Das einzig wahre Multiplayer-Spiel

Obwohl ich mich derzeit über alle Maßen freue, dass Battlestar Galacticas vierte Season endlich gestartet ist, so gibt es doch noch etwas anderes, über das ich mich eigentlich noch mehr freue.

Denn demnächst wird Maus und Keyboard aus der Hand gelegt, der DS zugeklappt, der Rechner ausgeschaltet und somit der Hitzetod des Universums um einige Nano-Sekunden nach hinten geschoben. Denn demnächst werde ich ENDLICH wieder in ein Rollenspiel eintauchen. Nein, kein CRPG, kein MMORPG … ein Rollenspiel. So richtig. Mit Würfeln und Papierbögen. Mit Phantasie. Mit Spass 🙂

Ich freue mich unter anderem deswegen so, weil es eine Gruppe alter Säcke, verheiratet, mit Kindern gesegnet, schwer im Berufstress stehend, endlich (!) geschafft hat, sich künftig zweimal im Monat zu wilden, satanischen Ausschweifungen und Schwarzen Messen zu treffen. Früher ™ war das alles ja nie ein Problem. Es wurde sich Freitag abend getroffen, nur um irgendwann am Sonntagnachmittag verwildert, grunzend und vollkommen derangiert den mühseligen Weg zurück in die handelsübliche 08/15-Zivilisation anzutreten, damit man es bis zum Schul- oder Vorlesungsbeginn am Montag morgen noch rechtzeitig schafft, zumindest den Anschein von gesellschaftlich akzeptierten Verhaltens zur Schau zu stellen. Heute jedoch scheidet bei vielen das Wochenende komplett aus. Da will man sich vom Stress der Arbeitswoche erholen und dem Nachwuchs nachdrücklich in Erinnerung bringen, dass der „Onkel da“ in Wirklichkeit der biologische Vater ist. Und unter der Woche fällt es auch den bislang kinderlosen Säcken schwer, bis in die Puppen zu zocken, da der eigene Körper mittlerweile seinen Schlaf braucht.

Aus reiner Bequemlichkeit benutzen wir „Midgard„. Nicht, weil wir das System so toll finden, sondern weil es ein Regelsystem ist, dass wir alle kennen. Wenn man sich nämlich nur zweimal im Monat treffen kann, sollte gespielt und sich nicht erst allmählich in ein neues Regelsystem eingearbeitet werden. Denn wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Die Zeit rennt uns mittlerweile mit Warpspeed davon, wenn man miterlebt, wie der kleine Säugling von eben plötzlich seinen dritten Geburtstag feiert. Und wir spielen ohne Gamemaster, weil wir keine Powergamer sind, Regeln nur groben Richtlinien entsprechen und der inspirierende Zufall unser bester Freund ist.

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Pen & Paper – Rollenspiele! Hmmmm …
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16 Kommentare zu „Das einzig wahre Multiplayer-Spiel

  1. Da wird man direkt neidisch, da ich hier im Ruhrpott seir Jahren keine passende Gruppe mehr gefunden hab, meist viel zu junge kids…

  2. Ohne Gamemaster?Das interessiert mich jetzt doch. Wie kommt ihr dann zur Story?

  3. Um es höflich auszudrücken: „Unsere Art des Spieles benötigt keinen ausgefeilten Plot.“Um es aus der Warte eines angenervten Game Masters zu sagen: „NEIIINNN! Nicht schon wieder! Mein Plot! Ihr habt schon wieder meinen Plot kaputtgemacht!“Es gibt nur grobe Ziele, wie zB. in einer bestimmten Zeit zu einem bestimmten Ort zu gelangen, um dort den Großauftrag XYZ abzuwickeln. Die Motivation eines jeden Partymitglieds kann dabei ganz unterschiedlich sein, wichtig ist jedoch, dass alle zwar „in character“ handeln, aber dennoch die Gruppe zusammenbleiben muss. Details oder Nebenquests werden dann „on the fly“ von einem Mitspieler eingebracht. Und „on the fly“ macht dann der Rest mit und füllt das Gerüst mit Handlung und weiteren Details. Das Endziel der Reise ist dabei gar nicht so wichtig. Die Reise als solche ist das Ziel.Man läuft zwar Gefahr, dass dann ein Abend rein spieletechnisch kollabieren kann, wenn alle zu fertig oder angenervt für solche kreativen Eigenleistungen sind, aber es hat den unbestreitbaren Vorteil, dass JEDER mitspielt und nicht über Monate hinweg nur den Stress des Masterns hat.

  4. Vollstens Ack. Aber so was von.MIch kribbelts ja auch schon wieder in der Würfel- und Bliestifthand, denn wir werden wohl bald auch wieder zocken. Wir sind zwar alle noch ein bißchen jünger (vermute ich), aber wenn nach dem Studium der Lehrer, der Assistenzarzt, der Physiker und der Koch (hört sich fast an wie ein Greenaway-Titel:) irgendwie zusammenfinden müssen, sehnt man sich ganz schnell nach Schul- und vor allem Studienzeiten, wo wir über Jahre hinweg mindestens einmal pro Woche gespielt haben. Und wir haben noch nicht mal Kinder!!1Elf!Drölf!!*räusper* Wir wollen mal wieder World of Darkness spielen, also Vampire, Werwolf, so in die Richtung, werden uns aber wahrscheinlich an „Mumien: die Wiedergeburt“ versuchen.In diesem Sinne: Viel Spaß beim Zocken!

