, nur meine alten Lieblinge auf neuem Rechner.)Zwangsonlineregistrierung:Letztens erst WoW Burning Crusadegespielt. Ein paar Reitviecher spawnen lassen, meiner Blutelfe auf den Hintern geschaut und ein bisschen durch die Welt gestreiftohne der unschuldigen Fauna was zu tun(Gamemaster Mode on).Warum wollt ihr den netten Viechern bloss ständig ans Leder?

  10. Tja, leider ist es wirklich so, daß „damals“ Spiele „programmiert“ wurden und heute werden sie nach den Regeln des Marktes „produziert“.Jedes jahr Fifa und Need for Speed, Lucas Arts machen nur noch Star Wars…Auch wenn moderne Spiele durchaus etwas „bequemer“ sind werde ich mal meinen Amiga reaktivieren und mich hoffentlich bald auch mal an ein paar Playstation Klassiker machen.Kennt jemand „Shadow of the Colossus“?

  11. @kayinich bin auch ziemlich raus in bezug auf aktuelle spiele. welches programm kann denn starforce emulieren? daemon mit stpd?naja, auf jeden fall war starforce FRÜHER unkopierbar(z.b. splinter cell fällt mir da ein)

  12. Starforce war nicht „unkopierbar“. Es hat aber einige Monate gedauert gedauert, bis man der Funktionsweise dieses Systems auf die Schliche kam und erste Tools wie zB. „Starfuck“ für die Leute erstellt wurden, die nicht jedes Mal die Laufwerke händisch abklemmen wollten. Spätere Versionen wurden „einfach“ aus der Exe gepfriemelt.Starforce war aber hart an der Grenze, was man einem Kunden an Kopierschutz zumuten kann. Technisch wäre da noch sehr viel mehr drin gewesen, aber dann wäre das Spiel auf einem Großteil der Kundenrechner nicht gelaufen. Hat schon so genügend Ärger verursacht, so dass Starforce bis auf wenige Ausnahmen kaum noch verwendet wird.Ist ein schönes Beispiel, was Kunden erreichen können, wenn sie nur lange genug lautstark meckern und Kaufboykott nicht nur androhen, sondern auch durchziehen.

  13. Moin,also ich bin froh dass ich heute auf die gezeichneten Katen anderer zurückgreifen kann. Früher hatte ich den Dungeon von Bloodwych einigermaßen im Kopf, aber ca 17 Jahre ist schon ein Weilchen, da darf man mal vergessen wo der olle Schlüssel versteckt ist^^. Und die Grafik ist mir grade recht. Klar ist der Unterschied gewaltig, aber für das Game reichts allemal. Ich habe zig Stunden dran gezockt, und das Spiel war grad mal 340KB groß, wenn ich mir dagegen Oblivion ansehe (mehrere GB) *hust*…Also über eine Neuauflage des original Bloodwych würd ich mich mehr freuen als über Oblivion2.MfG, Clobon

  14. Vielleicht fassen wir aktuelle computerspiele in 10 oder 15 Jahren auch nur noch mit der Kneifzange an? Ich habe meine ersten Computerspiele 1984 auf einem Atari gezockt und mir fehlen immer wieder die Worte, wenn ich mir den riesigen Fortschritt zu den heutigen Spielen bewusst mache. Wenn ich in 15 Jahren noch lebe, dann zocke ich sicherlich mit einem Cyperhelm auf meinem Kopp!

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