Gegenargumente

Neben dem Klassiker aller Urban Legends für Software-Publisher, Kopien würden die Umsätze beeinträchtigen, gibt es eine zweite, sehr beliebte Vorstellung: Die Vorstellung, dass der Handel mit gebrauchter Software die Umsätze mit neuer Ware schädigen würde!

*kreisch* *panik* *entsetzen*

Und deswegen äussern sich immer wieder besorgte Industrie-Vertreter oder Lobby-Vertreter (aka Spiele-Journalisten) zum Thema „Gebraucht-Software“ und beschwören die schrecklichsten Weltuntergangs-Szenarien herauf, wenn hier nicht endlich … usw. usf.

Wer angesichts dieser Meinungen das Gefühl hat, laut schreiend seinen Schädel gegen die nächstbeste Wand zu knallen, damit der Schmerz über soviel kurzsichtige Dummheit und Gier nachlässt, dem empfehle ich die Lektüre dieses Artikels:

Don’t attack used video games cause they hurt your feelings

Nicht nur, dass hier der gesunde Menschenverstand mit gut ausformulierten Gegenargumenten bestätigt wird, Michael Sherrin liefert auch etliche Links und Verweise, welche die These unterstützen, dass der Handel mit Gebraucht-Software der Branche in Wirklichkeit nützt und nicht schadet. Dass diejenigen, die sich über den Handel mit Gebraucht-Software beklagen, grundlegende Prinzipien des Kapitalismus und des freien Marktes nicht verstanden haben, weil sie der Meinung sind, ein Anrecht auf sichere, planbare Umsätze zu haben. Weil Geld ja auf Bäumen wächst und die Kaufkraft der Zielgruppe unendlich ist.

Es war immer wieder erstaunlich, wenn ich von sehr netten, schlauen und hochintelligenten Menschen, die ich in der Branche kennenlernen durfte, immer wieder derartigen Unfug zu hören bekam. Wie auch beim Thema „Kopien“ so wurde aus Pank und Angst plötzlich jeglicher rationaler Gedankengang aus dem Verstand verbannt und wild fluchend darüber schwadroniert, wie man verhindern kann, dass Kunden ihre erstandene Software wieder verkaufen können. Da wurde Steam bejubelt, weil diese rein rechtlich gesehen, ihren Kunden verbieten können (und dies auch tun) Handel mit Steam-Accounts zu betreiben.

Wer übrigens gebrauchte Steam-Spiele erstehen möchte, der sollte sich einfach mal in diversen Ab18-Auktionsbörsen umsehen. Oder nach Eingabe einiger passender Suchbegriffe sich in vielen, vielen Foren (wie zum Beispiel diesem hier) umsehen und feststellen, dass Steam-Accounts (und somit ihre Inhalte) gehandelt werden, wie jede andere Gebrauchtware auch.

Ja, immer wieder lustig, wenn die Realität ihr häßliches Haupt erhebt und all die schönen Wunschvorstellungen in den staubigen Boden trampelt 🙂

9 Kommentare zu „Gegenargumente

  1. „Weil Geld ja auf Bäumen wächst und die Kaufkraft der Zielgruppe unendlich ist.“Ja, und weil Gaming „Mainstream“ geworden ist, auch mehr Konkurrenz da ist. Vielleicht kauf ich mir mal keine Audio CD, sondern n Spiel. Vielleicht kaufe ich mir dieses eine Spiel nicht, kaufe aber dafür eine DVD.Hab mal irgendwo gelesen, daß zurückgegangene TV Zuschauerzahlen direkt mit dem Start von Halo 3 verknüpft wurden ;-)Ein Spiel kostet 30-60€…die Erscheinungen sind nicht mehr so übersichtlich wie vor 10 Jahren, wer soll das bezahlen?!(Immer diese Gedankensprünge)

