Rätselraten. Oder auch nicht.

Ich denke, ich bin nicht alleine in meiner leichten Verblüffung, wenn es um die angekündigte Schliessung des bekannten und sehr, sehr erfolgreichen Entwicklers Ensemble Studios geht.

Erste Reaktionen landauf, landab: WAS ZUR HÖLLE …?

Nun, es kann nicht daran liegen, dass sich Ensembles Spiele schlecht verkauft haben. Alleine nur von Age of Empires 3 wurden nach eigenen Angaben insgesamt über 2 Mio. Einheiten verkauft. Warum schliesst man ein solches Studio?

Kann es eventuell daran liegen, dass das angekündigte Halo Wars für die 360 von so schrecklicher Qualität ist, dass man das Projekt einstellen musste? Nein, denn laut MS scheint man sehr zufrieden zu sein und will sogar ein kleines Team für den After Sales-Support und weitere Halo Wars-Titel bereithalten.

Warum, um Gottes Willen, schliesst man dann dieses Studio?

Aufmerksames Lesen der Pressemitteilung von MS zu diesem Thema lässt mich über folgenden Satz stolpern: „This was a fiscally-rooted decision that keeps MGS on its growth path.“

AHA! Jetzt, wo Halo Wars kurz vor der Fertigstellung steht, hat man scheinbar keine direkt anschliessenden Projekte für Ensemble. Nein, auch kein neues PC-Spiel, ich bitte Euch *lach* *pruuust* Wir reden hier von Microsoft, die mitllerweile merken, dass man den großen Erfolg auch nicht mit der 360 schaffen wird 🙂

Ich interpretiere diese Studioschliessung als das typische Ergebnis einer von Quartalsdenken und kurzfristigen Gewinnen geprägten Mentalität, in der man sich niemanden leisten möchte, der auch nur für fünf Minuten untätig auf dem Hintern hockt. Wer nicht unmittelbar zur Mehrung des Umsatzes beitragen kann, der fliegt. Wenn es keine unmittelbaren Nachfolgeprojekte gibt, feuert man einen Großteil der „Human Ressources“ und kann sie ja dann wieder einstellen, wenn es wieder ein neues Projekt gibt, oder? Sind doch nur „Human Ressources“! Ist doch überall in der Branche so … was soll also die Aufregung, hmm?

War doch erst kürzlich bei Iron Lore ebenso, die nach erfolgter Fertigstellung des Soulstorm-Addons für die Warhammer40K-Serie von THQ allesamt gefeuert wurden, weil es kein unmittelbar anschliessendes Projekt gab. Dass sich Soulstorm zT. richtig gut verkauft hat, spielt dabei keine Rolle. Sind ja „Human Ressources“, die man nach Belieben durch die Gegend schieben kann.

Und bevor ich mich noch seitenweise darüber auslasse, warum genau diese Personalpolitik mitverantwortlich für einen Großteil der Probleme in der Spielebranche ist und warum es den Publishern angesichts des allgemeinen Desinteresses an solchen Hintergründen und des geringen Anspruches der Kundschaft auch vollkommen scheissegal sein kann, ob man nun mit guten Spielen oder mit gequirlter Scheisse Abermillionen umsetzt, möchte ich nur eines sagen:

Wer glaubt, dass ein Job in der Spielebranche total cool ist und dies die Erfüllung aller Träume ist, der wird spätestens nach drei, vier Jahren ernüchtert, desillusioniert und zT. ausgebrannt die Segel streichen und zusehen, dass er woanders unterkommt. Ja, es gibt auch Ausnahmen. Ausnahmen, welche die Regel bestätigen.

10 Kommentare zu „Rätselraten. Oder auch nicht.

  1. Wie du schon richtig betonst: Das englische Wort „human resources“ sagt eigentlich schon alles aus.Im deutschen gibt es das Wort „Unternehmenskultur“, aber damit ist es auch nicht mehr weit her, fürchte ich 😉

  2. Och, „Unternehmenskultur“ ist ein schöner Begriff, in den jeder alles hinein interpretieren kann :)Wenn jedoch eine Firma beginnt, ihre Personalabteilung mit „Human Ressources“ zu umschreiben, weil das irgendwie cooler klingt, dann weiß man auch genau, wie die Verantwortlichen in diesen Firmen ticken. „Human Ressources“ ist eines dieser Wörter, die wunderschön die Wechselwirkung zwischen Begriffen, ihrer Bedeutung und den Handlungen verdeutlicht, die aus einem daraus geborenen Denken folgen. Personalabteilung, das ist so schrecklich OldSchool. So mit Gummipflanze, dauer-röchelnder Kaffeemaschine und Papier-Aktenschränken, hinter denen sich tratschende alte Sekretärinnen mit mit hochtoupiertem Haar verstecken. Geht gar nicht, oder?“Human Ressources“ jedoch, hey! Effiziente, effektive Verwaltung aller Mitarbeiter. Offene Großraumbüros mit schicker Cafetria und Espresso-Automat. Alles schön mit Teppichboden und viel Glas und Metall. Flache Hierarchien und eine entspannte, kreative und gute Arbeitsatmosphäre. Suuuuper!Begriffe machen Wirklichkeit, weil wir das, was wir wahrnehmen können, mit diesen Begriffen interpretieren. Und im Begriff „Human Ressources“ kommt aus gutem Grund kein Mensch mehr vor, ist das „Menschliche“ nur zu einem Adjektiv heruntergestuft worden.

