Retro-Grenzen

Früher, ja früher … da haben wir die 16 Farben der EGA-Palette noch von Hand oben in den Bildschirm nachgefüllt. Die ganz Harten, die Unbeugsamen, die malten das Geschehen auf dem Bildschirm noch in Neongrün oder Bernstein nach, gemäß den Vorgaben eines Neunnadel-Ausdrucks. Jahaaaaa, damals … da mussten wir jedes Pixel noch im dicksten Schneesturm, bergauf und barfuß einzeln in die CPU schieben. Die Jugend von heute weiß doch gar nicht, wie gut sie eigentlich hat *grummelbrummelzeterrollstuhldurchdiegegendschieb*

Zudem bekomme ich gerne das Kotzen, wenn ich Spielejournalisten großkotzig und überheblich von „grau-braunem Pixelbrei“ reden höre oder man sich bei den mittlerweile üblichen Retro-Rückblicken verächtlich über eine graphische Darstellung auslässt, die vor 10 Jahren bei eben GENAU DIESEN Leuten noch für offene Münder und unkontrollierten Speichelfluß gesorgt haben. Mir rollen sich immer noch ein wenig die Fußnägel auf, wenn ich zB. in Foren das übliche „Spiel sieht geil aus = muss auch geil sein!“- , „Spiel sieht scheisse aus = weg mit dem Rotz!“-Gebrabbel unwissender kleiner Kinder lese. Angesichts des optisch perfekt produzierten, aktuellen Spieleangebots langweile ich mich zu Tode, weil hinter dem all dem schicken Äusserlichen nur heisse Luft steckt.

Doch gestern musste selbst ich zugeben, dass man gewisse technische Fortschritte im Spielebereich nach Möglichkeit beibehalten sollte, denn alles hat seine Grenzen. Selbst mein arrogant-überhebliches „Optik ist nichts, Inhalt ist alles!“


*yuck blähh arghll*

So habe ich dereinst „Dark Forces“ auf meinen treuen, alten 486er gespielt. Die niedrigste der drei Detailstufen, weil für die Vollbilddarstellung bei maximalen Details die Rechenpower nicht ausreichte. Habe ich die zweite Detailstufe gewählt, musste ich den Bildausschnitt (wie damals üblich) verkleinern, was mich trotz “ Man kennt es ja nicht anders“ auf dem schnuckelig-kleinen 14Zoll-Monitor in die Arme des nächsten Optikers getrieben hat. Ein gewisses Briefmarken-Format ist wirklich nicht zu empfehlen. Aber genau wegen dieses „Man kennt es ja nicht anders“, war das auch vollkommen in Ordnung. Wenn sich irgendwo hinten links drei weiß-graue Pixel bewegt haben, dann war das ein Stormtropper, der kurz darauf sein Pixeldasein aushauchen durfte.


*hmmm, nun ja …*

Heute jedoch … nach nicht einmal einer vollen Minute musste der Herr hier den nostalgischen Ausflug in die Vergangenheit abbrechen. Alles was Recht ist, aber irgendwann kann man es mit der Retromania auch übertreiben. Hat schon seinen Grund, warum ich ein Doom oder ein Heretic ja auch nicht mehr im Original, sondern im Rahmen eines der modernen Sourceports zocke.


*ahhh, much better*

Die höchste Detailstufe ist für so manch andere Leute zwar immer noch im höchsten Ausmaß Augenkrebs erzeugend, doch so habe ich Dark Forces erst auf diesem schnieken Pentium 133 erleben dürfen. Geil, was? Kann man sogar aus der Entfernung noch die Texturdetails der Schaltstation erkennen. Gut, ich kann mir natürlich eine bessere Graphik vorstellen, so ist das nicht, und träume immer noch davon, dass der „Dark Forces-Mod“ für Jedi Academy noch zu meinen Lebzeiten fertiggestellt wird. Aber mir genügt es bei diesem Spiel, was ich auf „Details Hoch“ zu sehen bekomme. So kann ich sogar auf einem 26Zoll-Flatscreen gute Erinnerungen wieder zum Leben erwecken und wenn ich plötzlich feststelle, dass ich, anstatt diverse andere Dinge zu erledigen, wieder gebannt durch die Abwasserkanäle von Anoat City stapfe und ich das Gurgeln der Dianogas erneut hassen lerne … hehe!

