Niemand hat die Absicht

Nachdem die Ankündigung eines sog. Season Passes für Bioshock Infinite, wo man vorab (!) Geld für noch nicht erschienenen DLC bezahlen soll, für ungewöhnlich viel Aufregung gesorgt hatte, hat sich Mr. Levine persönlich berufen gefühlt eine Erklärung abzugeben.

DLCs sind keine gekürzten Inhalte

Nein, natürlich nicht. Das sollen nämlich Inhalte sein, die man noch gar nicht erstellt hat. Rausgenommen hat man nur Inhalte, die nicht gut genug waren. Um sie dann später als DLC anzubieten?

Ich weiß, dass anekdotisches “Es kommt mir vor als ob” eigentlich ziemlich haltloses Geschwätz ist. Aber ich weiß, dass ich manchmal ein ziemlich gutes Bauchgefühl habe, wo ich unterschwellig Dinge wahrnehme, die ich erst geraume Zeit später rational und faktisch belegbar begründen kann. Schaut man sich nämlich an, mit welchem Zynismus überall auf solche und ähnliche Aussagen von Publishern und Entwicklern reagiert wird, so gewinne ich den Eindruck, dass das Klima zwischen Anbietern und Kunden immer zerrütteter, immer paranoider wird. Die Kunden bemerken immer öfter, dass sie lediglich mit hohlbirnigem Marketinggeschwätz über den Tisch gezogen werden sollen und die Anbieter begreifen nicht, warum man auf ihre Aussagen so derart zynisch und emotional und sogar hasserfüllt reagieren kann, wie sich letztlich ein Community-Betreuer von Bioware (?) beklagt hatte.

Es herrscht Kommunikationskrieg zwischen den Majors und ihrer Kundschaft. Die Kunden glauben den Anbietern immer weniger, die Anbieter stellen verstört fest, wie ihnen immer öfter zum Teil ungeschminkter Hass entgegentritt. Da mag ein Anbieter Dinge sagen, die vollkommen zu Recht und zu einhundert Prozent der Wahrheit entsprechend und er erntet nur höhnisches Gelächter.  Die Marketinganstrengungen der Majors müssen immer höher gefahren werden, weil die Kunden nicht mehr so bereitwillig kaufen, wie das früher noch der Fall ist. Ergo wird das Marketing immer schriller, immer provozierender, um noch einen Eindruck erzielen zu können. Die Sprechblasen bei Interviews werden immer durchscheinender, wie man dies zB. schön in einem Interview mit dem Creative Director des neuen Sim City merkt, wo es zu den nebulösen Ausschweifungen und der Schönfärberei eines Politikers angesichts unangenehmer Fragen kaum noch einen Unterschied gibt. Der Kunde kann und will folgerichtig nicht mehr unterscheiden zwischen Marketinggefasel und aufrichtigen, “wahrhaftigen” Aussagen. Weil er keine Möglichkeit hat den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu überprüfen. Weil er kein Vertrauen in den Anbieter hat. Weil er davon ausgeht, dass er stets übers Ohr gehauen werden soll.

Die Diskrepanz, die Kluft zwischen den Majors und ihrer Kundschaft wird immer größer. Es findet keine Kommunikation statt, es werden, wenn überhaupt, nur noch heiße Luft und zynisches Gehate ausgetauscht.

Wohin das führt, ist eigentlich klar. Noch größere Marketinganstrengungen, noch mehr psychologische Tricks und Kniffe, um dem Kunden zu Geldausgaben zu bewegen, die er rational gar nicht tätigen will, die er aber tätigen muss, weil doch dieses Spiel da und überhaupt. Und das wiederum führt zu einer noch stärkeren Entfremdung und Distanz zwischen Anbieter und Kunde in einer Branche, die sehr stark davon abhängig ist, dass zwischen Anbieter und Kunde ein positives Band geknüpft ist, weil Spiele rasant an Wert verlieren und dem Anbieter nur dann den angestrebten Gewinn bringen, wenn sie möglichst oft zum vollen Retailpreis gekauft werden. Spiele werden durch diese Distanz, diese Nicht-Kommunikation entwertet. Ein Spiel ist nicht mehr 40 Euro wert, sondern nur noch 20 Euro, weil “die Deppen glauben doch nicht, dass ich deren Dreck für 40 Euro kaufe?”.

Ein Indiz für diesen Wertverlust zeigt die aktuelle Umsatzstatistik der GfK für Deutschland an: Es wurden zwar mehr Spiele im Vergleich zum Vorjahr verkauft, aber es wurde WENIGER Umsatz erzielt.

DLC-Schwemme, Vertrauensverlust, Kommunikationskrieg. Auf Seiten der Kundschaft eine immer größere Ablehnung und auf Seiten der Anbieter eine immer größere Ratlosigkeit, was der Kunde eigentlich in Wirklichkeit haben möchte. Und das im Vorfeld des Startes der nächsten Konsolengeneration, die, ebenfalls ein Bauchgefühl, irgendwie nicht so wirklich sehnsüchtig erwartet wird, wie das früher bei solchen Generationswechseln noch der Fall war.

Das alles sind Anzeichen einer Marktmüdigkeit, die in erster Linie für die Majors ganz fatale Folgen hat.

Nischenanbieter und Indies, die haben dieses Problem (noch) nicht. Dort gibt es (noch) die Aufrichtigkeit, die Wahrhaftigkeit, die Authentizität, die man von einem Anbieter emotionaler “Waren” erwartet. Noch nimmt man Aussagen aus dieser Ecke für bare Münze, noch wird nicht jede Äußerung als dreiste Lüge betrachtet.

