Erst auf dem Totenbett kommt die Erkenntnis

Der eine oder andere wird sicherlich mitbekommen haben, dass das neue Humble Bundle diesmal kein Humble Indie Bundle ist, sondern eine Reihe von ehem. Vollpreisspielen aus dem THQ-Programm beinhaltet. Company of Heroes Complete, Red Faction Armageddon, Darksiders, Metro 2033 und als Bonus Saints Row 3, wenn man über dem Durchschnittspreis liegt. Alle als Steam-Spiele. NICHT DRM-FREI! Was mich an diesem Bundle interessiert, habe ich bereits (inklusive Soundtracks) und dass deutsche Kunden den dort erworbenen internationalen SR3-Key auf Steam nicht einlösen können ist ein weiterer Grund warum ich diesmal dankend passe. Aber das ist nicht weiter wichtig.

Interessant ist es, dass solche Aktionen immer erst dann von den großen Publishern getätigt werden, wenn diese nicht mehr groß sind, sondern kurz vor einer fast unvermeidlichen Insolvenz stehen. Die Wahrscheinlichkeit zur Rettung von THQ ist gering, die Konkurrenz und andere Investoren warten wahrscheinlich einfach nur Chapter 11 ab, um dann günstig IPs und den Back-Katalog aufzukaufen. Dieses Humble Bundle, welches nach aller Voraussicht die mit Abstand erfolgreichste Aktion bis dato werden wird (nach etwas mehr als 24h sind schon über 2 Millionen Dollar eingenommen worden), wird THQ natürlich nicht retten. Aber es zeigt schön, dass der Druck auf die Firmen nur groß genug sein muss, damit sie endlich damit beginnen neue Wege beschreiten.

Bei Midway wurden zB. in den letzten Monaten der kommerziellen Existenz Area-51, PsiOps, The Suffering und Rise & Fall als Freeware veröffentlicht, die mit Werbung versehen wurde. EA leidet seit geraumer Weile an einem miserablen Kursverlauf und bestenfalls dünnen schwarzen Nullen, so dass man auch hier auf das eine oder andere Vertriebs- und Marketingexperiment stößt wie zB. die sukzessive Veröffentlichung der ersten drei C&C-Spiele als Freeware oder die Gründung eines eigenen Indie-Labels.

Ja, mir ist durchaus bewusst, dass Menschen im Grunde faule Säcke sind, die keinen Handschlag mehr machen wollen als nicht unbedingt notwendig. Ich muss nur morgens in den Spiegel schauen. Sowohl das bunte Papier aus Hamburg als auch diese reflektierende Fläche, die im Bad hängt. Dennoch … wäre es nicht zur Abwechslung angenehm, wenn man solche Dinge auch schon zu einem Zeitpunkt startet, wenn es einem noch gut geht? Damit man erst gar nicht in eine Schieflage kommt, bzw. bei nicht verhinderbaren Schieflagen mehrere Standbeine hat, die solche schiefen Lagen halbwegs ausgleichen können?

Es ist wie mit Menschen, die zeitlebens egoistische & skrupellose Arschlöcher waren, die mit der Nachricht, dass sie unheilbar zB. an Krebs erkrankt sind, plötzlich aufwachen und in den letzten Monaten ihres weltlichen Daseins versuchen zumindest ansatzweise das zu reparieren, was sie zuvor jahrzehntelang kaputt gemacht haben.

Ehrlich jetzt, warum zur Hölle nicht gleich so?

Übrigens: Pat Robertson, einer der extremeren, ok, einer der irren TV-Prediger aus den USA, berüchtigt für seine Ausfälle gegen Schwule und die Verhöhnung von Naturkatastrophenopfern als Sünder, die es verdient haben zu sterben und zu leiden, hat letztlich Kreationismus als Unsinn bezeichnet, naturwissenschaftliche Erkenntnisse zum Alter der Erde zitiert und entspannte Dinge über Hanf-Genuß von sich gegeben. Ich vermute, dass Mr. Robertson weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat und nun versucht allmählich mit der Welt ins Reine zu kommen, anstatt wie bisher seinen kommerziell sehr einträglichen Bullshit zu erzählen, obwohl er es eigentlich besser weiß.

Wirklich, warum nicht gleich so?

77 Kommentare zu „Erst auf dem Totenbett kommt die Erkenntnis

  1. Tjajaa…und diejenigen, die ihr Leben lang dultsame Duckmäuser waren entdecken in obigen Falle ihre Affinität zum Amoklauf. Komische Welt.

  2. THQ war schon immer seltsam, besonders wenns um den DRM-Fetisch gegangen ist.

    Leider hab ich davon schon das meiste und mit CoH kann ich nichts anfangen. Einzig Metro 2033 wäre interessant, aber das werd ich mal aus der Grabbelkiste ziehen, wenn ich es sehe.

  3. Man wird in eine Gesellschaft hineingeboren, und bekommt deren „Werteverständnis“ aufgedrückt/eingeimpft/…
    Würde man schon Anfangs bei unsren lieben Kleinen ein paar grundlegende Dinge verankern,
    könnte man man sich VIEL Schei… (auch in der Geschäftswelt) am andren Ende ersparen.
    Nur ist genau dass nicht so einfach, wo man doch jeden Tag mit Unmengen an Bullshit bombardiert wird…

    War erst vorkurzem recht überrascht, als ein guter Freund berichtete was z.B.
    an so machner Wirtschaftsuniversität unterrichtet, bzw. als gut und richtig empfunden wird…
    (da wundert einer garnichtsmehr)

  4. Stimmt.
    Aber wohl eher komische Gesellschaft/Menschen… die Welt kann nix für uns Idioten 😉

  5. Ich verstehe deine Argumente bzw deine Forderungen nicht ganz. Wodurch ist denn THQ jetzt ein besserer Publisher geworden? Weil Sie jetzt ihre Games quasi verschenken, um für die Insolvenz noch ein paar Kröten zu haben? Oder weil sie sich den Deckmantel des Indiebundles überziehen, obwohl sie von Indie so weit weg sind wie BILD von Intellekt?

  6. Ich habe bisher bei jedem Humble Bundle blind zugegriffen. Bei diesem habe ich den Split etwas angepaßt:

    THQ: 0,00 $
    American Red Cross: 0,00 $
    Child’s Play: 1,00 $
    Humble Tip: 0,00 $

    (Beat the average ist ja eh nutzlos.)

    Ich hoffe, diese Message wird verstanden. 😉

  7. Für die Retail Versionen hätte ich bereitwilliger gerne mehr gespendet. Aber auch so wars ein tolles Angebot. Können gerne all ihre Spiele so raushauen.

