Darf man jetzt nichts mehr von Blizzard spielen?

Ich gehe einfach davon aus, dass der geneigte Leser darüber im Bilde ist, was derzeit in Hong Kong stattfindet. Ich gehe ebenso davon aus, dass der geneigte Leser weiß, was für ein Zusammenhang zwischen einem Hearthstone-Spieler namens Blitzchung und Blizzard besteht.

Aber für den Fall eines Falles, eine kurze Zusammenfassung:

  • In Hong Kong finden heftige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Stadtregierung statt. Die einen werfen der chin. Regierung vor entsprechende Abkommen mit Großbritannien zu brechen und den anderen sind diese Leute einfach zu unruhig, die sollen gefälligst mit dem Demonstrieren aufhören, so wie sich das für chinesische Staatsbürger gehört. Es gibt friedliche Prosteste, es gibt aber auch Strassenschlachten, es gibt viele Verletzte, teilweise schwer. Die chinesischen Behörden mögen es GAR NICHT, wenn das Volk unruhig wird. Die Bewohner Hong Kongs hingegen mögen es gar nicht, wenn sich Peking in Dinge einmischt, von denen man dort meint, dass Peking die Finger von lassen sollte. Hong Kong != Rest von China.
  • In den USA finden es nicht wenige Firmen nicht besonders toll, dass auf ihren Plattformen, in Verbindung mit ihren Marken, auf diese Proteste hingewiesen wird, meist in Form einer Unterstützung der Demonstranten. Diese Firmen finden das nicht toll, weil ihre Hauptgeldgeber chinesische Investoren sind oder diese Firmen lukrative Geschäfte mit China bedroht sehen. Manche weisen darauf hin, dass auf ihren Plattformen keinerlei politische Aussagen getätigt werden dürfen.
  • Blizzard gehört zu den Firmen, die es laut AGB ihren Kunden grundsätzlich untersagen ihre Plattformen für politische Zwecke zu mißbrauchen.
  • Blitzchung ist der Handle eines Hearthstone-Spielers aus Hong Kong, ein ziemlich guter HearthStone-Spieler, der letztens in einem großen Turnier erfolgreich abgeschnitten hatte.
  • Den Live-Stream dieses Turniers nutzend, äusserte Blitzchung Unterstützung und Zustimmung auf Seiten der Demonstranten.
  • Blizzard hat darauf logischerweise reagiert, in dem man Blitzchungs Verhalten ahndete. Es gab eine Sperre für ein Jahr und eine Aberkennung seines in diesem Turnier gewonnenen Preisgeldes.
  • Daraufhin brach eine riesengroße Welle der Unterstützung für Blitzchung und der massiven Kritik an Blizzard los. Blizzard ruderte teilweise zurück, reduzierte den Bann auf ein halbes Jahr und gab an das Preisgeld auszahlen zu wollen.
  • Die Kritik an Blizzard will aber nicht aufhören, der kommende BlizzCon droht zu einem noch größeren PR-Debakel als das letztjährige Gehampel um Diablo und Aprilscherze zu werden.

Nun, jetzt könnte man sich das Leben einfach machen und sagen, dass es einen nicht kümmere, was da irgendwo am anderen Ende der Welt vor sich ginge und dass Blizzard ja durchaus das Recht habe sein Hausrecht durchzusetzen.

Ja, könnte man. Diese Freiheit haben wir hier.

Mir geht es aber um diejenigen unter uns, die das Verhalten der chinesischen Regierung in Hong Kong scharf verurteilen, weil eine Scheissendrecksdiktatur halt eine Scheissendrecksdiktatur ist, deren Tun und Treiben durch NICHTS gerechtfertigt ist.

Und die so gar kein Verständnis für westliche Firmen finden, die mit dem eifrigem Kotau vor ihren chinesischen Investoren und Geschäftspartnern deutlich zeigen, dass sie zwar gerne die Annehmlichkeiten einer Demokratie und freien Gesellschaft hier im Westen in Anspruch nehmen, gleichermaßen aber einen Scheiss auf das Streben nach Demokratie und Freiheit geben, wenn sie glauben ihr Geschäftsmodell bedroht zu sehen.

Denn die chinesischen Investoren und Geschäftspartner geben ebenso einen Scheissdreck auf Demokratie und Freiheit, weil sie sonst keine Geschäfte machen dürfen. Und wenn auf den Plattformen des westlichen Geschäftspartners ungestraft Sympathie für Hong Kongs Demonstranten ergriffen oder der Vorsitzendes des chinesischen Staatsrates mit einem Bildnis von Winnie the Poo durch den Kakao gezogen wird, dann äussern sie entsprechend ihr Mißfallen und erwarten entsprechende Handlungen ihrer westlichen Geschäftspartner. Von denen so ziemlich JEDER nicht sagt, dass es einem zwar auf einer persönlichen Ebene leidtue, dass diese sich dadurch angegriffen fühlen, aber das ist der Westen und hier gelte nunmal Meinungsfreiheit.

Nein, man knickt ein. Viele große US-Firmen zeigen, dass AMERICA, LAND OF THE FREE! nur noch hohle, bedeutungslose Phrase ist.

Jetzt aber, nach einer doch etwas ausführlicheren Einleitung, die große Frage:

Darf ich Blizzard-Spiele zocken, wenn ich es scheisse finde, wie Blizzard sich verhalten hat?

Nun, dürfen tun wir hier in diesem Kontext ziemlich viel.

Wir dürfen uns das alles am Arsch vorbeigehen lassen.

Wir dürfen uns aufregen, Blizzard sonst was nennen und dann klammheimlich doch wieder ein Jahr WoW-Spielzeit buchen oder demnächst das Warcraft 3-Remake kaufen.

