Die zweite Chance

Das schöne an Spielen, seien es Karten-, Brett-, Computer-, Video- oder Spiele mit den Gefühlen anderer Menschen, ist der Umstand, dass sich der sogenannte „Spielspass“ kaum objektiv und rational messen lässt. Für den einen müssen Pixelshader-Effekte im Terabyte-Bereich die Hardware zum Glühen bringen, der andere spielt seit Jahren nichts anderes als Minesweeper und Solitär in den Versionen, die ein Windows-OS so mitbringt. Wer kann sagen, dass nur „seine“ Vorstellungen von Spielspass die richtigen sind?

Mir passiert es sogar immer wieder, dass ich beim ersten Mal ein Spiel, vor allem angesichts seiner Design-Fehler, am liebsten in der Luft zerreisen würde, nur um eine Weile später (Monate oder gar Jahre) plötzlich festzustellen, dass meine negativen Ersteindrücke zwar immer noch berechtigt sind, ich aber im Laufe der Zeit Abstand genug gewonnen habe, um eben diese Fehler nicht mehr in den Vordergrund zu stellen. Sicher, manchen Spielen habe ich nicht nur eine zweite, sondern gleich ein halbes Dutzend Chancen gegeben, ich kann zB. noch so entspannt und gelassen sein, aber mit einem „Far Cry“ werde ich niemals warm werden.

Der Glückliche der momentanen Reassesment-Phase diesmal ist … Achtung:

Space Siege!

Jaja. Ausgerechnet.

Ausgehend vom entspannten Kloppenlassen, das ich in Dungeon Siege 2 erfahre, dachte ich mir, dass ich Space Siege eine zweite Chance gebe. Denn einer meiner Kritikpunkte der damaligen Demo war genau dieses vollkommen belanglose und mühelose Geballere und Gekloppe, welches ich aber derzeit mangels höherer Gehirnfunktionen zu bevorzugen scheine.

Alle Kritikpunkte der Demo sind auch in der Vollversion vorhanden. Die Steuerung passt nicht zum actionreichen Arcade-Gameplay, die horrenden Systemanforderungen rechtfertigen nicht die harmlose und langweilige Optik und haufenweise Features in diesem Spiel haben nur reinen Gimmick-Charakter ohne großen Einfluss auf das Gameplay. Space Siege ist weiterhin kein gutes Spiel (so mancher wird sagen: Passt doch, Dungeon Siege war schon immer nur öde Grütze!), doch ich kann angesichts der Beliebigkeit, mit der ich mich durch Alien- und Cyborg-Horden schnetzle, die graue Gewebemasse in meinem Schädel zur Ruhe legen und benötige im Grunde nur die Rückenmarkszellen, um mich in Space Siege zurecht zu finden.

Ein sehr gutes Spiel für Teilzeit-Lobotomie-Patienten.

Und so gibt es für (fast) jedes Spiel die richtige Stimmung, den richtigen Zeitpunkt, den Sweet Spot. Man muss nur den richtigen Moment erkennen können und dann ohne Nachdenken spontan handeln.

Mal schauen, ob ich das in der Wirklichkeit auch so hinbekomme … *seufz*

🙂

10 Kommentare zu „Die zweite Chance

  1. Geht mir tatsächlich auch so. Das richtige Spiel zur jeweils richtigen Stimmung/Zeit.Habe auch schon einige Spiele entnervt beseite geschoben, nur um sie zu einer anderen Zeit nochmals hervorzuholen und dann jede Menge Spaß damit zu haben.Mal möchte ich einfach nur ein bisschen hirnlos rumballern und durch einen Levelschlauch durchwatscheln, und mal ist ein Strategiespiel eher angesagt oder ein komplexeres RPG.Gebe deswegen auch öfters mal einem Spiel eine 2. Chance, wenn mich die Lust packt etwas im jeweiligen Genre anzugehen.

  2. 2. Dinge: 1. Was war an FarCry so schlimm? Ich mag Autosave, da ich nicht die Hälfte des Spieles mit Saven und Loaden verbringen will.2. Ja, Dungeon Siege im SP-Modus war nicht sehr toll. Nur kann man den MP-Modus auch als Singleplayer spielen und ist richtig geil. Die Halbinsel Uträa ist wunderschön und frei begehbar.(Aktuell übrigens an Prototype – sehr nettes Spiel)

  3. Ich spiele gerade Gemcraft (Armorgames Flashspiel), ein Tower Defence Teil, mit wachsender Begeisterung, dabei ist es eigentlich zu simpel gestrickt, naja, ich schiebe es mal auf die Hitze und nicht darauf, das ich langsam verblöde ;-).

  4. Was war an FarCry so schlimm?Ich bin nie weiter als bis zum Flugzeugträger gekommen, weil mich Setting und vor allem das pseudo-realistisch sein wollende Gameplay einfach nicht genug motiviert haben, um Savepoints und andere Nicklichkeiten über das ganze Spiel hinweg zu tolerieren, wie es zB. einem Diablo2 immer noch gelingt.Wäre FC ein wenig arcadiger gewesen, mehr unkomplizierter Ballerspass und weniger nerviges "von Baum zu Baum huschen" …

  5. zu Facry:Ich glaube das wurde durch Patches etwas entschärft. Kann mich jedenfalls noch gut daran erinnern, es anfangs ohne Patches gespielt zu haben, und auch beim großen Schiff die Motiviation verloren zu haben.Bin dann Jahre später nochmal fix im GodMode durch das Spiel gerannt. Nicht schlecht, mal etwas anders vom Setting und dem eigenen Angriffsverhalten, aber insgesamt nicht überzeugend genug, um mich dazu zu bewegen, mir später den inoffiziellen Nachfolger Crysis zu holen.

