Ein Fehler?

Nein, das Spiel ist kein Fehler. Kein Spiel ist ein Fehler. Aber ein Spielkauf kann ein Fehler sein. Ob das hier einer ist, kann ich noch nicht sagen. „Thronebreaker“ macht es mir nicht leicht es zu mögen.

Denn jedes Mal, wenn ich glaube die Regeln verstanden zu haben, gerät der nächste Kampf erneut zu einem ratlosen Herumklicken, an dessen Ende manchmal ein Sieg, meist aber eine Niederlage steht. Ich meine erkannt zu haben, dass wohl Kombinationen bestimmter Karten und ihrer Fähigkeiten wichtig sind, aber so wirklich sinnvoll ist der Einsatz der einzigen mir derzeit bekannten Synergie, der Wagenburg-Karte, nicht immer. Ich habe den Eindruck, dass das kümmerliche Tutorial mich auf einen falschen Weg geleitet hat. Ich vermute so langsam, dass es sinnvoller sein könnte das eher mißglückte, weil viel zu kurze und zu oberflächliche Tutorial vollkommen´zu ignorieren und  einfach frei Schnauze Karten zu spielen und zu sehen, was passiert.

Das mache ich eine Weile. Manche Kämpfe können gewonnen werden, die meisten nicht.

Habe ich zu wenig der richtigen Karten?

Ich baue mir mehr Karten, bis ich keine Ressourcen mehr habe.

Sonderlich weit komme ich so auch nicht. Jetzt habe ich auch keine Ressourcen mehr.

Ich steuere meine Figur durch die Landschaft und suche nach mehr Ressourcen, gerate dabei in Kämpfe, die mich immer zum letzten Checkpoint zurückwerfen, weil ich sie nicht gewinne.

Gewinne ich sie nicht, weil ich beim Kartenbau etwas falsch mache? Gewinne ich sie nicht, weil meine Vorbereitung im Truppenlager falsch war? Habe ich meine Ressourcen in das Upgrade falscher Gebäude oder Karten vergeudet, die besser in Karten oder Gebäuden angelegt worden wären? Oder anders herum?

„Thronebreaker“ führt einen Haufen von Spielmechaniken ein, ohne diese aber ordentlich zu erklären. Was erklärt wird, kann man sich auch alleine erschliessen, weil nur das Offensichtliche erklärt wird, wie zum Beispiel „Klicke hier, um das Gebäude upzugraden“. Ja, schon, aber ist das sinnvoll? Bringt mir das zum jetzigen Zeitpunkt etwas? Offenbar nicht, weil ich gerade auf der Abenteuerkarte feststecke. Oder stecke ich fest, weil ich die Kampfregeln immer noch nicht verstanden habe? Ist dann das Upgraden des Camps eigentlich irrelevant? Ja? Nein? Vielleicht? Zum jetzigen Zeitpunkt? Später nicht?

Dass ich derzeit aber keine kleinen Stücke von der Tischkante abbeiße, liegt einzig an der wunderhübschen Präsentation. Es macht Laune den Trupp durch die Landschaft zu steuern und allerlei Nebenquests anzunehmen, Gespräche zu führen, Kleinkram aufzulesen und sich an der Optik der Spielkarten zu ergötzen. Das sieht alles sehr, sehr hübsch, geleckt und atmosphärisch aus, wie nicht anders von CDP gewohnt. Es gibt sogar optionale 4K-Graphiken für die Besitzer eines 4K-Bildschirmes. Scharf und knackig in Rivia! Yay!

Ich lasse mir das UI auf Englisch anzeigen, weil es nur eine englische Tonspur gibt und die deutsche Übersetzung vor allem der Dialoge zwar inhaltlich richtig, aber atmosphärisch deplatziert wirkt, weil ihr das Ye Olde Speak der englischen Tonspur abgeht, die in den englischen Texten genau wiedergegeben wird.

„Thronebreaker“ ist ein hübsches, aufwendig produziertes Taktik-RPG, das es mir aber nicht leicht macht es zu mögen, weil es so verdammt undurchsichtig und kryptisch ist. Denn die Hilfetexte der Karten sind NICHT hilfreich. Ich verstehe nicht, was sie aussagen wollen. Da gibt es eine Karte, der Trommler. Dessen Fähigkeit besteht darin meine Top-Blitzkarte auszuspielen. Was ist eine Blitzkarte? Habe ich sowas? Ich probiere den Trommler aus und nichts passiert. Liegt es daran, dass ich keine Blitzkarte habe oder setze ich den Trommler nur falsch ein? Hallo? Jemand zu Hause?