Wir dürfen hadern und zaudern und mit uns kämpfen, weil wir zwar gerne Blizzard boykottieren möchten, aber Blizzard-Spiele sind doch so geil, aber wir sollten nicht, aber die Spiele sind doch so geil, aber wir sollten nicht, aber …

Was IHR hier dürft, habe ich nicht zu bestimmen. Was IHR tut oder nicht tut, ist ganz alleine Eure Entscheidung. Ich kann Euch hier nur sagen, was ich nach reiflicher Überlegung tun werde:

Ja, es fällt mir schwer Blizzard zu boykottieren. Muss ich hier ganz offen und ehrlich zugeben. Es fällt mir zwar heute leichter als wenn dies vor zehn, fünfzehn Jahren stattgefunden hätte, aber es fällt mir immer noch nicht leicht.

Ich mag Word of Warcraft. Ich mag es wirklich. Hier im Regal stehen fast alle Collectors Editions und auch wenn ich manchen Monat gar nicht spiele, so läuft das Jahresabo weiter. Damit ich mich jederzeit wieder einloggen kann, wenn ich wieder ein paar Stunden in Azeroth verbringen will. Mit schwerem, sehr schwerem Herzen habe ich letzte Woche mein Abo gekündigt. Ich kann nicht auf der einen Seite Blizzards Verhalten verurteilen, den dahinter stehenden, skrupellosen Raubritter-Kapitalismus und auf der anderen Seite dieser Firma weiterhin Kohle in den Rachen schieben.

Das Warcraft 3-Remake? Immer noch schwerst interessiert, aber wisster was?, ihr werten Herren Vorstände? Steckt’s Euch den Dreck sonst wohin!!

Activision kann ich nicht boykottieren, weil es dort nichts gibt, was ich boykottieren könnte. Auf etwas verzichten, was einen eh am Arsch vorbeigeht, ist kein Boykott.

Werde ich auf aufhören ältere Blizzard-Spiele zu zocken?

Die nächste gute Frage. Ich schwanke zwischen einem Total-Boykott und einem reinen Geld/Online-Boykott.

Habe ich aufgehört Filme mit Kevin Spacey anzuschauen, als die Vorwürfe sexueller Belästigung von ihm zugegeben wurden? Nein. Weil dadurch keinem seiner Opfer geholfen wird. Relativiere ich sein Verhalten durch mein Sehverhalten? Nein. Wenn ich American Beauty anschaue, heiße ich sein Verhalten nicht gut. Man kann sehr wohl die künstlerische Leistung einer Person von ihrem persönlichen Verhalten trennen, OHNE dabei unter den Tisch fallen zu lassen, dass der Künstler privat ein ziemliches Arschloch ist.

Wird sich die Situation für Hong Kong verbessern, wenn ich Blizzard keinen müden Cent, keine müde Minute verwertbare Login-Zeit mehr gebe? Nein. Kein Stück. Ich boykottiere Blizzard nicht, um die Situation DORT verbessern zu wollen (denn so funktioniert das nicht), sondern um meinen Unwillen gegenüber Blizzards Verhalten in dieser Geschichte für Blizzard spürbar zu machen. Ihr bekommt kein Geld mehr von mir. Ihr bekommt auch keine einzige Login-Sekunde mehr, mit der ihr in Euren Geschäftsberichten als Concurrent Users angeben könnt. Wenn ich aber zu Hause, offline, auf meiner Festplatte nicht mehr Diablo 2 starte … dann kümmert das Blizzard einen feuchten Scheissdreck. Höre ich auf klassische Blizzard-Spiele zu zocken, gebe ich nur meinem eigenen, schlechten Gewissen nach, Blizzard kümmert es aber nicht, was ich in diesem Kontext tue.

Blizzard kümmert es nur, dass wir ihnen viel Geld geben und viel unserer Online-Zeit opfern. Wenn man beides Blizzard vorenthält, tut das Blizzard ein winziges bisschen weh.

Und wenn es genug tun, tut es Blizzard auch so richtig spürbar weh.

37 Kommentare zu „Darf man jetzt nichts mehr von Blizzard spielen?

  1. Wer entscheidet, was dann an politischen Aussagen erlaubt ist und was nicht? Was ist moralisch korrekt und was nicht und muss man das dann auf jeder sich bietenden Plattform machen? Dann sehen wir in Zukunft auch zB pro AfD Aussagen bei dt. Turnieren, oder pro kurdische, pro türkische, pro palästinensische und pro israelische

  2. Grundsätzlich ist, wenn Meinungsfreiheit gilt, so ziemlich jede politische Äusserung von Staats wegen (!!) erlaubt.

    Firmen haben aber das Hausrecht auf ihrer Plattform und können entsprechend einschreiten. Sprich, Blizzard DARF ganz ausdrücklich Spieler sanktionieren, die politische Äusserungen von sich geben. Diese können dann woanders ihrer Meinung Ausdruck verleihen, halt nur nicht mehr bei Blizzard.

    Warum also dann die Aufregung wegen dieser Geschichte? Wie gesagt: In China herrscht eine Diktatur und jemand, dem Meinungsfreiheit und Demokratie wichtig ist, sollte hellhörig werden, wenn HIER Meinungen geahndet werden, die diese Diktatur kritisieren.

    Widerspricht sich das nicht? Nein. Blizzard hat weiterhin das Recht ihr Hausrecht anzuwenden, aber wir haben auch die Freiheit Blizzard dafür zu kritisieren einer Diktatur zu helfen Kritik zu unterdrücken. Es ist eine ganz bewusste Entscheidung das Streben nach mehr Demokratie und Meinungsfreiheit zu unterstützen, dem rassistischen Gehetze eines rechtsradikalen Depps aber keine Träne nachweinen, wenn dieser bei Blizzard gesperrt wird. Er darf ja weiterhin anderswo seine Meinung sagen.

    Es geht also um das Stellungbeziehen, um das Einnehmen einer Position. Zu sagen: DAS DA finde ich in Ordnung und JENES HIER ist dummes Gewichse. Denn Demokratie und Meinungsfreiheit wachsen nicht einfach so auf Bäumen. Man muss für sie einstehen. Jeden Tag. Auch dafür einstehen, dass rechtsradikale Spacken demonstrieren und ihren Fliegenschiss von sich geben dürfen.

