Ein entspanntes Jahr

An dieser Stelle sollte eigentlich der typische Jahresrückblick stehen.

Doch ums Verrecken fällt mir nichts ein, was ich über das vergangene Gamer-Jahr erzählen könnte. Es ist zwar so einiges passiert, aber erwähnenswert erscheint mir nicht viel. Denn die Themen, die mir im nun bald verstrichenen Jahr erwähnenswert UND wichtig sind, die würden den Rahmen dieses Blogs bei weitem sprengen. Was jedoch all die Dinge betrifft, die in unserem kleinen Spiele-Univerum stattgefunden haben … *achselzuck*

Doch, halt, da war doch noch was … zwei Dinge. Nicht zwei Aufreger, sondern zwei Dinge, die mich dieses Jahr überaus positiv überrascht haben.

Zum einen war das „Spore“. Nicht so sehr das Spiel an sich *hust*, sondern die Reaktion der Kunden auf EAs Entscheidung, ihre neuen PC-Titel mit dem üblichen Arschfick-Securom zu versehen. Ich hätte nie gedacht, in welchem Ausmaß sich der Unmut der Leute diesbezüglich manifestiert. Ich hatte eigentlich nur mit einigen Wochen Foren-Gebrüll und Blog-Geflame gerechnet, bis jeglicher Protest (wie weiland bei Bioshock) sich nur vereinzeltem Gegrummel und vielleicht einem halben Dutzend weniger verkaufter Exemplare äussert.

Pustekuchen!

Mit den Amazon-Kundenbewertungen hat man ein wunderbares Werkzeug gefunden, um seinem Protest eine dauerhafte Form zu geben. Nicht nur Spore, sondern auch andere EA-Spiele wurden auf Grund des neuen DRM-Systems massiv schlecht bewertet und dümpeln im Schnitt bei 2-3 Sternen durch die Amazon-Webseiten. Positiv überraschend hierbei auch der Umstand, dass Amazon nach anfänglichen, einzelnen Aufräumaktionen irgendwann die Segel gestrichen hat und nur noch unflätige Beschimpfungen löschen ließ.

Ob diese Aktion einen Einfluss auf die Umsätze dieser Spiele hat, vermag ich zwar nicht zu sagen, einen eindrucksvolleren Protest gegen DRM im Allgemeinen und Kopierschutz-Systeme im Speziellen gab es meines Wissens bislang nicht. Denn diese Aktionen waren nicht organisiert oder wurden von einer kleinen Gruppe Aktivisten initiert und angeführt, sondern waren Ausdruck einer breiten, tief verwurzelten Ablehnung dieser Art Produkt“schutzes“. Eine Ablehnung, die sich so massiv äusserte, dass man bei Ubisoft wohl als Reaktion auf diese Protestaktionen vor einigen Wochen den aktuellen Teil der Prince of Persia-Serie ohne (!) einen Koperschutz veröffentlichte. Steter Tropfen höhlt den Stein! 🙂

Die andere Sache passierte im Sommer. Als RadonLabs und dtp ein enormes Risiko eingingen und mit „Drakensang“ ein Spiel auf den Markt brachten, welches so altmodisch und traditionell war (böse Zungen würden sogar den Begriff „betulich“ in den Mund nehmen), dass die üblichen Marktüberlegungen und Produktoptimierungen in Hinblick auf eine möglichst breite Käuferschicht oder aktuelle Trends hier mit Sicherheit überhaupt keine Rolle gespielt haben. „Drakensang“ war trotzdem (oder gerade deshalb?) nicht nur mein Überraschungshit des Jahres. In weniger als zwei Monaten wurde im deutschsprachigen Raum die als magisch geltende Zahl von 100.000 verkauften Exemplaren überschritten. Und der internationale Release steht noch bevor. Doch nicht nur spielerisch war „Drakensang“ eine angenehme Überraschung. Die Releasequalität widerlegte (oder unterstrich als Ausnahme, welche die Regel bestätigt) das Vorurteil, dass Spiele deutscher Entwickler und Publisher generell als verbuggte Pre-Alpha auf den Markt geworfen werden, weil zum einen der Entwickler mit dem Projekt vollkommen überfordert ist und zum anderen der Publisher ebenfalls fröhlich-unprofessionell vor sich hin dilletiert.

Ansonsten verlief das Jahr doch sehr entspannt. Was wahrscheinlich damit zu tun hatte, dass ich mich mittlerweile weit vom Gaming-Mainstream entfernt habe und mir deswegen das aktuelle Geschehen ein wenig am Allerwertesten vorbei geht. Ich zocke meine alten Klassiker, ich zocke mir noch unbekannte Klassiker, ich habe meinen DS für unterwegs, ich habe zig Emulatoren für alte Konsolentitel-ROMs und DOS-Spiele und ich habe mit GOG.com einen Anbieter, wo ich auch nächstes Jahr sorgenlos mein Geld loswerden kann.

Alles in allem: Das Spielejahr 2008 war für mich ein gutes Jahr! Ich habe mich nicht mehr so sehr über die übliche Corporate-Scheisse aufgeregt, sondern endlich Nägel mit Köpfen gemacht und mir nicht nur Alternativen gesucht, sondern sie auch gefunden. Von daher kann es mir auch egal sein, wenn nächstes Jahr eine Reihe von großen Publishern ins Trudeln kommen, weil immer mehr Leute dummerweise immer weniger Geld für den neuesten Hype-Scheiss haben werden.

In diesem Sinne … keine Panik! Das nächste Jahr wird trotzdem (oder gerade deswegen?) gut 🙂

Guten Rutsch!

7 Kommentare zu „Ein entspanntes Jahr

  1. *Hust*, *hust*, wir warten da an anderer Stelle noch auf ein paar Zeilen für einen Jahresrückblick..

  2. Guten Rutsch und vielen Dank für ein weiteres interessantes Jahr in deinem Blog!P.S. heut wird der Gegenwert eines nicht gekauften EA-Spiels in die Luft gefeuert 😉

  3. dir auch nen guten rutschsachmal, gibts vllt ne adresse, an die man sich wenden kann, wenn man dir ne mail schreiben will?`hab nämlich 1-2 fragen, die mir auf der seele brennen^^

  4. Du hast aber vergessen zu erwähnen, daß Drakensang auch mit dem üblichen Arschfick-Securom versehen ist, welches mit dem Patch sogar noch ein kleines Arschfick-Update bekam. ;-)Guten Rutsch, Harzzach!

  5. Drakensang hatte man nur das „normale“ Offline-Securom verpasst. Zwar auch extrem ärgerlich, wenn Kopierschutz-Treiber und System des Kunden nicht harmonieren wollen, aber zumindest ist man nicht auf das Wohlwollen Dritter und den Betrieb irgendwelcher Server irgendwo am Ende der Welt angewiesen.

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