Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber …

Im Laufe diverser Jahrzehnte habe ich gelernt, mühsamst und unter Schmerzen gelernt, dass das Universum im Allgemeinen und meine Mitmenschen im Speziellen in der Regel einen Scheiss auf das geben, was ich mir wünsche.

Dem Universum nehme ich das nicht wirklich übel, denn alleine die Vorstellung in einem Universum zu leben, welches mir begierig jeden meiner Wünsche von den Lippen abliest und instantan Wirklichkeit werden lässt, ist, höflich ausgedrückt, ein höchst beängstigender Gedanke. Es ist gut, dass so mancher meiner Wünsche nie die Knochenkapsel meines Schädels verlässt.

Meine Mitmenschen hingegen … zugegeben, nicht alle sind Arschlöcher und so manche Menschen erfüllen mir gerne manche meiner Wünsche, so sie denn dazu in der Lage sind. Eigentlich beklage ich mich auch nicht. Sondern stelle mir nur vor was wäre, wenn sich die gesamte Videospielbranche vor meinem Thron versammeln würde und auf eine knappe Geste von mir springt, von wildem Bemühen erfüllt meine Wünsche zu erfüllen, derweil ich die weiße Katze auf meinem Schoß streichle und vergnügt auf die Reihe von beschrifteten Knöpfen vor mir schaue.

(… ja, dies einer der Gründe, warum manche meiner Wünsche besser unerfüllt bleiben sollten …)

Szene:

Eine prächtige Thronhalle im chinesischen Stil. Rot lackiertes Holz, dezente Goldapplikationen.  Ein Windspiel erklingt und die Banner mit dem kaiserlichen Symbol wehen sanft in dem leichten Wind, der durch die offene Halle zieht. Von draussen hört man leise einen balzenden Pfau und das Plätschern eines Brunnens.

Auf einem Podest in der Mitte der Halle sitzt der Kaiser des bekannten Universums auf einem schlichten, schwarzen Hocker. Vor ihm knien einige hundert Lakaien und Beamte seines Hofstaates.

„Mike Morhaime?

„Ja?“

„Du bist hiermit nicht länger im Ruhestand und erneut als Präsident von Blizzard eingesetzt.“

„Habt Dank für Eure Großzügigkeit, Eure Majestät, aber meine Enkel und meine Frau …“

Der Kaiser des bekannten Universums zieht leicht eine Augenbraue hoch.

„Sehr wohl, oh Gewährer endloser Güte, ich höre und gehorche!“

„Ich habe folgenden Auftrag für Euch, Mike Morhaime: Gebt mir ein Singleplayer-World of Warcraft. Ersetzt menschliche Mitspieler mit Bots, die man für Instanzen anheuern kann. Sorge dafür, dass sich Klassen, Rassen und Berufe wieder deutlich unterscheiden. Nimm keine Rücksicht auf jedwede PvP-Balance, weil ich keinen Wert auf PvP in meinem SP-WoW lege. Lasst meinen Charakter in der Vanilla-Welt beginnen und verändert die Welt gemäß der Abenteuer, die mein Charakter besteht, entlang der bisher etablierten Zeitlinie. Inklusive aller Vorbereitungs-Events. Ich möchte beim Questen wieder willkürlich von einem durch Azeroth fliegenden Todesschwinge zu Asche verbrannt werden. Nein, das war kein Sarkasmus, Mike. Ich fand dies wirklich sehr amüsant. Ja, das alternative Draenor dürft ihr auch behalten, das „andere“ Schattenmondtal hat mir ausnehmend gut gefallen. Sehr hübsch!“

„Sofort, Herr aller Wesen, ich eile!“

Und während Mike Morhaime sich erhebt und die Halle schnellen Rückwartsschrittes verlässt, fällt der Blick des Kaisers auf Pete Hines von Bethesda.

„Hines, hmmm, Pete Hines!“

Hines schluckt sichtbar nervös.

„Ja, Euer Gnaden?“

Pete Hines versucht noch ein Stückchen tiefer zu knien.