  5. Als Rollenspieler über 30 kommt mir das doch alles sehr bekannt vor. Ich kenne zwar auch noch viele Rollenspieler, aber die haben a) entweder wenig Zeit wegen Familie und Job, sind b) über ganz Deutschland verteilt oder c) ein gutes Jahrzehnt jünger als meine Wenigkeit und pflegen einen gänzlich anderen Rollenspielstil…Ein Rollenspiel ohne Spielleiter ist zwar nicht meins, aber ich wünsche euch trotzdem viel Spaß!

  6. Nachtrag:Erstens meinte ich natürlich die Bleistifthand, und zweitens würde mich ja schon wundern, wer dann die ganzen NPC konzipiert und spielt. Wer beschreibt die Orte, zu denen ihr reist, sind die bevölkert oder leer? Wer übernimmt dann die Bevölkerung? Was ist mit Kämpfen?? Also als selber Meister seiend, finde ich, dass das schon ein ungewöhnliches Konzept ist.

  7. Wow, hört sich nach P&P Nethack an ^^Alleine das Zuschauen macht da bestimmt schon spass, wenn jeder seine ideen in die nächste lokalität/Person/usw. einfliessen lassen kann, da kann jeder sich sein fleckchen suchen und daran basteln!’the Devteam thinks of everything‘ 😀

  8. Na da kann ich jetzt auch nicht mehr die Klappe halten. Schliesslich bin ich das wandelnde Regelwerk der Gruppe. Wir haben einfach mal ausprobiert, wie die Plausibilitaetsklausel funktioniert. D.h. alles was plausibel erscheint ist machbar.Und ueberraschender Weise wird dann aus der One-to-Many/“Gamemaster erzaehlt, Gruppe spielt“-Nummer eine wunderbare „InstantStorytellung“ Geschichte die echt Spass und Spannung bringt, weil man den Faden halt nicht selbst strickt. Und das allen Beteiligten inkl. GM, den es nicht gibt.Klar wird es Konflikte geben, die der „alltimeGM (ICH)“ loesen muss, aber bei disziplinierten und intelligenten Spielern kommt das fast nie vor. Und ich bin aus der Situation raus, mir Plot, Mobs etc. ausdenken zu muessen. Faktisch muesste man das einfach mitschreiben und ich denke es kaeme was tolles bei raus… (remember Lauflichtkobold? ™) und die groben Ziele, Reiseziele, Aufgaben steckt man einfach vorher ab… Ich schliesslich mich Harzzach an, ich freu mich wie Sau… wann war noch mal der naechste Termin?helaron

  9. aber bei disziplinierten und intelligenten Spielern kommt das fast nie vor.Sicher, dass Du damit uns meinst? :)wann war noch mal der naechste Termin?Falls unser Barde nicht kurzfristig nach München muss, nächsten Donnerstag, den 17.04.

  10. Midgard ausgerechnet? Das Regelsystem war doch nicht das unkomplizierteste, oder? Du hast mich aber auf jeden Fall angefixt, auch mal wieder meine alte Rollenspielrunde anzusprechen, ein Ründchen Arcane Codex oder Vampire, das wäre wirklich nett 🙂 Und ich hatte immer das Glück, einen guten und flexiblen GM zu haben – na gut, wir waren auch als Spieler immer hinreichend plot-hörig 😉

  11. Midgard ausgerechnet? Das Regelsystem war doch nicht das unkomplizierteste, oder?Zugegeben, es gibt einfachere Systeme. Aber da wir unseren Spielschwerpunkt auf soziale Interaktion, respektive chaotisch-intuitives Erforschen aller nur undenkbaren Handlungsmöglichkeiten legen, bilden diese Regeln lediglich einen groben Rahmen. Man könnte aber sagen, dass wir unseren Spielstil auf verblüffende Weise dem Midgard-System angepasst haben, in welchem der Zufall über den sog. „Kritischen Fehler“ eine sehr große Rolle spielt 🙂

  12. Ach Harzach und Co.. ihr werdet mir immer sympathischer…Ich werde es wahrscheinlich erst im Altersheim;-)schaffen wieder eine P&P Gruppe zusammenzubringen obwohl mit Alzheimer … wird bestimmt lustig :-))tja war früher alles besser hust keuch Roleplay mit 25 Leuten und drei Mastern im Studentenwohnheim

  13. Magisterarbeitsbedingt habe ich so einige Bücher über Spiele in der Hand gehabt, mitunter auch solche, die Rollenspiele thematisieren. Wenn dich interessiert, was man (mehr oder minder) wissenschaftlich über P&P-Rollenspiele sagen kann, empfehle ich dir wärmstens den Reader „Second Person“ (http://mitpress.mit.edu/catalog/item/default.asp?ttype=2&tid=11000)!Da ging mir sowohl als Spieler als auch als Forscher das Herz auf, als ich den einen oder anderen Artikel darin gelesen habe!

  14. Ahh, danke für den Tip! Bin immer zu haben für gute Sekundärliteratur über Spiele (gleich ob analog oder digital).

  15. Ist das so? Dann habe ich bestimmt noch einige Hinweise für dich. gamestudies.org kennst du? Wenn nicht, wärst du erstmal ein paar Tage beschäftigt. ;)Und sonst können wir gern mal mailen/chatten, dann können wir besser verhandeln, was dich noch interessieren könnte!

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