Schön, wenn der Schmerz nachlässt

Und? Seid ihr auch alle schön brav in Leipzsch gewesen, nö?

Wie, nicht? Dann aber nächstes Jahr! Oder doch lieber Kölle alaaf?

Nein? Dann sich wenigstens in Foren in bester Ossi-Wessi-Manier die Köpfe eingeschlagen? *kreisch* THIS IS LEIPZIG!! *brüll* For KÖLN!!!

Auch nicht? Aber, aber … so ne tolle Spielemesse!! Mit ganz doll internationalem Flair. Oder auch nicht. Je nachdem, welcher große Publisher, Hardware-Hersteller, Game-Designer und Konsolenanbieter gerade Lust hat präsent zu sein oder nicht. MS war zB. in Leipzig nur mit einem kleineren Stand vertreten, es gab keine eigene Pressekonferenz, auf der normalerweise janz dolle Spiele vorgestellt werden. Nintendo meinte dankend abzulehnen und tingelt dieses Jahr mit dem Playmobil durch Deutschlands Städte. Sogar Peter Molyneux hatte kurzfristig abgesagt, was auch zu einer kleinen Premiere führt: Zum ersten Mal nach so einer Messe habe ich keine Gelegenheit, Peters wohlfeile Ankündigungen und hochheiligen Versprechungen lachend und feixend in kleine Fetzen zu reissen. Mir fehlt jetzt etwas. Doch, wirklich, ich hatte mich schon so darauf gefreut 🙂

Äh, auf was wollte ich eigentlich hinaus… *grübel* … ach ja, Spielemesse!

Spielemesse, Spielemesse, Spielemesse. Ich wollte früher ums Verrecken immer mit der Firma auf die Cebit. War dann auf beruflich auf etlichen anderen Messen, dann endlich auch auf der Cebit. Wobei zu diesem Zeitpunkt das große BoahhEy längst verflogen war. Messe. Rumstehen, rumreden, rumstehen, noch mehr rumreden. Abends Rum trinken. Morgens rumkugeln, weil man nicht vernünftig aus dem Bett kommt. Wieder rumstehen und rumreden.

Es hat schon seinen Grund, warum nur wenige Stunden vor Ende einer Messe bereits die ersten Stände abgebaut werden und das Standpersonal bei der Frage nach Schlüsselanhängern Dir mit ihren Blicken nur noch bitterböse Löcher in den Rücken brennen kann, während Du mit leeren Händen abziehst. Es hat aber auch seinen Grund, wenn Dir wildfremde Menschen plötzlich irgendwelchen Krempel in die Hände drücken, nur damit nicht SIE das Zeug wieder nach Hause schleifen müssen, sondern Du. Es hat schon seinen Grund, dass eine Messehalle nur Minuten nach dem offiziellen Schluss der Veranstaltung wirkt wie ein Schlachtfeld am Ende eines erbitterten und verbissen geführten Kampfes. Wer noch Laufen kann, rennt mit letzter Kraft zum Parkplatz. Manche schleifen noch Verletzte mit. Andere lassen ihre Verletzten zurück, ganz erfüllt mit dem Gedanken an Flucht.

Messe!

Wer noch nie auf einer Industrie-Messe war, der soll das mal tun. Ist eine recht interessante Erfahrung. Wer noch nie auf einer Messe mit öffentlichem Publikumstag war, der sollte dies auch mal tun. Wer dann noch Bock auf mehr hat, der kann dies gerne auch ein zweites oder drittes Mal machen. Je öfter man sich sowas gibt, desto schneller nimmt man aber Abstand. Privat sowieso und beruflich sucht man Gründe, um sich zu drücken. Intern werden Deals mit jungen, unverbrauchten Angestellten geschlossen, damit man jemand an eigener Statt zur Messe schicken kann. „Da, geh Du!“ „Ohhhh, dankeeeee!“ „Bittebitte, nix zu danken! … armer Trottel …„.

