Was tun?

Wir haben uns alle über den üblichen reisserischen Unfug aufgeregt, den die Medien, wie zu erwarten, in Windeseile in alle Medienkanäle gekippt haben.

Wir haben uns erneut über diverse Politiker aufgeregt, die solche tragischen Vorfälle nur dazu nutzen, um im Rampenlicht mit populistischen Forderungen Wahlkampf zu machen.

Wir haben uns auch über unsere Mitmenschen aufgeregt, aus denen zT. nur noch nackter Hass gegenüber jedweder Form von Jugendkultur spricht, weil sie aus Mechanismen des (leider) unvermeidlichen Generationenkonfliktes nicht ausbrechen können oder wollen.

Wir haben uns aber auch über strunzdumme Gamer aufgeregt, deren grenzdebile Äusserungen so ziemlich jedes Vorurteil belegen, dass man gegen „die da“ haben kann.

Und nachdem wir uns, ja nach Veranlagung, entweder grün und/oder blau geärgert haben, stellt sich mir die Frage, was man tun kann um beim nächsten Vorfall, der so sicher kommen wird wie das Amen in der Kirche, entweder gelassener zu werden oder sein Scherflein dazu beigetragen hat, dass zumindest in der nächsten Umgebung der eine oder andere Mitmensch besser über das Große, Unbekannte, das Computerspiel als solches Bescheid weiß, so dass er weniger anfällig ist für die hysterische Propaganda der Jugendhasser und Kontrollparanoiker.

Man kann drei Dinge tun.

· Provokation:
Aufkleber und offen getragene T-Shirts mit „Ich bin ein Killerspieler“ mögen dem einen oder anderen als zu derbe oder gar kontraproduktiv erscheinen, verhindern sie doch einen vernünftigen Dialog mit denjenigen, die in unserem Hobby eine Art Ausgeburt des Teufels sehen, doch kann eine solche direkte Provokation zumindest dazu beitragen, die Bedeutungshoheit über bestimmte Begriffe zu gewinnen. So haben es in den letzten Jahren Schwule und Lesben erfolgreich geschafft, die Begriffe „Schwul“ und „Lesbisch“ von ihrem beleidigenden Schimpfwort-Charakter zu befreien, in dem sie sich selbst ganz bewusst als schwul und lesbisch bezeichnet haben. Eine ähnliche Vorgehensweise verfolgt die internationale Gemeinschaft der Piratenpartei, indem sie den Begriff „Piraterie“, den die Rechteinhaber gerne verwenden um Urheberechtsverletzungen zu brandmarken, eine neue Bedeutung geben wollen. Es ist keine schlechte Idee, den Begriff „Killerspiel(er)“ aktiv zu verwenden, um dem unwissenden Bevölkerungsteil zu zeigen, dass es keine bösartigen Killerspiele und moralisch verkommenen Killerspiele gibt, sondern dies nur ein griffiger Propagandabegriff ist, der Entrüstung und emotionalen Aufruhr erzeugen soll.

· Konstruktiver Dialog:
Vielleicht der mühsamste Weg, erfordert es von einem nicht nur viel Kraft, sich mit zT. tief verwurzelten Vorurteilen auseinanderzusetzen, sondern es erfordert auch viel Recherchearbeit, um sich mit guten Argumenten einzudecken. Und ganz wichtig, es erfordert vor allem ein offenes Ohr, um dem Gegenüber nicht nur ein grandioses Argumentationsfeuerwerk um die Ohren zu blasen, sondern ihm zuerst zu zuhören (!), bevor man auf seinen Aussagen respektvoll und höflich eingeht. Es erfordert, dass man auch bereit ist, bestimmte Argumente des Gegenübers anzuerkennen, wenn dieses entsprechend valide sind. Es erfordert auch zuallererst (!) Respekt vor der Meinung des Gegenübers, auch wenn sich einem die Fußnägel aufrollen, sobald der Gegenüber den Mund aufmacht. Mühsam ist dieser Weg und es ist nicht gesagt, dass er zum Erfolg führt, denn vor allem von liebgewonnenen Vorurteilen verabschiedet sich niemand gerne und leicht. Man denke nur an die Vorurteile, die wir selbst zu bestimmten Themen haben. Aber es ist der nachhaltigste Weg, fördert er beim Gegenüber Verständnis und vielleicht sogar ein tatsächliches Verstehen. Es verbindet Menschen, anstatt darauf herumzureiten, wie blöde doch all diejenigen sind, für die Computerspiele und vor allem „Killerspiele“ eine Vorform der Kriegstreiberei und Jugendverwahrlosung sind.