    Darksiders woltle ich eh mal ausprobieren, CoH hatte ich bisher nur in kopierter Version und Red Faction hat mir eigentlich immer Spaß gemacht, auch wenn ich nur den ersten Teil wirklich durch gespielt habe – aber die Idee hinter Guerilla war klasse (das Spiel leider nicht) und Metro hat man natürlich schon! SR3 hat mich eh nicht interessiert.

  8. Nein. Weil sie versuchen neue Vertriebsmöglichkeiten für sich zu entdecken. Zwar bissi spät für THQ selbst, aber es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg ins Digitale Zeitalter, wo man allmählich herausfindet, wie man mit Inhalten Geld verdienen kann, wenn es die Umsonst-Kopie doch nur einen Mausklick weiter weg gibt.

    Denn gerade bei diesem Pay What You Want-Modell steht ja nirgendwo, dass sowas nur kleine Videospiel-Indies tun können.

  9. Die digitalen Pfade hat THQ doch schon lange bestritten. Deren Games waren bzw sind (noch) bei allen Download-Portalen zu finden. Zugegeben: Am Ende handelt es sich dann überall „nur“ um Steam-Versionen, keine DRM-freien Spiele – das stimmt.

    Auch wenn solche HumbleBundles nett sind, sind sie IMHO keine Lösung für große Entwickler und Publisher. Deren Spiele kosten zwei- bis dreistellige Millionenbeträge, da kann man die nicht für ein Appel und Ei zum „Och, was wollt ihr lieben Gamer denn dafür Zahlen?“-Schleuderpreis verschenken. Dafür ist das finanzielle Risiko zu hoch!

    Deswegen wird es auch immer Kaufspiele geben und nicht alles zu Free2Play werden!

  10. Nur ist PWYW für region-locked DRM-verkrüppelte Müllstreamware aus Gamersicht unsinnig, weil man immer noch bei Herrn SKIDROW das bessere Produkt bekommt.

    Und EA hat ja schon klargestellt, daß aus Publisher-Sicht kein Unterschied besteht zwischen Steam Sales, $5-Bundle-Käufern und Free-Leechern. Für die sind das alles Diebe „wertvollen Contents“ und aus geschäftlicher Sicht kein Unterschied feststellbar.

    Ich sehe auch keine Erkenntnis bei THQ, sondern nur einen PR-Stunt.

  11. Hier geht es ja nicht um DIE EINE LÖsung für all die Probleme, die sich die Majors selber bereitet haben, sondern um die Erschließung neuer, zusätzlicher Vertriebswege.

  12. Ach, bei EA weiß die eine Hand auch nicht, was die andere will. Es gibt seit einigen Monaten diverse Sales-Aktionen auf Origin mit Preisnachlässen bis zu 80%. Geld stinkt nicht!

  13. Der zentrale Punkt ist, daß Publisher (also sowas wie THQ) ansich überflüssig sind.

    Man kann auch AAA-Titel mit Millionenbudget entwickeln und zum Vollpreis verkaufen, ohne als Entwickler seine Seele verkaufen zu müssen.

    Man muß also nicht zwingend im $5-Minigame-Terrain herumwildern. Das heißt natürlich nicht, daß man gleich wie die Majors die Irrsinns-Rallye zur 9. Null antreten muß.

  14. @Joe: Da widerspreche ich dir! Klar, es gibt ein paar Beispiele von Indies,die mit selbstfinanzierten Spielen berühmt und erfolgreich geworden sind. Aber das sind – wie in anderen Medienbereuchen auch – wenige Erfolgreiche, während tausende andere scheitern!

    Schau dir mal den Appstore an. Zehntausende Indie-Entwickler – und wie viele können davon über Jahre überleben? Nur ein Bruchteil! Denn das Business ist hart!

    Und wie soll man als Entwickler an Millionenbudgets kommen, gerade als Neuling am Markt? Die Sparkasse um die Ecke lacht dich nur aus.
    Kickstarter? IMHO eine Blase. Und schau mal, was da erfolgreich ist: Remakes von alten Hasen, die schon Jahrzehnte im Games-Business tätig sind und schon ein paar Firmen in den Sand gesetzt haben.

    Außerdem: Das Kickstarter-Prinzip muss sich noch beweisen. Bislang gab es nur Finanzierungs-Erfolge, aber es sind fast keine Games fertig gestellt worden. In 1-2 Jahren, wenn die ersten Kickstarer-Games gefloppt sind und so tausende Gamer ihr investiertes Geld verloren haben, dann wird das große Heulen losgehen.

    Ich denke, in heutiger Zeit sind Publisher wichtiger denn je! Denn der Games-Markt ist ein Massenmarkt geworden, wo täglich tausende neue Spiel erscheinen – aber nur sehr wenige wirklich profitabel sind.
    Und wie wird man erfolgreich? Zum Beispiel durch gute PR, gutes Marketing, durch finanzielles Durchhaltevermögen, durch Wissen von Profis. Und wer bietet all das? Publisher!

  15. Oha, es gibt Sales bei Origin? Nie davon gehört. Dieses Steam-Copycat eines Publishers scheint nicht sonderlich relevant zu sein…

  16. wenige Erfolgreiche, während tausende andere scheitern!

    Davor ist aber kein Major gefeit, auch die produzieren regelmäßig Flops

    Außerdem: Das Kickstarter-Prinzip muss sich noch beweisen. Bislang gab es nur Finanzierungs-Erfolge, aber es sind fast keine Games fertig gestellt worden. In 1-2 Jahren, wenn die ersten Kickstarer-Games gefloppt sind und so tausende Gamer ihr investiertes Geld verloren haben, dann wird das große Heulen losgehen.

    Das „Kickstarter“-Prinzip heißt Crowd Funding. Kickstarter ist nur die bekannteste Plattform dafür.

    Der erste richtig erfolgreiche Crowd-Funding-Titel war Minecraft und kam vor dem Kickstarter-Hype.

    Das meiner Meinung nach erfolgreiche Modell ist, seine Software gezielt auf die eigene Zielgruppe zuzuschneiden und den Massenmarkt links liegen zu lassen. Die Zielgruppe läßt man gegen Bares frühzeitig an der Entwicklung teilhaben. Wenn das Projekt komplett durchfinanziert ist, bevor die erste Release-Kopie verkauft wird, ist bereits alles in Butter: Die Entwickler können ihre Rechnungen bezahlen und Enthusiasten dürfen statt des Publishers mit Alpha-Builds spielen.

    In 1-2 Jahren, wenn die ersten Kickstarer-Games gefloppt sind und so tausende Gamer ihr investiertes Geld verloren haben, dann wird das große Heulen losgehen.

    Kickstarter ist kein Investment-Werkzeug. Das Geld „verlieren“ die Unterstützer sowieso.