Würde es eine Spielemesse in meiner Nähe geben, ich wäre früher (!) in Nullkommanix hingefahren und hätte mich mit Begeisterung für teuer Geld in lange Warteschlangen und überdrehte Menschentrauben gestürzt. Heute jedoch, heute würde ich nicht einmal mit der Augenbraue zucken, wenn zB. die Games Convention nur ca. 300 m Luftlinie von meiner Wohnung entfernt, im Karlsuher Kongreßzentrum stattfinden würde.

Ich bin sozusagen raus! Harzzach, Sie sind raus!

Weder habe ich mittlerweile Lust auf überhitzte, vor Schweiß triefende Multikörper-Raupen, noch habe ich Lust für teuer Geld Eintritt zu bezahlen, nur um mir Spiele anschauen zu können, die es zT. nur wenige Monate später bereits im Handel gibt oder deren Intro- und Gameplay-Videos es zeitgleich auch millionenfach in der Berichterstattung auf Millionen von Online-Portalen gibt. Nein, ich habe auch keinen Bock auf Autogramme von Richard Garriot oder einen Live-Auftritt von Shigeru Miyamoto. Die Zeiten der Personenkulte sind vorbei. Game-Designer sind auch nur Menschen. Zwar würde ich mich liebend gerne mit Richard Garriot oder noch lieber mit Warren Spector oder Brian Reynolds unterhalten, so richtig (!) unterhalten, aber sollte ich diesen Leuten in Fleisch und Blut begegnen, würde mehr als ein hastig hingekritzeltes Autogramm wohl nicht herausspringen. Selbst ein Interview wäre nicht mehr als das übliche Austauschen der üblichen Fragen und Antwortblasen.

Was soll ich also auf diesen Krakeelveranstaltungen?

8 Kommentare zu „Schön, wenn der Schmerz nachlässt

  1. Man geht VOR dem Beginn der Krakelveranstaltung hin 😉 Da kann man sich auch mit diesen Leuten treffen und mal in ruhe bei einem Bierchen unterhalten.Die Messetage selber sind schrott!Alle preisen sich als die Besten an, erzählen von wundersamen erfolgen und Umsätzen, die kein Mensch nachprüfen kann und versprechen dir sonst was.Ich stimme voll zu: Messe muss einfach nicht sein. Einmal, um es selbst erlebt zu haben – aber öfter? Nein danke… nicht als Aussteller.

  2. naja, was soll man auf ner messe wie der G C? spaß haben!wenn man das nicht kann, weil man „spaß“ anders definiert als: drängeln, schubsen, geschubst werden, von animateuren angeschrien werden, neuigkeiten bestaunen die eigentlich keine sind weils preview schon seit tagen im netz steht…;)s gibt noch leute denen sowas spaß macht, für die es ein erlebnis ist.dafür müsste man aber nochmal kind sein.aber mal ehrlich: zählt man als ü20er noch zur primären zielgruppe der G C ? ich kann es dir also nachsehen,wenn du die g c in leipzig als nicht wichtig ansiehst. allerdings kann und will die massenmesse G C nicht mit der fachmesse CeBit verglichen werden.auf der cebit habe ich selbst ein paar jahre lang während meiner semesterferien bei einem deutschen mittelständler gearbeitet… da gehts doch für sehr viele der ausstellenden firmen nur darum, (groß)aufträge zu angeln und geschäftskontakte mit herstellern zu knüpfen. die G C richtet sich dagegen genau an die auf der cebit verhassten „tütenträger/beuteltiere“.und zum streit „köln/leipzig“ .. ich hoffe, dass leipzig eine bzw DIE weltweite pc-spielemesse bleibt.köln kann sich unter der herrschaft von ea gern mit casual und konsolengames dagegen antreten. und dann gucken wir mal, was die zeit so ergibt.

