Weniger aufregen, mehr geniessen!

Ein Beitrag aus der Reihe „Spielspass durch Gelassenheit“

Das Bedürfnis nach Bleifuss und nicht-vorbildlichem Verkehrsverhalten ist groß. Sehr groß!

Zwar habe ich in den Untiefen des, jedwede modernen, ergonomischen Erkenntnisse leugnenden Interfaces eines Burnout Paradise doch tatsächlich die Möglichkeit gefunden, ein Rennen direkt wiederholen zu können, nachdem man es beendet hat, doch zieht es mich dennoch woanders hin. Es zieht mich nach nur kurzem Überlegen hin zu Need for Speed Most Wanted, welches ich zum damaligen Releasezeitpunkt frustriert und angenervt in die Ecke gepfeffert hatte, weil mir die extrem besch… Gummi-KI, das unausgewogene Balancing und die penetranten Polizeiverfolgungsjagden so ziemlich jeden potentiellen Spielspass verdorben hatten.

Nun teilt mir mein Bauchgefühl jedoch mit, dass es endlich Zeit ist, mich Most Wanted genüßlich zu widmen. Und so wie ich zB. bei einem „X-Men Legends 2: Rise of Apocalypse“ auch mehrere Anläufe benötigte, um die, ehrlich gesagt, immer noch gräßliche Steuerung zu akzeptieren, so bin ich nun soweit „Most Wanted“ mit all seinen Fehlern und Designkatastrophen zu akzeptieren, sie für mich zu nutzen und mich einfach an der wunderschönen Optik zu erfreuen.

Die KD ist immer noch extrem dumm, der Schwierigkeitsgrad von Rennen zu Rennen zT. extrem stark schwankend und unausgegoren, die Verfolgungsjagden mit der Polizei machen eben auf Grund dieser Gummi-KI immer noch keinen Spass, doch ich kann meine Augen nicht vom Bildschirm nehmen … war ein NfS Porsche der mit Abstand schönste Racer der Jahrtausendwende, so bietet ein Most Wanted heute zT. weitaus schönere Anblicke als zB. ein Burnout Paradise, welches mir bisweilen ein wenig steril und zu geleckt daherkommt.

Wenn man den Highway entlang rauscht, der herbstlich eingefärbte Wald rechts und links vorbeiwischt, ein kurzer Wolkenbruch die Strecke glänzend einnäßt und dicke, graue Wolken das spätsommerliche Nachmittagslicht verdunkeln, dann ist das einfach nur wunderschön anzusehen, da sich das bei Most Wanted verwendte Art Design wohltuend von den, in diesem Genre üblichen ultracoolen Neonnächten abhebt. Man hat zT. das Gefühl, an der nächsten Kurve nur rechts abbiegen zu müssen, um spontan den Eltern einen Besuch abzustatten, weil das die Gegend ist, in der man vor vielen Jahren aufgewachsen ist. Weniger Großstadt, mehr Kleinstadt. Weniger mondäne Stadtzentren, mehr biedere und „stinknormale“ Vororte, deren Friedhofsruhe man, statt mit den damaligen Knattermofas, nun mit PS- und lautstarken Blechboliden stören kann.

Meine persönliche Ruhe gewinne ich jedoch durch Überlisten der strunzdummen Most Wanted-KD, die stupide mitskaliert, so dass ein Verzicht auf Performance-Upgrades das gegnerische Fahrverhalten auf dem Niveau der ersten Handvoll Rennen einfriert. Sogar BlackLadder-Rennen, die mich seinerzeit in den Wahnsinn getrieben hatten, weil ich den Fehler gemacht hatte, mein Fahrzeug doch tatsächlich schneller machen zu wollen, lassen sich nun relativ entspannt gewinnen. Und hat man zudem durchschaut, zu welchem Zeitpunkt die KD die gegnerischen Fahrzeuge entweder raketengleich nach vorne beschleunigt oder spontan auf offener Strecke ungehindert (!) bremsen (!) lässt (so pathetisch, lächerlich und peinlich mitanzusehen), ist nahezu jedes Rennen auf der linken Arschbacke zu gewinnen.

Damals, zum Release, hatte mich diese armselige Zurschaustellung billigster KD-Algorithmen massiv verärgert. Ich kam mir einfach nur noch verarscht vor, weil der Rennerfolg überhaupt nichts mit meinem fahrerischen Können zu tun hatte, sondern größtenteils nur vom Ausnutzen eklatanter Gameplay-Schwächen abhängig gemacht werden konnte.

