Wohin die Reise geht

Obwohl man genau weiß, dass Spekulationen über den zukünftigen Verlauf eines bestimmen Sachverhalts in aller Regel nur Spekulationen bleiben, so hält mich dies nicht ab, hin und wieder den Wahrsager zu geben und die Zukunft der Spiele-Branche zu weissagen. Nun sind wieder einige Monate ins Land gegangen, es haben sich neue Trends ergeben, andere wurden gefestigt. Zeit für eine neue Runde wilder Spekulation 🙂

Trends, die bleiben werden:

– InGame-Advertising
Auch wenn ich es persönlich hasse wie die Pest, so werden wir in Zukunft mehr Werbung in Spielen zu sehen bekommen. Auch wenn die Wirksamkeit derzeitiger Ingame-Werbung umstritten ist, derzeit also noch viel experimentiert wird und selbst Branchengrößen wie Sony-Chef Howard Stringer und Bob Kotick von Activision derzeit InGame-Werbung skeptisch gegenüber stehen, so werden wir dennoch immer öfters Werbung zu sehen bekommen. Man wird Werbeformen finden, welche den Gamer nicht abschrecken, welche wahrgenommen wird. Zudem werden Marketing-Agenturen schon alleine aus Selbsterhaltungsgründen Firmen mit dicken Werbe-Budgets solange mit den tollen Möglichkeiten des InGame-Advertisings zuschwallen, bis diese auf- und Aufträge vergeben.

– Microtransactions, Premium-Accounts
Noch mehr als InGame-Advertising hasse ich eigentlich Microtransactions. Weil das in meinen Augen eine so perfide Abzocke ist, dass eigentlich jeder Gamer mit nur etwas Grips im Kopf merken sollte, wie ihm hier das Geld aus der Tasche gezogen wird. Aber scheinbar gehe ich hier von einem falschen Menschenbild aus, bzw. setze wohl zuviel Hintergrundwissen und Erfahrung voraus. Microtransactions werden künftig einen gewichtigen Teil des Einkommens für Publisher und Entwickler darstellen. Alleine verkaufspsychologisch ist das ein ideales Geschäftsmodell. Anstatt den Kunden einmalig mit einer hohen Summe von Spontankäufen abzuhalten, präsentiert man Inhalte in winzigen Häppchen, die nur wenige Dollar/Euro/Yen kosten. Da kann man schonmal das Portemonnaie für eine Pferderüstung, neue Maps, Strecken, Skins oder ein größeres Inventory öffnen, oder? Kostet doch nicht viel! Und wer merkt sich denn, wieviel Geld man über einen Zeitraum von etlichen Monaten für ein bestimmtes Spiel ausgibt? Um sich noch mehr zu tarnen, verkauft man diese Features auch nicht gegen bares Geld, sondern gegen Points und Miis und andere virtuelle Währungen, die nur den Zweck haben, den Kunden über die tatsächlich zu zahlende Summe zu täuschen. HIERMIT wird man in Zukunft noch viel, viel, viel Geld verdienen können.

– Free to play
Zusammen mit InGame-Advertising, Premiumaccounts und Microtransactions werden wir in Zukunft auch deutlich mehr „Free to play“-Spiele sehen. Wie zB. EA’s „Battlefield Heroes„. Was im MMO-Bereich immer noch als letzter Versuch betrachtet wird, einem sterbendes Spiel neue Mitspieler zu zuführen, scheint sich allmählich als normale Geschäftsstrategie zu etablieren. Vor allem in Asien sind F2P-Spiele der große Renner, die ihren Umsatz vor allem mit Microtransactions machen. Und angesichts der manchmal nur tragisch zu nennenden Versuche, mit aller Gewalt an Blizzards WoW-Thron zu kratzen, sollten neue Spiele eher das F2P-Prinzip verfolgen, anstatt auf das Subscription-Modell zu setzen.

Trends, die hoffentlich bleiben werden:

– Indie-Remakes
Was in Hollywood schon lange Alltag ist, könnte für so manchen Entwickler und Publisher der Ausweg aus der Kostenfalle darstellen. Die Entwicklung von Toptiteln kostet immer mehr. Alleine Crysis soll 30 bis 40 Millionen Dollar gekostet haben. Dazu kommen in der Regel noch horrende Marketingausgaben, wenn man sicherstellen möchte, dass diese Produktionskosten auch durch entsprechende Umsätze wieder eingespielt werden. Schaut man sich alleine nur das Marketingfeuerwerk an, welches MS letzten Sommer wegen Halo 3 abgefackelt hat, dann wird schnell klar, dass eine derartige Kostenexplosion nicht lange gut gehen kann. Entweder man findet Auswege oder die Spielebranche wird in einigen Jahren nur noch max. zwei, drei großen Konzernen dominiert, die oligopolartig den Markt schön unter sich aufgeteilt haben.

In diesem Artikel wird ein möglicher Weg aus dieser Kostenspirale gezeigt. Man schaut sich in der großen, weiten Indie-Szene nach spritzigen und witzigen Ideen um. Dann kauft man dem Entwickler diese Ideen ab oder stellt sich gleich selbst ein, damit sie mit vergleichweise geringen Kosten ihr Spiel tauglich für den Massenmarkt machen. So ist „Portal“ mittlerweile nicht nur ein großer Erfolg, sondern auf dem besten Weg dank CompanionCube-Madness ein kulturelles Phänomen zu werden. Oder nehmen wir „Mythos. Anstatt sich selber etwas auszudenken, haben Flagship einfach Travis Baldree geholt, der mit „Fate“ den bis dato besten Diablo-Klon quasi im Alleingang erstellt hat.

Wohin wird die Reise also gehen? Mehr Werbung, mehr verdeckte Microtransactions, viel (!) mehr F2P-Spiele und angesichts eines immer stärker wachsenden Casual Games-Markts immer mehr frische, unkomplizierte Spiele-Ideen. Ob das alles gut oder schlecht ist, will und kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich finde es gut, dass sich grundsätzlich etwas ändert. Denn „Stillstand ist der Tod“, wie schon Herbert Gröhlemeyer zu erzählen wusste 🙂

2 Kommentare zu „Wohin die Reise geht

  1. Yo, bleibt alles anders ;-)Bezüglich Micropayments: Kam letzte Nacht son Kurzbericht, u.a. über n Online-Fußballspiel. Beliebtestes Add-on: Andere Frisuren für die Spieler…Denke, es wird bei allen anderen Medien auch sein: Klar gibts Blockbuster, aber es wird auch „Fernsehfilme“ (Xbox live und wie sie alle heißen) und „Serien“ geben.Die Auswahl wird sicher größer und die Studios werden sich noch mehr darüber beschweren, daß nicht alles gekauft wird, was auch angeboten wird.

  2. Die Welt der F2P-Games habe ich vorletztes Jahr schon erforscht. Allerdings hat das Geschäftsmodell bei mir nicht funktionert. Irgendwie wollte ich kein Geld ausgeben. ;-)Also bitte gern mehr F2P!Ingame-Werbung stehe ich gelassen gegenüber. Das Problem wird sich genauso wie bei Browsern lösen (Stichwort Adblock).

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