Reinemachefrau

Es gibt ja diesen göttlichen Film von Carl Reiner namens „Tote tragen keine Karos“, in dem der Hauptcharakter mit dem Begriff „Cleaning Woman“ in hulkische Wutausbrüche getrieben werden kann. Sein deutscher Nazi-Gegenspieler wird mit einem fürchterlich radebrechenden „Meine kleine Reinemachefrau!“ dazu verleitet „Cleaning Woman“ auszusprechen, was zu einem Tobsuchtsanfall des Hauptcharakters mit ihm als Ziel endet. So weit, so gut.

Ähnlich ging es mir am Wochenende, als ich auf Grund einer dauervorsichrottelnden Festplatte nach langer Zeit diverse Instandhaltungs-Tools anwarf. Nicht, dass die Platte defekte Sektoren hat und langsam abraucht. Nun, was soll ich sagen. Kraut und Rüben. Defragmentiert wie bei Hempels hinterm Sofa. Etwa 900 GB Daten warteten darauf wieder sauber und ordentlich in Reih und Glied gebracht zu werden. Panik erfüllte mich und ein roter Schleier legte sich über meine Augäpfel.

DEFRAGMENTIEREN? 900 GB??

ARSCH OFFEN ODER WAS??

Zwei Stunden später mussten nur noch etwas mehr als 300 GB zusammengesetzt werden. In einem Löschmarathon sondergleichen habe ich die Festplatte von ganzen Heerscharen ungenutzter Texturen, Sounds und Gameplay-Logiken gesäubert. Ich bin dennoch überrascht, dass Betriebsystem und ein Kernsortiment von Applikationen und Spielen immer noch über 300GB an Festplattenspeicher belegen. Früher, da passten Spiele, DOS 6 und Windows 3.1 und Word Perfect und Lotus 1-2-3 gut auf eine schnöde 120MG-Platte mit gut Luft für das eine oder andere zusätzliche Programm. Wenn jedoch heute die Animation beim Dateikopieren mehr Platz im RAM belegt als damals ein Railraod Tycoon mit seinen ganzen Berechnungen … wundern die 300 GB auch nicht mehr.

Auf jeden Fall schnurrt die Platte wieder schön vor sich hin und gemäß der digitalen Feng Shui-Lehre ist wieder genug Platz für frischen Wind und neue Erfahrungen, anstatt dass einem die Daten kaum gespielter Titel die Schultern und das Gemüt schwermachen. Spiele-Backlog? The Gamers Pile of Shame? Nein mein Herr. Nicht mehr hier bei mir, mein Herr!

18 Kommentare zu „Reinemachefrau

  1. 900GB nur System, Spiele und evtl. Mods? Das ist aber schon ne Leistung! Wobei.. wenn ich komplett alle meine Steamspiele installieren würde, wieviel GB da wohl bei drauf gehen würden..

    120MG? 😀

    Glaube die erste Festplatte die mein Bruder und ich uns damals geteilt haben fasste gerade mal 40MB. Für Railroad Tycoon und Civilization hat es locker gereicht.

    Oh, damals fand ich das Defrag Programm auch viel schöner: http://www.youtube.com/watch?v=lxZyxxHOw3Y#t=0m30s Hach ja..

  2. Das Großreinemachen habe ich schon zum Jahreswechsel vollzogen. Die Zahl der installierten Spiele ist jetzt einstellig und sie belegen weniger als 100 GB.

    Soll ein neuer Zpck installiert werden, muß eines der vorhandenen Spiele weichen – inkl. Savegames. Also muß die Entscheidung getroffen werden, ob es noch durchgespielt oder abgebrochen wird. Ausgenommen sind davon nur Sandboxen (Einen Flugsimulator kann man nicht „durchspielen“).

    Defragmentieren tu ich die Windows-Büchse übrigens gar nicht. Ich mache ein Backup-Image und spiele es danach gleich zurück. Das geht nicht nur viel schneller, so weiß ich auch gleich, ob das Restore funktioniert.

