Es ist ja nicht mein Geld …

Über Onlive und die Konkurrenz von Gaikai wurde ja viel berichtet und erzählt und so. Cloud-Stream-Gaming und so. Total hyper und so. Highend-Gaming auf jedem poppeligem Netbook. Nie mehr viel Geld für teure Hardware ausgeben, nur um drei Monate später wieder von der nächsten Generation abgehängt zu werden. Nie mehr sich all vier, fünf Jahre eine neue Konsole für 200-300 Euro kaufen müssen … ähh … ja, also, auf jeden Fall nie mehr! Crysis für den kleinen Geldbeutel sozusagen. Toll! Einfach nur toll!

Auf dem Papier klingt das natürlich klasse. Und diverse Vorführungen lassen vermuten, dass das sogar funktionieren könnte, wenn das Netbook direkt neben dem Rechenzentrum des Betreibers steht oder man sich direkt ans Backbone eines Internet-Providers anschliessen kann.

Jetzt, nach einigen Tagen WM-Live-Streamings von ARD, ZDF und RTL (inklusive des gestrigen Stream-Debakels während des Spieles Deutschland-Serbien), abgerufen von einem DSL16k-Anschluss mitten in Deutschlands heimlicher Internet-Hauptstadt, dem badischen Karlsruhe, kann zumindest ich nur sagen, dass Onlive und Gaikai und wie sie alle noch heissen und heissen mögen, an zumindest einem elementaren Problem leiden werden:

Flüssiges, nahtloses Streaming, ohne Lag, ohne Ruckeln, zu jeder Tages- und Nachtzeit, auch noch in HD-Auflösungen? Nicht in den nächsten Jahren. No way! Nicht in Deutschland und erst recht nicht in den USA, dem Hauptmarkt für solche Angebote.

Abgesehen davon, dass ich mich schon die ganze Zeit über Frage, welche Zielgruppe die Jungs da eigentlich im Visier haben? Gelegenheitsspieler, die keine Lust haben, sich entsprechende Spiele-Hardware zu kaufen? Und solche Leute wollen dann Spiele wie Assassins Creed oder Dragon Age zocken, wie sie Onlive im Startaufgebot hat? Wer sowas zocken möchte, der hat entweder schon einen entsprechenden PC unterm Tisch oder eine preisgünstige Konsole im Wohnzimmer stehen. Für wen ist Onlive gedacht? Für die sog. Casuals? Was braucht man für Causal-Titel aufwendiges HD-Streaming? Zudem der Aufrüstzwang für Core-Titel in den letzten Jahren zT. so stark nachgelassen hat, dass das Argument, man wolle die Leute ansprechen, die sich nicht mehr ständig neue Hardware kaufen wollen, ins Leere läuft. Muss man doch jetzt schon nicht mehr.

Ich weiß nicht, irgendwie riechen mir Onlive wie auch Gaikai a bisserl arg nach bewusster Investorenabzocke … oder nach einer Idee, die vor zwei, drei Jahren noch gut klang, aber auf Grund zu optimistischer Schätzungen bez. des Ausbaus von DSL-Infrastrukturen und Entwicklungen im Hardware-Bereich im Grunde zu früh war und zugleich schon wieder überflüssig ist.

Zudem, ich möchte Spiele wie Dragon Age oder Assassins Creed oder Borderlands nicht auf einem Netbook, nicht auf einem iPad zocken. Da habe ich Spiele, die in erster Linie von ihrer visuellen Präsentation leben und gebe mir das dann auf einem briefmarkenformatigen Mini-Bildschirm? Und habe ich ein Notebook oder einen PC mit entsprechender Bildschirmgröße, dann habe ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Hardware im Gehäuse, die das Spiel mit anständiger Qualität selber (!) rendern kann.

Mal ganz abgesehen von den Steuerungsproblemen, die diese mobilen Gadgets so mit sich bringen. Alleine während der Onlive-Präsentation von Borderlands auf einem iPad habe ich im Geiste schon die Kassen der Orthopäden klingeln hören. Wer zur Hölle möchte solche Spiele auf solchen Geräten zocken? Und wofür benötige ich Onlive, wenn Solitär oder Minesweeper oder Bejeweled in etwa die einzigen Spiele sind, die sich auf solchen Endgeräten mit schwacher Hardware vernünftig steuern lassen?