    Dürfen hier lebende Türken salutieren und somit ihre Unterstützung für die türkische Militäroffensive in Syrien ausdrücken? Ja, dürfen sie. Sie müssen es sich im Gegenzug aber auch gefallen lassen, dass man sie für nicht ganz dicht hält und sie bittet sich doch beim Militär zu melden, wenn sie das so toll finden, anstatt sich in Deutschland den Arsch breitzusitzen, weil sie HIER von gar nichts betroffen sind.

  3. – Im Spielumfeld sind politische Statements einfach nicht angebracht und in dem Fall sogar von vorn herein untersagt! (Das gilt für die Sachen in Hongkong, das gilt für Syrien, usw.)
    – hier wurde grundsätzlich die Plattformen / die Reichweite für politische Statements missbraucht
    – ich würde hier gnadenlos den Account Sperren / Fussballer auf die Ersatzbank setzen usw. und mich vom Gejammer und Boykottquatsch nicht irritieren lassen.

    Warum?

    Wie gesagt haben politische Statements im Sport / Spiel nichts zu suchen – dafür gibt es andere Plattformen, jeder kann z.b. eigene Blogs, Webseiten betreiben, sich auf die Strasse stellen oder Räume mieten und Vorträge halten!
    Niemand wird deshalb durch Blizzard belangt (erst dann wäre ein Shitstorm gerechtfertigt!)

    Wer aber fremde Plattformen (auf denen es untersagt ist), für die Verbreitung von politischen Statements nutzt, verstößt gegen die Regeln und hat es damit nicht anders verdient.
    Dabei ist es vollkommen egal, ob er die Hand zum Hitlergruß hebt oder die Faust für Black Lives Matter ballt, ob er „wählt AFD!“ oder „wählt die Grünen“ sagt usw.

    Wir müssen aufhören, nach Gefühl und Moral zu bewerten – egal, ob es eine (für uns augenscheinlich) gute Sache ist – es ist ein Verstoß und damit zu bestrafen.
    Wir landen sonst irgendwann in dem Dilemma, dass wir uns fragen müssen, wer entscheidet „gute“ von „schlechten“ politischen Statements.
    Der nächste Chinese, der Blizzards Plattform / ein Turnier dafür nutzt, die Demonstranten zu verunglimpfen – was passiert mit dem?

    Also: Blizzard hat in dem Fall konsequent und richtig gehandelt. Diejenigen, die sich aufregen sind das eigentliche Problem, die haben das mit der Meinungsfreiheit nämlich nicht verstanden.

    Blizzard hat sich hier nicht gegen die Demonstranten in Hongkong gestellt, sondern dagegen, dass die Plattform missbraucht wurde. Das scheinen die Kinder aber nicht zu verstehen bzw. entsprechend abstrahieren zu können.

    Wenns also ums boykottieren und um Shitstorms geht:
    Für Ingame Abzocke, Diablo Handyspiele usw. – gern und warum nicht.
    Für die Durchsetzung der Prämisse „Keine Politik auf unseren Spielturnieren!“ hat Blizzard meine volle Unterstützung!

    Als Blizzard würde ich bei der derzeitigen Lage wohl auch die Blizzcon absagen, da zu erwarten ist, dass es zu einer politischen Veranstaltung wird – weil es die Leute einfach nicht kapieren.

    Gruß,
    Eno.

  4. die tldr; Version:

    Du und die Kritiker / Shitstormer machen den großen Fehler, das Vorgehen gegen den Missbrauch der Plattform für politische Statements mit einem Vorgehen gegen die Bestrebungen der Demonstranten in Hongkong (bzw. einem Vorgehen im Sinne der Chinesen) zu verwechseln.

  5. und Zusätzlich:
    Meinungsfreiheit ist nicht die Freiheit, seine Meinung überall und auf jeder Plattform zu äußern.

    Wenn Dir z.b. nicht in den Kram passt, was ich hier äußere, fühle Dich frei es nicht freizuschalten oder in Abschnitten zu zensieren.
    Es wird von mir deshalb keinen Shitstorm geben, Dein Blog, Deine Regeln. Ich werde dadurch nicht in meiner Meinungsfreiheit eingeschränkt.
    Ich kann nämlich mein eigenes Blog nutzen – und nicht Deine Reichweite für die Äußerung meiner Ansichten einfordern / missbrauchen. 😉

  6. Natürlich kann man die „No Politics“ Regel konsequent durchsetzen um seinen Zuschauern einen Raum zu bieten in dem man sich eben nicht mit so etwas auseinandersetzen muss. Kann ich nachvollziehen, und würde ich unterstützen.

    Allerdings wirkt die extrem harte Strafe, verbunden mit dem Offiziellen Tweet in China dann doch eher wie anbiedern.

    Zitat: „We are very angered and disappointed at what happened at the event last weekend, and highly object the expression of personal political beliefs in any of our events…
    As always, we will defend the pride and dignity of China at all cost.“ (https://twitter.com/Grummz/status/1182363839175614464)

    Da war der Politkommissar im letzten Satz wohl etwas zu übereifrig.

    Zudem stellt sich Blizzard hier im Westen gerne auf die Politisch „richtige“ Seite, und verteidigt Rechte von Minderheiten sowie andere Sexuelle Orientierungen. Was grundlegend ja gut ist, aber wie man an ihrer Reaktion in China sieht, liegt das wohl nur daran weil das marktrelevante Publikum im Westen meistens progressiv ist. Und diese heuchelei hilft keinem. Dann lieber gar keine Politik.

    Soll laut Southpark ja in Hollywood auch sehr extrem sein was „zensur“ durch China angeht. Kann ich nicht beurteilen. War seit langem mal wieder im Kino. „Parasite“ von Joon-ho Bong. Sehr zu empfehlen.

  7. Wenn du mich fragst: ich spiele alle Blizzard Spiele wenn ich garantieren kann, das es die Aussenwelt und besonders die Industrie nicht durch das internet mitbekommt. Sprich : ich unterstütze keine Statistik. Das heißt, alte Spiele sind zumeist unproblematisch. Spiele ohne Internet Nutzung auch.

  8. @Boreas, Eno:

    „No Politics“ ist aber eine Illusion. Wenn Deine Kundschaft das nämlich nicht will, wenn Deine Kundschaft klar politisch positioniert ist, hilft es Dir nicht, wenn Du einfach auf die Regularien verweist.