  3. Windows startet eine Defragmentierung der (NTFS)-Dateisysteme automatisch, sobald der Rechner im Leerlauf ist und das Dateisystem zu einem gewissen Grad fragmentiert ist. Aus diesem Grund sehe ich nicht wirklich einen Grund, einen Defragmentierungsfetisch wie zu MSDOS/Windows 9x-Zeiten zu pflegen.

    Das einzige Szenario, wo ich mal Platten aus Performancegründen neu formatiert (und rückgesichert hatte), war eine USB-Platte mit NTFS (formatiert mit Windows 7), die auch von einen OSX via ntfsprogs (schnarch), Windows XP und Vista bearbeitet wurden, die jeweils verschiedene Versionen vom NTFS erwartet hatten. Das hat dann die MFT schon ziemlich strapaziert, wo langsam die ganzen Kompatibilitättseinträge die Verzeichniseinträge überwuchert hatten….

    Diese ganzen Powerdefragmentierer sind nicht wirklich das Geld und die Zeit wert.

    Wieviel ich auf der Platte habe neben den System … umh, den grössten Platz belegen meine virtuellen Maschinen, die Spiele belegen weniger. Graue Haare hab ich eher wegen meinen Archiv, wo ich mir bezahlbare 4 TB Platten wünsche *seufz*

  4. @ Joe: Mit welchem Progi machst denn du dein Backup_Image?

    Von 300 GB wird Windows wohl nur einen relativ kleinen Teil einnehmen (bei mir sind’s 9 GB, XP, nach 7 Jahren Betrieb)

  5. Mit Acronis TrueImage. Ist bei einer Platte mit 200 MB/s eine Sache von 10 min und geht erheblich schneller als den Defragmentierer stundenlang die Köpfe rumpfeffern zu lassen.

  6. Wenn ich mich recht entsinne ist eine frisch installierte W7 amd64 inst schon 15-20GB groß, und das ohne das man ein zusätzliches Programm installiert hat …
    Also dort passt meine 4 jahre altes linux system mit allem was ich an programmen brauche 2-3x rein.
    Aber gut 90% der win daten sind bestimmt bunte animierte Bilder, die sind ja auch sehr wichtig.
    Also wenn du ne große Platte zum auslagern hast kannst du dir den defrag auch sparen, alles sichern, dateisystem neuschreiben, zurückkopieren.
    Dauert nur ein Bruchteil der Zeit und ist dafür dann auch wirklich clean.
    Die indizierung der Daten und das auto defrag stell ich grundsätzlich aus, bekomme immer panik wenn die platten hochdrehen wenn es eigentlich kein i/o geben sollte.

  7. Immer noch besser als eine Defragmentier- Zwangsneurose….ich kenne da jemand, der könnte ohne sein tägliches Festplatten-Tuning nicht ruhig schlafen. Deine Festplatte hätte ihn vermutlich wahnsinnig glücklich gemacht…

  8. Ist der aktuelle Stand bei Festplatten mit 1TB-Plattern, z. B. Seagate Barracuda 7200.14 oder Hitachi 7K1000.D.

  9. Also seit Windows 7 finde ich das Defragmentierprogramm total sinnlos.
    Windows defragmentiert im Hintergrund und wenn man das Defragmentierprogramm mal startet sieht man das die Festplatten immer unter 10% fragmentiert sind.
    Für die paar Prozent verschwende ich nicht meine Zeit.

    Ich hab unter Linux mal ne 1TB Externe Festplatte mit Truecrypt verschlüsselt.
    Das hat über 6h gedauert.
    Windows 7 wollte bei mir mal n Windowsupdate beim Runterfahren installieren.
    Das hat 14h gedauert und ist dann auch noch fehlgeschlagen.
    Ursache war das die Partition C voll war. Was ich erst später mitbekommen habe.

    3h für das Defragmentieren warten geht also noch.

  10. Also seit Windows 7 finde ich das Defragmentierprogramm total sinnlos. Windows defragmentiert im Hintergrund und wenn man das Defragmentierprogramm mal startet sieht man das die Festplatten immer unter 10% fragmentiert sind.

    Windows macht eine Menge Sachen, wenn es mal sich selbst überlassen wird. Nur hier ist der Windows-PC entweder in Benutzung oder ausgeschaltet.