· Tee trinken …
Jazzmusik aka Negermusik, Rock’n Roll, Comics, Groschenromane, lange Haare bei Männern, Fantasy-Rollenspiele, Techno, Computerspiele. Nur eine kleine Auswahl der „Aufreger“ der letzten Jahrzehnte, bei denen die jeweils ältere Generation den Untergang der Zivilisation an die Wand malte, wenn die jüngere Generation nicht endlich damit aufhöre diese offenkundigen Irrwege zu beschreiten. Geht man weiter in die Geschichte zurück, wird man mit Sicherheit noch mehr Beispiele finden, in denen Wandel und Wechsel mit Beständigkeit und Tradition kollidierten. Der Generationenkonflikt ist etwas Unvermeidliches und wird auch uns eines Tages einholen, wenn wir verständnislos dem Treiben unserer Enkel zusehen, weil diese Dinge tun, die mit unseren Wert- und Moralvorstellungen nicht vereinbar sind. Von daher könnte man sich einfach entspannt zurücklehnen und abwarten, bis in 20-30 Jahren Computerspiele so sehr Mainstream geworden sind, dass die Jugenderinnerungen eines künftigen Spitzenpolitikers nicht nur Klavierunterricht und das Studieren der gesammelten Werke von Rilke beinhalten, sondern vielleicht auch diverse Stunden Deathmatch oder das Questen mit einem Ork-Schamanen in „World of Warcraft“. Dann würde dieser Politiker wahrscheinlich, nein, mit Sicherheit 🙂 andere Themen besetzen, um daraus wahltaktische Vorteile zu schlagen, aber zumindest könnte man mit „Killerspielen“ nicht mehr punkten, weil die Generation, mit der man damit noch Angst einjagen konnte, schlichtweg verstorben ist.

Im Grunde ist der dritte Weg der weiseste Weg, da es wirklich nur noch eine Frage von ein, zwei Generationen ist, bis Computerspiele nicht mehr für eine obskure Randerscheinung gehalten werden, sondern so sehr Alltag sind, wie dies heute Theater, Literatur und Musik sind. Weil Computerspiele bis dahin ihren Kinderschuhen entwachsen sein werden und gezeigt haben werden, dass sie mehr sind als zielgruppenoptimierte Wegwerfprodukte für den kommerziellen Massenmarkt. Dann wird man sich auch entspannter und gelassener über Gewaltdarstellungen in diesem Medium unterhalten können, über die Grenzen, die gezogen werden sollten und über die Art und Weise, wie man Kindern beibringen sollte, mit diesen Inhalten umzugehen. Vielleicht, vielleicht wird man es bis dahin auch geschafft haben, in den Schulen so etwas wie „Medienkompetenz“ zu vermitteln. Aber das letztere wäre dann noch nur ein frommer Wunsch von mir 🙂

Aber … mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, sich einfach zurückzulehnen und den unvermeidlichen Generationenwandel abzuwarten. Nicht unbedingt, weil er mir zu langsam vonstatten geht und ich via Cheatcode die Level dazwischen überspringen möchte, sondern weil die aktuelle Aufregung um „Killerspiele“, um Kinderpornographie und generell der Themenkomplex „Jugendschutz“ leider von Leuten mißbraucht wird, die das Wohl und Wehe der Jugend nur im Worte führen, aber nicht im Sinne haben. Im Sinne haben diese Leute nur ihre eigenen, persönlichen, wirtschaftlich-politischen Vorteile, zu deren Erlangung und Erhaltung sie bestimmte technische Infrastrukturen und gesetzliche Rahmenbedingungen benötigen. Mittel und Werkzeuge, die man über den Umweg „Jugendschutz“ wunderbar einführen und durchsetzen kann. Unter tatkräftiger Unterstützung von Mühe und Verantwortung der Erziehungsarbeit scheuender Eltern, die ihre Kinder nach dem goldigen „Eideidei“-Babyalter am liebsten irgendwo in ein Erziehungsheim abschieben würden, weil sie nicht mehr zum Rumzeigen vor Verwandten und Bekannten taugen, sondern sich unverschämterweise als junge, unerfahrene Menschen entpuppen, denen man viel Zeit opfern muss, um zumindest zu versuchen aus ihnen etwas Anständiges zu machen.