Wenn denn eines Tages die heute großen Majors Geschichte sein werden, was wird man als den Hauptgrund betrachten, wegen dem die Sache den Bach runtergegangen ist? Mangelnde Produktqualität? Mangelnde Produktattraktivität? Oder die schlussendlich fatale Entfremdung zwischen Anbieter und Kunden, die dazu führte, dass der Anbieter an seinen potentiellen Abnehmern nur noch vorbei produzierte?

40 Kommentare zu „Niemand hat die Absicht

  1. Na war das nicht schon lange klar? Im Steamforum war dieser Tage eine Diskussion zu verfolgen, in dem der Ersteller des Beitrages der Frage nachging, warum Valve und Steam ein recht gutes Ansehen geniessen würden, während EA immer wieder negative Kommentare einfahren würde. Grundtenor vieler Antworten war „Wir mögen EA nicht auf Grund vieler vieler schlechter Erfahrungen.“ Eine Aussage, der ich mich nur anschliessen kann.

    Wie kann es denn sein, dass sich ein Publisher wie EA über rückläufige Verkäufe und rote Zahlen sorgt und einfach nicht begreift, woran das denn liegen mag, während die Foren seit Jahren überquellen von Beiträgen verärgerter Kunden die detailliert beschreiben, was sie an EAs Produkten und Firmenpolitik so kritikwürdig finden. Ist es wirklich möglich, dass hochbezahlte Entscheidungsträger so komplett den Kontakt zur Realität verlieren, dass sie die Stimmen der Kunden zur Gänze als unverständliches Geschnatter oder als Hintergrundrauschen wahrnimmt, selbst wenn Zuhören den Unterschied zwischen Weiterbestehen und Niedergang bedeutet?

    Wobei natürlich auch erwähnt werden sollte, dass Valve und Steam schon seit geraumer Zeit mit aller Kraft daran zu arbeiten scheinen, sich den Negativbeispielen der Branche anzunähern. Erreicht wird dies durch konsequentes Ignorieren der Kundenwünsche, einen fast nicht vorhandenen Kommunikationsfluss in Richtung Kunde, kreative Preis- und Regionspolitik, einen unsagbar schlechten Client und und und… Ich jedenfalls habe schon ewig kein Vollpreisspiel mehr auf Steam gekauft – warum solte ich auch, wenn ich jedes Spiel im Handel für mindestens 10 – 15 Euro weniger erstehen kann?

    Das auch Indies oder kleinere Entwicker nicht vor einer gewissen Arroganz gefeit sind, sehe ich persönlich an Krater (Fatshark) und Distant Worlds (Matrix Games). Ich will das jetzt nicht wegen zweier Ausfälle zur persönlichen Fehde ausarten lassen, aber beide Spiele besitzen einen Mangel, der das Spiel für nicht wenige Spieler unspielbar werden lässt und in beiden Fällen scheint das den Entwicklern völlig schnurz zu sein. Ich zumindest werde wohl von beiden Entwicklern das erste und das letzte Mal ein Spiel gekauft haben.

    Allerdings wundert es mich dann doch immer wieder, wieso so viele Spieler nicht die selben Konsequenzen ziehen, wenn sie zum x-ten Male von einem Major über den Tisch gezogen wurden.

  2. Allerdings wundert es mich dann doch immer wieder, wieso so viele Spieler nicht die selben Konsequenzen ziehen, wenn sie zum x-ten Male von einem Major über den Tisch gezogen wurden.

    Emotionale Abhängigkeit. Die Angst auf bestimmte Spiele verzichten zu müssen ist größer als aller Unbill, den man im Zusammenhang mit genau diesen Spiele erleidet.

  3. Schöner Artikel, danke dafür.

    Ich habe auf Steam noch nie ein Vollpreisspiel gekauft. Das hat mehrere Gründe:
    1.) Ich habe nur ein Nutzungsrecht, und keine „Hardware“. Ich kenne die Zeiten noch sehr gut, in denen es zu Spielen dicke Handbücher, Karten und andere Goodies gab. Ich habe eine ganze Reihe davon im Regal stehen – zum Vollpreis. Für einen digitalen Download gebe ich keine 50 Euro aus. Auch keine 40.

    2.) Die DLC Seuche verhindert es, ein Spiel „vollständig“ zum Release zu haben. Da nutzt kein Geschwafel, dass DLCs neu erstellt wurden usw. Der Jäger und Sammler in mir will aber alles, das komplette Spiel – sieht es aber nicht ein, fuer integrierte Rüstungen, Sondermissionen, Handlungsstränge o.ä. mit Micropayments draufzuzahlen. Auch wenn das nicht nötig ist, um das Spiel zu spielen, bliebe das „unvollständig“ Gefühl.
    Früher gab es ein Hauptspiel und nach einem halben / ganzen Jahr ein Addon, welches eine deutliche Erweiterung des Hauptspiels darstellte und dieses selbst verbesserte. (BattleIsle, Neverwinter Nights, Baldurs Gate Reihe um nur die Spitze des Eisbergs zu nennen – alles Spiele, die ich im Vollpreis erworben habe incl. Addons zum Addon Preis.)

    3.) Mein pile of shame ist mittlerweile so groß, dass mehr hinzu kommt, als ich „wegspielen“ kann. u.a. lungern Schwergewichte wie Dragon Age Origins und Witcher 2 seit längerem darin umher. (beide fuer jeweils ca. 5 – 8 Euro im Steam Sale incl. allen DLCs gekauft)
    Dies führt dazu, dass ich keine neuen Spiele brauche, um sie bei Release zu spielen, sondern warte, bis das komplettpack als GotY oder „Complete“ Edition fuer 5 – 10 Euro im Sale ist und füge es dem „pile“ in dem Wissen hinzu, dass es wahrscheinlich 2 Jahre dauert, bis ich es mal installiere…

    4.) Eine gewisse Sättigung setzt ein – ich kann nicht so viel konsumieren, wie ich mit unendlich viel Zeit würde, muss also zum Release nicht die neuesten Spiele haben. Der DLC Quatsch geht also eh an mir vorbei.

