Spieldesign aus dem letzten Jahrtausend

Folgende Zeilen mögen den einen oder anderen vielleicht ein wenig erzürnen, aber ich kann hier ebenso wenig aus meiner Haut wie andere aus ihrer. Es ist so, wie es ist.

„CrossCode“ hat vor ein paar Tagen die EarlyAccess-Phase verlassen und ist nun als 1.0 erhältlich.

CrossCode ist eine Hommage an die goldene 16bit-Ära und spielerisch eine wilde Mischung aus Puzzles und Action, mit einer gehörigen Portion RPG. Auf Steam heisst es derzeit Overall Reviews: Overwhelmingly Positive mit 96% positiven Reviews.

Es sieht gnadenlos gut aus. Wenn man auf PixelArt steht. Was ich tue.

Es hört sich richtig gut an. Wenn man auf 16bit-Sound steht. Was ich tue.

Die Puzzles sind knifflig, aber in der Regel nicht unfair. Ich mag das.

Die Action ist flutschig und knallig, es kracht und scheppert, man springt und rennt wie ein Derwisch über den ganzen Bildschirm. Ich mag das.

Die Bosse sind groß und kreativ und ausgefallen und … sie nerven mich. Kollosal! Ich hasse das!!!

Ich hasse es wieder und wieder auf den Ausgangspunkt zurückgeworfen zu werden, jede Welle, jedes Muster, jeden Angriff auswendig zu lernen und mit Trial & Error mühselig herauszufinden, wie dieser Boss zu besiegen ist, ohne dass wieder die eigenen HP den Wert Null erreichen. Ich hasse dieses Spielprinzip so sehr, dass all die enorm positiven und angenehmen Seiten des Spieles dagegen nahezu verblassen. Ich sitze vor dem Bildschirm, verziehe den Mund, schaue angefressen die Wand an und habe keinen Bock mehr weiterzumachen. Dann mache ich nach zwei, drei Stunden wieder weiter. Scheitere wieder. Und wieder. Schaffe den Boss endlich. Erfreue mich des Spieles, seiner Pixelpracht, dem Sound, den Puzzles und all dem Rest. Bis zum nächsten Bossfight, wo ich erneut nach ein paar Fehlversuchen entnervt das Handtuch werfe. Bis ich an dem Punkt angelangt bin, dass ich nicht mehr will.

So überhaupt nicht mehr.

Leider sind schon einige Stunden Spielzeit vergangen. Mehr als die Steam-Kulanz zulässt.

Ich beglückwünsche die Jungs & das Mädel aus Saarbrücken für ihren höchst eindrucksvollen Debut-Titel. Saubere Sache das. Daumen hoch!

Ich hasse das Spiel, weil mich die Bosse nerven. Mich nervt dieses ganz spezielle Gameplay-Design, wie man es aus den Spielen dieser Ära eben kennt. Ein Gameplay-Design, mit dem ich schon immer meine ganz speziellen Probleme hatte. Rinse, repeat, bis zum Erbrechen! Stumpfes Auswendiglernen von Angriffs- und Bewegungsmustern.

Nicht mein Fall. So leid es mir für den Rest des Spieles auch tut.

21 Kommentare zu „Spieldesign aus dem letzten Jahrtausend

  1. Jaja, die Jugend von heute. Einfach keine Leidensfähigkeit und Durchhaltevermögen mehr.
    Oh, wait…
    😉

  2. Kurz nachdem ich das Spiel gerade mal angetestet habe gehe ich zufällig auf deinen Blog und zack gibts hier einen Artikel zu CrossCode! XD

    Hatte mir zuvor keine Videos angesehen und auf ein gemütliches Kampfsystem gefreut, aber nicht auf ein zweites nerviges Hyper Light Drifter. Schade!!

  3. „Gemütlich“ ist Definitionssache. Für jemanden, der sowas mag, sind die Bosse wahrscheinlich ein Kindergeburtstag.

    Solche Spiele sind wie die Myst-Serie. Ich mag die Optik der Myst-Spiele, das Art Design, Sounds und Musik … habe aber keine Geduld für abstruse Schalterrätsel. Hier habe ich keine Geduld für die Bosskämpfe. Würde es also eine „Wuss“-Option für Leute wie mich geben, wo alle Boss-Kämpfe geskipped werden können, ich hätte mit dem Rest des Spieles eine megariesengroße Freude.