Von daher … lieber stehe ich jetzt auf und reisse mein Maul auf, versuche die Propagandamär vom „phösen“ Computerspiel zu vertreiben, damit meine Enkel nicht in einem perfiden, allgegenwärtigen Überwachungs- und Umsorgungsstaat aufwachsen, in dem sie nichts weiter sein dürfen als ein willfähriges Drohnenvolk für die dann herrschenden Wirtschafts- und Machteliten. Dass dabei diese unsägliche Hysterie um „Killerspiele“ aufhört und man endlich daran gehen kann, einen vernünftigen Dialog zu diesem Thema zu führen, sehe ich hierbei nur noch als angenehmen Nebeneffekt.

20 Kommentare zu „Was tun?

  1. „Jazzmusik aka Negermusik, Rock’n Roll, Comics, Groschenromane, lange Haare bei Männern, Fantasy-Rollenspiele, Techno, Computerspiele“Du vergisst die Zombiefilm-Hysterie, anfang der 80er, wo Kinder fast zu Kettensägenmördern wurden…Ach nee war das schön damals…Wo ist mein Kräutertee..?

  2. Das Problem bei Vorurteilen ist: Sie sind ein Template, damit man sich nicht die Arbeit machen muss sich in einen Komplex einzuarbeiten.Daher ist das mit dem Aufbrechen von Vorurteilen auch immer so eine Sache. Viele Menschen wollen sich nicht eingehend mit einem Hobby beschäftigen, das nicht das ihre ist. Und wenn man dafür auch noch alle Nöte der Menschheit von Amokläufen zur Folie auf Nutellagläsern verantwortlich machen kann, umso besser.Der Trick ist letztendlich diejenigen zu Suchen, die sich durchaus mehr oder weniger bewust eine eigene Meinung bilden wollen. Diejenigen, die sich über ein „Ich bin Killerspieler“ T-Shirt aufregen sind ohnehin vergeudete Zeit.

  3. Eine Lösung für dieses Problem wäre auch Wählen gehen!Das große Problem ist doch folgendes:Politiker suchen sich immer eine Zielgruppe anhand derer die ihre Politik und ihr Geschwätz ausrichten.Die aktuelle Killerspieldebatte ziehlt ganz klar auf Sonntagskirchgänger mit Hut und auf dauerbetroffene Muttis.Solange die Politik in dieser Zielgruppe mehr Wähler vermutet als bei den bösen killerspielspieler werden die niemals mit der Hetze aufhören.Und verstehen kann ich es, die meisten die ich kenne und aktiv spielen sind über 18, aber Wählen ist für die auch leider meistens zu uncool.Dann kann man den Leuten auch nicht helfen

  4. Ich finde das alles auch langsam mehr als lächerlich es immer wieder den Computerspielen anzuhängen. Dieser Junge ist sicherlich nicht durch Computerspiele so gefühlsleer und voller Hass geworden. Was ich außerdem nicht verstehe er war anscheinend schon psychisch krank und hat die Therapie abgebrochen und der Vater nimmt ihn zum „Schießen“ mit. Hallo???!!! Da muß man wohl mal den Vater fragen ob er überhaupt gecheckt hat was mit seinem Jungen los ist. Außerdem läßt er Waffen einfach unabgeschlossen im Haus liegen. Da kam vieles zusammen was mir mehr zu denken gibt. Bei diesem Thema würde ich Computerspiele sehr weit hinten einordnen. Das einzigste was ich mir vorstellen kann ist das wenn jemand wirklich schon sehr krank ist das ihm ein Computerspiel irgendwelche Ideen bringt aber das könnte genauso gut auch die Zeitung oder Filme oder was weiß ich dann dürften wir hier nichts mehr machen auf der Welt alle nur stumm vor sich hinleben.

  5. Eine Lösung für dieses Problem wäre auch Wählen gehen!Ja, das wäre auch eine Möglichkeit. Die Alternativen, bei denen man ein Kreuzchen machen kann, sind zwar äusserst eingeschränkt, aber es ist auch eine Möglichkeit.

