Wie zu erwarten …

Als vor einigen Jahren zwei Welten aufeinandertrafen, die nicht unterschiedlicher hätten sein könnten, gehörte ich zu denen, die nach einer anfänglichen Skepsis innerhalb weniger Minuten aus dem Grinsen nicht mehr herauskamen. LEGO Star Wars machte das Undenkbare so putzig und unwiderstehlich, dass selbst ich als eingefleischter StarWars-Fan seit über 30 Jahren volle Lotte in die Niedlichkeitsfalle tappte.

LEGO Star Wars war cool. Ultracool. Obercool. Und so putzig. Und so charmant. Und selbstironisch. Ich habe dem Spiel sogar die zum himmelschreiend schlechte Keyboardsteuerung, respektive den üblichen, minderwertigen Konsolenport verziehen und mich relativ weit vorgekämpft, bis ich wegen Fingerverknotung zum Chiropraktiker musste. Fein!


*keuch, röchel, spotz*

Bei „LEGO Star Wars – Die klassische Trilogie“ war aber der Reiz schon weg. Zwar immer noch sehr, sehr putzig, aber mehr als zwei, drei Stunden hatte ich damals mit diesem Spiel nicht verbracht. Zwangsläufig hat mich dann „LEGO Indiana Jones“ ebenso kalt gelassen, wie jener peinliche Leinwand-Versuch um irgendeinen lächerlichen Glasschädel. Fast schon lachen musste ich (jetzt nicht unbedingt im positiven Sinne), als das unvermeidliche „LEGO Batman“ auf die Zielgruppe losgelassen wurde. Und wenn ich heute dieser Meldung entnehme, dass es höchstwahrscheinlich bald ein „LEGO Harry Potter“ geben wird, gehe ich jede Wette ein, dass spätestens der übernächste Ableger, LEGO Narnia oder LEGO Baisse Moi genau den Punkt erreicht haben wird, den (wie zu erwarten) derzeit die einst so wunderbare NfS-Serie erreicht hat und auf den das komplette Command&Conquer-Universe mit großen Schritten zusteuert …

Den Endpunkt jeglicher kreativer, spassiger und guter Freizeitunterhaltung zugunsten einer unbarmherzigen, skrupellosen Vermarktungs- und ProductPlacement-Strategie, die aus Entwicklern das letzte Quentchen Energie und aus den Kunden den letzten Cent pressen soll. Spiele, die das Gegenstück zu den Castingsbands sind, welche mittlerweile als Sargnagel der Musikindustrie gelten, weil, wie zu erwarten, die Leute irgendwann die Schnauze voll hatten, der Reiz des Neuen und Tollen vorbei war und, wie zu erwarten, sich emotionale Hör- und/oder Spielerlebnisse eben NICHT auf dem Reissbrett planen und beliebig reproduzieren lassen.

Und was könnte man, als Verantwortlicher bei einem großen, multimillionen Dollar schweren Medienunternehmen, denn tun, um dieser Falle zu entgehen? Wie zu erwarten … nichts!

Firmen können ab einer bestimmten Größe nicht mehr kreativ sein. Sie können nichts mehr wagen, weil die möglichen Folgen eines Scheiterns größer sind als der mögliche Gewinn, den man auf Grund des Wagnisses einfahren könnte. Sie können sich nicht aus dem üblichen, kurzfristigen Quartalsdenken lösen. Wie zu erwarten, wird das etablierte Produkt ausgepresst bis zum allerletzten Tropfen und die allerallerletzte Staubflocke wird dann noch mit großem Aufwand mit einer feuchtglanzenden Oberfläche überzogen, damit man nicht so deutlich die Sahara dahinter wahrnimmt. Und wie zu erwarten, wird irgendwann wieder ein ungeheuer lustiges, spassiges, innovatives und erfolgreiches neues Spiel den Markt umkrempeln, um voller Hektik von der Industrie aufgegriffen und über den Lauf einiger Jahre erneut bis zum Marken-Exitus ausgebeutet zu werden.

Und wie zu erwarten, wird sich daran NICHTS ändern. Wer da nicht mitspielen mag, der schaut sich in den Ecken und Nischen des Indie-Bereiches um und wer eben seine Charthits haben mag, der kauft brav immer den allerneuesten Scheiss aus der Fabrik. Alle sind glücklich. Manchmal wenigstens 🙂

9 Kommentare zu „Wie zu erwarten …

  1. Im Grunde gebe ich dir Recht, dass sobald ökonomisches Denken in den Spieleschmieden einsetzt die Kreativität zugunsten von vermarktbarem Einheitsbrei ausradiert wird.Allerdings sehe ich das Problem nicht nur auf der einen Seite des Zauns, die Konsumenten tragen da verdammt viel zu bei. Nicht nur, weil die meisten Menschen Vollidioten sind, die immer den gleichen Brei *wollen* sondern auch aus ökonomischer Sicht.Beispiel: Ich bin neulich auf dem Speicher auf eine Packung gestossen, die bei mir Nostalgie pur ausgelöst hat: Ultima 4. Innen lag noch der Kassenbon. 89,99 DM. Also umgerechnet etwa 45€, was man also auch heute für ein neues Spiel bezahlt.Nur war das 1985. Ich habe die Inflationszahlen seitdem nicht zur Hand und bin zu faul das zu Rechnen, aber wenn ich bedenke, dass ich erst neulich über die steigenden Lebensmittelpreise geflucht habe ist das Wahnsinn!Und das waren nur ein paar Disketten. Heute fühlen sich die Leute beschissen, wenn die DVD mit der neuen Erweiterung zu xy für 30€ nicht voll bis oben ist.Das man dann lieber die sichere Schiene fährt ist zum Teil ganz klar der Gewinnmaximierungsgedanke aber zum anderen eben auch die explodierenden Kosten und die hirnverbrannte Spieler-Demographie, die wir inzwischen haben.

