Weniger ist mehr

Im Rahmen meiner losen Reihe „Weniger ist mehr“, in der ich den alles beherrschenden Gigantomanie-Drang in der Spielebranche mit wohlfeilen Traktaten und mehr oder minder dummen Anmerkungen begleite, muss ich auf einige Worte eingehen, die Gabe Newell anläßlich einer Keynote der Entwicklerkonferenz DICE zum Thema Preisgestaltung von sich gab.

Auch wenn Steam seit der Zwangs-Euroisierung noch einer derbere Apotheke als früher ist, so hat Gabe mit den sog. Weekend-Deals eines der „Geheimnisse“ des erfolgreichen Verkaufens entdeckt, die ausserhalb der großen weiten Welt der IT-Branche schon seit nahezu Jahrtausenden bekannt sind, aus unerfindlichen Gründen aber von Jung wie Alt vollkommen verdrängt werden, wenn man in DER Boombranche der letzten Jahrzehnte beschäftigt ist, in der Geld a la Fiat Pecunia scheinbar aus dem Nichts auf den Konten eintrudelt.

Eine der möglichen Strategien, um den Umsatz (und somit auch hoffentlich den Gewinn) zu steigern, liegt darin, das richtige Preisniveau zu finden, an dem der Kunde mit Freuden zuschlägt und der Firma die Bude einrennt. Leider sind immer noch viel zu viele Entscheider davon überzeugt, dass der Kunde (fast) jeden Preis bezahlt, den sie sich ausdenken. Was in manchen Fällen auch stimmt, denn vor allem die Spieleindustrie eilt von einem Umsatzrekord zum anderen. Warum sollte man hier mit den Preisen experimentieren?

Warum? Ganz einfach. Selbst die Spieleindustrie ist nicht davor gefeit, Opfer der weltweiten Wirtschaftskrise zu werden, die in zT. drastischen Ausmaßen die verfügbare Kaufkraft der Kunden eindampft. Was derzeit die Autoindustrie erlebt und allmählich auch in der Elektronikbranche spürbar wird, wird nicht „einfach so“ an der Unterhaltungsbranche vorbei gehen, weil man sich einredet, dass der Kunde zwar kein Geld für Autos mehr hat, er aber immer noch Geld für Spiele ausgibt. Und wenn man mitbekommt, dass die weltweiten Regierungsanstrengungen in erster Linie nur den Zweck haben, marode Banken und Großkonzerne mit irrwitzigen Mengen an Steuergeldern zu füttern, um via Deus Ex Machina irgendwie die Welt des Jahres 2007 wiederherzustellen, es aber kaum Anstrengungen unternommen werden, den zusammenbrechenden Privatkonsum zu stützen …

Doch zurück zu Gabe Newell und seinen Ausführungen, in denen er Beispiele dafür gibt, wie sehr sich diese „Weekend-Deals“ auf den Umsatz bestimmter Titel ausgewirkt haben. Laut Gabe hat man am letzten Wochenende, an dem es „Left 4 Dead“ zum halben Preis gab, den Umsatz um satte 3000% erhöht und somit mehr Einnahmen erzielt als zum Verkaufsstart, der traditionell als der Zeitpunkt gilt, an dem mit einem Spiel die meisten Einnahmen und Umsätze erzielt werden. Auch führt er einen nicht näher benannten Titel eines Drittherstellers auf, der eine Umsatzsteigerung von sagenhaften 18.000% (achtzehntausend) erzielen konnte und dessen Absatz nach dem Ende der Preisaktion doppelt so hoch blieb, wie davor.

Natürlich wird dies nicht überall funktionieren. Und nicht mit jedem Titel.

Dennoch bleibt festzustellen, dass eine der besten Vorgehensweisen, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, immer noch das gute, alte „Preis senken“ ist.

PS: Und Gabe gibt auch einige weise Worte zum Dauerbrenner „Piraterie“ zum Besten.

10 Kommentare zu „Weniger ist mehr

  1. Psst. Preise runter und DRM raus sind die Geheimrezepte zur Ergreifung der Weltherrschaft. Die darfst Du doch hier nicht einfach rausposaunen. 😉

  2. Joe, das Geld liegt tatsächlich auf der Strasse. Man muss nur wissen, wie man sich bücken muss :)Interessant ist auch folgendes Detail, dass Valve im Rahmen der weihnachtlichen Holiday-Aktion bei Preissenkungen von sogar 75% mehr als 15% mehr verdient (!) hat, als mit den Umsätzen über die normalen Preise.Wie gesagt, jeder Supermarkt-Leiter wird angesichts dieser Erkenntnis nur müde gähnen, aber für die Spielebranche sind das „sensationelle“ Neuigkeiten 😛