  6. @nr2bleib mal auf dem Teppich, wir können ja mal ne Liste machen über unsere "knallhart" und "supergründlich" recherchierende Innenminister und Journalisten.1. Ist im Kampfanzug unterwegs -> Lüge2. Psychisches Wrack -> Lüge3. keine Freunde -> Lüge4. harter Counterstrike Zocker -> Lüge5. wurde ständig gemobbt -> Lüge6. hat Amoklauf großspurig angekündigt -> Lüge7. Papi hatte eigenen Schießstand im Keller -> Lügeoben haben wir eigentlich die Liste des "idealen" Amokläufers aus Politiker- und Mediensicht. Was seine psychischen Probleme angeht. Familie verneint es, behandelnder Arzt spricht nur von 5 ambulanten Sitzungen. Staatsanwaltschaft pocht auf den Eintrag der Bundeswehrmusterung. Klasse, und nun? Könnte es vielleicht Jugendliche geben die um den Bund und den Zivildienst herumkommen wollen damit sie kein Jahr verlieren? Zu meiner Zeit reichte es noch wenn man Drogensucht nannte und am Vortag das passende Kraut rauchte für den Test. Heute wird das ignoriert. Ich weiß nicht was heutzutage die beste Ausrede bei der Musterung ist. Depressionen klingen aber schön klassisch und ein amoklaufender Grunddienstler mit scharfer Waffe wäre nicht gerade prestigefördernd für den Bund. Aus meiner Sicht wäre das sogar eine verdammt gute Ausrede, dann noch fix ein paar mal zur Psychatrie und irgendwas daherlabern damit man seinen Schein bekommt und schon hat man ein Jahr gewonnen.Erst einmal also garnichts glauben was so erzählt wird. Besonders keinen Bildreportern, Innenministern und Pressesprechern der Polizei.

  7. Ich glaube Darth_Mueller spricht mit der Aufforderung „Wählen gehen“ genau die richtige Idee an – nämlich Engagement im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und im eigenen Umfeld.Wenn ein Politiker sagt, Killerspiele im Allgemeinen müßten verboten werden, dann kann ich als einzelne Person gegen eine solche Aussage wenig unternehmen.Wenn in den Medien durch falsche oder unvollständige oder inkompetente Berichterstattung ein Zerrbild von Spielen in der Öffentlichkeit entsteht, dann kann ich als einzelne Person dagegen auch nichts unternehmen.Was ich aber tun kann ist Einfluß auf die politische Richtung auszuüben. Ohne diese Frage hier zu sehr vereinfachen zu wollen – aber es gibt Parteien deren eigenes Grundverständnis offener und diskussionsbereiter ist als das anderer Parteien. Der Punkt dabei ist aber: Den Hintern muss ich schon selbst hochbekommen und ins Wahllokal tragen.Der zweite Punkt ist: Ein einzelner kann zwar nur schwer Einfluß auf die Gesellschaft nehmen, er kann sich aber sehr wohl mit seinem engstem Umfeld, der Familie und dem Freundeskreis auseinandersetzen.Es spricht viel dafür sich einfach mal mit den nichtspielenden Familienmitgliedern und/oder Freunden zusammenzusetzen um mit diesen über sein Hobby zu sprechen und es ihnen zu vermitteln.Es ist nur, wie so häufig, ein kleines bisschen Eigeninitiative gefragt. Weder harte Provokation, noch gesellschaftliche Revolution, noch der Rückzug ins Biedermeier mit Tee trinken muss sein.Stattdessen sollte jeder einzelne die Leute „aufklären“, die er erreichen kann……Damit ich endlich wieder in Ruhe auf meiner Couch hocken und zocken kann.Sspielt weiter.

  8. @Nr2: Die Idee zu einem Amoklauf kommt nicht von Computerspielen, sondern von anderen Amokläufen. Gerade der Rummel durch Medien und Politik ist doch gerade der Reiz dran. „Normalen“ (Selbst-)Mördern interessiert sich doch widmet doch nicht mal das lokale Käseblatt mehr als 2 Zeilen.Und solange das als Event von den Medien „gefeiert“ wird, solange wird es auch Amokläufe geben.Deswegen habe ich auch kein Mitleid für die Täter. Das sind stinknormale widerliche Mörder und die Welt ist besser ohne sie dran. Sicherlich hätte da jemand besser aufpassen müssen, aber das gilt auch für jeden anderen gewalttätigen Spinner – nur dafür hebt ja kein Politiker und Journalist den Arsch hoch.