Die Wagenburg-Karte habe ich nicht auf Basis ihrer Beschreibung verstanden, sondern weil mir das Tutorial gesagt hat, was man hier tut soll und es mich dann nachmachen ließ. Ich begreife, dass ich dies für JEDE Karte meines Decks benötige, weil ich es sonst nicht verstehe. Weil, wie bereits gesagt, die Beschreibungstexte zu den Karten sind mir weder auf Englisch, noch auf Deutsch eine sonderliche Hilfe, sondern verwirren nur.

Bereits vorhandene GWENT-Wikis helfen mir nicht, weil „Thronebreaker“ wohl ein verändertes Spielkonzept verwenden soll. Ich muss wohl warten, bis es ein umfangreiches, mit schönen Spielbeispielen angereichertes Thronebreaker-Wiki gibt, bevor ich substanzielle Fortschritte machen kann.

Ist das Spiel nun ein Fehlkauf? Oder gar ein schlechtes Spiel?

Ich weiß es nicht.

Von Kartenspielen dieser Art habe ich keinen blassen Schimmer, keine Erfahrung, kein Vorwissen, kann also nicht sagen, ob GWENT oder die Thronebreaker-Variante ein gutes oder schlechtes Kartenspiel sind. CDP haben aber defnintiv einen lausigen Job gemacht blutigen und vollkommen ahnungslosen Anfängern wie mir zu erklären, was hier eigentlich Sache ist. Gut, es kann natürlich auch sein, dass ich mich ziemlich dappig anstelle und alles doch ganz logisch herleitbar ist, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass dem wahrscheinlich nicht so ist.

„Thronebreaker“ hat ein ganz miserables Tutorial. Ich als blutiger Neuling kann das Spiel derzeit anderen blutigen Neulingen nicht empfehlen. Der Umstand, dass der leichteste wählbare Schwierigkeitsgrad die Option beinhaltet alle Kämpfe zu skippen, ist ein Indiz dafür, dass man bei CDP selbst weiß, dass man ein miserables Tutorial hat und das Spiel für Neulinge ein nahezu unentzifferbares Buch mit sieben Siegeln ist.

Aber es ist ein hübsches Buch. Vielleicht starte ich neu, wähle den leichtesten Schwierigkeitsgrad und klicke mich einfach so durch die Story. Dann habe ich wenigstens etwas von „Thronebreaker“, bis das erste Fan-Wiki dazu fertig ist 🙂

5 Kommentare zu „Ein Fehler?

  1. Vor so einem Problem steht man meist, wenn man einer bestimmten Kohorte nicht angehört. Die Entwickler setzen voraus, daß man bestimmte Spielmechaniken einfach wiedererkennt und schon beherrscht, weil dieses oder jenes Karten-Spiel an der High School im Jahr x einfach voll angesagt war.

    Im Prinzip sieht es ja mit den Computer-Umsetzungen alter Pen&Paper-Rollenspiele auch nicht anders aus. Wer da nicht mitgemacht hat (falscher Kontinent, falsche Zeit, falsche Seite im Kalten Krieg), steht vor so einem alten CRPG auch erstmal wie ein Ochse vor dem Berg.

  2. Das könnte es durchaus sein. Die Anfänge von Magic hatte ich damals zwar noch mitbekommen, aber mitgegangen bin ich nicht.

  3. Wäre ich auch nicht, da ich seit jeher Brettspieler war und mit Kartenspielen sowieso nichts am Hut hatte.

  4. Sehr poliert das Spiel, seeehr poliert. Die ganze Haptik gefällt mir.
    Du hast aber natürlich recht. Man sollte Gwent recht gut kennen, dann ist es einfacher. Obwohl ich The Witcher und Gwent gut kenne, habe ich trotzdem den Schwierigkeitsgrad „Abenteurer“ gewählt. Ich möchte mich einfach mal linear durch eine tolle Story bewegen. Die wird doch toll, oder? :O

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