Aber egal, die Gründer von Onlive und Gaikai werden ihren persönlichen Schnitt schon gemacht haben, die Fond-Manager, welche in diese Firmen investieren, verwenden dafür ja auch nicht ihr eigenes Geld und als Kunde ist man auch nicht gezwungen, dort Geld auszugeben.

Ich frage mich dennoch, wer hier letztendlich mit Karacho über den Tisch gezogen wurde? Wessen Geld wird denn hier sinnlos verbrannt?

14 Kommentare zu „Es ist ja nicht mein Geld …

  1. Alles Quatsch da. Vielleicht fehlen einfach nur die Eier, um anständig aufzuhören? Zu sagen: Ok, wir haben und da vergaloppiert, lassen wir das Projekt sterben. Zum Einen muss man im PC Bereich nicht mehr ständig neue Hardware kaufen, meine Kiste von Mitte 2008 reicht immer noch locker für alles was so erscheint. Neue relevante Konsolen kommen auch nur alle Jubeljahre mal auf den Markt. Zum anderen kann ich mir einfach aufgrund der Verbindungslatenzen ums Verrecken nicht vorstellen, daß man als quasi Terminalanwendung was anderes zocken kann als Hearts, Schach oder 3D Billard. Wird der Kram schon im Feld erprobt?

  2. Wird der Kram schon im Feld erprobt?

    Seit ein paar Tagen läuft scheinbar eine Art OpenBeta für „Founder“ aka Journalisten und andere Leute, die nicht ihr eigenes Geld dafür ausgeben. Es gibt Lags und Verzögerungen, es gibt schlechtere Bildqualität als auf vergleichbaren Konsolenversionen, aber rein technisch funktioniert es, was allerdings auch niemand angezweifelt hat.

    Eben nur, wer zur Hölle so einen Dienst eigentlich haben möchte …

    Ich sehe hier maximal nur einen weiteren Vertriebskanal, der das Angebot der Majors hier und da ergänzen könnte, das klassische Retail-Modell aber nicht ablösen wird.

  3. Puh, da bin ich aber erleichtert, dass ich nicht der einzige bin, der leise Zweifel am Geschäftsmodell hat.

  4. Interessant ist das Ganze schon… zumindest, wenn die Sache nicht zu teuer ist und man das tatsächlich rein zeitlich ausnutzen kann.

    Es bringt mir also nix, wenn ich 5 Stunden im Monat zocke und dafür 15€ Grundgebühr plus Spielpreis entrichten muss.

    Also ich bin gespann wie das noch weitergeht… ob man die Casualgamer kriegt oder die Hardcoregamer… oder keinen.

  5. Games streamen? Wenn’s nichts kostet, gern! So als virtuelle Arcardehalle mit Spiele-Demos. Alles mal anspielen können, um vielleicht mal Neues kennenzulernen.

    Insert Coin reloaded? No way!

  6. Bei GTA4 hätte das schon Sinnn gemacht. Ähnlich wollen sie den Büchermarkt umkrempeln. Nur noch Bücher über son Digi-Dingens, hahaha… Aber Computer-Hardware ist mitlerweile so scheißbillig, daß man sich wirklich fragt, ob man diese Ausplünderung chinesischer Billiglöhner noch unterstützen soll.

  7. Wir werden bestimmt die nächsten zehn Jahre eine Resteverwertung dieser Technologie bei einem MMORPG sehen – da macht das Überall-Streaming auch einigermassen Sinn, wenn man gerade nur sozialisieren möchte.

    Ansonsten würde ich die Klitschen auch auf „strong sell“ setzen.

    Die Technik ist interessant wird auch kommen, aber ist viel zu früh drann (mind. ein Jahrzehnt).