  9. ich bin ja sehr ein verfechter des tee-trinkens. und zur dreingabe in sinnvollen momenten ein konstruktives gespräch. mit nem killerspieler-shirt werde ich aber nicht rumlaufen. und zwar aus dem grund, weil ich mir nicht von leuten, die ihr wissen über das thema nur aus tagesaktuellen medienblasen beziehen, eine position aufzwingen lassen möchte, in der ich pauschal jeden mist verteidige, den das genre so von meiner warte betrachtet hervorbringt, bloss weil es unser mist ist. dafür ist mir persönlich das ganze untergenre der kriegs-shooter mit seinem latenten bis deutlichen militarismus zu widerwärtig und der vierzehnjährige tournier-counterstrike-anwärter einfach zu nerdig. denn ein aspekt, der mir persönlich an dem gedanken von dem nextgen-politiker mit viedeospielsozialisation besonders gefällt, tritt gerade verständlicher weise auf unserer seite etwas in den hintergrund: wie dieser/diese gemeinsam mit vielen anderen ungläubig mit dem kopf schüttelnd auf die qualität der sachen zurückschauen wird, die er/ sie da vor zwanzig jahren so gespielt hat. und hier ist doch eigentlich der punkt. es ist sinnlos, irgendwelche 60jährigen volksparteiler, die um ihre vorletzte wiederwahl bangen müssen, heute mit kulturellen welten zu konfrontieren, die ihnen und ihrer wählerschar immer fremd bleiben werden. schade um die energie und kreativität, die wir meiner meinung nach lieber darauf verwenden sollten, innerhalb der community mehr druck aufzubauen, der auf eine wirkliche weiterentwicklung gerade im actionspiel-bereich zielt. denn das da in bälde mal was kommen muss, damit man sich selbst als zocker noch ernst nehmen kann, die empfindung teilt nach meinem dafürhalten doch eine wachsende zahl von leuten. so, wie das genre jetzt in seinem mainstream erzählt – ganz ehrlich, wäre mein bedauern bei seinem dahinscheiden ein eher geringes.

  10. 1. Ist im Kampfanzug unterwegs -> Lüge2. Psychisches Wrack -> Lüge3. keine Freunde -> Lüge4. harter Counterstrike Zocker -> Lüge5. wurde ständig gemobbt -> Lüge6. hat Amoklauf großspurig angekündigt -> Lüge7. Papi hatte eigenen Schießstand im Keller -> Lüge8. Hat sich selbst erschossen -> LügeIch denke inzwischen, bis auf die Tatsache, daß es Tote gegeben hat, dürfte an der ganzen Story kein Wort stimmen, vermutlich nicht einmal der Name des Täters (der ja bereits fünf Minuten nach der Tat feststand).Daß es sich bei 3/11 um eine Art deutsches 9/11 handelt (nachdem der "islamistische Terror" ja nicht mehr wirklich zieht) halte ich durchaus für möglich.Ist auf jeden Fall äußerst praktisch, um ein paar Sicherheitsgesetze durchzukriegen, die in der Weltwirtschaftskrise nochmal richtig nützlich werden könnten. Auch eine großflächige Entwaffnung der Bevölkerung finden einige Kreise sicherlich unheimlich praktisch im Hinblick auf die Zukunft.

  11. (offtopic)@ joeunter anderem ich (cool, wollte schon immer mal „einige kreise“ sein!) „ein volk unter waffen“, super! haste noch mehr so tolle ideen? vielleicht schonmal vorbeugend die eine oder andere weltmarkt-befreite (hüstel, nationale, hüstel) zone, bevor uns die regierungsschweine unsere knarren weg nehmen?

  12. Zur Errichtung einer roten Diktatur sind zuviele Waffen in der Bevölkerung recht hinderlich. In den USA geht zwar die Hölle ab, aber zumindest ist sowas wie die DDR auf dortigem Boden schlicht nicht möglich. Deren Verfassungszusatz entstand aus bitteren geschichtlichen Erfahrungen.Ich besitze übrigens weder Waffen noch Waffenschein und sehe auch keinen Bedarf darin, welche zu besitzen. Dennoch sehe ich eine wehrlose Bevölkerung, die einer bis an die Zähne bewaffneten Junta gegenübersteht, nicht als Garant der Freiheit an.

  13. Anscheinend wurde mein Text nicht verstanden oder nicht richtig gelesen. Ich habe nirgends geschrieben das der Amoklauf „nur“ mit Computerspielen zusammenhängt. Sondern das sich ein kranker Mensch evtl daraus oder aus Zeitung oder Film „Medien“ seine Ideen für sowas holt.Und wenn das alles Lügen sind hat er das sicherlich aus reinem Spaß heraus gemacht. Er war keineswegs krank er wollte nur mal eben ins Fernsehen um ein paar Menschen abzuschlachten und dann sich selbst. Hör doch auf hier alles als Lüge darzustellen. Klar glaub ich denen nicht jedes Wort aber ein Funke Wahrheit wird schon drin stecken die können da nicht einfach irgendwas aus den Fingern saugen.