  2. Jepp, mit ein Grund für die Wirrnis in nicht wenigen Köpfen der Branche ist der Umstand, dass man scheuklappenartig nur sich selbst und das eigene Produkt wahrnimmt. Dass man aber nicht nur mit anderen Publishern, sondern mit sehr viel mehr Faktoren um die Kaufkraft des Kunden buhlen muss, haben nur wenige Verantwortliche verstanden.Ich selbst gebe ja in letzter Zeit unverschämterweise mehr Geld für Bücher als für Spiele aus. Man kann daher schon sagen, dass der Buchhandel eine Bedrohung für die Spielebranche ist und daher mit Sanktionen gedroht werden muss 🙂

  3. Ja, genau das ist das Einfallstor, um dem Gebrauchthandel den Garaus zu machen … nur, um nur einige Zeit später festzustellen, dass der Umsatz mit Neuware erheblich einbricht, weil dem Kunden seine in der (alten) Neuware gebundene Kaufkraft nicht mehr für zusätzliche Neuware zur Verfügung steht.Aber hey, die MI war schon immer gut darin, sich selbst komplett ins Aus zu schiessen 🙂

  4. Auch wenn ich mich wiederhole:Einem guten Manager sollten die realen Verhältnisse bewusst sein, sonst muss man an seinen Fähigkeiten als solches zweifeln.Aber gesetzt man bringt den Gesetzgeber tatsächlich dazu diese idiotischen Argumente zu glauben und die Gesetze zu ändern, dann kann man noch mehr Geld scheffeln.So wie die Verschärfung des Urheberrechts dazu geführt hat, das neben dem Verkauf von Software auch Geld vor Gericht eingeklagt werden kann, weil Raubkopierer dem Umsatz schaden.Es geht nicht um Schadensbegrenzung wie die Leute behaupten, sondern um eine weitere Einnahmequelle.

  5. Gerade Steam ist meiner Meinung nach ein Beispiel, was den Gebrauchtspielhandel einschränkt.Wenn ich heute einen Steam-Acount mit 3 Spielen habe, kann ich die doch wohl nur zusammen verkaufen, oder liege ich da falsch (man korrigiere mich, ich habe kein Steam)? Niemand käme auf die Idee, ich müsste diese Spiele zusammen verkaufen, wenn ich sie als physische CDs/DVDs hätte, auch wenn ich sie vielleicht zusammen gekauft habe.Gab es bei der Veröffentlichung der Orange Box nicht viel Geschrei, da viele natürlich HL 2 Episode 1 schon hatten? War die ‚Lösung‘ von Valve nicht die, dass man die schon vorhandene HL 2 Epsiode 1 verschenken konnte? Da floss sicher auch über andere Kanäle Geld bei diesen ‚Geschenken‘. Niemand wäre auf diese Idee gekommen, wenn es diese Spiele ohne Steam-Bindung geben würde. Da hätte jeder ohne Probleme und ohne die Gnade von Valve sein HL2 Episode 1 verkaufen können.

  6. Richtig, du kannst keine Einzeltitel aus Deinem Steam-Account lösen. Von kundiger Seite wird daher auch empfohlen, für jedes Spiel einen einzelnen Account anzulegen, dessen Zugangsdaten man dann verkauft.Das freut Valve nicht wirklich, weil dadurch die Steam-Nutzerzahlen verfälscht werden und der Handel mit Accounts ja laut AGB meines Wissens auch untersagt wird. Aber wen interessiert schon, was in irgendwelchen AGBs steht und wieviel Nutzer Steam wirklich hat 🙂

  7. jepp, steam is sone sache mit gebraucht-waren. aber stardock (galciv2, sins of a solar empire, etc) ist genauso.echt ne miese sache, wenn man wie ich eine retail-version gebraucht bei ebucht usa bestellt und beim installieren feststellt, das weder patches noch add-ons (!!) damit laufen, da man sich als 2.käufer nicht registrieren kann. ich habe quasi eine „raubmörderkopie“ gekauft, in schöner packung – immerhin. aber mehr rechte habe ich dadurch nicht.

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