    Keine Firma in den Medienbereichen kann sich mehr auf eine mehr oder geschickt umgesetzte Neutralitäts-Illusion zurückziehen. Jede Firma in diesem Bereich sollte vorbereitet sein bei heiklen Themen entsprechend umsichtig (!) zu reagieren, anstatt einfach stur die Regeln anzuwenden. Der Fehler von Blizzard bestand nicht darin Blitzchung zu sanktionieren, denn er HAT ja klar gegen die Regeln verstoßen. Der Fehler bestand darin ihn wie einen gewöhnlichen Cheater zu behandeln und die politische, soziologische Dimension der Geschichte vollkommen zu ignorieren. DAS fliegt ihnen nun um die Ohren! Denn gerade bei Blizzard erwarte (!) ich es, dass man die Ressourcen hat um Personen zu beschäftigen, die immer auf Auge auf solche Entwicklungen haben, die Mitarbeiter entsprechend schulen und briefen. Man nennt so etwas übrigens Risikomanagement. Das ist ein alter Hut, doch machen das nur wenige Firmen, obwohl es dazu sogar eine ISO-Norm gibt.

    Ich kenne das von einem ehem. Arbeitgeber, wo der Risiko-Manager auf teilweise erhebliche Risiken in manchen Internet-Diensten dieser Firma hinwies, dann vom Vorstand (ich war dabei) schallend ausgelacht und einige Wochen später auf einen anderen Posten versetzt wurde, weil der Vorstand Risiko-Management als sinnlose Geldverschwendung betrachtet hatte. Ein Jahr später ist ihnen dann einer dieser Dienste mit genau dem aufgezeigten Risiko mit Karacho um die Ohren geflogen.

  9. Der Umgang mit der Geschichte (der Tweet ist natürlich unbestreitbar deutlich übers Ziel hinausgeschossen, wenn das von offizieller Blizzard Seite kam) war am Ende wie man sieht nicht optimal.
    Hier einen angebrachten Weg zu finden, der es spürbar macht, dass man soetwas nicht duldet und gleichzeitig nicht zum Shitstorm führt, war eh schwer.
    Zugegebener Maßen scheint es aber, als hätten sie die möglichen Auswirkungen nicht bedacht.

    Die Sympathien sind ja momentan eher auf Seiten der „Underdogs“ in Hongkong. Wie das vor Ort im Detail aussieht kann ich nicht beurteilen – ich bin da immer skeptisch, ob sich alles so einfach in „gut“ – „böse“ aufteilen lässt.

    Wie auch immer – es gibt vielleicht Gründe, Blizzard den Rücken zuzukehren – der Versuch, die Regeln durchzusetzen und Politik aus dem Umfeld raus zu halten, gehört für mich nicht dazu.
    (Auch wenn die Art und Weise im Nachhinein betrachtet etwas dilletantisch war.)

  10. Schöner Text, schöne Gedanken.

    Ich boykottiere (was mir zugegeben bei Blizzard nicht schwer fällt). Schmeiß einem Konzern der Mist baut kein Geld in den Rachen, so steuert man sie im Gaming Bereich dann doch recht effektiv. Das mag Hong Kong jetzt nicht helfen, aber ich freue mich diebisch wie groß der Aufschrei ist! In der Zukunft werden es sich Publisher/Entwickler besser überlegen je großer dieser Aufschrei ist. Und wenn alle Let’s Player, mit ihrer großen Zielgruppe, eine Plattform haben, dann bewegt das auch was.

  11. In diesem Kontext ein recht interessanter Artikel auf Golem:

    Mods, please: Wie Plattformen versuchen, ihre Nutzer zu bändigen
    https://www.golem.de/news/mods-please-wie-plattformen-versuchen-ihre-nutzer-zu-baendigen-1910-144468.html

    Fazit: Es ist alles andere als einfach, es gibt verschiedenste Ansätze, Transparenz ist wichtig, es gibt nicht DIE Lösung.

    Mein Fazit: Anbieter müssen SEHR VIEL MEHR tun, müssen flexibel sein, müssen alles offenlegen. Je transparenter ein Entscheidungsprozess ist, umso weniger Ärger gibt es. Gut, niemand muss müssen, aber wer dann von einem PR-Debakel ins nächste stolpert, braucht sich dann nicht beschweren.

  12. Oh nice, sehr ähnlich zu dem was ich denke.
    Ich spiele was ich will, aber im Moment kann mich ACTIVISION Blizzard mal so richtig.
    ActivisionBlizzard zeigt halt was es von seinen Kunden will und was nicht.
    Aber die Kunden haben eigene Wünsche.
    Wer so arrogant und Geldgeil wie ACTIVISIONBlizzard ist, hat einen Dämpfer verdient.
    Und Bobby Kotick ist sowieso ein —————-

  13. Ich sehe das auch so, dass die Bestrafung des Spielers viel zu hart war und eher einem vorauseilenden Gehorsam glich. Eine angemessene Bestrafung für Blitzchung mit Verweis auf die herrschenden Regeln wäre ok gewesen, wenn man das dann auch dementsprechend ehrlich und glaubhaft kommuniziert hätte.
    Und genau das ist es, was die meisten Leute geärgert hat. Kaum jemand hat Blizzard geglaubt, warum sie Blitzchung derart hart bestraft haben. Typische PR-Gelabber.
    Dabei wundert mich mittlerweile, das gerade die großen Firmen nicht in der Lage sind, solche Situationen richtig einzuschätzen. Gab ja nun schon genug Fettnäpfchen, in das verschiedene Firmen getreten sind. Oder noch schlimmer: Der unglaubwürdige Umgang im Nachhinein mit Fehlern, die diese Firmen vorher begangen hatten. Ich finde das deshalb noch schlimmer, weil man wirklich das Gefühl hat, das die Jungs und Mädels in den PR-Abteilungen wirklich annehmen, wir alle seien so abgrundtief dämlich, das wir die Zusammenhänge nicht erkennen könnten.