  14. Zur Errichtung einer roten Diktatur sind zuviele Waffen in der Bevölkerung recht hinderlich.Ich möchte Dich ja nur ungern aus Deinen Träumen reissen, aber privater Waffenbesitz spielt und spielte bei der Errichtung einer Diktatur moderner Prägung überhaupt keine Rolle. Eine Diktatur wird dann erfolgreich errichtet, wenn es genügend Menschen gibt, die davon profitieren oder glauben davon profitieren zu können. Da kann im Keller auch Ausrüstung für ganze Panzerbataillone stehen …

  15. Einmal mehr nehme ich erfreut zur Kenntnis, dass an zumindest einem Ort im Netz differenziert über Winnenden & Co. diskutiert wird. Nur eines möchte ich gerne in den Raum stellen: Was, wenn Computerspiele doch "schuld" an Amokläufen sind? Ein gängiges Argument ist doch, dass ein relevanter Anteil der deutschen (männlichen) Bevölkerung reihenweise Shooter zock(t)en, ohne sich und ihren Mitmenschen ernsthaften Schaden zuzufügen. Wie vermutlich fast alle hier haben wir zum Bildschirmgeschehen eine grundlegende Distanz, weil uns eine emotionale Bindung zu dem Spiel fehlt; ich meine dabei allerdings nicht eine gute Story oder gelungene Grafik (die auch "emotional" wirken kann) sondern eine Verbundenheit mit dem Geschehen selbst. Anders ausgedrückt: hätte es 1950 schon Medal Of Honor/Company Of Heroes etc. pp. gegeben, wäre es in der Gruppe der damals 25-30 Jährigen sicherlich nicht gut verkauft worden, weil das Szenario (WKII) zu nah am eigenen Erleben gewesen wäre. Wie komme ich darauf?Als angehender Mediziner bin ich (wie alle anderen deutschen Medizinstudenten auch) in Kontakt mit der Notfallmedizin gekommen, also den Tatü-Tata-Ärzten. Vor 1 oder 2 Jahren habe ich mal per Zufall Emergency 3 in die Hände bekommen. Und obwohl ich mich in der Zeit zuvor und danach unbedarft durch diverse Shooter und RTS-Spiele geballert habe, hat mich Emergency als erstes Spiel ernsthaft erschüttert. Ein blödes Detail (Notärzte können im Spiel die Gesundheit verletzter wieder "aufladen") hat mich dabei geradezu wütend gemacht, weil mir nur allzu klar ist, dass dieser Prozess (die Stabilisierung eines Schwerverletzten) eigentlich eine hochkomplexe (und viel zu häufig auch frustrane) Sache ist. Die Frage die ich mir dabei stelle ist, ob eine solche "emotionale" Reaktion auch anders ablaufen kann, wenn ein Spiel besser in die (vielleicht erträumte) Lebenswirklichkeit passt. So ist doch durchaus vorstellbar, dass ein Ego-Shooter mit wirklichkeitsnaher Grafik eine gewisse Faszination beeinhaltet, weil es in Abwandlung das darstellt, was man sich die ganze Zeit erträumt.Mir ist klar, dass der Schluss von Emergency (oder Fire Department oder … ) auf Far Cry 2 und Konsorten weit hergeholt klingt; worauf ich aber hinaus will, ist der Umstand, dass zwischen Spiel und Spieler etwas stattfinden kann, was uns völlig abgeht, weil die thematisierten Spielinhalte zu weit weg, zu abstrakt sind. Meine Überlegung zielt in die Richtung, in die hier schon mal auf dem Blog beim Vergleich von Johnny Cash-Songs und PC-Spielen bzgl. ihrer emotionalen Wirkung überlegt wurde. Oder psychologisiere ich das zu stark? Konsequenz daraus wäre jedenfalls, tatsächlich "Killerspiele" (zweifellos ein Kampfbegriff) komplett zu verbieten, da Ihre Wirkung so schlecht abgeschätzt werden kann; genauso, wie man Medikamente mit einem unüberschaubaren Nebenwirkungsspektrum ebenfalls vom Markt nimmt.Off topic: Gar nicht weit von uns hat man mal in den 30ern und 40ern ein Volk systematisch bewaffnet; dieses Volk hat heute noch in jedem Haushalt eine Schußwaffe samt Munition herumstehen; der böse Deutsche könnte ja nochmal vorbeischauen. Jedenfalls ist dort der Anteil erfolgreicher Suizide erheblich höher als bei uns, die Zahl amoklaufender Schüler dafür erheblich geringer. Da fragt man sich bloß, warum….

  16. Nur eines möchte ich gerne in den Raum stellen: Was, wenn Computerspiele doch „schuld“ an Amokläufen sind?Dann wird es dafür einen schlüssigen, empirisch eindeutig belegbaren Nachweis geben. Und zwar nicht nur im Rahmen einer Studie von den einschlägigen Auftraggebern, sondern von mehreren Studien unabhängig voneinander und jederzeit nachprüfbar. Dann ist das eine klare Aussage und ein Fakt, an dem man sich orientieren muss, auch wenn „uns“ Gamern (wenn ich das mal so sagen darf) das vielleicht nicht in den Kram passt.