  3. Naja als jemand der selbst jedes Jahr beruflich auf 2 bis 3 Industriemessen ist (EU + NA) kann ich deine Abneigung nicht ganz nachvollziehen. Solange man keinen Standdienst hat und grad kein Publikumstag ist zumindest. Das einzige Problem das ich mit diesen Messen habe ist das es fast keine Techniker mehr auf den Ständen gibt… nur „Katalogverkäufer“ – aber das tut hier ja nichts zur Sache.Ich fand Spielemessen (die ohne Computer und Konsolen wie z.b. die Essener Spielemesse) übrigens früher immer toll. Brettspiele, TGCs, Tabletops, Life-Rollenspiele usw. usf. GrußD.

  4. Je kleiner die Messe, umso angenehmer. Ich sollte daher wohl präzisieren: Massenaufläufen wie gerade der GC bleibe ich privat fern und würde beruflich zwar dort erscheinen, vor die Wahl gestellt, aber eher auch fernbleiben. Es hat schon seinen Grund, warum die E3 auf Grund massiver Proteste der Aussteller kleiner gemacht wurde. Es ist ein Höllenaufwand und ein Riesenstress, der nicht mehr in vernünftiger Relation zum Nutzen stand.Eine Messe als reines Publikums/Party-Event ist auch nur dann machbar, wenn es genügend Aussteller gibt, die sich davon etwas versprechen. Nintendo versprach sich zB. von der diesjährigen GC nichts, weil man ihrer Meinung nach die Kundschaft besser direkt vor Ort in einem kleinen Rahmen erreichen kann. Auch wenn ich die Enttäuschung vieler Fans, Besucher und Spieler gut nachvollziehen kann, so kann ich die Entscheidung Nintendos sehr viel besser nachvollziehen.

  5. Mir machte die GC auch nur am Mittwoch so richtig Spass… da konnte man immerhin mal vernuenftig was ausprobieren und sich umherbewegen, ohne gleich Angst haben zu muessen, von der naechsten Menschenmasse niedergetrampelt zu werden [lol].Wobei ich privat vermutlich auch nicht wirklich oft hingehen wuerde… denke ich mal. Aber ich mag grosse Menschenauflaeufe ohnehin nicht sonderlich; egal, zu welchem Anlass.

  6. Kenne ich, Cebit Stand aufbauen, usw.ham wa schon, brauch ma nichmehr.Schlieslich bin ich auch Seniorgamer und lase den jüngeren den Vortritt, um die Ding für mich auszuprobieren und zu warten bis die Cracker einen Patch für haben, damit ich meine CD schonen kann. Bioshock und Mass Effekt haben einen funktionierenden Kaufschutz und nur zum Anzocken will ich nicht weit reisen und mir die Füsse in den Bauch stehen.Faszinierendeweise kommen aber vielleicht doch wieder mehr Titel die ich vielleicht haben muss raus.GTA4 PC, Diablo3 Starcraft 2 und für mich erst frisch entdeckt noch einen Prinz aus Persien den ich zimelich sicher haben muss.Und die In-Game-Bilder aus „The Force unleashed“ tun meinem Auge weh…

  7. … und zu warten bis die Cracker einen Patch für haben, damit ich meine CD schonen kannWie schon vermutet, seit zwei Tagen könnte ich wieder Drakensang ohne CD spielen, wenn ich denn wollte. Gibt eine neue, fehlerbereinigte YASU-Version für AMD-CPUs, sodass wieder frisch-fröhlich-frei virtuell gemounted werden kann.

  8. Ich finde das sich die GC zu sehr auf Show ausgerichtet hat. Selber spielen gibt einfach ein erlicheres Bild. Die Hersteller produzieren nur noch späte oder keine Demos mehr. Also gabs nu Trailer und Marktschreier. Und ich bin niemand der sich mit Schlüsselanhängern oder T-Shirts zufrieden gibt. Aber die meisten waren mit solchen Müll zufrieden und lassen sich von den Werbe Äffchen einlullen. Von mir as kann die nächste GC in Neuseeland statt finden, wen kümmert’s?

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