    Da können die Majors also machen, was sie wollen. An mir verdienen sie in 1 – 2 Jahren dann 5 Euro im Steam Sale.

    Gruß
    Enrico.

  4. es ist wohl eher so, das preis pro Spiel PLUS preis pro season pass (dlc Paket) dem realem Mindestpreis entspricht, welcher z.z. verlangt werden müsste (um die explodierenden kosten zu decken). also eher 80,- pro Spiel. und das ist nicht durchsetzbar.

  5. Ich denke langsam wird es nach- und nach immer mehr Kunden klar das hier Gewinnmaximierung an der Tagesordnung ist. Und das für Produkte die bestenfalls Durchschnitt sind. Klar muss man dann die Marketingmaschine auf Vollgas hochfahren, was natürlich mit mehr Kosten verbunden ist. Und klar muss man dann so nebulös wie mögklich sein bis die Kunden zumindest das Produkt gekauft haben. Immer mehr Tester beklagen sich ja über Sperren seitens der Hersteller und Publisher, damit kein unbequemer Test mehr vor Veröffentlichung die Kunden von ihrem Kaufwunsch abringt. Ehrlichkeit sieht anders aus…

    Es tritt hier das ein, was mich an meinem alten Arbeitgeber schon so genervt hat. Aufträge um alles, ob wir es stemmen können oder nicht ist egal. Hauptsache Geld verdient, ob der Kunde danach genervt ist oder nicht ist zweitrangig. Dabei sollte es doch klar sein, nur zufriedene Kunden kommen wieder. Nur wer eine gute Beziehung zu seinen Kunden pflegt wird auch morgen noch neue Aufträge reinkriegen. Man kann nicht immer nur auf die kurzfristigen Gewinne zielen, und dann hoffen das man irgendwie immer genug neue Kundschaft an Land zieht um die alte zu „ersetzen“. Genau das macht die Spieleindustrie ja im Moment.

    Ich muss auch ehrlich sagen das Problem liegt auch zum Teil an mir. Ich spiele schon seit bald 20 Jahren auf verschiedenen Systemen, und habe bald alles gesehen. Wenn man mir alte Konzepte vor die Nase stellt die nur etwas aufgehübscht wurden dann gähne ich mittlerweile nur noch. Abgesehen davon fange ich mit inaktiven „Achterbahnen“ nichts an die mir vorgaukeln das etwas passiert…. aber in Wahrheit nur auf billige Effekte, Pathos und Reizüberflutung setzen.

    Für mich sind Dinge wie Seele, Geschichte und Anspruch weit wichtiger als z.B Grafik oder Action. Mit ein Grund warum ich mich durch Spec Ops: The Line durchgequält habe. Es verkörpert auf der einen Seite alles was ich an modernen Shootern hasse wie die Pest, aber die Geschichte und die Charaktere waren es mir wert das ich durch bin. Sonst hätte ich echt etwas verpasst. Kaum vorzustellen was aus dem Spiel für ein Juwel geworden wäre hätte man sich nicht so der Generation Call of Duty angebiedert… wobei, wahrscheinlich gehört das mit zum Konzept um denen mal den Spiegel vorzuhalten.

    Ich persönlich finde mich in der aktuellen Spieleindustrie nicht mehr wieder. Es ist auch offensichtlich das ich nicht zum bevorzugen Publikum mehr dazugehöre. Ich muss jeden Tag für mein Geld arbeiten, und ich sehe es nicht ein das ich es Leuten in den Rachen werfe, die mich verarschen wollen. Und mich nicht ernst nehmen. Ich kucke mittlerweile sehr genau für was ich Geld auf den Tisch lege, und das landet halt dort wo man noch vernünftige Unterhaltung bietet.

    Die Spieleindustrie treibt sich selbt in die Ecke mit immer schneller Veröffentlichungsfolge, einem immer kleinen Aufmerksamkeitsfenster für neue Produkte und dem Ausschlachten von erfolgreichen Marken in allen erdenklichen Arten. Dazu versucht man die verlorene Kundenbindung immer mehr zu „erzwingen“, und sie weiter zu entmündigen. Irgendwann wird das alles überhitzen, und dann festfressen. Oder auch nicht, aber das ist mir egal. Es gibt mittlerweile so viele verschiedene Anlaufstellen, das jeder sich das rauspicken kann was er will.

    In der Hinsicht, uns geht es eigentlich so gut wie noch nie. Wir sind nicht mehr vom wohlwollen einzelner großer Publisher abhängig, sondern können bequem ausweichen. Daher, lehnen wir uns einfach zurück und kucken zu was passiert. Es könnte unterhaltsam werden 🙂

  6. Sehr schöner Artikel
    Ein anderes, mehr oder weniger aktuelles Beispiel wäre da noch Aliens Colonial Marines. Ich hab den Shitstorm mit viel Popcorn und einem Lächeln verfolgt. Ein Musterbeispiel komplett fehlerhaften Kommunikation was schon an Täuschung / Betrug grenzt. Und dann noch so dreist sein und Season Pass anbieten.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das noch für Gearbox rächen wird.

