Everybody wins!

Kaum haben westeuropäische Haushalte begonnen, ihre nicht mehr im üblichen Ausmaße vorhandene Kaufkraft nicht mehr für den Autokauf zu reservieren, gab es Staatshilfen, um der Autoindustrie noch ein wenig mehr Zeit zu geben, die immensen Produktionsüberkapazitäten in diesem Bereich abzubauen.

Kaum spuckte ein isländischer Vulkan etwas Asche in die Luft, spuckten die Newsticker die Forderung der Flugesellschaften nach Staatshilfen aus.

Kaum kommt eine Branche in wirtschaftliche Nöte, wird nach Staatshilfe gerufen, weil diese Branchen selbstverständlich systemrelevant sind und man mal ein paar Augen zudrücken kann, wenn die Mechanismen des vielbeschworenen freien Marktes in eine Richtung zu wirken beginnen, die man nicht so gerne haben möchte. Banken, Autohersteller, Großenergieerzeuger, Medienhäuser usw. usf. schicken zuerst ihre Pressesprecher, dann ihre Vorstände und dann gezielt die Lobbyisten direkt in den Ministerien los.

Alle Branchen? Nein, nicht alle Branchen.

Die Spieleindustrie, die hat das nicht nötig. Vor allem die Firmen, die ihren Umsatz hauptsächlich mit Online/Multiplayer-Spielen bestreiten. Hier gibt es keine Marktsättigung, kein Abflauen der Nachfrage. Hier gibt es nur den unstillbaren Hunger der Spieler nach Levelfortschritt, nach Loot und Anerkennung. Deswegen kann man folgenlos Accounts temporär oder dauerhaft wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen sperren. Der sog. “Cheater/Spammer” kauft sich sogleich einen neuen Key (so er nicht schon eine Reihe von Keys im Vorrat hat) und macht genau dort weiter, wo er aufgehört hat. Sich mit unlauteren Mitteln entweder Spielvorteile verschaffen oder im Spiel seine kostenpflichtigen Dienstleistungen zur Spielvorteilverschaffung anzupreisen.

Derzeit schwingt Blizzard wieder mit dem großen Bannhammer und niemanden stört es großartig. Naive Jüngelchen glauben an die unbarmherzige Kraft der Gerechtigkeit, Cheater an die Kaufkraft ihrer Kreditkarte, Spammer an die Wirkkraft ihrer Werbebotschaften und Blizzard glaubt an die Suchtkraft ihrer Spiele, die nicht wenige Kunden dazu veranlasst sich ums Verrecken zuerst unerlaubte Spielvorteile zu verschaffen, nur um nach dem Erwischtwerden und der darauf folgenden Sperre sich neue Zugangsdaten zu kaufen.

Ein Perpetuum Mobile des Geldflusses. Perfekt! Immerwährende, sich selbst generierende Umsätze!

7 Kommentare zu „Everybody wins!

  1. Joa die RMT und vor allem die Käufer….

    Hab da so ne Theorie: Ist es nicht denkbar das ein Online Publisher, der ja die Gewalt über sein Spiel hat, seine GM´s hat….zusätzliche Einnahmen generieren könnte, wenn er Ingame Währung für RL-Kohle anbietet, das verkauft und somit noch mehr Gewinne generiert? Das ganze nicht offiziell, oder wäre das ein Schuss ins eigene Knie?

    Haltbar oder nich?

    Gruß Hotze

  2. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Firma, die aus Publicity-Gründen bestimmte Felder offiziell nicht abdecken möchte, diese über eine Reihe von kleinen, unbekannten Tochterfirmen dennoch beackert. Ein früherer Arbeitgeber von mir war zwar offiziell voll total familienfreundlich und hochmoralisch und so, hat aber hinter den Kulissen mit Zweigfirmen gutes Geld mit Erotikangeboten gemacht.

    Es würde mich daher nicht wundern, wenn es nicht irgendeine Art Beteiligung von Blizzard an einigen der größeren Goldfarmer-Firmen geben würde.

  3. In die Richtung geht meine Annahme auch…jetzt nich Speziell auf WoW bezogen.

    Hatte da in mehreren Foren von verschiedenen MMO´s schon derbe tretende Kritik einstecken müssen – Hatte den Gedanken trotzdem noch, da der 0815 Zocker sich ja kaum bewusst drüber ist was hinter der Benutzeroberfläche seines Spieles so getrieben werden kann…

  4. Wobei wenn „Blizzard“ an Goldfarmer firmen beteiligt währe…müssten diese Firman ja eine andere Bezeichnung erhalten – denn diese Firmen würden ja nich Gold farmen, sondern generiertes Gold von einem GM getradet bekommen.

  5. Solange die verblödete Kundschaft Pferdchen für 20 Euro
    kauft, besser, hundertausend Kunden, muss man das Risiko
    nicht eingehen, sein eigenes Spielgeld im Hinterzimmer
    zu verticken.

    Ich finde den Itemshop bei WoW schon fragwürdig, gehöre
    aber auch zu einer ganze seltenen, aussterbenden Art Spieler, die spielen, um Kapitalismus, Kohle und Statussymbolfetischismus ausblenden zu können…

  6. Seit einigen Tagen gibt es im Blizzard-Shop ja ein neues Mount. Für lächerlich wenige 20 Euro. Ein Reittier. Ist nicht schneller als die normalen Mounts, sieht nur protziger aus. 20 Tacken. Das sind 40 DM. 40 DM für ein paar Codezeilen. Meine Güte. Für 40 DM habe ich mir mein allerstes Computerspiel gekauft. Breach 2. Schön im Karton mit Handbuch. Ein ganzes Spiel.

    Aber wenigstens habe ich Freude daran, Spieler mit diesem Mount in-game auszulachen und zu verhöhnen 🙂

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