  3. Gut getroffen, gut geschrieben!Hab vor Jahren mal kurz für ne größere Zeitarbeitsfirma gejobt. Tja, Ressourcen immer passend einsetzen. Als ich dann gegangen bin meinte einer der Verantwortlichen in einer Filiale auch, daß dort selbst die „Personalverantwortlichen“ ihren Job nicht lange machen würden…könnten.Erst letztens war glaub ich sogar ein Artikel im Spiegel über neue Produktionsmethoden beim Autohersteller mit Stern. „Menschen als Roboter“ hieß es im Artikel.

  4. Überlege mir ja auch, meinen gemütlichen Job als Datenbankentwickler aufzugeben und dafür in die Spielebranche einzusteigen – aber gerade Dinge wie dieses hier sagen mir, dass ich damit gar nicht so pressieren muss…

  5. Oh nein, haben wir etwa dem Kapitalismus die Tür geöffnet und er ist sogar herein gekommen…?Tut mir ja leid, aber der Mensch ist ein Egoist und eine Firma ist noch tausendmal Schlimmer, weil dort mehrere Menschen arbeiten.Was soll ich sagen? Zeit ist Geld. Wenn ich bei meiner Arbeit rumstehe, weil es nichts mehr zu tun gibt, wird mein Chef mich mit Sicherheit keinen Monat weiter bezahlen bis wieder was reinkommt.Ich weiss ja, das will niemand hören, aber so ist es nun einmal. Ich sage nicht das ich es gut finde, aber sich immer darüber aufregen? Die Spielebranche ist so ziemlich die letzte Branche in der mich der Begriff „Human Ressources“ interessiert.

  6. Ich sage nicht das ich es gut finde, aber sich immer darüber aufregen?Es besteht ein grundsätzlicher Unterschied zwischen „Sich darüber aufregen“ und „Sich nicht alles gefallen lassen“.Lethargie und Defätismus sind zudem Grundvoraussetzungen, damit Ungerechtigkeiten entstehen. Nur mal so ganz allgemein erwähnt …

  7. Lethargie und Defätismus sind zudem Grundvoraussetzungen, damit Ungerechtigkeiten entstehen. Nur mal so ganz allgemein erwähnt …Es wurden schon Leute wegen Defaitismus zum Tode verurteilt. Geholfen hat es nichts.Man sollte die nicht änderbaren Dinge akzeptieren und sich seine Kräfte für die änderbaren aufheben. Und je älter der Sack wird, desto besser lernt er die beiden zu unterscheiden.

  8. Also würden sie als große Firma, in einer nicht gerade leichten Branche, jemanden Bezahlen der keinen Gewinn abwirft, vielleicht für mehrere Monate?Das große Gewinne für Firmen schon seit langem kein Grund mehr sind, Angestellte zu behalten, sollte bekannt sein.*hust* Und wie schon gesagt, in einer Welt die von Problemen nur so strotzt, soll ich mich zu erst um die Ungerechtigkeit in dieser Branche kümmern?Ich hoffe nur, wenn man mir schon Lethargie und Defätismus vorwirft und lieber unrealistisch ist, doch versucht jedes Problem der Welt zu bekämpfen. Es sei denn, dass diese kleine Gruppe Menschen die dort als „Human Ressources“ bezeichnet wird, die sie vermutlich auch nicht persöhnlich kennen, ihnen so viel wichtiger ist als alles andere. Wenn dem so ist, dann möchte ich nichts gesagt haben und gebe zu: „Ja, ich bin Mutlos.“ Jedenfalls in dieser Branche, denn die Qualität der Spiele die ich in den letzten Jahren gekauft habe war im Duchschnitt recht Hoch. D.h. keine Verschlechterung für mich, was lasse ich mir persöhnlich hier also gefallen?

  9. @Blogeintrag:Ich stimme bei der Ensemble-Analyse und besonders beim letzten Absatz voll zu.Anscheinend gibt es immer noch genug "Fans", die in die Industrie drängen, so dass diese sich dieses Verhalten leisten kann.Wenn eine Company vor dem Ruin stehen würde und ein Studio schliesst (Bspw. EIDOS und IonStorm seinerzeit), dann wäre das ja verständlich.Allerdings, so meine Erfahrung, steht in Pressemitteilungen auch nicht immer die Wahrheit drin…@Kapitalismus:Es ist nicht zwingend "normaler Kapitalismus", wenn eine Company komplett auf ihre Angestellten scheisst und hire&fire nach Lust und Laune betreibt.Man muss als "Kapitalist" auch vorausschauend denken und die ollen "Human Resources" haben ja auch "Experience" und "Skills". Die Welt besteht nicht nur aus Tagelöhnern, sondern auch aus Menschen, denen man gewisse Sicherheiten zu bieten hat, wenn man sie behalten will. Zum Beispiel "Incentives", damit sie umsiedeln etc.@Unternehmenskultur:Wurde seinerzeit bei HP Deutschland sehr groß geschrieben. Dann kamen wirtschaftlich härtere Zeiten und die ganzen netten Angestellten wurden gebeten, aufs Weihnachtsgeld zu verzichten (was sie auch taten) – zur Bescherung gabs dann trotzdem eine Massenentlassung.

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