Cheaten vs. Beheben von Gamedesign-Fehlern

Ich habe mir lange überlegt, ob ich etwas zur Klage von Blizzard gegen die Ersteller des Glider-Bots sagen soll. Im Grunde könnte mir das egal sein. Ich nutze diesen Bot nicht. Ich nutze andere Bots nicht und es kratzt mich nicht, wenn andere Spieler diese Hilfsmittel verwenden. Gerade ein Spiel wie WoW ist groß genug für alle.

Aber, weil hier meiner Meinung nach einige durchaus erwähnenswerte Themenbereiche berührt werden, sage ich doch einige Worte dazu:

Zum Beispiel …

1. Der Glider-Bot existiert, weil es eine Nachfrage nach dieser Art Bot gibt. Von der China-Farmer-Agentur, die nun alle menschlichen Mitarbeiter rauswirft und nur noch Bots einsetzt. Von PvP-Spezialisten, die schnell einen neuen Lv.70-Char aufbauen wollen. Von Leuten, die nur am Endgame-Content interessiert sind und keine Zeit/Lust haben, sich monatelang nur mit Aufleveln zu beschäftigen. Vor allem, wenn sie alle Inhalte von Lv. 1 bis Lv. 69 schon in- und auswendig kennen und beim Gedanken, SCHON WIEDER Skorpione vor Orgrimmar jagen zu müssen, der kalte Schweiss ausbricht.

2. Der Glider-Bot existiert, weil die Nachfrage nach Programmen dieser Art auf einem essentiellen Gameplay-Bestandteil von Spielen wie WoW basiert. Dem Grind! Solange das so ist, solange wird es eine Nachfrage geben und solange wird es Programme wie den Glider-Bot geben. Egal, wie hart sich der MMO-Betreiber beim Account-Ausmisten gibt. Egal, wieviele Prozesse geführt werden.

3. Der einzige Grund, wie eine Benutzung des Glider-Bots das Gameplay von Nicht-Bot-Nutzern negativ beeinflussen kann, liegt in der schnelleren Erlangung von Gold/Loot, welches man zur Manipulation der Preise im Autionshaus einsetzen kann. Dies wirft die Frage auf … warum trifft Blizzard keine Vorkehrungen, um die Auswirkungen solcher Manipulationen abzuschwächen oder aufzuheben? Da draussen, in der wirklichen Welt, gibt es mittlerweile Diplom- und Doktorarbeiten zum Thema „Wirtschaftssysteme und Geldkreisläufe in virtuellen Welten“ wie Sand am Meer. Wieso holt man sich nicht einen Finanz-Experten, der sowohl im Vorfeld eines MMO-Projektes, als auch während des laufenden Betriebes beratend zur Seite steht? CCP haben dies schon für Eve Online getan. Ob mit Erfolg, kann ich leider nicht sagen, aber so muss man das machen, will man nicht seine Zeit mit sinnlosen Klagen vergeuden, da für jeden vom Markt weggeklagten Bot sofort die nächsten beiden in die Bresche springen. Wir erinnern uns? Nachfrage-Angebot und so? MMOs und andere Multiplayer-Spiele sollten idealerweise also nicht cheat-frei, sondern cheat-robust entworfen werden. Ersteres kann sowieso niemals erreicht werden, letzteres hingegen sehr viel eher.

4. Die Argumentationskette, die Blizzard benutzt, um die Illegalität des Glider-Bots nachzuweisen, ist, gelindegesagt, haarsträubend. Denn da der Glider-Bot nicht auf Server-Inhalte zurückgreift, nicht in den Datenverkehr zwischen Client und Server eingreift und auch keine Spieldaten auf der Festplatte des Clients verändert, definiert man einfach den Inhalt des Arbeitsspeichers des Clients, der in diesem Moment von WoW belegt wird, als geistiges Eigentum von Blizzard. Denn von dort holt sich der Glider-Bot die Informationen, die er benötigt. Was natürlich die Frage aufwirft … was zur Hölle geht den Hersteller einer Software den Inhalt des Arbeitsspeichers auf MEINEM Rechner an, der in diesem Moment von seiner Software belegt ist? Es hat schon seinen Grund, dass sich plötzlich auch Organisationen wie die EFF für diesen Prozess zu interessieren beginnen. Die Auswirkungen, wenn das Gericht die Argumentation von Blizzards Anwälten übernimmt, sind immens und berühren uns alle, selbst wenn wir von MMOs noch nie etwas gehört haben und auch nie etwas mit MMOs zu tun haben wollen.

Nein, zu der unterschiedlichen Haltung, die man zu Cheats, Bots und Kauf-Chars haben kann, will ich nichts sagen. Das muss jeder mit sich selber ausmachen. Nur so viel … die Welt geht nicht davon unter, wenn sich jemand in einem Spiel (!) mit unfairen Methoden Vorteile verschafft. Die Welt geht aber unter, wenn man all seine Energie und seinen Protest nur auf harmlose Nebensächlichkeiten wie Cheaten in Computerspielen vergeudet, während da draussen vor der Tür die richtige Kacke am Dampfen ist. Aber hey … lasst Euch nicht stören!