Die Bullen bedrängen Dich zu sehr? Kein Problem, fahr einfach schlecht. Fahr so schlecht wie Du nur kannst, gerade noch gut genug, um keine Festnahme zu riskieren, damit man die Gummi-KI überzeugt, die lästigen Polizeifahrzeuge sofort in den nächsten Gegenverkehr oder Hausecke zu lenken. Bemühe Dich gar nicht darum, die Polizei durch besseres, geschickteres Fahren abhängen zu wollen, da die Fahrzeige sich Deinem Fahrverhalten direkt anpassen. Je besser Du fährst, desto besser fahren sie. Je schlechter Du fährst, desto größer sind die Chancen, dass sich, wie weiland bei den Blues Brothers, hinter Dir große Blechberge auftürmen und die Polizei mangels einsatzfähiger Fahrzeuge die Verfolgung abbricht.

Dieses besch…, miese und kontraproduktive Gamedesign fand ich damals (und auch heute) nur noch beleidigend. Ich will Rennen gewinnen, weil ich der schnellste Fahrer im Feld bin und nicht, weil ich die fehlerhaften Spielmechanismen zu meinen Gunsten ausnutze, quasi mit Segen der Entwickler offiziell cheate.

Heute jedoch kratzt mich das nicht mehr so sehr, ich kann darüber mittlerweile lachen, rase (oder schleiche, je nach Bedarf) entspannt durch das hübsche Städchen Rockport, bescheisse mich die Rangliste stetig nach oben und erfreue mich an der, dank Resolution-Hack, wunderschönen Breitleinwand-Optik und dem immer noch schönsten Arcade-Racer der letzten Jahre.

Zumindest so lange, bis ich mich sattgesehen habe und bei „richtigen“ Rennspielen wie zB. Flatout, wieder auf ehrliche Weise den Siegeslorbeer erringen möchte.

13 Kommentare zu „Weniger aufregen, mehr geniessen!

  1. KI = Künstliche Inkompetenz.Bei der der Leistung heutiger Recher würde ich vermuten, das ein vom Rechner gesteuertes Fahrzeug (im Spiel) nicht zu schlagen wäre.Das ist auch nicht der Bringer

  2. Der Reaper-Bot, der erste Bot für Quake 2, war schon damals auf Maximal-Setting nicht zu schlagen. Kein Mensch kann so schnell und effektiv reagieren, wie ein auf den jeweiligen Level perfektionierter Algorithmus.Der Trick besteht nun darin, dem Spieler mit fest definierten, sich langsam steigernden KI-Fähigkeiten, an die Feinheiten des Spieles heranzuführen und ihn nicht mit dynamischer Schwierigkeitsanpassung dafür zu bestrafen, dass er im Laufe des Spieles besser wird. Auf welchem Niveau und zu welchem Zeitpunkt man bestimmte Fähigkeiten festlegt, ist nur nach langwierigem Balancing ersichtlich. Der Grund, warum viele Entwickler sich diese mühselige Arbeit (oder frei wählbare Schwierigkeitsgrade) ersparen und den Spieler stattdessen mit Gummi-KI und Dynamic Leveling verarschen, bzw. das in ein Spiel einbauen, weil es ein kommerziell erfolgreiches Spiel so vorgemacht hat und irgendein Marketing-Hohlkopf nun verlangt, dass dies ebenfalls drin sein müsse.

  3. Tststs, der Reaper-Bot war 'n Bot für Quake 1. Aber trotzdem der absolute Hammer.Durch den letzten X3-Newsletter bin ich übrigens auf eine lustige Möglichkeit gekommen, Spiele nochmal auf eine ganz andere Art zu genießen: DiD bzw. Dead is Dead. Man hat nur ein Leben, Load & Save gibt es nicht. Wenn du stirbst, ist das dein Pech, dann mußt du von neu anfangen. Und damit spielt sich Q1 wirklich nochmal ganz anders, etwas aufregender irgendwie. Demnächst probier ich das mal mit Rott oder so. Und zu NFSMW: Gerade die KD hat es für mich zu einem der schönsten NFSs gemacht, die es gibt. Ich bin nämlich nur ein unterdurchschnittlicher Fahrer am PC – in RL habe ich nicht mal nen Führerschein. Das war bei Most Wanted überhaupt nicht wichtig und gewinnen konnte ich trotzdem oft genug. 😉

