Druckverluste

Vor einer Weile hatte eine hochrangige Disney-Managerin auf einer Konferenz eingeräumt, dass „illegale“ Angebote wie zB. Tauschbörsen und all dieses Internet-Kroppzeugs jedes legale Angebote in Punkto Service und Geschwindigkeit um Längen schlagen und die Branche endlich aufhören müsse, diese Angebote mit juristischen Mitteln zu bekämpfen. Zum einen, weil dies nichts bringe und zum anderen, weil man die potentielle Kundschaft nicht mit Zwang zum Kauf animiert, sondern NUR mit besseren Angeboten. Man müsse beginnen, in Tauschbörsen geschäftliche Konkurrenten zu sehen, die man nur mit besseren Angeboten schlagen kann.

Steam kann man zum Beispiel als einen gelungenen Versuch bezeichnen, den Kunden mit Service und attraktiven Zusatzfeatures zu binden und ihm freiwillig und in rauhen Mengen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nach der Zwangs-Euroisierung der Steam-Preise trifft dies zwar nur noch für US-Bürger zu, dennoch hat sich Steam trotz seiner Fehler einen festen Platz im Herzen nicht weniger Leute erkämpft.

Heute jedoch, heute macht Steam so einiges kaputt, was es in den letzten Jahren an Sympathien aufgebaut hat. Denn seit wenigen Stunden ist „Empire: Total War“ erhältlich und die Steam-Server geraten nach vielen User-Aussagen derart unter Druck, dass ein Download entweder gar nicht oder nur mit Prä-DSL-typischen Bandbreiten möglich ist, da man aus nicht näher bekannten Gründen auf einen Preload verzichtet hatte und nun ALLE Käufer gleichzeitig die Leitungen verstopfen. Selbst ich als Nicht-Käufer leide unter diesem Ansturm, bricht die Verbindung doch ständig ab und der Download eines kleinen Spieles wie zB. Audiosurf gerät in diesen Minuten zum Geduldsspiel.

Derweil NATÜRLICH zeitgleich zum Release Kopien frei im Netz verfügbar sind, mit der maximalen Download-Geschwindigkeit, die ein gut gefüllter Bittorent-Schwarm ermöglicht. Man muss nicht einmal einen Steam-Account anlegen, sondern überschreibt bequemerweise nur einige Daten.

Ich frage mich daher, warum setzt Steam immer noch nicht auf Bittorrent-Technologie, um solche Spitzen abzufangen, sondern verlässt sich auf ein nicht gerade billiges Netzwerk weltweit verstreuter Download-Server? Ich frage mich, wann Anbieter endlich begreifen, dass man MEHR Umsatz machen kann, wenn man dem Kunden soweit wie nur irgendwie möglich entgegenkommt, anstatt weiterhin darauf zu vertrauen, dass der Kunden schon angekrochen kommt und jeden Müll frisst, den man ihm vorsetzt …

Vielleicht müssen noch mehr Publisher in wirtschaftliche Nöte geraten (EA), panisch Leute rausschmeissen, weil die Pleite droht (THQ) oder doch gleich Pleite gehen (Midway), damit so etwas wie Lernbereitschaft entsteht, weil entweder neue Eigentümer den Markt und seine Chancen eher begreifen oder man auf Grund ausbleibender Regierungshilfen keine andere Wahl hat, als sich anzupassen.

19 Kommentare zu „Druckverluste

  1. Warum sollte jemand Energie und Bandbreite bereit stellen, nur damit die Plattform XY weniger Traffic bereitstellen muss?Wen ich das bereit stelle, will ich auch einen Gegenwert haben (z.B. pro abgerufenem GB 10 Gummipunkte, mit denen ich im Shop einkaufen gehen kann).Was das würde was kosten?P.S. Disney soll bloß die Backen halten, deren DVDs sind vollgepackt mit Werbung und Werbung und Werbung + höchst effizienter Kopierschütze, die das abspielen in einem stand alone Gerät eines Markenherstellers torpedieren (wie bei mir die kochende Ratte)…