    Der Vorteil ist, daß kein Publisher/Retail-Wasserkopf mit seinen neun anderen Flops mitbezahlt werden muß. Auch gigantische Marketing-Budgets und „Spielejournalisten“-Bestechung kann man sich sparen.

    Denn der Games-Markt ist ein Massenmarkt geworden

    Das ist die Blase, über die wir sprechen. Die wird laut platzen. Leute, die eigentlich gar nicht spielen wollen, teure Minigame-Strecken aufzuschwatzen – das hat keine Zukunft.

  17. 1. Warum sollte man als Neuling gleich Millionenprojekte machen? Auch Publisher drücken ein Budget von 30 Millionen Dollar nicht gleich dem nächstbesten Nachwuchsentwickler in die Hand.

    2. Crowdfunding muss sich nicht mehr beweisen. Auch es ist keine Blase. Crowdfunding funktioniert wie beim klassischen Investment. Es gibt nur kleine Summen für unbekannte Leute, die erst zeigen müssen, dass sie etwas können und es gibt große Summen für Leute, die schon gezeigt haben, dass sie etwas können. Und es gibt keine Summen für Leute, die dem potentiellen Investor nur halbgares Zeug erzählen wie bei diesem Old-School-RPG-Projekt von Tom Hall.

    3. Und Publisher sind heute unwichtiger denn je. Man braucht sie jeden Tag weniger. Sie sind nicht mehr notwendig. Sicher, deren Geschäftsmodell wird auf die eine oder andere Weise noch eine Weile funktionieren, weil es einfach eine entsprechende Nachfrage nach typischen Major-Spielen wie CoD gibt. Aber „brauchen“? No Sir, nicht einmal ansatzweise.

    4. Wie man im Videospielbereich erfolgreich wird? Da gibt es viele Wege und mittlerweile auch sehr viele gangbare Wege. Sich bei einem Publisher anstellen lassen und Inhalte produzieren, die einem hinterher nicht gehören, das ist nur ein Weg von vielen.

  18. deren Geschäftsmodell wird auf die eine oder andere Weise noch eine Weile funktionieren, weil es einfach eine entsprechende Nachfrage nach typischen Major-Spielen wie CoD gibt

    Bis Infinity Ward und Co. eines Tages entdecken werden, daß es auch bei typischen Major-Spielen ohne Majors geht.

    Klar, die gigantischen Marketing-Budgets läßt man weg und die irrsinnig teuren wie sinnlosen Script-Kampagnen ebenso wie Konsolenversionen. Denn die Fans spielen ja eh nur den Multiplayer am PC. 😉 Aber prinzipiell kann ich mir schon Möglichkeiten vorstellen, den Managern elektronischer Künste die Gesichtszüge entgleisen zu lassen, wenn sie merken, daß es ihnen im Kerngeschäft an den Kragen geht.:-)

    So weit ist es natürlich noch lange nicht, aber ich bin da guter Dinge.

  19. Infinity Ward & Co. wären schlecht beraten die Publisher jetzt schon im Stich zu lassen. Entwickler, die bewiesen haben, dass konstant kommerziell erfolgreiche Titel produzieren können und die klug genug sind sich arbeitsrechtlich und boni-mäßig sauber abzusichern, die können bein den Majors eine relativ ruhige Kugel schieben. Sollte dann ein Spiel mal nicht so laufen und der Publisher ist pissed, kann man entweder abwarten, bis der Vorstand sich beruhigt hat oder man geht einfach zum nächsten Publisher oder man macht auf Indie und tut das, was Chris Roberts tut … das nächste große Ding mit einer Mischfinanzierung aufziehen und rein digital über Steam & Co verkloppen. Aber bis dahin … sollen die Majors schön das finanzielle Risiko auf sich nehmen, bis das Ding eines Tages platzt.

    Denn die Nachfrage nach solchen Spielen, die ist ja immer noch da. Da werden sich mit Sicherheit andere Investoren finden und neue FInanzierungsmodelle die Runde machen.

  20. Das ist kein PR-Stunt. Die brauchen Cash. Und das schnell. Wenn die bis Januar nicht wieder die Raten auf ihren 50M $ Kredit zahlen können dann war es das.

  21. Die brauchen Cash. Und das schnell.

    Und weil DRM-Spiele mit Online-Aktivierung ja so toll weiter funktionieren, wenn der Publisher pleite ist, greifen wir jetzt nochmal richtig zu, um dann anschließend auf nutzlosen Bits zu sitzen?

  22. „[…] Und wie wird man erfolgreich? Zum Beispiel durch gute PR, gutes Marketing, durch finanzielles Durchhaltevermögen, durch Wissen von Profis. Und wer bietet all das? Publisher! […]“

    Fragwürdige Marketingkampagnen sind natürlich DER Weg, um seine Action-Adventures mit Stats, oh pardon, das heißt ja immer noch Next-Gen-CRPGs, bzw. seine interaktiven, faschistischen Army-Werbespots zu verkaufen. Dafür braucht man natürlich Publisher. Und die Hilfe von Profis in Sachen unerträglicher Hype und schamloses Lügen. So wird man erfolgreich. Zumindest bei hirnvernagelten PC-LARPern und CoD-Action-Kids.

    Insofern sind Publisher wahrhaftig essentiell.

    Ein anderer Weg ist die Produktion von wirklicher Qualitätsware durch tatsächlich fähige Köpfe, die über die Investitionen von Fans eines bestimmten Genres realisiert wird. So wird man ebenfalls erfolgreich. Nur eben nicht bei hirnvernagelten PC-LARPern und CoD-Action-Kids.

    Aber wird das einen Spieldesigner mit einem gewissen geistigen Niveau wie z.B. Tim Cain wirklich bedrücken, dass hirnvernagelte PC-LARPer und CoD-Action-Kids das Produkt rituell verbrennen und mit finsteren Flüchen belegen, wenn er sich trotzdem der Anerkennung von Fans des jeweiligen Genres, in dem das durch Crowd Funding finanzierte Spiel angesiedelt ist, also üblicherweise von Menschen, die bei Verstand sind, sicher sein kann?

  23. Der Begriff PC-LARPer umschreibt im Groben einen Spielertypus, der in einem Spiel Dinge tut, die so nicht vorgesehen sind, sich also z.B. in TES IV: Oblivion als imperiale Wache verkleidet und so tut als wäre man ein Soldat des Imperiums und sich daraus ergebende Handlungsmöglichkeiten herbeiphantasiert.

    Da es sich hierbei nicht um klassisches Rollenspiel am PC in dem Sinne handelt, dass man auf Basis seines Charakterbuilds und seiner Entscheidungen eine Rolle spielt,
    wird der Begriff von PC-Rollenspielern zur Abgrenzung von eben jenen PC-LARPern genutzt.