Dennoch, bei aller Liebe zu diesem Spiel im Speziellen und alten Spielen im Allgemeinen … man muss sich nicht mehr alles von Früher ™ so originalgetreu wie nur möglich geben. Ich bin so gnädig und gestehe dem Fortschritt zu, auch im Mikrominiatur-Universum meines persönlichen Geschmacks seine Spuren zu hinterlassen.

Veröffentlicht in Retro

22 Kommentare zu „Retro-Grenzen

  1. Ach ja…du hast ja Recht…Man ist plötzlich ziemlich ernüchtert, startet man ein damaliges state of the art PS1 Spiel auf einem widescreen LCD. War ja eigentlich mal für so 55er Röhren gedacht ;)Und da wird dann leider aus einem: Yeah, retro ein: Pixel, meh 😦

  2. Und eigentlich will ich seit Jahren die Add ons der verschiedenen Strike und Wing Commander Ausgaben zocken…*seufz*

  3. Oh, Wing Commander habe ich letztes Jahr kurz "anversucht" … bis ich DOSBox den passende CPU-Zyklus herausbaldowert hatte, damit das Geschehen nicht zu zäh, aber auch nicht viel zu schnell ablief, hatte ich schon keinen Bock mehr.Da werde ich mir nächstes Jahr eher einen neuen Joystick zulegen (da trotz mittlerweile dreier USB-Adapter der FF Sidewinder ums Verrecken nicht richtig erkannt wird) und mich an WC3 und 4 versuchen, die ich damals mangels Hardware auslassen musste.

  4. Ich spiele auch immer mal wieder Doom (hat ja nach all den Jahren immer noch eine lebendige Community) und natürlich auch mit Sourceports, allein weil ich nicht auf die Maussteuerung verzichten möchte. Ich weiß echt gar nicht mehr, wie ich damals Doom überhaupt bloß mit Tastatur geschafft habe…Aber trotzdem bevorzuge ich da Engine-Mods wie ZDoom oder ZDoomGL, die zwar eine hohe Auflösung und alle möglichen Anpassungsmöglichkeiten haben, aber trotzdem die alte 2D-Grafik im Kern beibehalten. Also keine hochauflösenden Replacement-Texturen oder farbiges Licht oder Models als Ersatz für die Sprites etc. Passt einfach nicht vom Stil her zum alten Doom.Bei dem ganzen vordergründigen Gerede über Grafik wird oft die künstlerische Qualität eines Gesamtdesigns nicht wahrgenommen. Beispiel: Unreal Tournament 3 sieht ganz doll glitzernd und funkelnd und superdetailliert aus, aber vom eigentlichen Design her ist größtenteils der reinste Kitsch und ein detailüberfrachteter Wust.Das grafische Design von System Shock 2 zum Vergleich ist trotz der uralten Grafik vom Design her stimmig und eine runde Sache und sieht in meinen Augen auch heute noch gut aus.Tetz

  5. Besonders bei 3D Grafik krieg ich heutzutage das Kotzen, wenn ich die ganz alten Vertreter von damals erneut unter die Lupe nehme.Kann ich mir nicht mehr antun, obwohl ich eigentlich keinen sonderlich großen Wert auf riesen Effekte und Details lege, und mir der Stil und ein stimmiges Design wichtiger sind als die Polygonanzahl.Aber irgendwo hat jeder seine Schmerzgrenze.Bei 2D hab ich für gewöhnlich allerdings weit weniger Probleme mit der Grafik älterer Spiele.Bei der Special Edition von MI war ich mit dem Stil der neuen Fassung zwar nicht vollends zufrieden, trotzdem fand ich es angenehm durch hochauflösende Kulissen mit mehr Hintergrundanimationen zu stapfen.Von mir aus könnten allgemein ruhig mehr aufgehübschte Versionen alter Klassiker rauskommen, besonders wenn versucht wird das gewisse Etwas im Look mit einzufangen und kein kompletter Stilbruch stattfindet.Damals sind einige Klassiker ungespielt an mir vorbeigegangen, an die ich mich aufgrund der (für mein Empfinden) zu altbackenen Grafik nicht mehr ranwage.