  2. Das habe ich mich auch beim Download der Windows 7 beta gefragt. Fette Geschäftsleitung, aber nur DSL-light getröpfel…

  3. Warum sollte jemand Energie und Bandbreite bereit stellen, nur damit die Plattform XY weniger Traffic bereitstellen muss?Um eben solche Lastspitzen zu vermeiden und dem Kunden möglichst immer das Maximum an Downloadgeschwindigkeit zu gewährleisten. Blizzard macht das mittlerweile seit Jahren.Wen ich das bereit stelle, will ich auch einen Gegenwert habenZeitgewinn? Maximale Downloadgeschwindigkeit, ohne dass der Anbieter fette Leitungen anmieten muss, welche Du als Kunde über die Preiskalkulation selbstverständlich mitzahlen darfst?

  4. Sie könnten auch einfach Apothekenpreise nehmen und hoffen dass sich dadurch die Käufe in Grenzen halten damit die vorhandene Infrastruktur nicht überfordert wird 🙂

  5. Naja, Bittorrent ist nur schneller, weil es „unfair“ ist. Im Internet gibt es kein QoS, nur Best Effort, und da gewinnt der, der die meisten Sessions aufreißt. Ein Torrentdownload unterscheidet sich nur um Nuancen von einem DDoS-Angriff. ;-)Andererseits braucht es gar keine „asoziale“ Clientsoftware wie bei Blizzard: Rapidshare macht vor, wie man mit purem HTTP vernünftige Transferraten liefert (bei DSL 16000 = Endanschlag). Nicht ohne Grund sind die bei der dunklen Seite der Macht Marktführer.Valve bräuchte da bloß anklopfen, die verkaufen ihr Know-How auch weiter…

  6. Auch Rapidshare, megaupload, depositfiles und wie sie alle heißen, müssen den Traffic bereit stellen. Wen man ein kurzfristigen Engpass befürchten muss, kann man auch zu den Experten gehen – akami. Die haben ein eigenes Hochverfügbarkeitsnetz und ausreichendes globales load ballancing.Man muss es nur anmelden, damit genug Platz gemacht wird.Wen man wirklich genug Arsch in der Hose hätte, würde man direkt mit den Endkunden-ISPs absprachen für unsichtbare proxys treffen, dann zieht man ISP-netzintern mit maximaler Geschwindigkeit, ohne das dir überhaupt auffallen würde, das Du nicht direkt von Valve ziehst.

  7. Hatte auch neulich Spaß mit Steam, als ich mit Dawn of War 2 gegönnt habe (in $) – die Downloadrate kam nicht über 100k und ich durfte über googlen herausfinden, dass Steam wohl einmalig bestimmt, welchen Downloadserver man hat und dann bleibt man drauf hängen, auch wenn der in einem Monat ein reines Nadelör ist. Irgendeine Datei löschen, neu starten und es ging immerhin schon mit 600k. Immer noch weniger als die Hälfte, aber hey.Und warum sollte Valve ihr Konzept hängen? Das war doch schon bei HL2 ein absoluter Zusammenbruch bei einem Peak – und da das immer noch so ist kann man wohl davon ausgehen, dass sie ihre Fantastilliarden aus Steam lieber in Blackjack und Nutten investieren. Und warum auch nicht? Depp Kunde gibt sich ja mit „Ach, das sind nur Lastspitzen, die sind so selten, kein Grund sich drüber aufzuregen“ zufrieden.Und nein, BT will ich nicht. Wenn ich schon Retail-Vollpreise ausgebe ohne Lieferung und Medium, dann soll der Download für das Geld wenigstens flutschen.

  8. Und nein, BT will ich nicht. Wenn ich schon Retail-Vollpreise ausgebe ohne Lieferung und Medium, dann soll der Download für das Geld wenigstens flutschen.–>fully agreed.