    Natürlich handelt es sich bei diesem Begriff streng genommen um ein Paradoxon, denn Live-Action-Role-Playing (LARP), ist eine Art von Rollenspiel, die im realen Leben und nicht am PC stattfindet. Dennoch hat sich der Begriff bei einigen PC-Rollenspielern eingebürgert und dient diesen, wie gesagt, zur Abgrenzung.

    Bei weiterem Interesses empfehle ich die Lektüre dieses Threads: http://www.falloutnow.de/forum/index.php?topic=5915.0

    Dort wird u.a. auch diese Thematik behandelt.

    Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.

  24. >Das meiner Meinung nach erfolgreiche Modell ist, seine Software gezielt auf die eigene
    > Zielgruppe zuzuschneiden und den Massenmarkt links liegen zu lassen.

    Was ist aber, wenn die Zielgruppe der Massenmarkt ist? Oder den Massenmarkt braucht, um sich zu refinanzieren? Ein 30-Millionen-Produkt kannst du nicht auf eine nerdige Zielgruppe von 100 Gamern zuschneidern – das rechnet sich nicht!

    > Der Vorteil ist, daß kein Publisher/Retail-Wasserkopf mit seinen neun
    > anderen Flops mitbezahlt werden muß.

    Stimmt. Nicht einer trägt die Flops mit, sondern die Masse. Denn bloß weil ein Spiel/Projekt über Crwodfunding finanziert wird, heißt das ja nicht, dass ein gutes Produkt dabei rauskommt.
    Wenn ich also mit _meinem_ Geld 10 Games unterstütze, aber mir am Ende davon 9 nicht gefallen oder diese erst gar nicht erscheinen, dann habe ich _ich_ das Risiko, nicht der Publisher. Shit! Das will ich nicht!!

    > Das ist die Blase, über die wir sprechen.
    > Die wird laut platzen. Leute, die eigentlich gar nicht
    > spielen wollen, teure Minigame-Strecken aufzuschwatzen –
    > das hat keine Zukunft.

    Wenn sich Leute Games oder DLCs aufschwatzen lassen, die sie nicht haben wollen, dann sind die Leute doch selbst schuld! Wir leben in einer freien, demokratischen Welt, hier herrscht das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Hier wird keiner gezwungen, etwas zu kaufen. Und keiner _muss_ ein Game kaufen, da es ein Konsumprodukt ist – das brauchen wir nicht zum Überleben wie z.B. Strom, wo wir aufgrund unseres Bedürfnisses wirklich abgezockt und verarscht werden.

    In dieser freien Welt regulieren sich die meisten Dinge von selbst – eben über Angebot und Nachfrage. Wenn wir Gamer stets laut nach Innovationen rufen, aber am Ende doch jedes Jahr nur FIFA, NfS oder CoD anstatt von Indiegames kaufen, dann sind nicht die Publisher schuld an der Ideenarmut, sondern wir. Wir bestimmen durch unsere Käufe, was produziert wird – und was nicht!

  25. > Ein anderer Weg ist die Produktion von wirklicher Qualitätsware
    > durch tatsächlich fähige Köpfe, die über die Investitionen von
    > Fans eines bestimmten Genres realisiert wird. So wird man ebenfalls
    > erfolgreich.

    Sorry, wenn ich dich hier enttäuschen muss: Die Welt ist nicht gut und deswegen ist man mit Qualität selten erfolgreich. Deswegen gibt es mehr BILD- als FAZ-Leser, deswegen schauen mehr RTL als Arte und deswegen müssen Theater subventioniert werden und Kinos nicht.
    Und deswegen werden Millionen- und Millarden-Umsätze mit Mainstream-Games wie CoD und Nfs gemacht und nicht mit Indiegames. Schade, aber so ist es!

    Da bringt auch herumheulen nichts. Denn – wie ich es schon in einem anderen Kommentar erwähnt habe – leben wir in einer freien Welt, wo Angebot und Nachfrage den Markt beherrschen. Wenn Gamer eben jedes Jahr zu einem NfS oder FIFA greifen, anstatt neue Games auszuprobieren, dann ist das zwar sehr schade, aber so tickt der Markt bzw der Mensch halt nun mal. Der Bauer frisst nur, was er kennt.

  26. Niemand hier heult rum. Niemand hier beklagt die Existenz des Massenmarktes. Hier geht es nur um Alternativen zum Massenmarkt, die nach dem allmählichen Wegfall des Publisher-Mittelstandes kaum noch vorhanden waren. Indies sind erfolgreich in diese Lücke vorgestoßen und Dank Crowdfunding, leistungsfähiger & preiswerter Technolgie sowie vielfältigen Vertriebsmöglichkeiten wird diese in den letzten zehn Jahren entstandene Lücke allmählich wieder gefüllt. Zum Beispiel ein Projekt Eternity soll überhaupt nicht mit Mass Effect oder Skyrim konkurrieren. Ein Projekt Eternity soll lediglich eine Lücke im Angebot schliessen, die von den großen Studios nicht mehr bedient wird.

    Vielfalt lautet das Zauberwort, nicht Marktdominanz.

  27. “ […]Sorry, wenn ich dich hier enttäuschen muss: Die Welt ist nicht gut und deswegen ist man mit Qualität selten erfolgreich. […]“
    Diese Aussage ist nicht zwingend richtig. Mit genügend Marketingaufwand lässt sich alles verkaufen. Bethesda z.B. hätte ein Fallout 3 im Geiste seiner Vorgänger und damit ein qualitativ hochwertiges CRPG entwickeln können. Mit genügend Hype wäre es weggegangen wie warme Semmeln. Die Gründe warum sie es nicht getan haben, waren dergestalt, dass sie

    a) keine Erfahrung im Design klassischer CRPGs hatten
    b) ihren Design- und Programmieraufwand minimieren wollten
    sowie
    c) ihre eigene Version von Fallout schaffen wollten (was auch der Talentlosigkeit vieler Mitarbeiter dort geschuldet ist)

    und sich im Zuge dessen auch nicht ernsthaft mit Fallout 1+ 2 auseinandergesetzt haben.

    Das heißt aber nicht prinzipiell, dass es unmöglich gewesen wäre bzw. unmöglich wäre, mit Qualitätsware im Mainstream zu punkten.

    Die Frage ob die Welt gut ist oder nicht, ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Aber du enttäuschst mich keineswegs.

    2. Du hast nicht verstanden, um was es mir geht. Ich schrieb ja

    „[…]So wird man ebenfalls erfolgreich. Nur eben nicht bei hirnvernagelten PC-LARPern und CoD-Action-Kids. […]“

    Das heißt, es geht in dieser Aussage nicht um den Erfolg eines qualitativ hochwertigen Produktes im Mainstream, sondern um den bei der entsprechenden Zielgruppe.