  2. Und was könnte man, als Verantwortlicher bei einem großen, multimillionen Dollar schweren Medienunternehmen, denn tun, um dieser Falle zu entgehen? Wie zu erwarten … nichts!Warum sollten sie auch?Wegen solch ein paar alter Säcke wie uns?Vierzigjährige, die sowieso dabei sind, endgültig die Lust aufs Spielekaufen zu verlieren? Die sich nicht mehr nur durch Reizüberflutung erreichen lassen? Deren Sabberfaktor erst wieder als Achtziger zunimmt?Nein – wir sind schlicht kein Teil der Gleichung mehr und mag die Vergreisung noch und nöcher zunehmen, die Spieleindustrie funktioniert nicht so, wie die Musikindustrie, wo alte Säcke für alte Säcke immer noch dieselbe alte Mucke machen. Die Spieleindustrie hat sich bereits wieder neu ausgerichtet – in den späten Neunzigern ging es mit MMO(R)Gs los, jetzt sind die Casuals dran – demnächst vielleicht Casual MMOGs?Aber auf alle Fälle keine alten „Spiele-Experten – das merkt man auch an der zunehmenden Verdummung der Spiele und dem Ausrichten am kleinsten gemeinsamen Anspruch.Für meinen Teil kann ich feststellen, dass meine Prinzipien stärker geworden sind, als Neugier und Disziplinlosigkeit. Ich „muss“ nicht mehr alles Neues ausprobieren – im Gegentum: Ich bin eher zum Verweigerer geworden, der selbst die neuen Klassiker nicht mehr spielt (ein Grund: DRM). Irgendwann werde ich auch gar nicht mehr mitreden können, aber das ist mir ehrlich gesagt so völlig egal, wie wenn sämtliche großen Publisher keine PC Spiele mehr herausbringen würden.Ich würde mich vermutlich sogar noch freuen und auf einen Reboot des ganzen Systems per innovativer Indie-Software etc. freuen!Verschwinden wird der PC als Spieleplatform erst, wenn es ihn nicht mehr gibt – und das wird so schnell nicht passieren. Es gibt also immer Auswege und der andere große ist die Retro- und Nostalgiewelle.Was John schreibt stimmt natürlich und man kann sie *billig* auf vielerlei Wegen ausleben. Und wenn man nicht will, kann man sie immer noch auf ebay versilbern – gerade Ultimas gehen dort gut weg… 😉

  3. jaaaa, need for speed trauere ich auch noch hinterher. was war das für eine tolle reihe am anfang. aber gottseidank gibt es noch rfactor.

  4. Es gibt also immer Auswege und der andere große ist die Retro- und Nostalgiewelle.Und deswegen habe ich mir für nächstes Jahr vorgenommen, dass ich bis Ende 2009 in meinem Wohnzimmer ein MAME-Kabinett stehen haben möchte. Selbstgebaut natürlich (oder wenigstens nach meinen Vorgaben vom Schreiner meines Vertrauens).

  5. Nicht wirklich schwer vorauszusehen, da Warner verstärkt in den Spielemarkt will.Batman ist eine Warner-Franchise und nachdem es ein Erfolg wurde, haben sie schnell geguckt, was ein ähnlicher Erfolg werden könnte – die Harry Potter Filme stammen ja auch von Warner und sind daher naheliegend.Ähnlich wie Lego Star Wars und Lego Indy halt.

  6. hat und auf den das komplette Command&Conquer-Universe mit großen Schritten zusteuert …(fanboy)HALLO, C&C ist immer noch genial, wenn man Spiele heute nur wegen ihren Kopierschutz Mechanismen von vorn herein ausschliesst, kann man auch kein objektives Urteil über Qualität aus dem Allerwertesten lassen. (/fanboy)

  7. Neenee… Bei Ultima IV lag außer den Disketten eine schöne Landkarte aus Stoff sowie ein kleines metallenes Ankh in der Packung. Und damals natürlich auch noch ein stimmig gemachtes Booklet auf echtem Papier. ;)Was „Lego Harry Potter“ angeht: Das kann in der Tat keine große Überraschung sein, da es „Harry Potter“ (genau wie „Star Wars“, „Batman“ und „Indiana Jones“) ja auch als Lego-Baukästen gibt. Mit einem Potter-Spiel hatte ich daher sowieso schon gerechnet.Zu befürchten wäre also allenfalls noch ein Traveller’s-Tales-Spiel zu „Lego Spongebob“. ^^Gut vorstellen könnte ich mir dagegen ein „Lego Back to the Future“ im Stil von „Lego Indiana Jones“. Allerdings wäre mir neu, daß es zu BttF jemals Lego-Baukästen gab. Außerdem ist dieses Franchise heute wohl mehr oder weniger tot…Mad Ollie.

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