  6. WC3 und 4 waren Hammer! Teil 4 hab ich in 10 Stunden am Stück damals durchgezockt ;)Starlancer nich zu vergessen…

  7. WC4???Das is doch nichtmal in Entwicklung.Ich kenn nur 3 + addon frozen throe, wenn ich 4 verpasst hätte dann kauf ich mir wohl besser nen papierhut auf dem "esel" stehtOder reden wir hier nicht von Warcraft?GrußD.

  8. Bei dem ganzen vordergründigen Gerede über Grafik wird oft die künstlerische Qualität eines Gesamtdesigns nicht wahrgenommenMein Lieblingsbeispiel ist hier Hexen 2. "Uralte" Quake1-Engine, aber durch einen geschickten Einsatz von Lichtquellen, einem kreativen Leveldesign und erstklassiger Arbeit der Texture Artists immer noch eine Augenweide. Oder nehmen wir WoW. Da kann man in 20 Jahren immer noch innehalten, wenn im Sumpfland die Sonne untergeht und die Landschaft in einen zartvioletten Schimmer hüllt.Starlancer nich zu vergessen…Hmmm, Starlancer … muss mir doch einen neuen Joystick besorgen und schauen, ob ich das Spiel unter W7 zum Laufen bekomme.ignoriert mich einfachAber nur, weil Du es bist.

  9. Also DAS wundert mich jetzt ein wenig- solche Worte aus Harzzachs Mund! Bei mir ist das eigentlich immer so: die ersten 10 Minuten Augenkrebs und innerer Abscheu und Ekel, dann – wenn die Grafik nur stimmig und das Spiel GUT ist, ist die Welt eben so, wie sie ist und wird von mir gar nicht mehr als "schlecht" wahrgenommen! Beispiel : Fallout1 ! Das hab ich ohne Grafikmod auf nem 24"TFT gespielt, und mir ist erst, nachdem ich wieder den WindoofDesktop gesehen habe, aufgefallen, wie KLEIN doch Symbole sein können 😉 nein, also immer vorausgesetzt das spiel ist ein gutes – ist mir die grafik echt egal.

  10. Zwei Anmerkungen meinerseits:1) Retrospiele werden bei mir immer mit den maximalen Einstellungen gespielt. Das ist doch das tolle, das man heute einen Rechner hat der Leistungsstark genug ist um zB ein Ultima IX perfekt darzustellen. Grade diese "das lief damals bei niemandem flüssig" Spiele profitieren enorm. Würde nie auf die Idee kommen künstlich die Qualität zu verschlechtern nur weil ich damals noch aufm 386 gespielt habe 😉 Man muss sich ja auch überlegen was die Programmierer wollten, die haben das Spiel immer für die optimalen Einstellungen entworfen2) Dieser Blogpost ist sehr gewagt. Das besprochene Spiel ist indiziert, jegliche Werbung dafür kann strafrechtlich verfolgt werden. Evtl. möchtest du das ganze doch lieber durch Descent oder so ersetzen 😉

  11. Nur weil man es wagt, etwas wie "Dark Forces" in den Mund zu nehmen, ist es noch lange keine Werbung.Außerdem bezweifle ich, das die Seite in D gehostet ist, kurzer Check sagt US als Host Land, insofern doppelt wayne.Wie dem auch sei, ich lasse mal das "Weichei" Gesülze, immerhin schaffe ich es auch nicht, System Shock wirklich zu spielen – was bei mir aber nicht an der Grafik liegt (puh selbst kein Weichei), sondern an der komischen Steuerung.

