Zum Ende kommen

Neben mir steht ein Glas Rotwein mit exakt dem selben Füllstand, den es nach dem Ende des Einschenkens hatte. Drei Brotscheiben werden so langsam trocken und der Brie hat sich gemäß Newtons Gesetzen wunderbar der Telleroberfläche angepasst. Fünfneunzig Minuten lang musste diese rustikale und eigentlich verdammt leckere Brotzeit unangerührt darauf warten, dass ich mir ihrer wieder bewusst werde. Ich war aber anderweitig beschäftigt …

Ich musste fünfundneunzig Minuten lang die Final Episode von Battlestar Galactica anschauen.

Das war’s nun. Finito. Aus. Zu Ende. Vorüber. Vergangenheit.

Ein Teil von mir motzt zwar ein bisschen, weil Ronald Moore sich einen Dreck darum gekümmert hat, nun auch JEDES kleine Rätsel aufzulösen, aber der große Rest freut sich, dass Ronald Moore sich einen Dreck darum gekümmert hat, jedes kleine Rätsel aufzulösen. So wie sich Ronald Moore von Anfang an einen Dreck darum gekümmert hat, was wir Zuschauer und Fans gedacht haben, erwartet haben oder manche gar gefordert haben.

Science Fiction, das war und ist im Grunde ein Genre, welches sich im Medium Film in erster Linie über Äusserlichkeiten definiert. Raumschiffe, Aliens, abgehobene Pseudo-Technik und je nach Budget Spezialeffekte bis zum Abwinken. Dazwischen gibt es dünne Dialoge und eine Handlung, die man höflicherweise als rudimentär bezeichnen kann. Der überwiegende Großteil dessen, was wir an Science Fiction auf der Leinwand oder dem Bildschirm sehen können, ist nichts weiter als ein buntes Varieté-Theater, eine Freakshow zur Belustigung der Popcorn kauenden Massen, woran jedoch grundsätzlich nichts Falsches oder Schlechtes ist. Bitte nicht mißverstehen.

Doch irgendwann ist genug. Irgendwann hat man genug. Irgendwann reicht es, den immer gleichen Müll zu sehen, irgendwann kann man sich nicht mehr mit Effektorgien über lichtjahregroße Plotlöcher und belangloses Handlungsgezumsel hinwegtrösten. Nicht, dass Ronald Moore das Rad erfunden hat oder er der erste ist, der Charakterentwicklung und komplexe Plots, die über den üblichen „Bösewicht plant Böses und die Helden müssen es heldenhaft verhindern“ hinausreichen, in die Science Fiction eingebracht hat. Auch ist er nicht der erste, der dies im Rahmen einer TV-Serie getan hat.

Das alles nicht.

Aber er hat es geschafft, in einer schrecklichen, SCHRECKLICHEN TV-Serie aus den 80ern das Potential für mehr zu erkennen und ein Remake hinzulegen, dass mit so jeden Vorstellungen aufräumt, wie Science Fiction im Allgemeinen und Battlestar Galactica im Speziellen auszusehen hat. Er hat es geschafft Produzenten und Schauspieler zu überzeugen, die ihm zum einen den notwendigen kreativen Freiraum und zum anderen ihr Talent und Gesicht zur Verfügung gestellt haben. Er hat nichts neues erfunden, er hat nur das, was er nach Jahren eines schaumgebremsten und handzahmen StarTrek-Next Generation schon immer machen wollte. Eine verdammt gute SF-Geschichte verdammt gut und überzeugend zu erzählen und auch zu einem verdammt passenden und guten Ende zu führen. Ein Ende, welches einen traurig und besinnlich und hoffnungsfroh und deprimiert und ein klein wenig kichernd zurücklässt.

Ich weiß, dass Spiele als Medium so nicht funktionieren. So nicht funktionieren können. Man kann in Spielen keine Geschichte so erzählen, wie sie ein Buch oder ein Film erzählen können. Aber wäre es nicht schön, wenn man die rudimentären Erzählstrukturen, die in Spielen möglich sind, dazu benutzt um im Rahmen der Möglichkeiten zumindest ein befriedigendes Ende hinzubekommen?

14 Kommentare zu „Zum Ende kommen

  1. „Science Fiction, das war und ist im Grunde ein Genre, welches sich im Medium Film in erster Linie über Äusserlichkeiten definiert.“Dem muß ich ganz entschieden wiedersprechen. Einen guten SciFi machen nicht die Äußerlichkeiten aus, diese sind eigentlich nur die Sahnehaube. Das ein guter SciFi sogar ganz ohne Äußerlichkeiten auskommt zeigen z.B. „K-PAX“ und „The Man from Earth“.BG ist abgesehen vom Pilotfilm und den letzten 30min des Finales meiner Meinung nach extrem entäuschend gewesen und hat sich vermutlich nur deshalb so lange gehalten, weil es zur Zeit einfach keine Konkurenz gibt. Mit den diversen Star Trek Serien konnten sie jedenfalls nicht mal Ansatzweise mithalten.