  17. Also so wie ich es verstehe, argumentieren die Killerspiele Gegner vor allem damit, daß das wiederholte schiessen auf menschliche Silhouetten die Hemmschwelle senkt. Ich glaube das kann auch durchaus so sein. Nicht umsonst schiesst man beim Bund auf die Pappkameraden statt auf eine Zielscheibe – im Ernstfall soll man auch abdrücken können. Am Ende geht das dann optimalerweise ganz automatisch, ohne nachzudenken.Wäre diese Hemmschwelle nun noch intakt gewesen, vielleicht hätte er ja wirklich nicht abgedrückt. Klar, kann sein. Aber hätte er keine Waffe gehabt, hätte er auch nicht geschossen. Da gibts noch massenhaft andere „hätte’s“.Sie haben da ja vielleicht einen Punkt, bloß ist es nur ein ganz kleiner, nahezu unbedeutender Aspekt des ganzen Problems. Killerspiele zu verbieten ist erstmal das einfachste was man machen kann und die älteren Herrschaften, die die Spiele nicht kennen, sagen erstmal: „Wieso nicht? Die sind ja auch wirklich schlimm.“ Und ganz nebenbei haben sie dann auch gleich was gegen die zunehmende Gewalt in den Medien getan, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, wie praktisch.Ich interessiere mich kaum/ganz selten mal für Shooter, darum würde mich ein Verbot auch nicht sonderlich treffen. Ich glaube ehrlich gesagt auch, „Schaden kann es nicht“. Bloss weiss ich, helfen wirds halt auch nicht. Hemmschwellen kann sich auch anders abkonditionieren, auch wenn es ohne die „Killerspiele“ vielleicht etwas mehr Kreativität fordert. Und Gewalt konsumieren die Leute dann eben über andere Medien – Fernsehen, DVDs, Handyvideos, Internet. Und ich finde da muss man, wenn man A sagt, auch B sagen und in Konsequenz gewaltverherrlichende Filme, Videos, Spiele, Lieder, Comics, Bilder und Bücher und was man sich sonst noch so alles vorstellen kann ab einem bestimmten Punkt ebenfalls verbieten. Naja, Bücher dürften vielleicht bleiben, weil sie nicht so leicht zugänglich sind wie die anderen Medien. Aber das wars auch schon. Bloss, wer will das entscheiden und wer will das vor allem durchsetzen? Und wie soll man das überhaupt durchsetzen? Das ist nämlich gar nicht so einfach. Das geht fast gar nicht. Wir haben alle als Bälger exzessiv Doom oder Mortal Combat gespielt, egal obs auf dem Index stand. Grade dann haben wirs ausprobiert und weil die Spiele gut waren, ist man dabei geblieben. Das Internet vergisst nie und alles ist frei zugänglich. Da hat man doch gar keine Chance.Was ich sagen will ist: Ich sehe die zunehmende Gewalt in den Medien schon als Problem und denke Spiele wie CS sind da keine Ausnahme. Jedoch nur eins dieser Medien rauszupicken und zu verbieten, und zwar (klassisch) das modernste Medium, ist populistischer Unsinn, wie so oft. Keine Verbotekatalog dieser Welt kann eine vernünftige Erziehung ersetzen. Die Eltern müssen sich um ihre Kinder kümmern, und der Staat sich um die Eltern. Da sollte man imho ansetzen.Und zuletzt: 100%ige Sicherheit gibt es nicht. So etwas wird immer mal wieder passieren, solange ein Mord nicht schwerer ist als ein Fingerzug. Die guten, alten Zeiten sind vorbei. Danke, Fortschritt. ;)Ansonsten: ganz klar pro Tee! Und pro bloggen! 🙂