    Das Vertrauen ist da schnell verspielt. *Damals*, als man noch diverse Entwicklerbuden und Persöhnlichkeiten vergöttert hat, weil die Games eben Hand und Fuss hatten, konnte man sich ganz gut darauf verlassen, dass die neuen Releases den alten im nichts nachstehen.
    Dieses Gefühlt kommt Heutzutage wenn dann nur noch mit kleinen Studios zustande, die offen mit den Kunden kommunizieren.
    Ich würd mir z.B. ein Space Pirates And Zombies 2 z.B. fast blind kaufen. Gerne auch für den Vollpreis. Nen gehypten AAA Titel von einem der grossen Publisher? Neee… vielleicht irgendwann mal für nen 75% deal oder so…
    SPAZ ist von MinMax Games, ne zweimann Entwicklerbude, viel Kontakt im Forum, man Redet offen über Bugs und die helfen einem sogar mit Mods basteln.

    Ab wann dann ein Laden „too big to communicate“ ist, ist ne andere Sache. Aber es scheint irgendwo eine Grenze zu geben wo das Verhältnis kippt.

    Ist übrigens mein 1. Kommentar hier. Sehr schöner Blog, weiter so! 🙂

  7. Spiele werden also eigentlich unbezahlbar, und deshalb versucht man den hohen Gesamtpreis auf leicht verdauliche Häppchen zu verteilen ?

    Klingt logisch.
    Vielleicht wärs an der Zeit, den ersten „Gentlemen-die-gerne-Geld-für-ihre-Erbauung-ausgeben-Club“ zu gründen.
    Als positives Signal an die Publisher.
    Wir könnten für einzelne Spiele GEC- Lizenzen erteilen: Packungen mit unserem Vereins-Siegel enthalten
    „Garantiert alle geplanten und bereits existenten DLCs, keine Rund-um-die-Uhr-online-Überwachung und jeden anderen Scheiß, der uns (den Publishern) zu dem Ding noch einfallen kann/wird um noch mehr Kohle aus dem Ding rauszuquetschen“.
    Kosten der Vereins-Edition dann ca. hundert Euro/ Stück.
    Hmm…

  8. Ich denke, vieles wurde schon geschrieben und ich kann mich dem nur anschließen.
    Es setzt allmählich eine Art von Umdenken ein. Das hängt in meinen Augen mit der Tatsache zusammen, dass die schon seit den frühen 2000ern stattfindende Simplifizierung, diese Substitution wirklicher Inhalte durch platte Action und tolle Grafik, dieses „dumbing down und actioning up“ eine allmählich erreichte Untergrenze hat, die auch durch medialen Hype nicht mehr (vollständig) kompensiert werden kann. Im Gegenteil, die Menschen werden aufgeweckter und strafen offensichtlich erkennbaren Müll (Dragon Age 2) durchaus ab. Sie fallen nicht mehr ganz so leicht auf Marketing-Geschwätz und obskure Geschäftsmodelle herein.

    Trotzdem ist es noch ein weiter Weg, bis Spiele wieder darauf angewiesen sind, durch wirkliche Inhalte überzeugen zu müssen. Die Masse ist unglaublich träge und das stimmt mich traurig, v.a. in Anbetracht der Tatsache, dass selbst vernünftige Argumentation und ein Hinweis auf die Mängel heutiger „Meisterwerke“ und „Qualitätsschmieden“ einfach nicht gehört werden.

    Ich hatte dieser Tage eine Diskussion mit einem Skyrim-Fanboy, der aus der Popularität Skyrims einen Beweis für die Qualität des Spiels ableiten wollte. Ich habe ihm erklärt, dass die Popularität durch Hype induziert wird, wie dieser Hype funktioniert und dass Bethesda diese Taktik schon seit Morrowind anwendet-aber er wollte es nicht verstehen, was ein Beleg für die emotionale Bindung ist. Gleichzeitig konnte er aber auch durch nichts begründen, wieso Skyrim nun ein Schwergewicht und z.B. The Witcher oder Fallout überlegen sei, stattdessen hat er nur Nebelkerzen gezündet, um von meinen Aussagen abzulenken.

    Es war unglaublich, als würde man gegen eine Wand reden.
    Das illustriert recht gut, wie träge die Menschen immer noch sind-obwohl Fortschritte gemacht werden.

    Echt deprimierend…

  9. Was Dragon Age 2 angeht war es bei mir ein wenig wie mit dem Verdurstenden in der Wüste (jedenfalls wenn man keine Japan-RPGs mag): man stürzt sich auf alles, wo „Rollenspiel“ und „garantiert kein Kindchen-Schema“ oder „unsere-Helden-können-nicht-fliegen“ draufsteht.
    Wobei DA2 schon gefährlich nahe ans JRPG-Schema rankam… HArrghdenknichtdrandenknichtdrandenknichtran.

  10. Hier hilft ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch das Argument mit den Fliegen: „Fresst Scheisse! Milliarden Fliegen können nicht irren!“

  11. Das gegen eine Wand reden sieht man auch gut bei den Echo von der Vorstellung der PS4 (wo bis auf dem Controller nicht mal die Hardware gezeigt wird, da sie offenbar noch nicht fertig ist): Wehe, man weist darauf hin, daß diese Plattform ohne Netzwerkanbindung und dem allumfassenden DRM (durch das „social gaming“ kaschiert) eher eine Update und Plattformwechsel auf x86 ist. Da hat die Wand böse Stacheln und Giftdrüsen 🙂

    Für die Aliens: Colonial Marines gibt es übrigens auch einen Season Pass, das scheint nun eine schöne Form des raschen Geldholens bei 2k / Gearbox zu sein.

    Stichwort „Qualitätsschmieden“: die wievielte Auflage von Gothic, Painkiller, Spellforce, Transport/Verkehrsgigant und Die Gilde gibt es bereits? Wieso müssen diese Spielereihen bis zum Erbrechen alle paar Monate mal in einer neuen Variante / Verpackung neu aufgelegt werden?