  6. @ Harzzach & Far Cryditodas "von Baum zu Baum huschen", wie du es nennst, ging mir bei Far Cry und teilweise auch bei Crysis ziemlich auf den Keks.Mit Far Cry (Teil 1, der zweite Teil hatte (viele) andere Mängel) konnte ich deswegen nie richtig warm werden, obwohl ich dem Spiel bestimmt schon 2-3 Chancen gab.Dafür gibt’s bei mir zZ Left 4 Dead, Portal & das geile Serious Sam 1.

  7. Hmm, ich hab FC geliebt, 3 mal durch. FC2 allerdings…puhhh…braucht man nicht.

  8. Hmm… ich versteh das Problem nicht. Das Huschen ist das Spielkonzept. Etwas taktisches Vorgehen und kein rumgeballer. Wenn ich sowas nicht mag, dann spiele ich es nicht. Ich würde ja auch nicht sagen "Ich war von StarCraft enttäuscht, aber ich kann RTS Games eh nicht ausstehen".Das hat dann einfach mit dem Konzept zu tun, und nicht damit, ob es ein gutes Game ist oder nicht.Crysis war einer der wenigen Titel der letzten Jahre, die ich ganz durchgespielt hab, die meisten Games motivieren mich auch nur kurz, aber ich fands okay.Es ist dasselbe, wie jetzt beo Prototype: Der Hype. Die Spieler erwarten das Universum, bekommen aber nur ein gutes Spiel. Natürlich sind diese dann enttäuscht. Ich höre einfach nicht mehr auf Hypes, lese keine Vorabberichte mehr darüber und werde deshalb auch seltener negativ überrascht.

  9. Hmm… ich versteh das Problem nicht. Das Huschen ist das Spielkonzept. Blöderweise merkt man das erst dann, wenn man FC ein, zwei Stunden gespielt hat. Und da FC blöderweise auch noch auf einer großen, wunderschönen und frei begehbaren Insel spielt, passt dieses Gameplay zum Setting wie die Faust auf's Auge … nämlich gar nicht. Während ein Splinter Cell oder the Mother of all Sneaky Games, Thief, eine runde Sache darstellen, die mir nicht wenig Spass bereitet haben. Denn hier tut man nicht so, als ob ich überall frei rumspazieren könnte. Hier habe ich kleine, eng begrenzte Level und muss zusehen, wie ich jeden Winkel und jede Ecke zu meinem Vorteil nutzen kann. Hier steckt jeder sichtbare Pixel mit Gameplay-Möglichkeiten voll, während … bei FarCry hingegen krieche ich nur am Boden entlang, steige ab und an in Fahrzeuge, damit man mir zeigen kann, wie toll groß die frei begehbare Insel eigentlich doch ist, nur um bei der nächsten Gegneransammlung wieder ins Gras zu beissen, weil ich eben NICHT wieder von Baum zu Baum gehuscht bin.Far Cry, geile Graphik, schöne große Insel und (für mich) das dazu unpassenste Gameplay, das man sich dazu nur ausdenken kann. Bezeichnend ist hier, dass es Savepoints nur in dem engen Levelschlauch gibt, den der Spieler nach Vorstellungen der Gamedesigner entlangkriechen soll. Was oft genug dazu führt, dass man nicht den geplanten (natürlich unsichtbaren) Savepoint VOR dem harten Feuergefecht auslöst, sondern mit gut Glück erst DANACH über einen anderen Savepoint stolpert (wenn man das Gefecht überlebt), weil man die große, frei begehbare Insel ausnutzt, um eben sich frei (!) zu bewegen.Was eine Verschwendung an Technik, Engine und künstlerischer Leistung. Es hat schon seinen Grund, warum ich keine Respekt vor Yerli und Winseltek habe und warum Crytek trotz internationaler Besetzung ein typisch deutsches Studio ist. Durchaus begnadete Techniker, aber vollkommen (!) unfähig (!) mit Hilfe dieser Technik ein gescheites Spiel auf die Beine zu stellen.Aber dies nur zu den Gründen, warum ich mit Far Cry nicht warm werde 🙂

  10. Also, was das betrifft, dass Spiele nach einiger Zeit doch Spaß machen, die ich vorher überhaupt nicht mochte, kann ich dir nicht zustimmen. Bei mir ist es eher andersrum: Ich habe eine verklärte Erinnerung an alte Klassiker und wenn ich die dann wieder heraushole, dann machen sie nicht mehr ansatzweise so viel Spaß wie früher. Gut, es gibt Ausnahmen, Spiele, die ich auch nach zehn Jahren noch gern zocke. Aber die kann ich an einer Hand abzählen. Das alte Spielgefühl will meistens einfach nicht mehr aufkommen und nach ein bisschen Rumspielen wird das Game wieder in die Tonne gekloppt. Vielleicht bin ich ja einfach zu ungeduldig und lege zuviel Wert auf den ersten Eindruck :-/.

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