  4. Wie steht es denn um…. öhm… Cheats? Ich selbst wäre vermutlich zu eitel dafür und würde das Spiel eher deinistallieren – aber im Grunde wäre das doch ne gute Lösung.

  5. Ja, ein Trainer wäre auch ein Lösungsansatz. Darauf wird es wohl hinauslaufen. Dann nerven die Bosskämpfe zwar immer noch durch ihre bloße Existenz, aber ich sterbe zumindest nicht.

    Mir ist übrigens aufgefallen, dass ich Bosskämpfe grundsätzlich nicht mag. Nicht nur hier, überall.

  6. Au, da schließe ich mich an! Daher mag ich Delta Force so… und Adventures.

    Bei Zelda: Ocaraina of Time fand ich sie ganz gut. Aber allgemein, vor jedem Boss-Kampf, sagt mein Bauch „oh neiiiinnnn…“ Auch das besiegen erfüllt mich nicht mit stolz, ich bin dann einfach froh normal weiter spielen zu dürfen.

  7. GENAU DAS! Wenn ich einen Boss besiegt habe, dann jubele ich nicht, weil ich ein tolle Herausforderung geschafft habe, sondern weil ich froh bin, dass ein Hindernis aus dem Weg geschafft wurde, das Spiel wieder eine Weile „normal“ weitergehen kann, wieder ein Fluß im Spiel ist.

    Bosse empfinde ich oft als störend, nicht zum Rest des Spieles passend.

  8. „Mir ist übrigens aufgefallen, dass ich Bosskämpfe grundsätzlich nicht mag. Nicht nur hier, überall.“

    Na das ist ja mal ein Ding. Endlich mal einer, der mit mir in dieser Sache einer Meinung ist. Ich meine, es gab schon den einen oder anderen Bosskampf in meiner Spielerkarriere an den ich mich gerne erinnere, der besonders unterhaltsam oder beeindruckend oder spannend war.

    Aber so ganz grundsätzlich mag ich das Prinzip irgendwie nicht. „Lost Planet“ zum Beispiel ist ein klasse Spiel, von Zeit zu Zeit packe ich das immer noch aus. Und in dem Spiel komme ich sogar gut mit den Bosskämpfen aus, was aber auch daran liegt, dass man den Gegners hier große, leuchtende (aber storytechnisch sogar logisch konsistent erklärte) Schwachpunkte und ein klares Verhalten verpasst hat und es eher auf die Beherrschung des Kampfanzuges und dessen offensiven und defensiven Fähigkeiten ankam. Aber dann… mir ist bis heute nicht klar, was sich die Entwickler DABEI gedacht haben.

    Weil man sich dafür entschieden hat, beim finalen Gegner ALLE Spielmechaniken über den Haufen zu werfen, die dem Spieler bislang zur Verfügung standen und an die man sich gewöhnt hat. Auf einmal mutiert ein relativ traditioneller 3rd Person Shooter//Mechshooter, bei dem sich die Action also doch eher auf zweidimensionaler Ebene abspielt, zum japanischen Mechagame, bei dem auf einmal mit drei weitläufigen Dimensionen zurechtkommen muss, in dem der eigene und bislang sehr bodenständige Kampfanzug//Minimech wie in einem dieser japanischen Animes wild in extrem ruckartigen Bewegungen herumfliegt und mit hausgroßen SCHWERTERN auf den Gegner einprügelt.

    Wer macht sowas? Warum? Die letzte Cutscene habe ich jedenfalls bis heute nur auf Youtube gesehen.

  9. „Mir ist übrigens aufgefallen, dass ich Bosskämpfe grundsätzlich nicht mag. Nicht nur hier, überall.“

    Hast du eigentlich schon Dark Souls gespielt? 😉

  10. Da sind die Menschen doch unterschiedlich, ich liebe Bosskämpfe, und Spiele die sie zelebrieren. Gerne so, dass die gewöhnlichen Trash-Gegner gleich ganz wegfallen, wie in Shadow of the Colossus, Titan Souls oder Monster Hunter. Für mich sind die Trashmobs nur Zeitverschwendung auf dem Weg zum eigentlichen Spaß. Aber ich liebe auch Roguelikes 🙂

  11. Wir tolerieren hier auch Leute mit Deinen Geschmäckern 🙂

    Nein, bassd scho. Ich werd mir irgendwann einen Trainer besorgen (oder der Entwickler baut eine Wuss-Option ein) und gut ist.