    Was Boykotts angeht, muss ich sagen, dass das natürlich immer schwer ist und teilweise echt weh tun kann. Wenn man ehrlich ist, könnte man Unmengen an Firmen wegen verschiedenster Dinge mit Recht boykottieren (z.B. VW wegen des Umgangs des Dieselskandals in Deutschland, Apple wegen der Produktionsbedingungen der iphones, Nestle wegen Palmöl usw. Diese Liste könnte ziemlich lang sein…). Bei einigen Firmen mache ich das. Bei anderen nicht. Deshalb möchte ich hiermit auch meinen Respekt an alle Leute aussprechen, die Firmen und / oder Produkte aus persönlichen, politischen und / oder moralischen und ethischen Gründen etc. konsequent boykotieren!

  14. So sehr ich gegen Hausrechts-Zensur „im Kleinen“ bin, so muss ich mich doch Eno anschließen, wenn es um größere Übertragungen/Veranstaltungen und Ähnliches geht. Hier muss eine Firma das Recht haben politisch neutral zu bleiben.

    Allerdings gibt es hier für mich einen dicken Minuspunkt seitens Blizzard; nämlich dass sie sich sonst auch nicht als politisch neutrale Firma darstellen und genau dadurch entsteht der Eindruck der Doppelmoral, wofür sie zurecht angegangen werden.

    Und nicht, dass man mich falsch versteht: Ich befürworte, dass Leute für etwas einstehen und im Zweifel auch zivilen Ungehorsam zeigen. Aber dieser erhält ja gerade seinen Wert durch den Regelbruch, mit dessen Konsequenzen man zu rechnen hat.
    Insofern sehe ich da Blizzard in seiner Rolle als Schiedsrichter, der fair urteilen muss, ohne zwischen „guten“ und „bösen“ politischen Aussagen zu unterscheiden. Ansonsten kriegt man eine Atmosphäre, wie sie gerade politisch in Deutschland herrscht (Wer nicht für uns ist, ist wieder uns).

    Von einem amerikanischen Unternehmen, dass angleblich seine Verfassung ehrt, erwarte ich beim Schiedsrichten von politischem zivilen Ungehorsam übrigens eine besondere Entspanntheit, die hier völlig gefehlt hat.

    Boykottieren werde ich Blizzard nicht (sie haben allerdings zuletzt beim D3-AddOn von mir Geld bekommen; da ist also eh nicht viel zu steigern), aber ganz sicher werde ich ihren politischen Kurs weiter verfolgen und sympathischer sind sie durch ihre letzten Nummern garantiert nicht geworden.

  15. „Hier muss eine Firma das Recht haben politisch neutral zu bleiben.“

    Es gibt keine politische „Neutralität“. Es gibt nur ein Hausrecht, nach dem eine Firma sagen kann, dass es bestimmte politische Aussagen auf seinen Plattformen, in seinen Diensten zulassen/nicht zulassen möchte. Und das in sich ist bereits eine politische Aussage.

    Dann kommt noch der Umstand hinzu, dass nicht wirklich jede politische Aussage von Usern eine Sperrung nach sich zieht. Meist merkt es niemand, es gibt keinen Shitstorm. Würde ein deutscher Spieler Ärger bekommen, wenn er das Bild von z.B. Olaf Scholz in die Kamera hält? Da müsste der nach Hinterturkistan dreimal outgesourcte Support zuerst wissen, wer Olaf Scholz überhaupt ist.

    Nicht nur, dass die Firmen glauben, sie können sich folgenlos aus allem raushalten, ihre Prozesse sind zudem lückenhaft, ihre Entscheidungen nicht transparent und willkürlich.

  16. Wieso gibt es keine politische Neutralität?

    Ich würde darunter verstehen, dass man eben z.B. bei einer Ligaübertragung keine politischen Statements hören möchte, egal von welcher Seite.

    Ob man dann jedes Statement erkennt und ab welchem Grad es die Übertragung stört muss natürlich im Einzelfall entschieden werden und ist nochmal eine andere Frage. Das ist doch bei allen Regelverstößen im Leben so. Wo kein Kläger …

  17. Eigentlich wäre es ja an der Zeit Blizzard zu „prüfen“. Was würde wohl passieren wenn ein Spieler der Amerikanischen Liga in einem Livestream eines Turniers die trennung von Familien an der Mexikanischen Grenze (oder eine der vielen anderen Verfehlungen von Trump) anprangern würde.

    Glaubt ihr Blizzard würde ihm auch das Preisgeld streichen und eine Sperre über eine nicht unerhebliche Dauer aufdrücken? Und auch den Kommentatoren?

    Oder würden sie hier ihre Regeln dann doch etwas lockerer auslegen um nicht ihre Spielerbasis in Amerika zu vergraulen?
    Ich wüsste worauf ich hier mein Geld setzen würde.

  18. @Hand:
    Es gibt keine politische Neutralität, weil die Entscheidung keine politische Aussagen zu zulassen NICHT neutral ist, sondern eine klare gesellschaftspolitische Position bezieht. Der Wunsch eines Plattformbetreibers, keine politischen Aussagen/Diskussionen zu zulassen, ist zwar legitim und darf auch gerne so umgesetzt werden, aber neutral ist das nicht. Auch das Zulassen ALLER politischen Aussagen ist nicht neutral. Warum? Weil das Blocken/Zulassen aller potentiell problematischen Themen keine Neutralität ist, sondern nichts weiter als das Blocken/Zulassen aller potentiell problematischen Themen ist. Neutralität existiert hier nicht. Die Vorstellung, man könne politisch neutral sein, in dem man nicht über Politik redet, ist wie die Vorstellung man sei unsichtbar, wenn man sich die Augen zuhält.