  18. Wenns nicht so bizarr wär!Die Debatte läuft ja schon seit zehn Jahren im Kreis und ich hatte eigentlich gehofft, dass das Thema (siehe dritter Weg) bald endlich durch wäre. Ich habe mir heute im RL anhören müssen: „WAS? Du spielst Killerspiele??? Du bist doch so lieb?!“ Als Weibliche bin ich wenigstens vom Verdacht befreit, sofort die Pumpgun zu zücken, aber ein Generationenproblem ist das nicht. Wenn überhaupt, dann sind wir (unabhängig vom „Seniorgaming“) die ältere Generation, die, die zuerst im Netz angekommen und es für Kommunikation im Freizeitkontext erobert hat. Auch Blogs gäb es nicht ohne uns Gamer, ohne die Nerd-Websites, die Jungs, die die Server aufgesetzt und Clans formiert, sie auf Clanseiten verwaltet und in Foren gebändigt, für die Verbreitung von Messengern und Kommunikationstools haben. Und ich kenne genug Gelegenheiten, bei denen Gamer mit fröhlichem Krakeel gegen die unsägliche Wortzensur in Foren angerannt sind und Redefreiheit ohne distinktiven Klassenschwachsinn verteidigen und einfordern. Und ja, das ist eine Kulturleistung! Ich habe selten so eine egalitäre Truppe erlebt wie in den diversen Gamer-Communities. Wo der Doktorand neben der Bürokauffrau, dem Polizisten und dem Schüler auf der Map erscheint (pünktlich, Sekundärtugend *g*) und Spaß hat. Menschen, die den Gebrauch von Gewalt abscheulich finden und sich im echten Leben da draußen mit Zivilcourage für ihre Mitmenschen einsetzen.Hier steht eine Laiengeneration der ersten verständnislos gegenüber und die Klammer zur dritten „Web 2.0“-StudiVZ-Generation sind die Games und nicht die Blogs. Und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Demokratie Computerspieler braucht und wenn ich eins geübt habe auf den Servern, dann war das Fairness, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Das sind die Werte, die ich mit Zockern verbinde. (Und den häufigen Gebrauch von FU, WAYNE und Ficken!) :-DUnd um ernst zu sein:Wir vergessen in diesem Diskurs eins – dass Amoklaufen auch nichts mit Gewalt zu tun hat. Sondern mit Kollaps. Wenn man mit Shootern Gewalt antrainieren könnte, würden tatsächlich gewaltbereite Sub- und Jugendkulturen (z.B. vom rechten Rand) wie die Schmeißfliegen über unsere Schulen herfallen. Der Druck, der sich in einem Amoklauf entlädt, würde durch einen hektischen Shooter höchstens abgebaut, das weiß jeder, der dieses Spielprinzip auch nur halbwegs kennt. Wir können drüber diskutieren, ob Shooter mit fragwürdigen Inhalten (Krieg, Verbrechertum, Gewalt pour l’art) Jugendliche mit einer Ikonografie vertraut machen, die sie als Vorlage für so eine Tat verwenden könnten. Aber das tun alle TV-Sender und Hauruck-Medien, die sich heuer stolz für die Hüter des Anstands halten.Und das alles wäre wirkungslos ohne den seelischen Kollaps, der die Hürden und Hemmschwellen niederreißt. Wo der herkommt, das sollte untersucht werden. Ganz offensichtlich nicht vom Shooterspielen. (Und imho auch nicht von herumliegenden Berettas, obwohl ich definitiv für einen Verbleib von Sportwaffen im Sportverein bin, was sollen die Dinger auch außerhalb des Schießstands!)

  19. Also das mit dem Wählen gehn, naja, man kannst versuchen glaub es persönlich aber eher nicht, glaube APO bringt es eher. Was mein Kumpel Fatty und ich seit ca. zwei Jahren machen, wir schreiben unseren Wahlkreis Vertreter im Bundestag höflich aber bestimmt, mit der Bitte uns dabei zu unterstützen, Herrn SSchäuble aller Ämter zu entheben. Wir argumentieren dabei mit dem Tatbestand der Volksverhetzung und der gezielten Militarisierung der Gesellschaft. Es wurde uns noch nie geantwortet, aber es Versucht zu haben reicht schon fürs persönliche Gleichgewicht um nicht verzweifelt Amok zu laufen.Ich bin sehr dafür, sein Hobby des Killerspiele spielens der Öffentlichkeit kundzutun, sich zu outen muss man ja sagen, ob nun mit T-Shirt, Aufkeber oder der Ansage an Kollegen: „Ich geh mal wieder bisschen ballern heut Abend“Wir müsssen dem Zocker in der Öffentlichkeit ein Gesicht geben, das Bild von funktionierenden, vernünftigen und im persönlichen Umfeld vieler Menschen existierenden Gamern die NICHT unter 17 sind und CS als Lebensinhalt sehen.Das Aufteilen von Entscheidungen in Gremien unt Untergremien, bis niemand mehr wirklich die Macht hat etwas zu entscheiden, macht die Demokratie empfänglich für Schwächlinge. Nichts ist widerwärtiger als die Majorität, denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich anpassen,aus Schwachen, die sich assimilieren und der Masse, die nachtollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will.Hab noch nie gewählt und werd es auch nie tun.

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