    Den letzten Abschnitt „Nur eben nicht bei hirnvernagelten PC-LARPern und CoD-Action-Kids.“ aus dem das hervorgeht, hast du in deinem Zitat übrigens unterschlagen.

    „[…]Und deswegen werden Millionen- und Millarden-Umsätze mit Mainstream-Games wie CoD und Nfs gemacht und nicht mit Indiegames.[…]“

    Das liegt an der massiven marketingtechnischen und medialen Beeinflussung, die den Majors zu Gebote steht. Aber darum ging es überhaupt nicht.

    „[…]leben wir in einer freien Welt, wo Angebot und Nachfrage den Markt beherrschen. Wenn Gamer eben jedes Jahr zu einem NfS oder FIFA greifen, anstatt neue Games auszuprobieren, dann ist das zwar sehr schade, aber so tickt der Markt bzw der Mensch halt nun mal.[…]“

    Du unterschlägst in deinem fragwürdigen Postulat (erneut) marketingtechnische und mediale Beeinflussungen.

  28. Was ist aber, wenn die Zielgruppe der Massenmarkt ist? Oder den Massenmarkt braucht, um sich zu refinanzieren? Ein 30-Millionen-Produkt kannst du nicht auf eine nerdige Zielgruppe von 100 Gamern zuschneidern – das rechnet sich nicht!

    Stimmt. Das Modell, das die Majors fahren, rechnet sich überhaupt nicht. Deswegen geht THQ jetzt den Bach runter und EA dann als nächstes. Der Rest reitet noch eine Weile weiter auf einem Hype, bis die Börsianer die Daumen senken.

    Denn bloß weil ein Spiel/Projekt über Crwodfunding finanziert wird, heißt das ja nicht, dass ein gutes Produkt dabei rauskommt.

    Das ist dann Deine eigene Schuld.

    Wenn ich also mit _meinem_ Geld 10 Games unterstütze, aber mir am Ende davon 9 nicht gefallen oder diese erst gar nicht erscheinen,

    Wenn Du an die Stelle des Publishers trittst und Deinen Einfluß nicht geltend machst, bist Du selbst schuld. Ebenso wenn Du Dein Geld Betrügern gibst, die kein Release abliefern. Due Diligence gehört eben dazu.

    dann habe ich _ich_ das Risiko, nicht der Publisher. Shit! Das will ich nicht!!

    Gut, zehntausende andere wollen das. Und man kann ja Games nicht auf 100 risikoscheue Nerds zuschneiden. 😉

    Das Risiko hast Du bei Majors genauso: Nämlich daß in der 60 $ teuren Box ein Haufen DRM-vernagelte verbuggte Scheiße steckt und mal wieder sämtliche Reviews gefaked waren, wie das eben in der Branche üblich so ist.

    Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich mir von Major-Titeln aus einschläigen Quellen gewohnheitsmäßig Sichtungskopien besorge. Einmal zu oft reingefallen.

    Wir leben in einer freien, demokratischen Welt, hier herrscht das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

    Jetzt wird’s pathetisch. Diesen Quatsch muß ich wohl nicht näher kommentieren.

  29. Gigantomanische Umsätze werden gemacht, ja. Liegt an der Geldschwemme der Banken.

    Mit den Gewinnen will es irgendwie nicht klappen. Sieht man an THQ.

    ’nuff said.

  30. @Snacky

    Darüber hinaus sind – unabhängig von dem hier erörterten Thema – deine Postulate von der freien demokratischen Welt und dem freien, sich größtenteils selbstregulierenden Markt bzw. von der sich größtenteils selbst regulierenden Welt alarmierend absurd.

  31. [Off topic]
    @Sandhai, @Joe:

    „PC-LARPer“, wieder etwas dazugelernt…

    Dass es diese Gruppe von Spielern gibt und TES diese magisch anzieht, das wusste ich, aber den Begriff hatte ich noch nicht gekannt.
    Das Paradoxon ist natürlich da, von einem Wochenende am PC hatte ich noch nie Sonnenbrand oder Muskelkater. Ich glaube, man tut den LARPern mit diesem Begriff unrecht, denn ein LARP-Event ist eben alles andere als ein Sandbox-Game, in dem jeder tun und lassen kann, was er will. Ohne zwischenmenschliche Interaktion könnte das LARP nicht funktionieren, und jede meiner Handlungen als Spieler hat zwangsläufig Konsequenzen für den weiteren Spielverlauf.

    Das Problem mit Oblivion, Fallout 3 und Skyrim ist aus Rollenspielersicht, dass es halt kein Rollenspiel ist, obwohl fälschlicherweise so bezeichnet. Es ist auch kein Phantasie-Rollenspiel, da es abgesehen von der schieren Spielmechanik keine Regeln gibt. Es ist einfach eine Art virtuell unterstützter Tagtraum.

    Gäbe es Multiplayer, würden andere Spieler eine regulierende Funktion übernehmen, wenn ein Spieler sich zu größenwahnsinnig aufführt. Das ist meiner Meinung nach der wichtigste Grund, warum ich für TES:Online einen Flop vorhersage: Es spricht eine vollständig andere Zielgruppe an, oder noch rabiater ausgedrückt: Es stößt die bisherige Zielgruppe vor den Kopf.

    Aber hey, es soll ja niemandem Spaß machen, es soll ja bloß oft gekauft werden.

    Zum Thema:

    Ein nicht DRM-freies Humble Bundle? Nein danke. Hier scheint sich nicht nur THQ aus Not der Indie-Szene anzunähern, sondern auf der anderen Seite macht sich wohl auch allmählich Gier bemerkbar.

  32. >@Joe: Da widerspreche ich dir! Klar, es gibt ein paar Beispiele von Indies,die mit >selbstfinanzierten Spielen berühmt und erfolgreich geworden sind. Aber das sind – wie in >anderen Medienbereuchen auch – wenige Erfolgreiche, während tausende andere scheitern!

    Ach, und auf Publisher trifft das doch noch viel mehr zu, wieviele sind in den letzten 30 Jahren Pleite gegangen, und wieviele gibts noch? Die eine Liste ist lang…
    Und kickstarter ist keine Blase, wenn noch nicht mal David Braben Elite 4 locker finanzieren kann. In bubble times haette er jetzt schon 10 mio, genauso wie damals Brokat und Letsbuyit Milliarden wert waren. Ich finde es faszinierend, dass alle so pessimistisch sind, was kickstarter angeht, obwohl die Nummer gerade erst zum Aufschwung ansetzt.
    Es gibt sehr wohl schon erfolgreich entwickelte Projekte, ich sag nur FTL! Und selbst wenn mal eins grandios scheitert, dann wird das auf die Autoren zurueckfallen, nicht auf Crowdfunding an sich. Wenn mal ein komplett verbugtes Ballerspiel rauskommt, kauft dann keiner mehr Ballerspiele? (schoen waers)

  33. „[…] Das Paradoxon ist natürlich da, von einem Wochenende am PC hatte ich noch nie Sonnenbrand oder Muskelkater. Ich glaube, man tut den LARPern mit diesem Begriff unrecht […]“

    Ich denke, dass du damit tatsächlich recht hast. M.E. nach hat sich diese Bezeichnung aus zwei Gründen etabliert:

    a) weil das Grundprinzip des LARPing darin besteht, die Rolle einer Person in einer alternativen Welt zu übernehmen und vorzugeben, diese zu sein (Ein Phänomen bzw. eine Spielweise, das bzw. die auch z.B. bei TES zu beobachten ist)
    und
    b) aus Ermangelung eines besseren Begriffs.