  12. @Harzzach
    Vielleicht hätte ich das von dir Vorgeschlagene einfach schreiben und die Diskussion dann beenden sollen. 😀
    Jeglicher Rahmen wurde gesprengt, als er mit diesem Kracher angekommen ist:

    „Unpopuläre Spiele können durchaus qualitativ gut sein, sprechen aber gleichzeitig nur eine kleine Spielerschaft an.
    Ein Qualitativ schlechtes Spiel oder Produkt kann aber NICHT erfolgreich oder eben polulär werden.“

    Das ist ein Zitat, von ihm, welches ich als würdig erachtet habe, in meine Forensignaturen zu kommen, versehen mit dem von mir hinzugefügten Kommentar.

    „Und deshalb ist die Bild-Zeitung einer der Vorreiter des kritischen Investigativ-Journalismus, denn die Masse hat immer recht.“

    Ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass die Popularität keine Aussage über die Qualität zulässt und bin ihm auch mit Vergleichen gekommen-aber er hat sie einfach ignoriert. Ich verstehe nicht, wie man so blind sein kann. Na ja, emotionale Abhängigkeit halt. Trotzdem erschreckend, wie Gefühle das Denkvermögen ausschalten.

  13. Dazu kommt dann noch der Gruppenzwang, den man als Jugendlicher, die hier ja den Großteil der Kunden ausmacht, entweder als Direktkäufer oder als „Erbettler“ beim Erzeuger.

    Da kann man nicht sagen „CoD/MoH ist Schrott“ – da wird man gedisst,bebashed,geflamed usw. und auf FAZEBOOK wird man mit Kartoffeln beworfen.

    Da in so jungen Jahren noch nicht klar ist, das das eigentlich total Unwichtig ist, beisst man in den madigen EA/Activision/Ubischrott-Apfel, hauptsache man kann auf Facebook posten das man jetzt das neuste DLC „Rote Handschuhe des Winterabends“ für 4,99 € gekauft hat.

  14. „[…]Stichwort “Qualitätsschmieden”: die wievielte Auflage von Gothic, Painkiller, Spellforce, Transport/Verkehrsgigant und Die Gilde gibt es bereits? Wieso müssen diese Spielereihen bis zum Erbrechen alle paar Monate mal in einer neuen Variante / Verpackung neu aufgelegt werden?“

    Das kommt dabei heraus, wenn man Next-Gen-Kids, die zwar immer vom technischen Fortschritt fabulieren, aber von Gamedesign nichts verstehen und bei denen Kreativität nur in Zusammenhang mit dem Entwurf von Marketing-Kampagnen auftritt, Verantwortung überlässt.

  15. Ich möchte mal darauf hinweisen, das ich bei der vermeintlich geführten Kommunikation (aka PR) bei einem im Bau befindlichen Spiel, selbstständig, eigenverantwortlich und gewollt viele der Informationen NICHT konsumiere.

    Das ist etwas was ich vor ein paar Jahren schmerzlich lernen durfte und heutzutage bis zum Exzess durch exerziert wird – wen man nicht aufpasst, bekommt man alles, wirklich alles schon in Form von Videos, Bildern, Pressetexten und Reviews geliefert und zwar bevor man überhaupt selbst Hand anlegen konnte (ich nehme den Reviewaspekt wirklich nicht aus, die Schreiberlinge haben verlernt ihre verdammte Klappe über gewisse Teilaspekte zu halten – oh da ich selbst welche geschrieben habe, weiß ich wie schwer das ist).

    Ein Problem das nicht nur Spiele aufweisen, sondern vielfach oft auch Filme – Trailer die das Beste schon in Dauerrotation zeigen, Making Offs die nichts auslassen und beide heutzutage schon so viel verraten, das sich das anschauen nicht mehr lohnt.

    Btw. das ich heutzutage nicht mehr bedient werde (weil zu erfahren), damit habe ich mich schon längst abgefunden, allerdings sollte die Industrie dann nicht heulen, wen ich meine Hobbygewichtung ändere – es ist ja nicht so, als gäbe es kein Aspekt, an dem sie nicht noch verdienen könnten, allerdings versauen sie auch das immer wieder klassisch (nicht wahr Nintendo, wie kann man die VC Angebote mit der WiiU nur so verkacken, schaut euch die Emuszene auf dem PC ihr Honks und dann euer jämmerliches Angebot).

  16. Ich weiß ja nicht einmal, was ein Season Pass überhaupt ist. Daran erkennt man schon, daß ich aus dem AAA-Publisher-Wahnsinn komplett raus bin. Ich hab auch keine Ahnung von Konsolen, Microsoft Points und was es da sonst noch so gibt. Und ich vermisse nichts.

    Bioshock Infinite? Who cares? Ist das ein Savepoint-Script-Tunnel? Davon hab ich genug.

    Früher habe ich Budget-Titel gespielt, weil ich beim Hardware-Aufrüstrennen nicht mithalten wollte. Mittlerweile habe ich ein Pile of shame und zocke nebenbei noch Alpha-Versionen von Sachen, die erst 2014 oder so fertig sind. Zusätzlich schaue ich mir bestimmte Genres lieber passiv bei YouTube an.

    Vollpreistitel spielen bei meinem Überlegungen nicht die geringste Rolle. Aber inzwischen habe ich auch schon die 3 vorne dran. So schnell wird man also zum Senior Gamer…

  17. Nintendo könnte an der Emu-Szene lernen, wie man mit einem umfassenden und einfach zu bedienenden Download-Archiv für geringes Entgeld an alten Säcken verdammt viel Geld verdienen könnte, die hier ihre NES, SNES, Gameboy, GBA, GameCube oder N64-Jugend wiederentdecken, neu erleben oder sogar ganz frisch erleben können.