  12. Hey oder früher hab ich mir für sowas schonmal einen Freund eingeladen 🙂 Heute wohnt der nächste, der mir kompetent genug für so etwas erscheint, leider 1,5 Std. Autobahnfahrt entfernt… Und vermutlich würde mich nach dem Boss der Besuch nur von der Story ablenken und ich müsste ihn Dank faselnd rausscheuchen 😐

  13. Wow, ich hab glaub schonmal den Name gehört aber jetzt zum ersten mal auf das Video hier geklickt…
    Das macht mich jetzt schon ein bisschen (sehr dolle) an.
    Wie schlimm sind denn die Bosse?
    Terranigma schwer? (weil so siehts bissl aus, hach, Terranigma…)
    Hyper Light Drifter schwer? (die waren schwer aber machbar fand ich)
    Enter the Gungeon schwer? (das Spiel bockt wie die Sau aber weiter als bis zu den dritten Bossen komm ich nich und das auch selten)
    Dead Cells schwer? (FUCK YOU HAND OF THE KING FUCK YOU!!!)
    Und wird’s das für PS4 geben?
    Obwohl, hab gerade doch noch Terraria für die PS4 mitgenommen und werd die nächsten 2 Monate eh zu nix anderem kommen.

  14. Ich habe keine Ahnung, ob sie schwer oder einfach sind. Ich habe leider die dumme Angewohnheit bei dieser Art von Spiel (interessanterweise nicht bei Shootern) beim Versuch des Ausweichens immer direkt in die Attacken des Bosses zu laufen. Sprich, es ist gut möglich, dass ich mir hier extra dämlich anstelle und deswegen nicht richtig im Spiel vorwärts komme.

  15. FTL wurde mir komplett versaut durch den abschließenden Bosskampf. Dabei hat es sonst wirklich Spaß gemacht. -.-„

  16. Besonders ärgerlich, da das Spiel aj einiges an verschiedenen Möglichkeiten bietet sich im Kampf zu bewähren und dann kommt der Boss und obwohl man vorher alle Gegner gut geschafft hatte mit der zuvor neu ausgedachtgen Taktik, kann man je nach Ausrüstung beim Boss auch einfach gleich aufgeben.

    Hatte vorher noch nie erlebt, dass ein Boss das Spiel rückwärts(!) so determiniert, wenn man gewinnen will. Mich das ganze Spiel aber nur auf den Bossfight auszurüsten nach möglichst perfekt ausgewählten Vorgaben, sehe ich wirklich nicht ein.

    Hand (der vorher als Anonymus zu doof war, seinen Nick einzugeben)

  17. Genau deswegen habe ich den Boss-Kampf in FTL auch nie angefangen. Ich war vorgewarnt, habe meine Ausrüstung mit dem verglichen, was in Walkthroughs als notwendig beschrieben wurde und hätte dann ein neues Spiel beginnen müssen. Weil meine Ausrüstung und meine Spielweise zwar gut genug war, um bis zum Boss zu überleben, für den Boss aber nicht geeignet war.

    Deswegen scheue ich momentan vor „Into the Breach“ zurück. Gebranntes Kind und so.

  18. Falls hier nochmal jemand in den post reinschaut:

    Auf ein Bier podcast (mit Entwickler) zu Cross Code is raus und sehr interessant und damit verbunden:
    PS4 port confirmed! yeah!

  19. Hmm, da hast du wohl weiter durchgehalten als ich im Moment.
    Meine Herausforderung mit dem Spiel ist, dass es in einer MMO-Welt spielt und deshalb allem Anschein nach auch MMO-Elemente eingebaut hat.
    Alleine der Marktplatz mit „Diese Fantastilliarden Zutaten kannst du irgendwann mal kaufen“ hat mir schon die Lust vergällt.
    Weil das für mich nicht in ein 16-bit Ära ARPG mit Puzzle-Dungeons passt.
    Weil ich dafür eine Excel Tabelle im Kopf haben muss. Habsch kein Bockauf. Taschenrechner für Slay the Spire ist ja schon schlimm genug. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s