  11. Joe, deine negative Einstellung gegenüber alles und jedem – insbesondere, wenns mal nicht mit der Meinung von Harzzach d’accord ist – ist manchmal schwer zu ertragen. Man könnte das Gefühl haben, das du der Zwilling von ihm bist, der nur mit den falschen Fuß aufgestanden ist.

    Weisst du, wenn du einem Betriebssystem misstraust, dann benutz es einfach nicht, besonders wenn die unterschwellige Panik vorhanden ist, das jede Benutzung an den Hersteller gemeldet wird und was du getrieben hast.

  12. Und ich dachte immer das Joe der nihilistische Zwilling vom Hottentotten-Tarzan ist. Insgesamt sehe ich den Joe aber eher als Bereicherung für den Kommentarbereich, auch wenn ich mit ihm nicht immer übereinstimme.
    Außerdem möchte ich Miranda noch zu bedenken geben: Sind wir nicht alle ein bißchen Joe? Und daraus folgend: Wer ohne Joe ist, werfe den ersten Stein.

  13. Wir sind eh alle ein einziges Gruppenbewusstsein. Wir erliegen nur manchmal der Illusion individuell zu sein 🙂

  14. Weisst du, wenn du einem Betriebssystem misstraust, dann benutz es einfach nicht, besonders wenn die unterschwellige Panik vorhanden ist, das jede Benutzung an den Hersteller gemeldet wird und was du getrieben hast.

    Bei jeder Botschaft gibt es gibt es drei Zustände: Das, was der Absender sich gedacht hat, das, was hingeschrieben wurde und das, was der Empfänger herausliest. Und das kann zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen, siehe Stille-Post-Effekt. 😀

    (Ich kann mich noch gut an die speziell deutsche Homephone-Panik beim Erscheinen von Windows XP erinnern. Deutsche Computermagazine sahen durch ein paar Automatismen ihre Felle (1000 geheime Tips & Tricks) wegschwimmen und schürten erstmal ordentlich Panik.)

    Aber manchmal ist auch einfach nur das gemeint, was dasteht: Windows 7 führt eine Menge Optimierungen automatisch im Hintergrund aus, wenn es CPU-Zeit für sich bekommt. In meinem Nutzungsmodus (Rechner an, Spiel starten, Spiel beenden, Rechner aus), bekommt es allerdings nie die Gelegenheit dazu. Denn alles was mit produktiver Arbeit am Rechner zu tun hat, passiert auf anderen Maschinen unter Linux.

    Ich beleuchte Räume nicht, in denen ich mich nicht aufhalte und ich schalte Rechner aus, die ich gerade nicht nutze. Das ist auch schon alles. Da ist keine Paranoia-Aluhut-Geschichte dahinter oder sonst irgendwas. 🙂

  15. Ha, so ähnlich ging es mir auch. Habe jetzt Anfang des Jahres schweren Herzens von Windows XP auf Windows 7 umgestellt, und in dem Zuge mal die Spielepartition aufgeräumt. Ist auch viel Zeug runtergeflogen. Manches mit eher schweren Herzens, manches mit dem Unverständnis warum das noch da rumliegt. Man denkt immer man hat so viel Platz, und vielleicht wird man den Titel dann doch irgendwann mal durchspielen. Verfluchte Sammlermentalität.

    Irgendwie habe ich auch für mich persönlich das Gefühl das Spiele immer weniger „wert“ sind. Man lauert mittlerweile auf Schnäppchen, kauft beim Steamsale Titel die man ansonsten wahrscheinlich nicht mal ansatzweise antesten würde und endet dann mit einem Berg von Schrott den man mal angefasst hat… aber nie durchspielt. Man muss echt aufpassen das man nicht in dieser Wegwerfmentalität reinrutscht, die Publisher so gerne sehen (Umsatz!). Man sollte seine Zeit mit Spielen verbringen die es wert sind, und nicht nur anhäufen und dann wieder halbgegessen rumliegen lassen.

    Andererseits, wenn man nichts ausprobiert kann man auch nie positiv überrascht werden… verdammtes Dilemma :[

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