Zwei Dinge sind unendlich …

Das eine ist frei nach Albert Einstein wahrscheinlich das Universum. Das andere ist definitiv und unter JEDER Sichtweise die menschliche Dummheit.

Aktuell sieht man dies wieder an der glorreichen Entscheidung von Atari, die seit einer Weile wie ein Damoklesschwert über der Firma schwebende Insolvenz zu beschleunigen, in dem man für den PC-Port von „Ghostbusters“ auf sämtliche (!) Multiplayer-Features verzichtet, aber dem Spiel das übliche Online-DRM aufzwingt. Cool, nicht? Dass die PS2-Version keine Multiplayer-Features aufweist, ist noch ein wenig nachvollziehbar. Dass die Wii-Version keine Multiplayer-Features aufweist, ist schon nicht mehr nachvollziehbar. Dass jedoch die PC-Version keine Multiplayer-Features bekommt, ist an Dummheit nicht mehr zu überbieten.

Man erinnere sich, wie sich EA darüber beklagte, dass die PC-Versionen der letzten Jahrgänge der FIFA, NBA oder Football-Sportspiele sich nur äusserst mäßig verkauft haben? Dass die PC-Besitzer irgendwann die Nase voll davon hatten, mit veralteten PS2-Ports abgespeist zu werden, weil man auf Grund irgendeiner surrealen Gewinnmaximierungspolitik Plattformen mit geringerer Popularität mit minderwertigeren Versionen versehen hatte? Dass EA nach einigen Jahren rückläufiger Verkäufe und den traditionellen Schuldzuweisungen („Pirates! Pirates!“) nun versprochen hat, zumindest die nächsten PC-Versionen der FIFA-Reihe auf Basis der jeweils aktuellen 360-Versionen bereitzustellen, während man die PC-Version der Madden-Serie nun komplett streicht?

Ich frage mich, ob die Zahlenschubser bei diesen Konzernen überhaupt wissen, in welchem Markt sie sich bewegen. Ich frage mich, ob diesen Sesselfurzern überhaupt klar ist, dass die Zahlen auf der Einnahmeseite nicht automatisch aus der Luft generiert werden, sondern aus den umgesetzten Kaufabsichten von Menschen aus Fleisch und Blut stammen? Wie kann man nur so dumm sein zu glauben, ein bereits erfolgreiches Marktsegment ABSICHTLICH mit minderwertigen Produkten zu ruinieren, um die Kunden in ein Marktsegment mit höheren Profitmargen treiben zu können? Nun, ich will hier jetzt keine globale Kapitalismuskritik vom Stapel lassen, aber da diese Denke, irrsinnige Wachstumssteigerungen und hohe Rendite würden sich linear und konstant über Jahre hinweg erzielen, in der Realität zum Platzen der Credit Default Swap-Blase und zur derzeitigen Wirtschaftskrise geführt hat, werden wir die endgültige Insolvenz von Atari wohl früher sehen können, als den Atari-Mitarbeitern lieb sein kann.

In der Philosophie gilt der Tyrannenmord als moralisch durchaus vertretbare Handlung, um Leid und Gewaltherrschaft vom Volk abzuwenden. Ich frage mich, ob die aktuelle französische Variante des Tyrannenmordes, Top-Manager für einige Stunden oder Tage durch die Mitarbeiter in öffentliche Geiselhaft zu nehmen, nicht ins gültige Arbeitsrecht übernommen werden sollte?

7 Kommentare zu „Zwei Dinge sind unendlich …

  1. Ja die Franzosen und der Chef als Geisel, das führte hier auch zu zustimmendem LOL in der Kollegenschaft. Irgendwie beeindruckend wie da mal Tatsachen geschaffen werden können wenn denen das Hinhaltepalavern zu bunt wird.