„Was immer Ihr da mit The Elder Scrolls oder Fallout veranstaltet, ist Eure Sache, …“

Pete Hines amtet hörbar erleichtert aus.

“ … aber …“

Pete Hines schluckt sichtbar UND hörbar nervös.

“ … es gibt trotzdem etwas, was ihr bei Bethesda für mich tun könnt. Ihr erinnert Euch bestimmt an Prey. Nein, nicht dieses Beispiel für Faulheit bei der Namenssuche, sondern das Prey aus dem Jahr 2006. Ihr habt Euch bei der Produktion eines Nachfolgers eher unschön von seinem Entwickler getrennt und das Projekt dann eingestellt. Nein, ich will keine Rechtfertigungen hören. Würde ich jedes Mal, wenn einer meiner Höflinge irgendeinen Unfug anstellt, mir seine Beweggründe anhören wollen, würde ich nichts anderes mehr tun. Nein, ihr hattet Gründe, ihr habt entschieden, fertig. Ich will von Euch jedoch nicht die Wiederaufnahme dieses Projekts, sondern eine inhaltliche und spielerische Fortsetzung zu Prey. Dem ersten Teil. Oder eine Neuauflage von Prey, diesmal mit allen spielerischen Konzepten und Inhalten, die Human Head in erster Linie aus Zeitgründen entfernt hatte. Ich habe allerdings auch nichts dagegen beides zu bekommen. Haben wir uns verstanden? Und noch etwas … wenn ich in Doom Eternal wieder sinnlose, unnötige, ressourcenverschwende MP-Inhalte und zum Ausgleich dafür keine neuen SP-Inhalte vorfinde … die Salpeterminen in Chile suchen immer neue Arbeiter!“

„Sofort, oh ewiger Glanz des Diamanten, ich eile!“

Hines legt beim sich Rückwärtsentfernen aus der Thronhalle ein geradezu selbstmörderisches Tempo hin. Der Kaiser spielt kurz mit dem Gedanken steuerbare Stolperfallen in den Boden der Halle einbauen zu lassen, um ein wenig mehr Spaß während der Audienz zu haben, aber er wird durch das Erscheinen des Hauptmanns seiner Wache abgelenkt. Der Hauptmann gibt dem Kaiser ein Zeichen, der Kaiser nickt und deutet ihm an näherzukommen.

„Macht Platz meine Kinder, macht Platz für drei ehrenwerte Besucher aus dem Haus der Wiedergutmachung!“

Die Menge teilt sich, die Beamten und Höflinge rutschen auf den Knien zur Seite, als der Hauptmann mit festen Schritten nach vorne marschiert. Ihm folgt eine Reihe von Gardisten, die in ihrer Mitte die drei Besucher führen. Deren klirrende Fußketten einen unschönen Mißklang mit dem Windspiel bilden.

„Seid gegrüßt, meine Herren Vorstände!“

Der Kaiser lächelt amüsiert, als Andrew Wilson, Yves Guillemot und Bobby Kotick verzweifelt versuchen mit dem Hauptmann Schritt zu halten. Der Trupp hält beim vorgeschriebenen Abstand vom Sitz des Kaisers des bekannten Universums an, die Besucher werden auf die Knie geworfen.

„Da mir mein Mittagsschlaf einen höchst angenehmen Traum beschert hat, bin ich in lässlicher Stimmung, meine Herren. Ich mache Euch ein Angebot, welches Ihr als Bürger meines Reiches selbstverständlich ablehnen könnt, wenn Ihr bereit seid die Folgen für diese Entscheidung zu tragen. Jeder von Euch hat jetzt die Möglichkeit mir etwas vorzuschlagen, was mir unter Umständen Gefallen könnte. Gefällt mir der Vorschlag, werden Eure Familien versorgt sein. Eure Ehefrauen werden von jeder Schande befreit, die Ihr über sie gebracht habt, Euren Söhnen und Töchtern werden hohe Positionen angeboten. Versagt Ihr … nun, sorgt besser dafür, dass mir Eure Vorschläge gefallen. Andrew Wilson, CEO von Electronic Arts, Du fängst an!“

Wilson fällt vor dem Kaiser auf den Boden und entschuldigt sich wort- und gestenreich für all die Untaten, die Electronic Arts während seiner Amtszeit und der seiner Vorgänger Spielern und Entwicklern angetan hat. Ein jämmerlicher Anblick.