    Siehe die Schweiz, in der jahrzehntelang die Lüge gelebt wurde, man sei neutral. War die Schweiz natürlich nie, aber es hat sich gut angefühlt, als man sich dies eingeredet hatte 🙂

    Von daher … wie gesagt, Firmen dürfen gerne Regeln aufstellen, nach denen sie keine politischen Diskussionen zulassen. Und sie dürfen dann auch gerne auf Basis dieser Regeln entsprechend User sanktionieren. Nur sollte dies idealerweise transparent, nachvollziehbar und immer in Einklang mit der öffentlichen Darstellung der Firma erfolgen. Wenn ich mich als Firma also gerne als Front für gesellschaftlich fortschrittliche Entwicklungen gebe, so wie das Blizzard z.B. bei Overwatch getan hat und immer noch tut, wirkt es, höflich ausgedrückt, ein wenig seltsam, wenn die gleiche Firma eine politische Aktion für mehr Freiheit und Demokratie behandelt, als handele es sich um einen schnöden Cheater. Hier hat der Support versagt, hier hat die PR-Abteilung versagt, hier hat die Firmenführung versagt. Blizzard hat hier gezeigt, dass für sie Progressivität nur oberflächliches Marketing ist, da sie keine Maßnahmen getroffen haben, um eine gesellschaftliche aufgeheizte Situation in einer kommerziell wichtigen Region so zu handhaben, dass sie möglichst niemandem auf die Füße treten. Ist schwer, ist nicht einfach, erfordert Aufwand und auch den ausdrücklichen Willen diesen Aufwand zu betreiben, aber es ist nicht unmöglich. Blizzard ist keine 20-Mann-Klitsche, die einfach nicht die Ressourcen dafür hat. Blizzard könnte, wenn man wollte.

    Da gibt es Berichte, nach denen Spieler in HearthStone temporär gebannt wurden, nachdem sie im Chat „Free Hong Kong“ geschrieben haben: https://www.businessinsider.de/blizzard-denies-banning-twitch-users-for-pro-hong-kong-chat-2019-10

    Nach all dem Terz der letzten Wochen, lässt Blizzard ihre automatischen Filter-Systeme unkontrolliert, ohne Aufsicht laufen, die das wiederholte Posten von „Free Hong Kong“ einfach als Spam markiert haben. Als höflicher Mensch möchte ich nicht sofort annehmen, dass Blizzard den Kotau vo der chin. Regierung macht. Als höflicher Mensch will ich zuerst annehmen, dass Blizzard einfach nur hoffnungslos inkompetent darin ist, auf ihren Plattformen mit heiklen gesellschaftlichen & politischen Themen umzugehen.

    @Boreas:
    Ich weiß, dass baskische Spieler in den letzten Monaten immer wieder Blizzards Plattformen benutzt haben, um gegen die Vorgehensweise der Regierung in Madrid zu protestieren. Hat aber kaum ne Sau interessiert, deswegen finde ich dazu leider nichts im Netz. Gab es Sperren? Meines Wissens nicht.

    Wie in dem oben verlinkten Golem-Artikel auch stand: Firmen dürfen gerne poltische Statements von ihren Plattformen fernhalten. Diese Recht haben sie und sollen es auch weiterhin haben. Aber die Firmen tun sich keinen Gefallen, je intransparenter und willkürlicher Sperren und andere Sanktionen ausgesprochen oder eben NICHT ausgesprochen werden. Je konsequenter und transparenter saktioniert wird, umso weniger Unruhe entsteht, umso weniger Ärger gibt es.

    Edit: Kommentar-organisatorische Details entfernt 🙂

  19. @ Harzzach

    Dann hast Du eine andere Definition von „politisch Neutral“ und dann kommt man natürlich auf keinen grünen Zweig, bevor man das nicht erstmal klären würde.

    Denn für Dich stellt ja meine Vorstellung davon anscheinen einen Widerspruch in sich dar. Während ich denke, dass dieser Zustand möglich ist. Im Grunde ähnlich der negativen Religionsfreiheit, die einen vor Missionierung schützt. So denke ich mir, dass man bestimme Veranstaltungen durchaus mit einer ähnlichen Einstellung zur Meinungsfreiheit angehen kann, indem man offensive(!) politische Meinungsäußerungen für unerwünscht/unhöflich erklärt.

    Deine Definition ist aber auch interessant und in sich logisch (aus der Richtung, dass man nicht nicht kommunizieren kann). Es sprengt vermutlich den Rahmen einer Kommentarspalte das auszudiskutieren (schade ^^).

  20. Richtig, ich bin ein Anhänger der Theorie, nach der alles, in unterschiedlichem Ausmaß, politisch ist und nichts nicht politisch sein kann. Zumindest in Bezug auf alles, was sich in der Öffentlichkeit abspielt. Presse kann z.B. nicht „neutral“ sein, da sie ein wichtiger Bestandteil der politischen Willensbildung. Deswegen ist ja Meinungsfreiheit und ein damit verbundenes möglichst breites Spektrum an publizierten Ansichten so wichtig.

    Jetzt kann man natürlich sagen, dass Blizzard im Rahmen seiner eSport-Aktivitäten kein Presseerzeugnis anbietet und deswegen „neutral“ sein kann, aber Blizzard selbst ist ja nicht neutral. Wie schon gesagt, Blizzard gibt sich über das Design der Overwatch-Helden und ihres Hintergrundes gesellschaftlich progressiv, nimmt also als Firma eine klare politische Position ein. Es ist daher schon etwas verlogen, wenn Blizzard aber keine politischen Aussagen von Usern im Kontext ihrer Spiele zulässt.

    Ok, was also wäre, wenn Blizzard im Figurendesign all dieses moderne Gender-Gedöns weglassen würde? Nun, hehe, auch DAS ist natürlich eine politische Positionierung 🙂 Hier wird klar gesagt, dass einem all die gesellschaftlichen Diskussionen scheissegal sind und man alles so macht, wie man es schon immer gemacht hat. Das ist eine konservative Position und so politisch wie das, was Blizzard jetzt in Sachen Figurendesign tut.