  4. Tststs, der Reaper-Bot war ’n Bot für Quake 1.erm, ähem … meint ich doch :)Ich bin nämlich nur ein unterdurchschnittlicher Fahrer am PCDas war seinerzeit mein Fehler mit MW. Ich habe versucht es ehrgeizig und „ernsthaft“ zu fahren, was dazu führte, dass die Gegner dank missglückt implementiertem dynamischen Mitlevelns irgendwann kaum zu besiegen waren. Jetzt jedoch, jetzt fahre ich einfach ganz entspannt und lässig durch die Gegend, motze meinen Wagen nur optisch auf, bolze ständig gegen Strassenbegrenzungen und den Gegenverkehr … und zeige so der KD, dass ich eine ganz arme Sau bin, die man aus Mitleid gewinnen lassen muss 🙂

  5. und zeige so der KD, dass ich eine ganz arme Sau bin, die man aus Mitleid gewinnen lassen muss :)Genau. 🙂

  6. Was ein Zufall, genau das Spiel spiele ich auch seit einigen Tagen. Was ich -wie von dir schon erwähnt- weniger gelungen finde, ist das an meinem Heck kleben bleiben der Polizei und anderer Gegner, obwohl man mit Fullspeed und aufgemotzen Auto fehlerfrei durch die Gegend brettert.Die Rennen waren bisher alle machbar, meist schon bei den ersten Versuchen, nur Bounty nervt mich mittlerweile etwas mehr, und das auf Zeit fahren durch die Schranken war ohne besseres Auto/Tuning irgendwann nicht mehr zu meistern.Bin jetzt bei ca 50% und verliere mittlerweile so ein bisschen die Motivation. Immer die gleichen Aufgaben, nur das es schwieriger und z.T. auch unfairer wird, ich weiß nicht ob ich mir das bis zum Ende antun werde.Aber bisher hatte ich wirklich einige Stunden gute Unterhaltung und jede Menge Spaß an der arcadigen Raserei, und war ebenfalls positiv überrascht über die hübsche Grafik und die nett designte Stadt.

  7. Ich mag NSF-MW auch, weil’s so gut aussieht. Endlich mal keine Neon-Nachtfarben und, ja, beschauliche Vorstadt.Und gut aussehen tuts auch auf meiner alten Möhre von 2004, die damals schon bloß ein Office-Rechner war, der ich nur etwas mehr RAM und eine GraKa spendiert hatte und bei der es nur für 800×600 langt. Etwas lächerlich im Gameplay ist allerdings die Möglichkeit, Orte aufzusuchen, wo man der Polizei dabei zusehen kann, wie sie sich gegenseitig zu Schrott fährt: auf dem Dach des Vorbaus der großen Halle, wo die vielen Busse stehen. Auch der Hubschrauber wirft dort seine Rauchbomben ab und fliegt dann weg, weil sein Sprit alle ist. Offenbar kennt die KI nur eine Ebene. Einziger Fehler: man muss die Zeit in Echtzeit absitzen.

  8. Alles Masochisten hier, die zuviel Zeit für schlechte Spiele haben – ist ja noch schlimmer als das bugusing, sich die Spiele auch noch schön reden zu wollen, bäh, ihr habt Jahresspiele von EA echt verdient.Und überhaupt ist Mario Kart das beste wo gibt :).

  9. Ich kann euch GTR-Evolution nache legen … das ist das erste Rennspiel, das mich wirklich beschäftigt. die N4S-Reihe hat doch schon lange „fertig“ GrüßeFatty

  10. die N4S-Reihe hat doch schon lange „fertig“ Natürlich hat sie das, bestreitet ja auch niemand. Aber zum vollkommen sinnentleert und grobmotorisch durch wunderhübsche Gegenden brausen taugt es allemal.

  11. Nein, noch nicht. Da müssen erst noch einige Jahre vergehen, bis ich entspannt genug bin, um in diesem Misthaufen die vielbesungene Nadel zu finden.

  12. Uargl. Scaling nervt und sollte bei Androhung von Volks- und Dickebackenmusik verboten werden.Aber solange du dich im realen Straßenverkehr nicht auf scaling deiner Mitbürger verläßt sei dir der Augenschmaus von NfSMW gegönnt.Stunts rulez.Spielt weiter.

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