    Wobei ich davon ausgehe, dass die beiden Punkte zusammenhängen.

    Zu deiner Erläuterung bezüglich der fälschlichen Kategorisierung von TES-Spielen (zu denen ich auch Fallout 3 zähle):

    Perfekt erläutert. Genau das ist es. Es sind keine Rollenspiele, weil der Rezipient nicht in der Lage ist, den Spielverlauf (auf Basis eines Regelwerks und eines statistisch determinierten Charaktersystems) zu beeinflussen. Es wird ihm versagt, eine Rolle zu spielen. Darum sind diese Spiele m.E. nach auch eher Open-World-Action-Adventures mit Charakterwerten und Sandbox-Design bzw. Sandbox-Elementen.

  34. Uff, die Diskussion hier wird so langsam ziemlich verschachtelt und komplex. Ich versuche nun mal, auf alle Kontroversen einzugehen. Man möge es mir nachsehen, wenn ich beim Überlesen das eine oder andere übersehen habe. Das bedeutet nicht, dass ich darauf nicht antworten möchte! 😉

    Also, zu den Staments bzw Unterstellungen:

    1) „Kickstarter ist doof“: Nö, ist es nicht! Es ist klasse. Find ich super! Aber es ist gerade ein Hype, der aus meiner Sicht in eine falsche Richtung geht bzw von vielen falsch angesehen wird. Kickstarter wird _nicht_ alle Publisher ersetzen. Aber ja – es macht einigen Publishern das Leben schwer und untergräbt ihre Autorität bzw Daseinsberichtigung. Das macht ja das Internet mit seinen vielen Möglichkeiten (z.B. Self-Publishing durch Digitale Distribution) in allen Bereichen.
    Vor ein paar Jahren haben Mutti und Oma im Quelle-Katalog bestellt, heute sind Quelle, Neckermann & Co Geschichte, dafür Amazon und Zalando „in“. Die Zeiten verändern sich – und das ist auch gut so!

    Und deswegen werden bald einige Publisher sterben, sich neue Vertriebs- und Finanzierungswege etablieren und dadurch neuartige Firmen entstehen, die am Ende dann doch wieder Publisher-artig agieren werden. Denn wie schon in einem anderen Kommentar erwähnt: Es gibt Dinge, die kann man als StartUp nicht alle alleine handeln. Oder zumindest nur schwer und mit viel Zeit-Investition, die man nicht hat. Gutes PR und Marketing zum Beispiel. Es reicht heutzutage nicht mehr, mal eine Pressemitteilung an seine fünf Lieblingswebseiten heraus zu schicken oder sich an einem HumbleBundle zu beteiligen. Zu einem Erfolg gehört viel mehr Wissen und Können – und Durchhaltevermögen (wozu man meist auch das nötige Kleingeld braucht). Und Glück.

    2) „Die großen Publisher werden sterben und haben es verdient, diese arroganten Säcke“: Bullshit! Bei allen Publishern arbeiten Menschen – sogar sehr viele! -, da gibt es gute und schlechte, fähige und unfähige. Egal, ob Publisher oder Entwickler, Bäcker oder Bänker – alle Menschen haben etwas gemeinsam: Sie wollen Geld verdienen, weil sie es zum Überleben brauchen.
    Dadurch dass Publishing bzw Games im Allgemeinen ein Big Business geworden ist, zieht es seit vielen Jahren viele geldgeile Schmeißfliegen an – das ist traurig und verachtenswert. Andererseits wäre unsere Branche heute nicht so weit, wenn es nicht die großen Investitionen gegeben hätte. Dass dieses big money leider auch zu vielen Verfehlungen führt – keine Diskussion, das ist leider so.

    Dass viele Publisher bald sterben oder in die Bedeutungslosigkeit verschwinden werden – ja, das ist klar. So ist der Lauf der Dinge. Das ist in allen Bereichen so: Ägypter, Griechen, Nokia, Microprose, Origin, Bullfrog – das waren alles mal Big Player. Heute kennt man sie nur noch aus den Erzählungen. Warum sie untergangen sind, ist meist das Gleiche: Sie wurden zu groß, zu träge, innovationsarm. Und dann kamen die Schnellen, Innovativen und schnappten ihre Position weg – bis sie selbst dann auch fett und träge werden.

    Deswegen finde ich es klasse, dass es so etwas wie die Indieszene, HumbleBundle, Kickstarter, Appstores & Co. gibt. Sie beleben das Geschäft und geben den Kleinen, Schnellen und Innovativen die Power zum Aufholen.
    Aber: Die Möglichkeiten von Kickstarter, HumbleBundle & Co sind eben nicht auf alle und alles übertragbar. Für Indies, die weniger Risiken und Verbindlichkeiten als die großen Tanker mit tausenden Mitarbeitern haben, sind HumbelBundles und 1€-Aktionen klasse, um neue Geschäftsmodelle zu testen und Aufmerksamkeit zu erregen. Für ein Game, das 100 Mio gekostet hat, wäre solch ein Experiment der Todesstoß.
    Jedem das seine!

    3) „Wir sind nicht frei in unseren Entscheidungen, weil uns die bösen Medien beeinflussen“. Ja, die Medien beeinflussen uns. Aber trotzdem sind wir (zumindest in der westlichen Welt) freie Menschen mit freien Gedanken und freiem Willen. So lange _ich_ die Möglichkeit habe, wann und wo und wie meine Spiele kaufen kann, so sollte ich diese Chance auch nutzen! Wer aber lieber sein Hirn abschaltet und wie ein Lemming den Werbeversprechen folgt – tja, dann ist das seine Sache, wenn er so wenig aus seiner demokratischen Freiheit macht.

    Viel schlimmer als die Medienbeeinflussing finde ich den Druck des Freundeskreises! Alle Gamer schreien ständig nach Innovationen – aber am Ende spielen sie dann doch alle Diablo 3, CoD oder kaufen sich jetzt eine WiiU, weil es ihre Freunde auch tun. Wer nicht dabei ist, ist raus. Das ist auch das Erfolgsgeheimnis von Facebook.