Der Hauptmann wendet sich mit einem fragenden Blick dem Kaiser zu, der Daumen der rechten Hand schiebt den Säbel ein Stück weit aus der Scheide. Der Kaiser schüttelt unmerklich mit dem Kopf. Heute soll kein Blut fliessen. Nicht nach diesem schönen Traum. Vielleicht morgen wieder.

Wilsons Lamentieren findet kein Ende. Er verspricht das endgültige Ende von allen Lootboxen und Mikrotransaktionen in EA-Spielen. Kosmetischer DLC soll kostenlos werden, inhaltlicher DLC soll einen bestimmten Mindesumfang nicht unterschreiten, nein, viel besser, vollwertige Addons sollen wieder kommen. Wilson verspricht die Wiederaufnahme aller abgebrochenen Star Wars-Projekte. Als er gerade ansetzt, dass er Studios wie Bullfrog, Westwood oder Visceral wieder re-animieren will, unterbricht ihn der Kaiser wütend.

„SCHWEIG, DU WURM! Hast Du vergessen, dass ich viele dieser Maßnahmen längst angewiesen habe? Was Du mir hier vorschlägst, ist längst geschehen! Und was soll ich mit alten Studios, deren kreative Köpfe sich längst in alle Himmelsrichtungen zerstreut haben? Hälst Du Deinen Kaiser für so dumm, ihn mit solchem Schund beeindrucken zu wollen?“

Aus Wilsons Kehle dringt nur ein leises Schluchzen.

„Du hättest mir ein neues Command & Conquer Generals vorschlagen können. Auf Basis der bisher vorliegenden Konzepte. Du hättest vorschlagen können Projekte wie Tiberium oder Renegade 2 neu anzugehen. Oder noch viel, VIEL einfacher … auch wenn Deine Verfehlungen umfangreich sind, Du hättest mich mit einem von Herzen kommenden Versprechen, dass EA künftig vollwertige und gute Spiele machen wird, dass ihr Euren Entwicklern deutlich mehr kreative Freiheit lasst, gnädig stimmen können.“

Der Kaiser lehnt sich zurück und nickt seinem Kanzler zu, der unaufällig zu seiner Rechten saß. Der Kanzler, ein etwas fülliger Mann mit Hornbrille und prächtigen, langen schwarzen Haaren steht auf und verkündet eine gerechte Strafe für die Dreistigkeit des nun ehemaligen CEOs von Electronic Arts, den Kaiser des bekannten Universums für dumm verkaufen zu wollen. Andrew Wilson wird bis zum Rest seiner Tage bei Wasser und Brot immer wieder den ersten Level von Daikatana spielen müssen.

Aus Wilsons Gesicht verschwindet alle Farbe.

„Neinneinneinnein, bitte nicht Daikatana! Bitte nicht das! Habt Gnade, oh Quell der Barmherzigkeit! NNNICHT DAIKATANAAAAAAA … “

Der Kanzler lässt ein schreiendes und sich windendes Bündel Elend aus der Thronhalle schleifen. Auch wenn das Urteil gerecht in seiner Härte ist, denn der Kaiser des bekannten Universums ist unendlich in seiner Güte, die ein kluger Mann nicht abweisen sollte, er weiß, was er Wilson damit antut. Er weiß es, weil er für Daikatana verantwortlich gewesen war.

„Nun denn, lasst uns fortfahren!“, sprach der Kaiser. „Yves Guillemot, Fürst über die Lande Ubisoft, ihr seid an der Reihe.“

Guillemot hebt trotzig das Kinn.

