Prognose

In zehn Jahren spricht kein Mensch mehr von Activison, während Blizzard längst jemand anderem als Aushängeschild dient.

Warum ich das so behaupte und in den Raum stelle? Sollte Bobby Kotick, momentaner Boss von Activision Blizzard, die in diesem Artikel gemachten Äusserungen zur Unternehmenskultur genauso meinen, wie er sie gesagt hat, gehe ich fest davon aus, dass in zehn Jahren Activision entweder nur ein kleiner Publisher unter vielen sein wird, nur als Marke weiterexistieren oder ganz von der Bildoberfläche verschwinden wird.

Und wie komme ich zu diesem Schluss? Weil ich mittlerweile in zwei Firmen die Erfahrung gesammelt habe, dass mit dem Verschwinden einer entspannten und guten Arbeitsatmosphäre, gerade in kreativen Branchen, die Firma selber langfristig kein gutes Produkt mehr auf die Beine stellen wird. Ganz krass habe ich das bei CDV gemerkt, wo tatsächlich genau die Atmosphäre von „Kleingläubigkeit, Schwarzseherei und Angst“ herrschte, die Kotick scheinbar allen Ernstes bei sich etablieren möchte. In einer solchen Umgebung KÖNNEN keine Produkte und Spiele entstehen, die Spass machen, die Freude bereiten. Eine solche Umgebung macht krank und wer denkt, dass dies keine Auswirkungen auf Kreativität, Produktivität und Qualität hat, wer denkt, dass man Mitarbeiter wie Maschinen optimieren kann, der mag auf kurze Sicht durchaus auf gewisse Erfolge verweisen können, langfristig schaufelt man sich so aber das eigene unternehmerische Grab, denn Innovation und Ideen, um sich von der Konkurrenz abzusetzen kommen NICHT von Mitläufern, Arschbreitsitzern, Speichelleckern oder „nur“ normalen Angestellten, die Punkt Fünfe den Griffel fallen lassen, weil sie lediglich Dienst nach Vorschrift machen.

Aber an langfristigen Unternehmenserfolgen sind die Manager von Heute ja gar nicht mehr interessiert, von daher …

Der Niedergang Musikindustrie beruhte zu einem großen Teil darauf, dass man auf dem Höhepunkt des CD-Booms fast alle R&D-Abteilungen zusammengestrichen hatte und dachte, man könne den Boom mit am Fließband produzierten Castingsbands am Leben erhalten. Eine Weile hat das noch funktioniert, doch irgendwann war das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich prophezeie der Spielebranche EXAKT das gleiche Schicksal, wenn man dort glaubt, Spielspass am Reissbrett passend genau herstellen zu können. Denn Spiele, das sind keine Kühlschränke oder Brötchen. Spiele sind hochemotionale Produkte, die beim Kunden kein Interesse mehr hervorrufen, wenn sie eben diese Emotionen nicht mehr ausstrahlen können. Nicht sofort und nicht von einer Minute auf die andere, aber allmählich werden sich die Leute von den Produkten der Majors abwenden.

Vom Höhepunkt des CD-Booms Anfang/Mitte der 90er bis zum Erreichen des derzeitigen Jammertals sind knapp 10 Jahre für die MI vergangen. Es ist gut möglich, dass vom Ende des derzeitigen Booms bis zur offiziellen Verkündigung der Großen Krise der Spielebranche weniger Jahre verstreichen.

14 Kommentare zu „Prognose

  1. Ich stimme dir komplett zu.Schau dir mal an, wie ATARI gross geworden sind. Da gabs einen Wirlpool mitten im Büro, Mädels gingen ein und aus. Vielleicht auch wieder etwas übertrieben, aber die damaligen Erfolge kann man nicht von der Hand weisen.Als es dann bei denen einen Führungswechsel gab, der die ganze Struktur und den Geist des Unternehmens umkehrte, ging die Traditionsfirma den Bach runter.Will sagen: Es WIRD nicht nur so kommen, es KAM bereits einmal so…

  2. Wenn man den Kotick Bobby sieht, denkt man leider immer viel zu schnell, dass man ihn necht ernst nehmen kann/braucht und es gerät zu leicht in Vergessenheit, dass der süße Racker mit dem übersteigerten Selbstvertrauen Cheffe des weltgrößten Publishers ist.Leider ist das mit Deiner Prognose dann aber doch nicht so einfach. Erstens gibt's da nämlich eben Blizzard und man wird sich sowas von hüten, denen auch nur irgendwie dreinzureden – also eine "unabhängige Kraft", die nicht von Kleingläubigkeit, Schwarzseherei und Angst geknechtet wird gibt's wohl noch ein gutes Zeiterl lang.Zweitens kann man zwar keine Emotionen erzwingen aber Ideen (vor allem wenn man dem Ideengeber genug bezahlt). Guitar Hero ist beispielsweise ein äußerst emotionsloses Produkt, funktioniert aber auf der Ebene auf der es nunmal ähm funktioniert tadellos.Was man außer diesen "neuen Dingen" noch immer sehr gut verkaufen kann, sind lizenzierte Spiele wie star wars irgendwars und spiele zu animationsfilmen oder ähnlichem und auch davon ist ActiBlizzes Portfolio übervoll.Dazu kommt dann noch, dass ein Publisher wenn er allen internen Entwickler schon die Seele ausgesaugt hat, sich ja immer noch auf die Spiele der mehr oder weniger unabhängigen Studios verlassen kann, die er rausbringt.Einerseits hoffe ich ja, dass Du Recht hast, aber andererseits wär das dem Kotick Bobbele (10mio$+/year)so Blunzn (tschuldigung: Wurst)…