  2. Dummerweise sind wir Deutschen zu brav für solche Aktionen und in Ami-Land gilt sowas bestimmt als verdammenswertes, sozialistisches Schreckgespenst :)Der Punkt ist aber, ich weiß leider nur zu genau, wie nicht wenige Verantwortliche in entsprechenden Positionen ticken, dass sie Opfer einer selbstverschuldeten Wahrnehmungseinschränkung sind, in der man das eigene Unternehmen nur noch in Form von Powerpoints und Excel-Tabellen wahrnehmen kann, wo man sich Stück für Stück immer weiter von der Realität entfernt und man ausser einer kurzsichtigen und kurzfristigen Bilanzdenke nichts mehr in der Birne hat.Klassisches Strategie- und Management-Versagen. Und jeder Versuch, dieses Dilemma zu lösen, wird in der Regel als persönlicher Angriff auf die eigene Machtposition gewertet, weil sich auf diesen Stellen oft genug nur Leute befinden, deren Qualifikation so gerade noch ausgereicht hat, um diese Position zu bekommen, nicht mehr jedoch, um sie entsprechend auszufüllen.Würde ich es besser machen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass sich ganze Hundertschaften von externen Management-Beratern davon ernähren, genau diese Denk- und Verhaltensblockaden (gut bezahlt, aber oft genug vergeblich) zu lösen, weil sich viele Firmen ab einer bestimmten Größe nur noch selber im Wege stehen, sie nicht mehr zu "managen" sind.

  3. Traurig aber wahr. Mich bringt diese Dummheit und Inkompetenz (nicht nur in der Softwarebranche) immer mehr auf die Palme, und ich befürchte mittlerweile nicht mehr, sondern würde stattdessen eine gewisse Sehnsucht und Genugtuung darin verspüren, wenn es in so manchen Reihen und Etagen mal wieder so richtig kracht und Köpfe rollen.

  4. Da sieht man mal wieder, was ein BWL-Studium anrichten kann. Es kann ja nix vernünftiges dabei rauskommen, wenn die BWL'ler nur nach Theorien, Systemen und Zahlen arbeiten. Mein VWL-Lehrer hat auf die Frage, was einem diese ganzen Theorien denn bringen, wenn sie in der Praxis sowieso kaum oder gar nicht zutreffen, immer geantwortet, dass einem so grundlegende Zusammenhänge besser klar werden. Sie sind also zum Lernen da.Blind wirtschaften sollten man nach ihnen nicht. Man braucht da glaube ich ein Gefühl für Menschen und ihre Wünsche und Abneigungen, wenn man im Großen Stil in eine Branche einsteigt. Sonst wird das nix. Und genau das sollte Atari sich mal bewusst machen….

  5. Wer in eine typische Endverbraucher-Branche einsteigt, sollte sich schon eingehend (!) damit beschäftigen, was der Kunde so haben möchte. Und wer in eine so riskante Branche, wie es die Unterhaltungsindustrie nunmal ist, einsteigen möchte, der MUSS sich intensiv mit den Wünschen der Kundschaft auseinandersetzen, will er nicht komplett am Markt vorbei produzieren oder zumindest den Anteil an Totalflopps reduzieren. EA ist zB. nur deswegen so groß geworden, nicht weil sie so gute Spiele produziert haben, sondern weil sie das übliche Erfolg/Flopp-Verhältnis von den traditionellen 2:8 auf 4:6 oder gar 5:5 hochgedrückt habenDoch je größer ein Konzern ist, desto mehr entfernen sich die Verantwortlichen von der Wirklichkeit, desto eher fällt man dem Trugschluss zum Opfer, dass der Markt sich nach den Bedürfnissen der Firma orientieren wird. Wie man in letzter Zeit bei EA gesehen hat, denen irgendwann bewusst wurde, dass sie immer mehr am Kunden vorbei produzieren.Bei Atari scheint man den Ernst der Lage aber immer noch nicht erkannt zu haben …Doch letztendlich kratzt das uns, die Kunden, nicht wirklich. Ist das Produkt attraktiv, werden wir es kaufen. Wenn nicht, bleibt der Geldbeutel stecken. Bleibt dabei eine Firma auf der Strecke … jo mei …

  6. Allein die Entscheidung der Firma Infogrames, den Namen Atari anzunehmen, betrachte ich schon als böses Omen…Der Name Atari ist nun einmal mit dem Videogame-Crash von 1983 verknüpft, wie kein anderer: Man erinnere sich nur an das E.T.-Desaster.Es wäre ausgesprochen lustig, wenn der erneute Fall des Namens Atari wieder einmal Bestandteil eines Videogame-Crashs wird.

  7. Wer bei Atari nur an E.T.-Desaster denkt hat einen großen Teil der Computerhistorie verpasst.

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