    Meine Meinung, dass so ziemlich alles politisch ist, selbst wenn man das nicht bewusst vorhat, basiert auf dem Umstand, dass man öffentlich nicht in einem luftleeren Raum agiert, in dem nur die eigenen Handlungen, losgelöst von allem anderen existieren. Dem ist nicht so. Es gibt diesen luftleeren Raum nicht, die Öffentlichkeit besteht aus vielen, vielen Menschen mit vielen, vielen unterschiedlichen Ansichten in vielen, vielen thematischen Kotexten und Zusammenhängen. Selbst wenn Du keine politische Aussage tätigen wolltest, so kann sie aber in der Öffentichkeit durch andere als politische Aussage wahrgenommen werden. Was vollkommen legitim ist, denn Du kannst anderen Menschen nicht befehlen Deine Aussagen und Handlungen in einen luftleeren Raum zu stellen.

    Deine Aussagen und Handlungen werden also in einen politischer Kontext gestellt, ob Du das willst oder nicht, weil Du Dich in der Öffentlichkeit bewegst. Willst man das nicht, darf man sich nicht in die Öffentlichkeit begeben.

    Von daher ist auch dieses unsägliche „Man wird doch noch mal sagen dürfen …“ entweder ein Ausdruck erheblicher Naivität (Wie? Da gibt es Menschen, die nicht meiner Meinung sind und dies auch noch sagen?) oder dem Wunsch, dass nur die eigene Meinung zu gelten habe (Wie? Andere Menschen erdreisten sich mir zu widersprechen? Sauerei!).

    Von daher ist auch der Wunsch´, die Presse habe neutral zu sein, entweder Ausdruck eines fundamentalen Mißverständnisses der Natur von Demokratie und Presse oder Ausdruck der Wunsches, die Presse habe nur genehme Dinge zu berichten.

    Das einzige, was der Vorstellung von „politisch neutral“ meiner Meinung nahe käme, wäre die Aussage: „Ich habe dazu (Thema XYZ) keine Meinung, weil ich davon keine Ahnung habe. Ich weiß nicht genug, um eine Position zu beziehen.“

  21. Du machst da echt ein großes Themenfeld auf – ich bin mal so frei, nur zu einzelnen Punkten den ein oder anderen Gedanken beizusteuern:

    „Man wird doch noch mal sagen dürfen …“ ist halt ein Stilmittel. Kein besonders geschicktes, aber damit ist es ja leider eher keine Ausnahme. ^^“

    Wenn ich eine „neutrale“ Presse wünsche (interessanter Themen-Abstecher), dann meine ich damit vor allem eine Berichterstattung, die ihrem Namen Ehre macht, nämlich idealerweise einen Bericht ohne Wertung darstellt.

    Das was Du bemängelst ist in vielem auch immer eine Frage, wie man Leute verstehen will. Die meisten, die z.B. nach einer „neutralen Presse“ fragen, werden vermutlich weder Deine Definition in frage stellen, noch damit eine eigene gesellschaftliche/staatstheoretische These aufstellen wollen, sondern einfach meinen, dass sie eine möglichst unvoreingenommene Berichterstattung wünschen.

    Da trifft also auch oft Umgangssprache auf durchdachte Gedankengebäude und dann muss man sich fragen, ob man der Gegenseite gerecht wird, wenn man sie über Definitionen zerlegt, oder ob man sie nicht lieber sinngemäß (und damit ihre Position) besser verstehen will.

    Übrigens ein Ideal, dem ich selbst leider oft nicht gerecht werde, da ich selbst gerne in den Nerdrage gehe, wenn mich ein Thema sehr bewegt/interessiert. ^^“

    Und bei Blizzard sind wir ja einer Meinung, dass ihr Vorgehen gerade dadurch besonders unschön ist, da sie sich ansonsten ja auch klar zu gewissen Weltbildern und Werten bekennen.
    Doppelmoral macht nie sympathisch.

  22. Möchte auch nochmal sichtbare Zustimmung zu der Aussage „Es gibt keine politische Neurtalität“ kundtun. Harzzach hat das schon wunderbar erläutert und ich, als Mensch mit nicht gerade berauschend viel freiwilligen politischem Interesse, aber einem durch und durch politischen Umweld im Freundeskreis, aus dem ich gerne viel mitnehme (denn Politik ist ja doch nunmal wichtig) und daher mich damit kritisch auseinander setze, liegt Harzzach mit seiner Erläuterung extrem richtig. Kudos! Ich schätze hier sehr kluge Texte zu lesen – ein Danke an dieser Stelle.

  23. @askies

    Du denkst tatsächlich, du steuerst durch deinen Boykott einen Konzern recht effektiv? Kann sein, dass Blizzard jetzt ein paar Kröten durch die Lappen gehen, aber glaubst du denn, dass es am Ende diejenigen treffen wird, die mit China die große Kohle abgreifen? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass es – wenn überhaupt – ein paar hundert Angestellte treffen wird?

    @Harzzach

    Wenn es die politische Neutralität von Konzernen nicht gibt – was zweifelsfrei richtig ist – warum ist die Reaktion auf Blitzchungs Aussagen dann erst der ausschlaggebende Faktor für deinen Boykott, und nicht etwa der Moment, als Blizzard mit dieser „Scheissendrecksdiktatur“ angefangen hat, die dicken Geschäfte zu machen – oder spätestens der Punkt, wo du persönlich erfahren hast, dass Blizzard dies tut?

    Und was ich gerade noch lese – dieses Gender-Gedöhns. Bei Markt A gendern und bei Markt B vermeidet man es. Das muss keine fundamentalpolitische Entscheidung sein – es dient doch ohnehin nur dem Umsatz. Und dient sie nur der Kohle, ist die Entscheidung – und wirklich nur die Entscheidung – an sich politisch neutral. Das wäre sie nicht, würde man tatsächlich eine Message drücken wollen und deshalb aus Prinzip gendern oder es vermeiden.

    Deshalb ist es nur logisch, dass Blizzard so gehandelt hat. Moralisch zweifelhaft, aber logisch. Es ist ja auch nicht so, als hätte das Land oft he Free neuerdings keine Eigeninteressen mehr, wenn es um das bashen des Staates China geht. Und das wäre auch in Ordnung so, hätte man mit, z.B. Assange oder seinen eigenen Ölkriegsspielchen nicht seine eigenen moralischen Leichen im Keller. Wir können davon ausgehen – hätte Blitzchung Assange erwähnt, hätte keiner der US-Senatoren die Fresse aufgerissen.