  3. Guitar Hero war ein unglaublich geiles Spiel. Ich habe es zwar nur einmal bei Bekannten gezockt, aber am nächsten Morgen gesellte sich zum üblichen Schädel auch das charakteristische Nackenziehen vom exzessiven Headbangen. Wie in alten Zeiten. Hier wurden über ein simples Musikspielchen, welches NIEMAND auf der Rechnung hatte, derartige positive Emotionen geweckt, dass GH (und Konkurrenz) im Laufe der letzten Jahre, neben Sims und WoW, zu DEM Spiele-Franchise schlechthin wurde. Noch kann man diese Kuh gut melken, doch irgendwann ist auch hier Schluss.Ich sage ja auch nicht, dass dies in absehbarer Zeit passiert. Der Niedergang wird aber kommen, wenn in einer Branche, die von kreativen, innovativen Ideen lebt, nur noch die Buchhalter und deren Denke entscheidet. Buchhalter sind wichtig, gar keine Frage. Aber deren Geisteswelt als Leitfaden für langfristige, strategische Entscheidungen zu machen … keine gute Idee.

  4. "Hier wurden über ein simples Musikspielchen, welches NIEMAND auf der Rechnung hatte, derartige positive Emotionen geweckt"Was beweist, dass man Emotionen wecken kann, ohne Emotionen zu investieren ;p

  5. Das beste was CDV zustande gebracht hat war: "Santa Claus in trouble" :-PHol ich jedes Weihnachten wieder aus dem Freeware-Order heraus!

  6. Der Schwarzseherei möchte ich widersprechen – so lange es erfolgreiche Entwickler gibt die genug Geld haben um ihre Spiele zu veröffentlichen wann sie wollen mache ich mir keine Sorgen.Videospiele nehmen mittlerweile einen großen Platz in der Unterhaltung ein und werden diesen meiner Meinung nach nichtmehr verlieren.Es gab Vorfälle in der Vergangenheit in welchen Entwickler von ihrem Publisher "gemelkt" wurden und bankrott gegangen sind. Das waren Einzelfälle die sich vielleicht wiederholen mögen, aber nicht die Videspielindustrie beherrschen.

  7. @fosseyGH kommt nicht von Activision sondern von Red Octane, Activision hat die Serie nach GH2 aufgekauft.Red Octane selbst hat GH gewiss mit großen Emotionen erschaffen, diese sind große fans von Konamis Musik Spielen :)@SackgesichtHaha mit geht es auch so, jedes mal zur Weihnachtszeit (idr ab 3.Advent) wird Santa Claus in trouble gezockt 😀

  8. Aaron, es geht mir hier nicht grundsätzlich um Spiele, sondern nur um das "Wohlergehen" *hüstel* von Activision. Man kann mit so einer Einstellung gegenüber den Mitarbeitern (sollte Kotick das tatsächlich so meinen und nicht nur eine launige Bemerkung gegenüber Investoren und Analysten getan haben) nicht einmal einen Supermarkt vernünftig betreiben …

  9. Zumindest muss sich um Raubkopierer niemand mehr sorgen, in Frankreich ist ja gerade die Sippenhaft wieder eingeführt worden.Geht Europa jetzt wieder ins Mittelalter zurück?

  10. Nö, nur die letzten Zuckungen, bevor man sich seitens der Rechteverwurster ins Unvermeidliche fügt. Denn dieser Krieg, den die Industrie hier mit freudiger Unterstützung der Regierenden gegen weite Teile der Bevölkerung führt, den kann, den wird sie natürlich niemals gewinnen. Sie wird durch solche Maßnahmen und Gesetze die Entwicklung entsprechend sicherer P2P-Protokolle und das Umdenken hin zu OpenSource und Creative Commens-Lizenzen nur beschleunigen.Ich habe es hier schon öfters gesagt: Ich gehe davon aus, dass allerspätestens unsere Enkel in einer Welt aufwachsen, in der die Urheberrechte auf Grund der einfachen und schnellen Kopierbarkeit aller digitalen Inhalte endlich angepasst wurden. Die Rechteverwerter-Industrie, so wie wir sie jetzt kennen, wird in der Form nicht mehr existieren. Auch wird man es endlich aufgegeben haben, das Internet en detail kontrollieren zu wollen. Man passt sich an und findet andere Möglichkeiten. So wie das immer passiert ist :)Diese Welt wird vielleicht nicht besser sein, aber sie wird zumindest in der Hinsicht NICHT den Wünschen der momentanen Führungsriege in Politik und Wirtschaft entsprechen. Denn dort versucht man, anstatt mitzugestalten und bestehende Entwicklungen aufzugreifen, nur das bereits Bestehende mit aller Gewalt zu erhalten. Das geht auf lange Sicht nicht gut.Aber erzähl das mal einem Vorstand oder einem Politiker, die nur von einem Quartal zum nächsten, von einer Wahl zur nächsten denken können/wollen …

  11. "Man kann mit so einer Einstellung gegenüber den Mitarbeitern […] nicht einmal einen Supermarkt vernünftig betreiben …"Wohl aber mehrere Discounter sehr sehr erfolgreich.EA geht es auch nicht schlecht!Mir ist nur wichtig, dass man endlich mal den Namen "Atari" begräbt… Dann ist schon mal ein Schritt gemacht. Sonst denken die für den Rest der Tage, dass man mit einem Markennamen auch nach Krisen noch was reißen kann.

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