„Was soll ich Euch anbieten, oh Herr, was Ihr Euch nicht schon längst genommen habt? Ihr habt Euch mein Land genommen, meine Städte und meine Franchises. Meine Bauern haben Euch genug Might & Magic-Spiele gebaut, RPG wie auch Heroes, um die unendliche Ewigkeit Eurer unvermeidlichen Herrschaft zu füllen. Wir haben Euch kleine Preziosen und große Abenteuer gegeben, wir haben die Assassins Creed-Serie in virtuelle Lernwelten umgebaut, wir haben unsere IP-Keller geleert, bis nichts mehr übrig war. Ubiland ist leer und ausgeblutet. Wir haben nichts mehr, was wir Euch geben können!“

Der Kaiser schaut seinen Kanzler an: „Das ist ganz ein Rebellischer, John. Was soll ich mit so einem wie ihm anfangen? Ein Exempel statuieren? Ihn den ganzen Tag Türme rauf- und runterjagen, bis er tot umfällt?“

Kanzler Romero beugt sich zum Kaiser und flüstert ihm etwas zu.

„Ja, das ist gut. Höre, Lord Guillemot, Fürst der Ubilande und vernehmt mein Urteil! Ich verurteile Euch dazu die Ubilande mit Hilfe einer großzügigen Schenkung wieder aufzubauen. Macht dort weiter, wo Ihr vor meinem kleinen, unangekündigten Besuch aufgehört habt. Mit einem Unterschied: Wenn ich Euch noch einmal dabei erwische Spielinhalte in so viele verschiedenartige Editionen aufzubrechen, dass man als Spieler bei dem Versuch arm wird alle (!) Inhalte zu einem Spiel zu bekommen, ich besuche Euch gerne ein zweites Mal. Und diesmal mit etwas weniger Freundlichkeit als das erste Mal! Hauptmann, gebt ihm den Scheck für die Bank und schafft ihn mir aus den Augen!“

Ein Gardist entfernt die Ketten von Guillemots Füßen und Händen. Guillemot schaut den Kaiser verwundert an.

„Eure Gnade ist … willkommen!“. Auch wenn Yves Guillemot kein guter Mann ist, er ist ein kluger Mann und diskutiert nicht, wenn es besser ist zu schweigen. Lord Guillemot verlässt die Halle als freier Mann.

Der Kaiser wendet sich nun dem dritten Besucher aus dem Haus der Wiedergutmachung zu.

„Bobby Kotick, der Anführer der Activision-Bande. Der Schlächter von Santa Monica. Das Ekel. Der Gamer-Schreck. Der eiskalte Engel von Anlegers Gnaden. Der Umsatz-Optimierer. Habe ich etwas vergessen?“

Bobby Kotick grinst den Kaiser des bekannten Universums frech an und schafft es, obwohl er in Ketten vor dem Kaiser kniet, in Lumpen gekleidet ist und ein Bad nur noch aus der Erinnerung kennt, dennoch den Eindruck zu erwecken dem Kaiser auf Augenhöhe zu begegnen.

„Arschloch! Ihr habt Arschloch und Wichser vergessen!!“, kräht plötzlich der Hofnarr dazwischen. Gekleidet in dem, was man nur als Überrest einer durchsoffenen Nacht nach einer Furry-Cosplay-Messe bezeichnen kann, springt Pachtero zwischen den weiterhin knieenden Höflingen umher. „Hättest Du damals nur auf mich gehört, Du Idiot und aus Call of Duty ein Abo-MMO gemacht. Und jetzt schau Dich an. Gebrochen und gefangen. All Dein Gold in den Schatzkammern des Kaisers. Nänänänääänä!“

Wie beiläufig knallt die gerüstete Hand des Hauptmannes in das Gesicht Pachteros. Aufjaulend geht der Hofnarr zu Boden.