  9. BitTorrent ist böse!So einfach.Angst vor P2P und OpenSource.Alleine die Vorstellung man könnte die selben Techniken benutzen wie Raubkopiermörder-kinderficker-kinderpornoherstellennazis.(bin suaer, merkt man das?);)

  10. Was macht die Mehrheit der BT-Nutzer? Den Upload aufs Minimum reduzieren. Wenn Steam BT-Technologie verwenden würde, wäre ich wahrscheinlich der erste, der es abschaltet. Wenn das nicht gehen würde, wäre ich ein Flamer mehr im Forum.Ich sehe den Nutzen ein, klar. Aber meine Bandbreite ist beschränkt bzw. will auch anderweitig genutzt werden. Ich wusste das mit BT und Blizzard gar nicht – wann uppt das Ding denn? Während ich spiele?

  11. Was macht die Mehrheit der BT-Nutzer? Den Upload aufs Minimum reduzieren.Und sich dann wundern, wenn kein vernünftiger Download zustandekommt :)Aber meine Bandbreite ist beschränkt bzw. will auch anderweitig genutzt werden.Dies findet ja nicht ständig statt, sondern nur dann, wenn Du etwas herunterlädst. Fette Updates, ganze Spielinhalte.Ich wusste das mit BT und Blizzard gar nicht – wann uppt das Ding denn? Während ich spiele?Nein. Nur, wenn Du Spielinhalte/Updates herunterlädst. Und Du kannst festlegen, ob die ganze Bandbreite für den Upload zur Verfügung stehen soll (was wegen des Overheads eh nicht empfehlenswert ist) oder ob der Upload ein wenig gedrosselt werden soll, so dass Du noch nebenher vernünftig surfen kannst.Die Technik ist (fast) narrensicher, der Kunde stellt seine Bandbreite nur dann der Allgemeinheit zur Verfügung, wenn er selber etwas herunterlädt und es kann somit NICHT MEHR vorkommen, dass auf Grund einer Störung beim Anbieter oder eines schlecht konfigurierten Routers (wie im Falle Telekom und Youtube) bei Dir die Daten nur bitweise oder gar nicht eintröpfeln.Es hat nur Vorteile.

  12. Hat es nicht, mal davon ab, das ich bei einem Spiel, wo man monatlich zahlt, erwarten kann, das auch das BackEnd für den Download so ausgelegt ist, das es reicht, drosseln bzw. behindern einige ISPs, vorzugsweise in den USA, schon den BT Verkehr, um ihr eigenes System nicht zu verstopfen (so ihre Rechtfertigung).Dies hat dann eben auch unschöne Begleiterscheinungen wie das ein WOW Update eben „dahintröpfelt“.Und nun stellen wir uns das mal bei Steam vor…http://bender.vault-tec.de/pic_sites/steam_wahrheit.htm

  13. @John: „Nur“ 100k? Haha… ich ziehe hier immer mit konstanten 20-30kb/s [wenn ueberhaupt].

  14. Rapidshare wirbt ja schon mittlerweile mit ihrer Infrastruktur und der Gamesmarkt wird ja auch aufmerksam auf Rapidshare als Traffic-Dienstleister – was ich für den richtigen Schritt halte, auch wenn Rapidshare eher durch „andere“ Downloads zu seinem Ruhm kam 😉

  15. Man MUSS WoW aber nicht zwangsläufig über BT laden, man kann P2P auch abschalten, so das man nur von den Blizzard servern zieht, ist manchmal sogar die bessere wahl, aber nur bei alten sachen die eh niemand mehr uploadet…

  16. Ich denke das es in nächster Zeit wohl der beste Kompromiß wäre, zweigleisig zu fahren. Also wie Malle es bei wow erwähnte, zum Einen eigene Server anbieten und alternativ noch die Möglichkeit über Bittorrent zu saugen.

  17. offtopic….world of goo costet 5€ auf Steam, (dummerweise immernoch 20€ auf der entwicklerseite)also für alle die das Spiel mal günstig haben wollten…. ZUSCHLAGENGrußD.

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