  8. Natürlich werden auf mobilen Endgeräten keine Software für PC oder heimische Konsolen angeboten. Es sind immer noch auf das entsprechende Gerät angepasste Versionen, die sich allerdings in Punkto Grafiken dem Original annähern können.

    Wenn dieses Projekt nicht mit einem Paukenschlag untergeht, dann stelle ich mir die ersten Schritte auf diesen Geräten mittels (natürlich kostenpflichtigen) Demos und speziellen Versionen der großen Franchises vor. Aber das dauert bestimmt noch, erst muss Onlive ja auf dem PC überzeugen und einen Markt erschließen.

  9. Bin auch der Meinung, dass es hier primär nur um DRM geht, wobei das Konzept definitiv nicht funktionieren kann. Alleine der Grund „DSL-Leitung“ wurde hier oft genug erwähnt…

  10. Also ich stehe onlive relativ optimistisch gegenüber. Es wird ja auch noch eine ganze Weile dauern, bis das bei uns zur Verfügung steht.
    Für mich ist der Vorteil eher der, dass ich mit nur einem PC und einem Onlive-Hardwareding alle Spiele spielen kann, egal welcher Plattform. Ob PS3, XBOX360, Wii etc. Ich brauche keine 3 Konsolen und einen PC mehr, sondern nur noch PC und Onlive.
    Ich möchte ja zu gerne MGS4 spielen. Leider habe ich keine PS3 und nur wegen MGS4 möchte ich auch keine extra kaufen. Mit Onlive brauche ich das auch nicht, da es möglich ist PS3-Spiele auf dem Onlive-Server auszuführen und auf meinem PC zu spielen. Mit meinem Lieblings-PC-Gamepad.
    Was die Technik angeht sehe ich auch keine Probleme. Man darf Onlive nicht mit herkömmlichen Internetstreaming vergleichen. Moderne ATM- und MPLS-Netzwerke lassen QoS-Datenstreams zu und mit der speziellen Onlive Hardware steht eine leistungsfähige Kompression zur Verfügung. Da steht ein ganz anderer Aufwand dahinter. Außerdem will Onlive mit den Netzbetreibern zusammenarbeiten. Das ist im Gegensatz zur Fußballübertragung bei ZDF schon ein paar Nummern größer.

  11. Schau Dir einfach mal an, wie die Preise von Onlive derzeit beschaffen ist … jedweder finanzieller Vorteil, der Dir bei der Nicht-Anschaffung entsprechender Hardware eventuell entsteht, wird durch ein selbstmörderisches Preismodell ruckzuck wieder aufgehoben.

    Onlive und Konsorten, das ist eine Lösung für ein Problem, welches dummerweise niemand hat.

  12. Wo hast Du das denn gelesen, dass die irgendetwas anderes als PC Spiele von Serverseite her unterstützen? Kann ich mir nämlich nicht so recht vorstellen.

    Wie dem auch sei, der Hauptnachteil bei der Idee ist schlicht und einfach die miserable Latenz. Gefühlt dürfte die beim Spielen ungefähr doppelt so hoch sein wie bei normalen Onlinespielen und diese Latenz hast Du dann halt bei allen Spielen. Einfach bedingt dadurch, dass OnLive im Gegensatz zu normalen Onlinespielen keine client-side prediction vornehmen kann. Normalerweise verwendet ein Spiel auf deinem Rechner quasi im Voraus deine Eingaben, bevor es die Bestätigung vom Server bekommt, dass alles seine Richtigkeit hatte. Das ist eine extrem wichtige Optimierung die die gefühlte Latenz spürbar senkt, weil man auch bei Onlinespielen das Gefühl hat, dass das Spiel sofort auf die Eingaben reagiert. Fällt das weg reagiert das Spiel erst verzögert auf deine Eingaben.

    Ob die Priorisierung von bestimmten Datenpaketen (QoS) im Internet jemals kommen wird steht übrigens auch noch in den Sternen und wird ja immer wieder gerne unter dem Stichwort „net neutrality“ heiß diskutiert, und bis dahin nützt dir QoS natürlich nur etwas in deinem eigenen LAN nicht aber sobald etwas durchs Internet geschickt wird.

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