„Ach, Pachtero, ihr seid das Licht meiner trüben Tage an Hofe.“, seufzt der Kaiser leise. „Doch geht jetzt bitte wieder diese seltsamen Nintendo-Mönche belästigen, ich habe hier zu tun.“

Laut greinend und heulend verabschiedet sich Pachtero aus der Halle, nicht ohne „versehentlich“ einem Beamten, der versucht sich in der letzten Reihe vor den Blicken des Kaisers zu verstecken, einen Hut mit der Aufschrift THQ Nordic vom Kopf zu schlagen. Kanzler Romero macht eine Notiz und der Beamte gerät sichtlich ins Schwitzen.

„Probleme mit dem Personal?“, fragt Kotick den Kaiser.

„Ach, Ihr könnt Euch nicht vorstellen …“.

„Besser als Ihr denkt, Kaiser“, sagt Kotick und zwinkert dem Herr über Alles, was da kreucht und fleucht verschwörerisch zu. „Was ich damals Probleme hatte genug Entwickler zu finden, die einfach die Klappe halten und das machen, was man ihnen sagt … aber ich habe sie alle klein gekriegt, diese Hunde.“

Kotick erhebt sich von den Knien. Ein Raunen geht durch die Halle. Der neben ihm stehende Gardist setzt gerade an, um ihm einen Schlag gegen die Kniekehle zu versetzen, doch ein Wink des Kaiser lässt ihn innehalten.

„Ihr habt mir etwas vorzuschlagen, Kotick?“

„Das habe ich! Mich in Eure Personalangelegenheiten einmischen steht mir nicht zu, aber ich weiß, nach was es Euch gelüstet.“

Kotick räuspert sich kurz und wirft sich etwas in Pose.

„Anno Domini MMV. Logbuch Bobby Kotick, Kapitän der Black Activision.

Gestern haben wir die Star Trek-Lizenzen verloren. Viacom wollte mehr Geld haben. Geld, welches MIR, ähh, uns zusteht. Die Drohung mit vorgehaltener Waffe hat den Verhandlungsführer von Viacom nicht erweichen können. Auch nicht der Verlust zweier seiner Kollegen und dreier seiner eigenen Finger. Harte Kerle. Ich mag sie. Auch wenn ich Viacom die Überreste der Delegation in einer Kiste zurückschicken musste. War nichts Persönliches, nur Business. Habe dem Ersten befohlen alle Kopien der beiden Star Trek Voyager- und Armada-Spiele einzusammeln und zu verbrennen. So wie alles andere an Kroppzeugs, was wir als Star Trek-Spiel vollkommen überteuert an die Zwischenhändler auf dem Festland verkaufen konnten.

Aber Schwamm drüber. Dieses Call of Duty-Zeugs spült gerade massiv Gold in den Schiffsbauch, daraus müsste sich was machen lassen. Ich heuere weitere Entwickler …“

„Das ist eine schöne Geschichte, Kapitän Kotick,“ unterbrach ihn der Kaiser, „aber kommt zum Punkt. Meine Geduld ist nicht grenzenlos, vor allem nicht, was Euch betrifft.“

„Okok, Mann, also gut … ich habe damals nicht alle Kopien verbrennen lassen. Von jedem Spiel eine Kopie, in einer Kiste, an einem Ort, den nur ich kenne. Wenn ihr mich gehen lasst, gebe ich Euch eine Karte und den Schlüssel für die Kiste. Was sagt Ihr?“

Der Kaiser schaut Kotick erstaunt an.

„Ich verlange (!) einen Vorschlag und Ihr bietet mir stattdessen einen Deal an. Obwohl Ihr in Ketten steckt und das Schicksal Eurer Familie auf dem Spiel steht. Die Geschichten über Eure Ruchlosigkeit sind nicht übertrieben.“

„Man tut, was kann man, M’lord“, grinst Kotick den Kaiser an.

Der Kaiser des bekannten Universums lächelt Kotick huldvoll zu.

„Der Vorschlag gefällt mir.“, sagt der Kaiser.

Koticks Selbstverliebtheit erreicht ungeahnte Höhen.