    Aber Nintendo geht es wie allen anderen Major Playern in diesem Markt: Noch viel zu gut!

  18. Ein „Season Pass“ ist die Erfindung von THQ, wo man alle DLC als Bundle kauft, quasi die GOTY ohne Grundspiel. 2k Games/Gearbox hat das übernommen und verfeinert. Dort enthält dieses Bundle alle wichtigen DLC exklusive kosmetische Sachen wie Waffen und extra Skins.

    Es gibt auch noch andere Arten, ein bisschen Geld aus den Spielern herauszupressen, indem man auf Kickstarter um Geld bettelt, obwohl das fertige Spiel eigentlich in der Schublade liegt, um nach einer gewissen Zeit ein Steambackup auf DVD/CD zu veröffentlichen. Paradebeispiel ist Giana Sisters: Twisted Dreams.

    Ich habe genug Spiele angesammelt, mich bis zu meinen Lebensende zu beschäftigen, so schlimm ists gerade bei mir.

  19. Ach das mein ich nicht mal, die verkacken auf technischer Ebene, ich mein die haben die Sourcen und Specs und bekommen es nicht hin richtig für HD Ausgabegeräte zu skalieren (was der Controller hat ein Bildschirm, nee also das überfordert uns aber jetzt komplett), AA und AF einzusetzen, die Spiele auf 16:9 zu trimmen, ordentliche Controllerunterstützung zu implementieren (forcefeedback). Der ganze Kinderkram eben, dann dieses blödsinnige Verhalten wer welche Version spielen darf, nicht nur auf Sprachversion bezogen, sondern auch auf PAL oder NTSC (natürlich ist PAL 60 Unterstützung auch für den Arsch) – ich will da gar nicht drüber nachdenken was man hätte machen können mit der Microsoft Technik in Echtzeit Pixelquark der Vorzeit in Vektorzeug umzurechnen. Die Jungs haben einfach episch verkackt, den das geilste ist, die haben kein Systememu für alle gebastelt, Nein, jedes Spiel steckt in seiner eigenen Emublase (das man Emus für jedes Spiel konfigurieren kann und diese Config abspeichern könnte, haben die wohl noch nicht mitbekommen) – und voila, wir bekommen den schon laufenden VC Scheiss nicht ordentlich auf Wii U rüber geportet.

    Ich muss doch dieses saudämmliche Konsolenbindungsverhalten nicht noch dazu schreiben oder? Ich mein jeder halbwegs intelligente Mensch würde Käufe an den Account binden, aber nicht Nintendo, Nein, Nein und übertragen von Wii auf Wii U ist mal eben ein Akt für Masochisten.

    Die Wii U kann mit Wii Titeln umgehen, das bedeutet die Konsole kann GC Spiele laufen lassen, wir haben genug Speicher für offizielle GC ROMs – na was haben wir nicht im Programm?

    Allerdings verkackt Sony gerade bei mir ebenfalls in epischer Weise, eine PS4 mit grundsätzlich anderer Hardwarebasis ohne ein optionales Steckmodul für den PS3 Backport will ich nicht mal geschenkt haben.

  20. Ah, THQ hat das also erfunden, kein Wunder, daß ich davon nichts weiß. Naja, die Drecksbude ist ja jetzt zu Recht tot. Nagut, mein „Season Pass“ kommt dann im Zweifel halt aus dem Usenet – oh, und das Grundprodukt ist auch gleich dabei … wie praktisch.

    Ich glaube, das beste für die Spielekultur wäre, die ganzen Dreckssäcke hören mit dem Videospielemachen auf und gehen sterben.

    Huch, so schnell wird man zum Hater… 😉

  21. Passend zum Thema ja gerade die Diskussionen um die neuen Konsolen. Die schleichtende Entmüdigung des Kunden geht weiter, nur will man es natürlich nocht so offen auf den Tisch legen. Die emotionale Abhängigkeit ist echt enorm, wenn ich da solche Sache lese wie “ naja, wenigstens kann ich noch offline spielen“, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Sind die Ansprüche mittlerweile so tief gesunken? Unglaublich das wie Leute alles mit sich machen lassen, und dafür einen Haufen Geld auf den Tisch legen. Wahrscheinlich kann man hier bald von einem „Stockholm-Syndrom“ reden 🙂

  22. Ich denke ja eher oft, daß die sich aufregende Spielekundschaft einfach zu tump ist, ich bitte um Verzeihung. Ich sehe doch keine Ferreroreklame und denke: wow, da muß ich mir gleich ein Duplo kaufen, wenn der in der Werbung damit so ein Erfolg hat. Umgekehrt esse ich ab und an aber gerne Duplo und sage dann doch nicht beim essen; ist aber ganz anders, als in der Werbung.

    Wieso lassen wir Geschwätz nicht Geschwätz sein und werten das Produkt unabhängig? Wir müssen uns doch nicht vor den Hypekarren spannen lassen und nachher rufen: das haben die aber ganz anders versprochen… die versprechen nichts, die werben. Ja, klar, der Unterschied ist sprachlich gering, aber ich schau doch auch nicht auf den Werbespruch „das beste für den Mann“ und rufe nachher: die haben das aber versprochen! Saubande, diese blöde!

    Und ob die DLC schon gleichzeitig produzieren oder erst x Wochen später neue Leute dafür einstellen (oder wie immer der Ehrenkodex gedacht sein mag), ist mir doch wurscht. Ist das Spiel in sich schlüssig vollständig und bietet es mir meine erhofften X Stunden Spielspaß für das für mich berechtigte Y Euro, dann macht das doch keinen Unterschied. Ich erwarte beim Metzger doch auch nicht, daß sie mir das ganze Schwein liefern, wenn das für meinen Aufschnitt doch schon mal komplett geschlachtet wurde. Soll er ruhig für den nächsten Tag was zurück halten.