    Wie weit man sich diesem Druck beugen möchte oder nicht, das steht jedem selbst frei!

    Puh.
    Was vergessen?

  35. Zu Punkt 2 nur eine kleine Anmerkung: Auch bei Rüstungsfirmen arbeiten Menschen und sitzen Menschen in den Vorständen 🙂

    Es ist nun so, dass die bis dato übrig gebliebenen Majors in ihrer Notwendigkeit zur Erzielung größtmöglicher Umsätze ums Verrecken, ohne Rücksicht auf Verluste, mittlerweile hinderlich für das Genre geworden sind. Es findet keine Weiterentwicklung statt, die Angebotsvielfalt schrumpft. Es wäre daher langfristig tatsächlich gut, wenn diese großen Konzerne verschwinden würden.

  36. “ “Wir sind nicht frei in unseren Entscheidungen, weil uns die bösen Medien beeinflussen”[…]“

    Das habe ich so nicht postuliert. Ich habe darauf hingewiesen, dass der externe Faktor der Manipulation berücksichtigt werden muss und auch nicht unterschätzt werden sollte.

    “ […] Aber trotzdem sind wir (zumindest in der westlichen Welt) freie Menschen mit freien Gedanken und freiem Willen. […]“

    Theoretisch ist das so. Aber in der Praxis sind Entscheidungen wesentlich durch äußere Einflüsse bedingt.

    Warum z.B. fallen so viele immer wieder auf die Betrügereien von Bethesda herein? Weil sie durch den Hype der Beth-Spiele auch emotional angesprochen werden. Und diese emotionale Bindung an das jeweilige Produkt ist eine der zuverlässigsten Manipulationsmöglichkeiten überhaupt.

    Darüber hinaus muss man hinzuziehen, dass der Mensch ein soziales Wesen, ein Herdentier, ist. Was direkt mit dem von dir zurecht angesprochenen Aspekt des Gruppenzwangs zusammenfällt.

    “ […]Viel schlimmer als die Medienbeeinflussing finde ich den Druck des Freundeskreises […]“

    Wie gesagt ist der Mensch ein Herdentier und in einer Herde übertragen sich Denk- und Verhaltensweisen sehr einfach.

    Wenn nun z.B. ein fähiger PR-Mann die Behauptung in die Welt setzt, dass Bethesda-Spiele der Standard des Genres CRPG seien (was ja auch geschieht), dann wird diese Behauptung, sofern sie denn immer aufs neue wiederholt wird, irgendwann als Wahrheit wahrgenommen werden. Diese scheinbare Wahrheit verbreitet sich dann u.a. auch durch massive PR-Arbeit immer weiter in der Öffentlichkeit und die Menschen übernehmen die Aussagen ihren Mitmenschen (was ja auch geschehen ist).

    Auf diese Weise konnte Bethesda die Designgrundlage von TES als Realdefinition und DEN Standard des Genres CRPG schlechthin als Realdefinition im Bewusstein der Öffentlichkeit verankern.

    Durch (emotionale) Übertragung hat sich eine bestimmte, vollkommen unbegründete Behauptung durchgesetzt.

    Und diese emotionale Übertragung wird z.B. von den PR-Abteilungen der Majors zur Beeinflussung genutzt.

    Als Folge dieses Übertragungsprozesses ergibt sich dann der von dir kritisierte Druck des Freundeskreises. Dieser Druck findet seine Ursache aber eben in einer Manipulation, die sich durch Übertragung innerhalb der Herde immer weiter fortsetzt.

    Daher darf man Medienbeeinflussung und Druck des Freundeskreises nicht isoliert voneinander betrachten, wie du es scheinbar tust.

    Ansonsten schließe ich mich Harzzach an. Einige der Majors sollten tatsächlich verschwinden. So würde sich meine Trauer in Grenzen halten, wenn mit dem Tod Activisions auch CoD verschwinden würde. Diese interaktiven Army-Werbespots, die den ohnehin schon unerträglichen, naiven Nationalismus der USA noch weiter befeuern, braucht die Welt nun wirklich nicht.

  37. „Für Indies, die weniger Risiken und Verbindlichkeiten als die großen Tanker mit tausenden Mitarbeitern haben, sind HumbelBundles und 1€-Aktionen klasse, um neue Geschäftsmodelle zu testen und Aufmerksamkeit zu erregen. Für ein Game, das 100 Mio gekostet hat, wäre solch ein Experiment der Todesstoß.“

    Da stimme ich zu.

    Ich meine, dass THQ sich mit der Humble Bundle-Aktion nicht einmal in die nächste Runde retten kann. THQ versucht zwar, sich gesund zu schrumpfen, aber soo klein werden wie die typische Indie-Spieleschmiede, bestehend aus vier talentierten Freunden, das können die nicht schaffen.

    Habt Ihr Euch mal die letzten Zahlen angesehen?
    Etwas über 3 Mio Dollars eingenommen (wobei davon ja nur ein Teil an THQ gehen wird), 540.000 Spiele verkauft, im Durchschnitt pro Bundle $5.67. Auch wenn man berücksichtigt, dass die Spiele ja bereits fertig sind und nicht erst entwickelt werden müssen und so gut wie keine Produktions- und Vertriebskosten anfallen, sind solche Summen für Humble Sale sensationell, für THQ dagegen Peanuts.

    Vielleicht bleibt THQ dadurch vielen in guter Erinnerung, als ein reicher Mann, der auf dem Sterbebett noch schnell einiges von seinem Besitz verschenkt hat.

    Aber retten wird es THQ nicht.

    Das hätten sie vor drei Jahren machen sollen. Oder Guillermo del Toros Spielideen über Crowdfunding finanzieren.

    Aber ihren Tanker, der gegen die Hafenmole kracht, den können sie so nicht mehr stoppen.

  38. Und wenn EA und Activision verschwunden sind, kommen die nächsten Majors nach. Das ist ein Kampf wie gegen die Hydra. Sieht man ja jetzt schon im Browsergames- und Mobile-Geschäft.

    Und auch hier lässt sich Vieles (vereinfacht gesagt) auf Angebot und Nachfrage und Actio und Reactio erklären: Wenn es keine Kriege gäbe, bräuchten wir keine Waffen-Produzenten. Wenn es keine Drogen-Konsumenten gäbe, müsste man nicht gegen die Kartelle kämpfen. Würde es weniger CoD-Käufer geben, müsste man sich nicht über Ideenlosigkeit beschweren.