  3. Jedem Supermarktleiter, der hart mit seinen nur geringfügig niedrigeren Einkaufspreisen zwischen Food/Nonfood mischkalkulieren muß, tränen doch angesichts der Tatsache, daß die Gestehungskosten pro Kopie bei digitalem Vertrieb annähernd bei Null liegen, doch die Augen.Denn jede zusätzlich verkaufte* Kopie ist doch abgesehen von den bißchen Traffickosten praktisch nur Reingewinn.* bei Steam wird nichts wirklich verkauft

  4. „Denn jede zusätzlich verkaufte* Kopie ist doch abgesehen von den bißchen Traffickosten praktisch nur Reingewinn.“Richtig. Es fallen nur die einmaligen (!) Investitionskosten zur Errichtung einer entsprechenden Infrastruktur an. Es folgen, im Vergleich zu dem Aufwand, eine Retail-Kopie in den Handel zu bringen, geringe Unterhaltungskosten und ab und an auch wieder nur einmalige (!) Investitionen zum Ausbau der Infrastruktur. Der Aufwand, ein Spiel über eine Download-Plattform an den Kunden zu bringen, ist ungleich geringer als der klassische Vertriebsweg über den Einzelhandel. Lediglich die Startkosten sind höher, wenn man eine eigene Plattform aufziehen möchte.Alleine unter diesen Gesichtspunkten sind die Standardpreise bei Steam eine Unverschämtheit und nur Ausdruck nackter Gier. Die enorme Popularität der Weekend-Sales zeigt ja deutlich, dass die normalen Preise den meisten Kunden viel zu hoch sind und Valve mehr verdienen kann, wenn sie grundsätzlich die Preise senken.Es ist aber gut möglich, dass man bei Valve schon gerne möchte, jedoch die Publisher auf Grund der branchenüblichen Paranoia und Tranfunzeligkeit nicht mitziehen.

  5. Es sind einige Sachen die mich bei Online-Verkäufen wirklich aufregen. Der Größte ist aber sicherlich der Preis. Warum sind die meisten Spiele bei Steam teurer als im Handel? Man spart durch den Onlinevertrieb nicht nur Produktion und Verpackung des Spiel, sondern auch den Transportz in jeden Winkel der Welt und die nicht unerheblichen Margen des Einzelhandels. Deswegen kaufe ich nach wie vor lieber Spiele im Einzelhandel. Denn zum Einen stärke ich die Region (auch wenns nur der MediaMarkt vor Ort ist, arbeiten da trotzdem Menschen aus der Umgebung). Weiterhin kann ich ein Spiel notgedrungen zurückgeben.Und zuletzt die wichtigste Regel: Ich kaufe kaum Spiele zum Vollpreis. Spiele sind meist besser wenn Sie ca. 1 Jahr alt sind. Sie sind bug bereinigt und laufen auf der dann verfügbaren Hardware wesentlich besser.

  6. Und zuletzt die wichtigste Regel: Ich kaufe kaum Spiele zum Vollpreis. Elender Wirtschaftsschädiger! Geh in die Ecke und schäm Dich! Würden alle so denken, gäbe es keine Spiele mehr!!!!!:)

  7. Doch, jedoch zu einem annehmbaren Preis – nicht umsonst boomt der Eigenimport.Das man nicht zum Release kauft, haben sie sich jedoch selbst zuzuschreiben, für Bugware Vollpreis, das macht man 2, 3 mal und dann hat das auch der dümmste Dauer gelernt.Die letzten Vollpreisspiele zum Release bei mir – Psychonauts in der D Version, Quake 4 als englische Version im MM, bevor die Indizierung zuschlug. Also schon Jahre her.

  8. Harzzach: „jeder Supermarkt-Leiter wird angesichts dieser Erkenntnis nur müde gähnen,“Das ist natürlich richtig. Aber andererseits gilt ja auch die Regel von Angabebot und Nachfrage und jeden Tag, so heißt es, steht irgenwo ein Dummer auf – in diesem Falle offenbar sogar recht viele Dumme.So lange der Rubel rollt muss da eine Firma tatsächlich erst mal dahinterkommen, dass sich mit einem niedrigeren Preis der Umsatz so steigern lässt, dass trotz geringerer Marge am einzelnen verkauften Stück der Gesamtgewinn steigt.Diese erhebliche Umsatzsteigerung bei einer starken Preisreduzierung sehe ich übrigens (zumindest teilweise) als einen Speziallfall der (Spiele-)Softwarebranche an: Ich gehe davon aus, dass da merh als nur der eine oder andere gekauft hat, der sich sonst Raubkopien besorgt hätte.Wenn so ein Spiel sagen wir mal 50 Eurillos kostet, wird so mancher nicht ganz koschere Zeitgenosse geneigt sein, zu gucken, wo er das Ding für lau herbekommt. Kostet es jedoch nur 12,50 €, wird er sich nicht die Mühe machen und obendrein noch das Risiko eingehen, seinen Blechtrottel zu infizieren. Dann geht er her und kauft das Ding.

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