  2. Star Trek war im Verhältnis dazu eine ganz andere Schreibweise von „Trek“.

  3. Guckst du eigentlich noch Heroes? Ich glaub, ich hab nach der Pause 3 Folgen gesehen und dann abgeschaltet… Meiner Meinung nach stirbt Heroes gerade den Matrix-Tod: Der erste Teil (bzw. die erste Staffel) war wirklich klasse, aber mehr war nicht nötig.Da lobe ich mir inzwischen Lost: Wenn man da die ersten 4 Staffeln durchgehalten hat, wird man jetzt mit vielen coolen Auflösungen belohnt. Lost hat definitiv gezeigt, dass man auch trotz einer verkorksten Season noch mal den Dreh kriegt und das ganze Ding in die richtige Richtung lenken kann.Heroes hat es IMO total verbockt und die werden da auch nicht mehr rauskommen. Schneller und lauter macht noch keine gute Serie.

  4. Einen guten SciFi machen nicht die Äußerlichkeiten ausRichtig, einen guten SF-Film :)Doch für jeden guten Film kommen aberdutzende belanglose und schrunzige Vertreter des Genres. Sturgeons Law: 90% von allem ist Mist!Heroes schaue ich noch. Nicht mehr ganz so peinlich, aber noch weit von der Klasse der ersten Season entfernt.Und zum Vergleich BSG – Star Trek sei nur gesagt, dass die Ausfallquote bei ST deutlich höher war, es sehr viel Schrunz gab, was die wenigen ganz erstklassigen Handlungsbögen und Episoden um so strahlender erscheinen lässt. Bei BSG war auch nicht alls Gold was glänzt, aber das Niveau war grundsätzlich sehr viel höher und dichter beisammen.

  5. Puh,nu isses vorbei..Ich mochte BSG sehr, aber diesen religiösen Quatsch habe ich mit gerunzelter Stirn hingenommen.Die erste Hälfte des Finales ist auch wieder vom Feinsten, aber das Ende fand ich eher sinnlos. (will jetzt nicht spoilern)Ich meine den ganzen Engelsquatsch bin ich ja mitttlerweile gewohnt, Aber , ey wirklich.Doch S P O I L E R:Die lassen die Flotte in die Sonne Fliegen, und machen sich, ohne Ausrüstung, auf die neue Welt zu erobern? Sind die bescheuert?“Nehmt wenigstens Werkzeuge mit“, hab ich gerufen „und Proviant.“ „Die kommen so doch nicht mal über den ersten Winter“ hab ich gedacht.

  6. Freut mich zu hören, daß sich BSG bis zum Ende hin ein recht hohes Niveau bewahren konnte.Habe schon vor über 1 Jahr die ersten beiden Staffeln gesehen und bin jetzt im Nachhinein ganz froh darüber nicht so schnell weitergeguckt zu haben, denn nun warten noch 2 exzellente Staffeln SciFi auf mich *Hände reib*.

  7. Ich warte bis alle drei daybreak folgen veröffentlicht wurden, dieses Cliffgehänge erträgt ja kein mensch.Finale episode?. Laut meiner berechnung ist doch grade erst daybreak 2 gesendet worden oder?

  8. [/quote] Man kann in Spielen keine Geschichte so erzählen, wie sie ein Buch oder ein Film erzählen können. [/end quote]Noch nie max Payne gespielt oder? *kopfschüttel*

  9. Ich weiß, dass ich mich damit erneut unbeliebt mache, aber Max Payne erfüllt alle Klischees eines 08/15-Cop-Thrillers. Max Payne überzeugt allenfalls nur durch seine drückende Atmosphäre, jedoch nicht durch Charaktere und Story.

  10. > Finale episode?. Laut meiner berechnung ist doch grade erst daybreak 2 gesendet worden oder?Ja und Nein.. In doppelter Länge, also Teil 2 und 3 in einem.

  11. Naja, bei der großen Aufdeckung der FF am Ende der dritten Staffel hat mich BSG aus der Fankurve geworfen.Deswegen geht mir wie dir bei Heros:Man hat den Bogen gekriegt aber die totale Begeisterung der ersten zwo Staffeln ist weg.(Zuviele Story Cancels)Trotzdem bleibt auch für mich ein ziemlich gutes Ende, ein recht starkes Ende sogar. Es hat Vorteile wenn die Leute keine schlechte Fortsetzung anhängen können. Ein bischen mehr hätte ich Starbuck erfahren wollen, das war mir knapp zu wenig.

  12. So, habs jetzt auch gesehen.Muss sagen, gefiel mir. Ein hoffnungsvolles ende, nicht allzu pathetisch, beinahe ein naives happy end mit einer positiven Botschaft, das der Zyklus sich diesesmal nicht wiederholt.Bissl zu wenig Geheimnisse aufgeklärt, aber ansonsten 1a so ganz un-fanboihaft betrachtet

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