  12. Zum Glück besitze ich noch drei Stück Röhren-Monitore in 19" und 22", denn auf Widescreen-LCDs sieht Retro in der Tat einfach nur übel aus und die Filter von DOSBox lindern die Schmerzen nur ungenügend.Der Pixelkrieg ist aber ansonsten reine Gewöhnungssache. Wobei ich mir da jetzt nicht bevorzugt die Pseudo-3D-Teile antue, sondern lieber schön gezeichnete 2D-Sachen nehme. Die X-Com-Serie mal als Beispiel genannt.

  13. Im Zweifelsfalle… redet man sich selbst raus, in dem man darauf verweist, das der alte Röhrenmonitor damals derart ausgelutscht war, das die Pixel alle in einander rutschten und so gar nicht mosaikartig daherkamen – erst auf den Flachpixelbildschirmen sieht das so komisch aus, jawohl ja!Retrospiele spiele ich (auch) gerne auf meinem Palm, da wiegt dann das "was der alles kann" das "wie scheiße sah das denn aus" dicke wieder auf….

  14. 3D-Grafik altert halt ungleich schlechter als das 2D Gegenstück. Ich behaupte jetzt auch einfach mal gewagterweise daß sich gerade im Shooter-Bereich die Spiele seit jeher hauptsächlich über ihre Grafik verkauften. Ein paar Hardware-Generationen später bieten diese frühen 3D-Experimente nichts mehr was man nicht mit aktuellen Titeln auch (und "besser") haben könnte. Da spielt wohl höchstens die Nostalgie mit. Es kann mir keiner erzählen daß jemand der damals nicht dabei war heute noch ernsthaft DooM spielt. Vielleicht mal anspielen um zu schauen wie es damals war. Aber durchspielen? Das glaube ich nicht.

  15. Gerade ein Harzzach sollte wissen, das Grafik != Design ist. Die wunderschön gezeichneten Monkey-Island 1+2 Hintergründ haben designerischen Wert, wogegen ein tristes Matschgraubraun moderner Spiele aus künstlerischer Hinsicht nicht wirklich einen Wert haben.Wir haben eine grosse Farbpalette, stellen aber unsere Gears of War-Grafik immer noch in den 3 matschigsten Farben dar. Geile Grafik ist nicht gleich geiles Spiel, richtig, aber einen etwas künstlerischen Anspruch sollte es geben. Beispielweise finde ich immer noch, dass Commander Keen – speziell ab dem 4ten Teil richtig schön designed war. Die Welten passten zusammen, es war ein hübsche Grafik, die mir noch nicht mal heutzutage in den Augen weh tut.Man sollte, wenn es um Grafik geht, stets Design und Effekte trennen.Oder wie war das mit Unreal Tournament 3? :)Ich bin zwar kein alter Sack, aber auch ich habe noch mit handverlesenen 16-Farben-Pixeln gespielt und manchmal sogar noch CGA mit 4 Farben. Wenn man so aufwächst, kennt man irgendwann seine Prioritäten.

  16. Natürlich weiß ich das. Dennoch tränen mir in Sekundenschnelle die Augen, wenn ich Dark Forces in der Retro-Overkill-Minimaldetailstufe spiele, so wie ich das früher zwangsweise tun musste. Damals ging das, weil man es ja nicht besser kannte, aber heute … meine Fresse!

  17. Das geht mir da auch nicht anders. Ich würde mich heute auch nicht mehr durch die A500 Ruckelorgien-Version von Wing Commander quälen so wie ich es damals getan habe. Es gibt einfach Grenzen. 😉

  18. Du hast Wing Commander auf dem Amiga gespielt? Wow!*sich tief verbeugend* Welch' Leidensfähigkeit, Respekt! 🙂

  19. Tja, das waren halt andere Zeiten. Man musste mit dem klarkommen was man hatte. Und das bedeudete in meinem Fall leider Frameraten im einstelligen Bereich und Diskettenjongliererei. 😉

  20. Dann war ich nicht der einzige, der Wing Commander auf nem normalen A500 gezockt hat.Gerade die letzte Mission mit Zerstörung der Raumstation ging teilweise nur noch bei 8 Bildern/Sekunde oder so…Krass…Und was hab ich das Game damals geliebt…

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