6 Kommentare zu „Cheaten vs. Beheben von Gamedesign-Fehlern

  1. Ich selbst nutze diesen Bot nicht, aber eigentlich eher aus dem Grund das ich keine Lust habe das mein Account gebannt wird als aus anderen Gründen.Ist schon was wahres dran wenn ich daran denke auch nur noch einmal die Quest“Kanonen von Northwatch“ zu machen möchte ich am liebsten meinen Account kündigen.Und auch die Höllenfeuerhalbinsel in der Scherbenwelt ist ein Gebiet was mich nicht unbedingt zum weiter spielen animiert.Ähnlich sehe ich das auch, was das Gold kaufen angeht.Wer die Zeit hat oder sich nehmen mag 5000 g für das epische Flugreiten zu farmen soll das tun.Ich finde es aber auch durch aus in Ordnung sich das Gold zu kaufen sich das farmen zu schenken und sich den Spielinhalten zu widmen die einem persönlich gefallen.

  2. ich würde den bot ja mal gerne benutzen, aber weniger um hochzuleveln (ich gehöre zu den verrückten, dei JEDE quest abarbeiten, selbst wenn sie seid 20 leveln grau ist) sondern eher um zu spielen. nicht um das spiel zu spielen, sondern um MIT dem spiel zu spielen. der eigentumsanspruch auf den speicher ist aber schon mehr als nur eine frechheit. damit liesse sich im extremfall verbieten, dass der benutzer ein programm „abschiesst“, da dies nicht die vom hersteller gewünschte art des programmendes ist und firmen, die eventuell etwas merkwürdigen code verwenden, verklagne automatisiert den anwender, wenn der virenscanner das ram durchsieht. (hmm, die idee sollte ich mir patentieren lassen ;)aber davon abgesehen, egal wieviel wow richtig gemacht hat (bzw besser als andere), es ist einfach kein rollenspiel, dazu fehlt ihm noch einiges und anderes hat es zuviel, wie den ewigen grind, der diese probleme erst erschafft.

  3. ich würde den bot ja mal gerne benutzen …Ich ebenfalls. Und zwar immer dann, wenn man ein ganz bestimmtes Drop-Item benötigt, dieses aber ums Verrecken nicht erscheinen mag. Der Horror schlechthin war für mich die Buchseiten-Jagd im Schlingendorntal. Das Gepäck voll mit aberdutzenden Multiples aller Seiten, bis auf Seite 10, die ums Verrecken nicht droppen wollte. Die ich nach drei Tagen Herumgurkens in dieser Region dann schliesslich im Auktionshaus für teures Geld erstanden habe. HIER würde ich zu gerne einen Bot verwenden, um entweder die eigentliche Grindarbeit zu erledigen oder mir bis dato soviel Gold anzuschaffen, um einfach ALLE Seiten im Auktionshaus zu kaufen.Aber angeblich (was man so von WotLK-Betatestern hört) soll die Quest-Qualität in neuem Addon erheblich gestiegen sein. Kaum noch „Töte x von y!“, sondern scheinbar richtig ausgeklügelte, intelligente Quests, wie man sie sonst nur aus guten SP-Rollenspielen kennt.

  4. *Grummel*Die Welt mag ja nicht untergehen, aber mit diesem Eintrag hast du dich IMHO in unsicher Gewäßer vorgewagt. Es liegt im Interesse uns älterer Spieler, das sie „Spielerei“ kulturell als *Hobby* annerkannt wird.Insofern finde ich die Äusserung die „Welt geht nicht unter“ ziemlich unpassend.Wenn Leuten die Spielerfahrung versaut wird, weil andere Leute zu faul sind sich dieser Erfahrung auszusetzen, dann geht die Freiheit einiger auf Kosten Freiheit anderer. dazu muss ich sagen, das ich von Cheatern in BF2 bereits sensibilisiert worden bin.Dummerweise läuft ea aber im Endeffekt IMMER darauf hinaus, das nicht das „Spiel“ betrogen(cheat) wird, sondern der andere Spieler.Dem „Spiel“ (Software) ist das egal.

  5. aber mit diesem Eintrag hast du dich IMHO in unsicher Gewäßer vorgewagt.Ja, das ist mir bewusst. Ich weiß auch, dass es haufenweise Bots, Cheats und Tricks gibt, deren Anwendung massiv den Spielspass für alle anderen beeinträchtigt. Würde mir auch nicht gefallen. Darum auch meine Aussage, es sei besser künftige Spiele cheat-robust zu gestalten und sich nicht des don-quichott’schen Versuches hinzugeben, Cheats zu verhindern. Du kannst Cheaten nicht verhindern! Das ist nicht möglich. Also musst Du Dein Spiel so gestalten, dass die Auswirkungen auf andere Mitspieler so gering wie möglich sind.Mit „davon geht die Welt nicht unter“ beziehe ich mich auch eher auf die zT. nur hysterischen Reaktionen mancher Leute, die am liebsten lebenslänglich Zuchthaus und Massenvergewaltigung für Cheater fordern, weil sie in ihrer Wohlstandssphäre jegliches Maß verloren haben, was nun WIRKLICH eine Straftat ist und was nur eine Beeinträchtigung des Freizeitvergnügens in einem Spiel bedeutet. Es gibt IMHO genügend andere Dinge, die eher der Aufregung bedürfen.

  6. schlingdorntal: hmmm, das war bei mir so ziemlich die einzige sammelquest die wirklich angenehm war. da die seiten überall rumgeflattert sind wurden die seiten von jedem verschenkt der gerade da war. (und was ich nicht verschenken konnte habe ich für 1 silber ins auktionshaus gestellt)mich ärgern eher solche quests wie „bring mir 10 hölenbären ohren“nicht nur, dass es maximal 1 ohr pro bär gibt, nein, 90% der bären haben nicht mal eines. (oder den goldstaub, den wohl jeder mal in dem dungeon bei goldshire gesammelt hat und dann 10 kupfer dafür bekommen hat. naja, zu dem thema habe ich noch einen blogeintrag, den ich mal fertigschreiben muss.

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