    Wirkt das Spiel nachher beschnitten, unvollständig oder ist einfach auch mal so scheisse… dann ist es das. Selbst, wenn nicht mal DLCs geplant sind.

    Was die vorher ankündigen um Werbejecke Leute verrückt zu machen ist mir doch erst mal wurscht. Natürlich sagen die nicht, das Spiel wird kacke. Das ist erst mal Werbung und keine Ankündigung.

  23. Das ist genau die Trägheit, von der ich geschrieben habe.

    Überhaupt müsste man sich bei den hyperbolen Versprechungen, die von einigen Entwicklern so gemacht werden, einmal fragen, ob die Schwelle zum gewerbsmäßigen Betrug nicht schon längst überschritten worden ist. Was da in der Vergangenheit schon alles zusammengelogen wurde…

  24. Spieler sind keine Reviewer und müssen nichts „unabhängig“ oder „objektiv“ werten. Wenn so eine DLC-Schwemme ein Gefühl von „Ich verpasse was“ erzeugt, dann ist das eben so. Wenn das Produkt ohne dieses Gefühl > 100 Dollar kostet, dann darf das mit Nachdruck kritisiert werden. Spielepublisher haben kein Recht darauf, bedingungslos geliebt zu werden.

    Videospiele sind emotionelle Produkte und wenn sie ein Scheißgefühl erzeugen, dann sie allein aufgrund dieser Tatsache ihr Geld nicht wert. Es sei denn Du stehst darauf, vom Publisher gefistet zu werden. Aber mit dieser spezielle Spielart bist Du eben in einer Nische.

    Übrigens: Die wenigsten spielen ihre Spiele tatsächlich komplett durch. Also warum nicht einfach das Ende weglassen? Es sieht ja eh kaum einer und wer es tatsächlich bis dorthin schafft, kann es ja als DLC nachkaufen. Na, wie wär das?

    Ach, die Leute wollen eine Kampagne mit Ende haben, obwohl sie es mit großer Wahrscheinlichkeit nie zu Gesicht bekommen? Ja, was ist denn das für eine Geldverschwendung! Ein vernünftiges Entwicklerstudio investiert das Budget lieber in Fake-Rendermaterial für die Presse, denn das bekommen viele Leute zu sehen.

    Auf die Spitze getrieben hat man das Gearbox mit Aliens: CM. Die haben sogar ein schlechtes Gefühl bei denjenigen erzeugt, die das Produkt nicht einmal gekauft haben. Für mich ist Gearbox damit auf der schwarzen Liste gelandet, denn ich werde nie wieder unbefangen ein Spiel genießen können, das mir ein GB-Logo im unskipbaren Intro präsentiert. Verbrannt…

    Tja, das verstehen Leute nicht, die Videospiele wie Socken oder Glühbirnen am Fließband produzieren…

  25. Gearbox kann durchaus gute Spiele produzieren, wie Borderlands zeigt. In ihre Hausmarke haben sie auch spürbar die meiste Zeit und Energie gesteckt, was auch für die Story-DLCs gilt.

    Ich werfe da lieber Sachen rein, das man bei dem so gehypten Crysis 3 nach 4 Stunden (!) durch die Solokampagne durch ist, aber dazu solltet ihr Yetivin befragen gehen. Da wurde wohl schon nett kalkuliert.

    Mein persönliches Steckenpferd sind da eher diese Firmen wie Astragon, Black Forest, daedelic, deren Preispolitik … fragwürdig ist und bereit sind, ihre Spiele bis zum letzten Blutstropfen zu melken, die Leiche recyclen und dann ewig und zwei Tage diese Spiele mit einem neuen Cover neu vermarkten (siehe weiter oben). Speziell bei daedelic ist das Verhältnis zu denen etwas schizophren: Ich mag deren Spiele, teilweise habe ich diese auch mehrfach gekauft (günstig, mit Preisabschlag mindestens 50%), allerdings deren Preispolitik ist .. hüstel. So wird nach dem letzten Teil von Deponia garantiert ein „Komplettpack“ zum Vollpreis erscheinen, das kann ich prophezeien.

    PS: Ich habe den ersten Teil von Deponia (boxed, „Sammleredition“) für 3 Euro bekommen, im Rahmen einer Aktion und nicht aus einer Grabbelkiste.

  26. Es ist völlig egal, was Gearbox angeblich Gutes produzieren kann. Ich werde an DNF und A:CM erinnert, das genügt völlig, um deren künftige Produkte komplett zu entwerten. That’s it. Der Zug ist abgefahren.

    Okay, ich betrachte das ach so tolle Borderlands mal ganz objektiv. Mit langjähriger Modding-Erfahrung, angefangen bei Doom kann ich das nämlich. Was sehe ich?

    Ich sehe Texturen und Polygonmodels auf dem Bildschirm herumtranslatieren und die Wirkung von Scripten, die ich per Button-Smashing ablaufen lasse, damit am nächsten Savepoint der State der Unreal3-Engine auf die Festplatte gesichert wird. Die Texturen sind in einem gut komprimierbaren Stil gehalten, das spart Speicher, denn der ist knapp auf der Konsole.

    Äh ja, warum nochmal soll ich dafür > 50 Dollar bezahlen? Hey, Scripte ausführen kann auch mein Webbrowser. Kostenlos!

    Ich glaube, das ist auch eines der Probleme dieser Branche: Wenn Executives bei Gearbox die eigenen Produkte selbst ebenfalls nur als Sammlung von 3D-Studio-Assets sehen und tatsächlich ernsthaft glauben, DAFÜR geben die Leute freiwillig ihr Geld aus.