    Würde ich jetzt erst boykottieren und nur weil das gerade durch die Medien genudelt wird, würde ich das Doppelmoralspielchen mitspielen, dass man mir mit der Moralkeule reinwürgen will.

    Grüße…. Sarabi

  24. Warum boykottiere ich erst jetzt? Weil mir, wie gesagt, WoW ausnehmend gut gefällt, ich viel Zeit damit verbracht habe und gerne weiterhin viel Zeit damit verbringen würde. WoW ist für mich das letzte Zeugnis von Blizzards einstiger Größe. Da muss erst ein gewisser Druck aufgebaut werden, bis ich über meinen eigenen Schatten springen kann.

  25. @Harzzach

    Kenne ich. Ich habe in WoW meine jetzige Frau kennengelernt und mein Sohn heisst so wie mein Tankdruide. Ohne WoW gäbs den gar nicht. Ich habe sogar einen frischen Charakter angelegt und den an jedem Geburtstag von ihm eins hochgelevelt.

    Dies nur aus Prinzip aufzugeben war hart und ist es immernoch, zumal die Geister der Charaktere samt Bilder und alter WoW-Progress-Daten googlebar sind und vermutlich noch eine lange Zeit dort verharren werden.

    Gruselig.

    Grüße…. Sarabi

  26. @sarabiofnine Die Nachfrage steuert nunmal das Angebot. Wenn genug Menschen das kapieren, dann kann man damit steuern, ja. Wenn sich niemand wichtig genug nimmt oder nur um sich selbst kümmert, kann man mit dem Konsumenten alles machen. Trauriges Szenario.

    Die Angestellten trifft es sicher nicht so schnell bei so einem Giganten 😉 Wenn vielleicht 10% der Kunden abspringen, reicht das ja schon für einen Denkanstoß – und das dreht Activision/Blizzard nicht den Geldhahn zu.

  27. So ein Boykott ist halt wie eine Protestwahl. Ein suboptimales Vorgehen, ein Kompromiss. Wenn aber genug Leute in den sauren Apfel beißen, juckt es die Verantwortlichen im Geldbeutel.

  28. @askies

    Ui, dass es die Angestellten bei einem Megakonzern nicht so trifft, halte ich für eine gewagte These.

    @Hand
    Durch öffentliches Boykottieren wirst du auch gern mal zum Spielball / Sprachrohr / Multiplikator für Menschen, die das dann für sich ausnutzen und die vielleicht moralisch genauso oder noch verkrüppelter sind, als die, die man mit dem Boykott zu treffen sucht.

  29. @sarabiofnine Hm. Angenommen es seine gewagte These – aus Mitleid für die Angestellten eines Megakonzerns soll ich diesen also nicht boykottieren, welcher sich gegen einen Volksprotest stellt, bei welchem Bürger für ihre Rechte und Demokratie einstehen? Hmm…

  30. Nun, Blizzard hat sich nicht gegen den Volksprotest gestellt, sondern gegen politische Äußerungen im Rahmen eines Blizzard events.

  31. @sarabiofnine

    Aber Deine Kritik könnte man doch gegen alles anbringen, was jemand öffentlich (kund)tut.

    Dann dürfte man ja garnichts politisches tun/sagen.

    Cooler NIck übrigens. ^^

  32. @askies

    Doch, natürlich sollte man das boykottieren – viel mehr (friedliche) Möglichkeiten hat man ohnehin nicht. Man könnte noch seinen Wahlkreis nerven oder auf Twitter geistreiches Zeug schreiben usw.

    Solange man sich immer darüber im Klaren ist, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit die Falschen und vermutlich nie die Richtigen treffen wird.

  33. @sarabiofnine: Bei allem Respekt: das ist einfach Quatsch.

    @Eno: Doch, in der Konsequenz schon. Harzzach hat das mit der Neutralität bereits ausführlich erklärt.

  34. @askies

    Kann sein, dass es Quatsch ist. Ich weiß natürlich nicht mit Sicherheit, wie es in so einem Großkonzern läuft. Ich habe meine Erfahrungen (Ich hatte mal einen Großhandel und ein paar kleine Computerläden hier in der Stadt) nur hochgerechnet – lief es da mal in der Firma nicht so rund, waren immer erst die Angestellten dran.

    Dasselbe habe ich in meinem Umfeld mehrfach mitbekommen. Es ist niemals der Chef, der seinen Traum vom Pool plötzlich aufgibt oder seinen Mercedes verkauft, sondern immer der Arbeiter, der dann ein paar Monate lang seinen Lohn nicht bekommt – besagten Pool aber fertig bauen muss.

    Mir fällt nicht ein, wieso es nun gerade bei Konzernen plötzlich andersrum laufen sollte.

    @Hand

    Ich will niemandem ausreden, sich politisch einzubringen oder nach eigenen Werten etwas zu tun oder zu lassen. Ich will nur anmerken, dass sich – egal für wie moralisch gut man sein eigenes Handeln auch hält – jemand früher oder später kommt und daraus seinen Nutzen ziehen will.

    Meine realpolitische Kontaktfläche ist zwar recht klein, aber wenn man erst einmal mitbekommen hat, wieviel Doppelmoral bereits auf Gemeinderatsebene vorherrscht und wie weit man sich bereits dort von „den Bürgern“ entfernt hat, verliert man schnell den Glauben an das Gute im Menschen.

    Und thx wegen Nick. Hand is auch lässig ^^

    Grüße… Sarabi

  35. @sarabiofnine abschließend dazu werfe ich mal als simplen Vergleich einen Streik ein. Megakonzerne wie Amazon oder Lufthansa gäbe es ja dann nichtmehr.
    Ich arbeite auch in einer sehr kleinen Agentur – aber das sind Äpfel und Birnen.

  36. Mitsubishi ist nun nach langer Kooperation als Sponsor der Pro Gaming Liga abgesprungen. Wow.

    Da mein kleines Nebenhobby alte Autos sind, fahr ich dann mal sobald die Sonne scheint, meinen Mitsubishi Galant von ’79 stolz spazieren 😉

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