    Dummerweise denkt die breite Masse der Menschen mit Scheuklappen und sind nur auf ihren kurzfristigen Vorteil bedacht, und denken dabei nicht an die weitreichenden Auswirkungen oder die Zusammenhänge.
    Wir, der Mensch an sich, demonstrieren gegen Atomkraft, beziehen aber Billigstrom aus Dreckskraftwerken. Wir stöhnen über die Benzinpreise, aber SUV-Spritschlucker verkaufen sich um Welten besser als Elektrofahrzeuge. Wir betrauern das Sterben von Printprodukten wie FTD, Prinz oder FR, aber alle lesen kostenlos im Internet anstatt eine Zeitung zu kaufen. Wir klagen gegen GEZ-Gebühren, beschweren uns aber über das tiefe Niveau von RTL, weil wir es trotzdem ständig anschauen. Wir sind gegen Umweltverschmutzung und Ausbeutung, kaufen aber trotzdem Apple-Geräte. Undsoweiter….

    Kurz: Der Mensch ist primitiv, aber glücklich mit seiner Scheinwelt. Schade.

    Das heißt nicht, dass ich das für gut befinde. Ganz im Gegenteil: Es ist sehr gut, dass es immer wieder Menschen gibt, die dagegen klagen und andere wachrütteln wollen. Aber mit simplem Klagen ist es nicht getan. Taten statt Worte!

  39. „[…]Der Mensch ist primitiv, aber glücklich mit seiner Scheinwelt. Schade.[…]“

    Völlig richtig. Und diese primitive Natur ist natürlich empfänglich für Manipulationen.

  40. Und wenn EA und Activision verschwunden sind, kommen die nächsten Majors nach. Das ist ein Kampf wie gegen die Hydra. Sieht man ja jetzt schon im Browsergames- und Mobile-Geschäft.

    Ach was, die „Spiele“ der Majors gehen den Weg der Arcarde-Automaten: Der Zeitgeist ändert sich (das ist sicher) und die 100-Mio-Dollar-Produktionen verschwinden ersatzlos, mitsamt ihrer Publisher. Da braucht es keinen Kampf, da braucht man nur abwarten, bis die diese Lineardenker an die Wand fahren.

    Wir betrauern das Sterben von Printprodukten wie FTD, Prinz oder FR, aber alle lesen kostenlos im Internet anstatt eine Zeitung zu kaufen.

    Siehst, das betrauere ich nicht, das begrüße ich ausdrücklich. Es trifft nämlich nur bestimmte Printmedien, die es absolut verdient haben. Andere Printmedien verzeichnen in ihrer Nische fröhliches Wachstum.

    Und genauso werden die Majors mit ihrem Einheitsbrei untergehen, aber nicht Videospiele an sich. Sie werden wieder in ihre Nische zu Liebhabern zurückfinden, so wie bspw. Pinball-Tische. Die haben auch ihre große Zeit hinter sich.

    Das Internet wird einfach nur zum Blameshifting benutzt, so ähnlich wie Raubmordkopien von Spielepublishern. Sonst müßte man sich ja eingestehen, daß man komplett selbst schuld an der eigenen Misere ist. Der Markt wird’s richten.

  41. Wenn die paar Millionen die an THQ gehen erstmal reichen um die nächste Rate zu bedienen dann ist THQ zwar noch nicht gerettet, kann sich aber eventuell bis zum nächsten großen Release retten und vielleicht rettet sie dieser.
    Sollen sie deiner Meinung nach lieber gleich aufgeben?

  42. Schau’n mer mal, ob und wie sich der Zeitgeist ändert. In der Kinobranche gab es ja mal eine ähnliche Krise, wo viele Majors ihre Probleme hatten. Aber trotzdem haben sich die Indiefilme und Programmkinos nicht durchgesetzt. Ein Harry Potter und irgendein Disney/Pixar-Zeugs wird immer noch öfter gesehen als ein Schwarz-Weiß-Film.

    Und ich bin gespannt, wie die Gamesbranche im Online- und Mobile-Sektor sich konsolidieren wird. Da gibt es mit Bigpoint, Gameforge, Gree, Zynga oder Travian ja auch schon die ersten (schwächelnden) Majors. Aber auch hier geht der Trend zum Gigantismus.
    So wie aus Google und Facebook nun auch Kraken wurden, denen immer mehr Arme wachsen.

    So schön es wäre, wenn ganz sozialistisch viele die Macht hätten anstatt weniger, aber ich befüchte, in der Gamesbranche werden – wie in allen Branchen – die Großen das Sagen haben. Wer diese Großen sind und bleiben, das bleibt wie immer spannend und im Umbruch.

  43. THQ wird nicht aufgeben. So wie keiner „sein Baby“ gerne aufgibt. Harzzach würde diesen Blog doch auch nicht einstellen, wenn er plötzlich weniger Leser hätte, denn er glaubt an sein Ding (behaupte ich jetzt mal).

    Bei THQ gibt es nun zwei Möglichkeiten:
    1) Sie überleben so mit Ach und Krach, aber mit weiteren Verlusten und Entlassungen. Dann wird sich zeigen, ob sie den „Turnaround“ schaffen und vielleicht wie viele Totgeglaubte zurückkehren.

    2) Sie gehen wirklich in die Insolvenz, ihre IPs werden an die anderen Majors verkauft. Dann erscheint „Homefront“ eben bei EA und „Darksiders“ über Take 2 – und vielleicht werden daraus dann noch erfolgreichere Spiele. Oder sie werden wie viele andere IPs zuvor vollkommens in den Tod geritten.

  44. Ich denke, dass Joe auch hier recht hat. Sobald das Geschäftsmodell der Majors sich nicht mehr rechnet, werden sie langsam nacheinander verschwinden. Dann gewinnen kleinere, fähige Spieleschmieden an Relevanz, was mich zu der These und Hoffnung bringt, dass dann auch im Mainstream (erneut) wirkliche Qualitätsware Einzug halten wird.

  45. Wobei Erfolg und Ausschlachtung sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Die Marke Fallout wird ja auch von Bethesda ausgeschlachtet (werden) und Fallout 3 ist trotzdem ein Erfolg gewesen.

  46. Schau’n mer mal, ob und wie sich der Zeitgeist ändert. In der Kinobranche gab es ja mal eine ähnliche Krise, wo viele Majors ihre Probleme hatten.

    Genau das sind die grenzlose Dummheit gepaart mit Größenwahn, daß man in der Branche überhaupt auf die Idee kommt, man stehe auf Augenhöhe mit Hollywood.

    Der nächste Videogame Crash wird das Wahngebäude jäh einstürzen lassen.

  47. was mich zu der These und Hoffnung bringt, dass dann auch im Mainstream (erneut) wirkliche Qualitätsware Einzug halten wird.

    Der Mainstream wird sich ganz von Videospielen abwenden. Und das wird die gesamte Publisher-Branche zu Fall bringen.

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