„Und mein Wort gilt, so ich Herr des bekannten Universum bin. Deine Frau wird von Deinen Sünden freigewaschen, sie soll die Villa, die drei Daimlers, den Lambo und das Personal behalten. Deinen Kindern werden hohe Positionen in Armee und Verwaltung des Staates angeboten. Und nun zu Dir, Kapitän Kotick …

Koticks Selbstbewusstsein ist in diesem Moment so stark, dass so mancher aus dem Hofstaat glaubt die Ketten an Kotick bereits verschwinden zu sehen. Da steht kein Gefangener, sondern ein stolzer, erfolgreicher Unternehmer zur See, mit einer Hand am Steuerruder, mit der anderen in der Brieftasche des nächsten Opfers.

„Ihr werdet morgen früh noch vor Sonnenaufgang gehängt!“

Koticks Selbstbewusstsein platzt wie eine Seifenblase.

„Das könnt Ihr nicht tun. Die Karte, der Schlüssel, die Kiste mit den Spielen!“, entfährt es ihm entsetzt.

„Ich bin der Kaiser des bekannten Universums, mein lieber Kotick. Ich kann alles tun. Was die alten Star Trek-Spiele betrifft, so muss ich zugeben, dass ich sie durchaus begehre. Eure Informationen sind diesbezüglich korrekt. Aber vor die Wahl gestellt diesen Klassikern wieder zu neuer Blüte zu verhelfen, dabei jedoch Euer feistes Grinsen ungestraft über meine Meere dahinsegeln zu lassen … soviel sind mir diese Spiele dann auch nicht Wert. Bringt ihn weg! Und morgen zum Frühstück gleich seinen Kopf!“.

Nach einer eher unschönen Szene, bei der vier Gardisten den um sich schlagenden und tretenden Kotick aus der Thronhalle tragen mussten, wendet sich der Kaiser an seinen Kanzler.

„Romero, wir haben aber noch Erfreuliches zu verkünden, nicht wahr?“

„Das haben wir, Euer Gnaden. Es möge vortreten der Höchst Ehrenwerte Ser Arthur Bruno aus dem Hause Crate.“

Ein etwas pausbäckiger Mann mit lichtem Haupthaar tritt vor den Kaiser und verbeugt sich tief und will sich hinknien. Der Kaiser gebiet Ser Bruno stehenzubleiben. Erneut hallt Geraune durch die Halle.

„Ser Bruno, in Anerkennung Eurer Verdienste um das Hack ’n Slay-Genre durch Eure Arbeit an Titan Quest und Grim Dawn und deren Addons verleihe ich Euch im Namen Ihrer Alles Lootenden Herrlichkeit, Kaiser Harzzach vom Ewigen HighScore, Ritter vom Unpenetrierbaren Schildwall, Meister aller Klassen und Kombinationen, den Verdienstorden der Kaiserlichen Anerkennung 1. Grades.“

Kanzler Romero reicht dem Kaiser eine kleine Box. Der Kaiser begibt sich die Stufen des Podestes hinab, öffnet die Box und hängt Ser Bruno schweres, buntes Lametta um.

„Ser Bruno, Ihr habt mir mehr gegeben, als ich jemals von Euch gefordert habe. Ihr habt etwas bei mir gut!“

Und mit dieser herzerweichenden, wunderschönen Szene beenden wir den Ausflug in die Untiefen meines Wunschdenkens. Zum Glück bekommen wir nur, was wir erhalten und nicht das, was wir eigentlich verdienen! 🙂

13 Kommentare zu „Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber …

  1. Der Lobhudeleffekt lässt aber nach, nachdem man auf diese Weise ein paar tausend Mal angesprochen wurde. Ich lasse deswegen jedes Jahr neue Anredeformen ausdenken, die dann im Volk verteilt werden.

    Übrigens, kleine Ankündigung: Wenn Hollywood das machen kann, kann ich das schon lange. Dies ist nur der erste von hunderten von Reboot-Postings, die ich hier veröffentlichen werde. Das Original findet man hier: https://seniorgamer.blog/2018/08/27/wunschkonzert/.