    Erst in der eigenen Phantasie wird aus den miserablen Ergebnissen branchentypisch amateurhaften Software-Engineerings ein künstlerisches Produkt. Und genau bei der willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit spielt das gesamte Drumherum eine GEWICHTIGE Rolle.

    Dabei ist es sogar völlig egal, ob es gezeigtes Material überhaupt als DLC zu kaufen gibt. Das Aliens-Erlebnis wird allein durch die Tatsache zerstört, daß das gefakte Demomaterial EXISTIERT. What has been seen cannot be unseen!

    Und genau da schlägt der Vergleich mit Schokoriegeln von Ferrero fehl. Videospiele sind keine Schokoriegel.

  27. Naja, wenn man die Freude an einem Produkt davon abhängig machen, was man gerade nicht hat, dann ist das freilich jedem frei gestellt. Ich spiele in der Zeit lieber die Spiele, die mir das Wert sind, weil sie in sich geschlossen gut sind. Unabhängig davon, ob es dazu noch Zusatzprodukte gibt, diese angekündigt werden oder eines Tages geben soll. Das halte ich, wertend, für souveräner. Und zu Gearbox: ich finde Borderlands „jetzt plötzlich“ um keinen Deut schlechter (oder besser, wie mans mag) als vor dem letzten Desaster bei Alien. Hielte ich auch für unsinnig, am Spiel hat sich ja nichts geändert. Also gestern sah es zumindest noch genauso aus wie vor drei Wochen. Muß aber noch mal nachsehen. Vielleicht ist es ja doch schlechter geworden. 😉

  28. Naja, mir geht dieses markenfixierte Denken da etwas ab. Wenn das Spiel gut ist, dann ist mir das restliche Angebot des Publishers eigentlich bei dieser Beurteilung wurscht.

  29. Das ist schön für Dich. Lerne bitte zu akzeptieren, daß es Leute gibt, deren Erlebnis durch Schlipsträger-Kackscheiße beeinträchtigt wird.

    Ich kann Dein Borderlands übrigens nicht „jetzt plötzlich“ schlechter finden, weil ich das wegen o. g. „Season-Pass“-Kaspereien gar nicht erst gekauft habe – und jetzt auch erst recht nicht mehr kaufen werde. Dabei geht es NICHT den vielgerühmten „Boykott“ oder die Absicht, die Entwickler finanziell auszuhungern. Ich empfinde vielmehr Abscheu und Ekel, so einfach ist das.

    So hygienisch einwandfrei Käfigeier auch sein mögen, es gibt Leute, die sie schlicht nicht essen können. Kapierst Du das?

  30. Ist schon okay, Du hast ausführlich dargelegt, daß Du rein gar nichts von den Ausführungen verstanden hast. Du hast schlicht den Zugang nicht. Das ist aber nicht ungewöhnlich, es muß auch Leute geben, die auf Fastfood stehen.

  31. „Videospiele sind keine Schokoriegel.“
    Joe, damit hast Du mir jetzt echt Denkstoff für die nächsten Wochen gegeben.

    @Harzzach: Ich beantrage, das in die Rubrik „Wahre Worte“ aufzunehmen, wird eh Zeit, dass das alte Zitat mal abgelöst wird.

  32. Beruhigend, daß EA da ehrlicherweise von Consumern spricht und nicht von Gamern. Da gehöre ich ja gar nicht zur Zielgruppe. Consumer finden irgendwas ’ne Weile interessant und ziehen dann weiter zum nächsten Ding und ignorieren dich einfach, siehe Wii U. Das wird EA auch passieren, dann werden sie wieder bei den Gamern angekrochen kommen und schließlich an der eigenen Aufgeblasenheit pleite gehen. 😉

  33. Ach deshalb hat mir Dragon Age 2 auch so gut gefallen, weil es nahe genug am von mir geliebeten J-Rpg Konzept bzw. weit genug vom West-Rpg entfernt war 😉

    Zum Artikel:
    Die Passage
    „Die Diskrepanz, die Kluft zwischen den Majors und ihrer Kundschaft wird immer größer. Es findet keine Kommunikation statt, es werden, wenn überhaupt, nur noch heiße Luft und zynisches Gehate ausgetauscht.“

    hat mich stark an eine These erinnert, über dich ich während meines Journalismus-Studiums gestossen bin. Nach Niklas Luhmanns soziologischer Systemtheorie wörtlich zitiert ist „das Zustandekommen von Kommunikation unwahrscheinlich.“

    Begründung: Die verschiedenen Systeme ( also z.B. System 1 = die Kunden, System 2 = die Anbieter, System N = Gruppe N .. etc. ) haben verschiedene Kodizes, also Grundannahmen und Verständigungsregeln. Der von Harzzach beschriebene, sich immer mehr verschlimmernde, Vorgang der Entfremdung von Anbietern und Kunden aufgrund der auseinanderdriftenden Kommunikation ist damit quasi ein passgenaues Paradebeispiel für diese Theorie.

    Die Lösung für dieses Problem sieht Luhmann übrigens in Moderatoren, also z.B. den Medien, sprich diesem Blog, der auf genau diesen Missstand ( 3 s ?? ) hinweisen und aufmerksam machen muss.

    Infos bringt wie immer Wiki:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation_%28soziologische_Systemtheorie%29

    Und was bringt euch jetzt dieser dolle Kommentar von mir letztlich?
    Gar nichts!
    Aber ich bin froh, endlich mal Bücherwissen aus dem Studium zu einem mehr oder weniger passenden Thema rauslassen zu können. Hurra! 😉

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