    Anstatt neuer Beiträge gibt es ab sofort nur noch Reboots. Und Reboots dieser Reboots. Wozu sich immer wieder was Neues ausdenken? Quatsch!

  2. Och menno, die Mitte und das Ende der Geschichte is doof!

    Dabei ging das so gut los mit dem chinesischen Palast und dem Kaiser und so. Vielleicht noch etwas mehr ins japanische, aber gut.

    Doch dann! Wie kann man sich denn dieses tolle Setting mit ollen Westeuropäern wie diesem muffeligen Yves Guillemot vorstellen? …musst Du wissen *grummel*

    Da hätte es doch von dort so viel Potential für die schönsten Träume gegeben. Von lehrreichen Bestrafungen des Final-Fantasy-Clans um Tetsuya Nomura als Buße für solche grob geschnitzten „Charaktere“ wie Snow Villiers in Schlauchleveln (aaargh), über ewigen Ruhm für Hidetaka Miyazaki von From Software für das schei**en auf „Trends“ (und das Erschaffen von eigenen), bis hin zu epischen Schlachten (mit Ninja-Infiltration) der Burg Konami, die von bösen geldgeilen Dämonen besetzt auf Hilfe angewiesen…

    Hach. *heul*

    P.S.: Kannst Du nochmal anders träumen?

    P.P.S.: Kotick hats aber verdient!

    P.P.P.S.: Bevor ichs vergesse, es müssen unbedingt auch noch Motoko Kusanagi und YorHa Mod. 2B drin sein. Im neuen Traum mein ich. Weisst schon!

  3. Es tut mir schrecklich leid, aber ich kann nicht jeden über die Klinge springen lassen, der es verdient hätte. Sonst wäre ich bald ein Kaiser ohne nennenswertes Volk.

  4. Auch wahr.

    Aber wenn Dein allmächtiges Traum-Ich vielleicht mal Lust auf einen Abstecher in eine alternative Realität hat, dann…

    😉

  5. Das habe ich eben mit großem Vergnügen gelesen, danke!

    Kennst du vielleicht die „Sten Chroniken“? Irgendwie erinnerst du mich an den unsterblichen Kaiser des bekannten Universums aus dieser Buchreihe. Gut, der war am Ende wahnsinnig, grandios unterhaltsam war er allemal.

    Und wenn ich untertänigst einen Wunsch äußern dürfte, eure Allmächtigkeit? Wenn es Euch irgendwann genehm sein sollte, erklärt Ihr den Spieleentwicklern vielleicht noch einmal, dass es für alte Gamersäcke wie mich, mit einer geminderten Sehstärke geschlagen, einfach zum kotzen ist, wenn man hochauflösende Spiele baut und DANN einen Winzfont benutzt, den nur ein 18-jähriger mit perfekter Sehstärke und Lupe lesen kann? Dass es solche alten Gamersäcke geradezu als Herumgetrolle empfinden, wenn man sich in Division 2 fast überschlägt um die MENÜS zugänglicher zu machen, von einstellbarem hohem Kontrast über extragroße Fonts und Optionen für Farbenblinde bis hin zur Roboterstimme welche die Menüeinträge VORLIEST, und dann im Spiel für Ingame-Meldungen etc so einen kleinen Font verwendet, dass ich das verdammte Hubble-Teleskop brauche, um die zu lesen?

    All Eure Ideen und Weisungen machen mich zu einem sehr glücklichen und zufriedenen Untertanen, aber DAS wäre die eine Sache, die mir noch am Herzen läge. Naja, DAS und das spontane Ableben von Epic Games.

  6. Bei Tim Sweeney ist sich der Kaiser des bekannten Universums noch nicht sicher, ob er ihn standrechtlich pfählen lassen oder ihn zu seinem neuen Hofnarr machen soll.

  7. When it’s done 🙂

    Nein, ich stehe gerade in Verhandlungen mit Uwe Boll für die Filmrechte. Soll groß rauskommen, ich vertraue ihm da vollkommen!

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