Der Pfad hinauf zum Gipfel des Berges der überreichlichen Auswahl

Corona. Kurzarbeit, Home Office und Lockdown sind nicht gerade Stimmungsaufheller. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. Es lohnt sich die Dinge positiv zu sehen.

Denn ich habe nun die Muße mich nach und nach den Spielen zu widmen, die ich in den letzten Jahren zwar angefangen, manchmal sogar mehrmals, aber aus vielerlei Gründen nie durchgespielt hatte. Der häufigste Grund war dabei die fehlende Muße. Der Tag hat eben nur 24h und so Kleinigkeiten wie Privatleben ausserhalb des Monitor-Rechtecks und vor allem die übliche Alltagsbewältigung auf einem halbwegs akzeptablen Niveau kosten Zeit und Kraft. Da will man abends einfach nur mal ne Stunde was sorglos zusammenballern oder nur einige entspannte Runden in einem Arcade-Racer drehen.

Ausufernde Rollenspiele oder komplexe Strategietitel lauern zwar lockend an den Rändern der Aufmerksamkeitsspanne, schaffen es aber nicht durchzudringen. Auch weil man im Gegensatz zu früher einfach dem Ruf des Bettes nachgibt und sich nach Möglichkeit sieben Stunden Schlaf gönnt, anstatt wie früher den Schlafmangel über teilweise Monate hinweg durchzuschleppen. Der Körper macht es nicht mehr mit.

Man wird zwangsläufig zu einer Art Casual-Gamer und das ist nicht weiter tragisch. Lebensumstände verändern sich und ich gehöre zu den Menschen, die dann versuchen sich ein Stück weit mitzuverändern, anstatt zu sehr in alten Mustern zu verharren. Ich passe mich den Umständen an und versuche das Beste daraus zu machen. Klappt zwar nicht immer, aber das ist meine Art.

Und deswegen finde ich auch jetzt wieder die Muße den Pfad hinaufzusteigen und den Blick länger auf dem einen oder anderen Spiel ruhen zu lassen.

Amid Evil ist weiterhin eine Empfehlung wert, gerade für so alte Säcke wie mich. Letztes Jahr habe ich entnervt in Episode 5 aufgehört, weil das schnelle Action-Gameplay der ersten Hälfte des Spieles einem frustrierenden Abarbeiten an fiesen Gegnern, fiesen Fallen und jeder Menge Plattform-Hüpferei wich. Gerade letzteres mag ich ja besonders in Shootern … NICHT!!! Das Art Design ist hingegen immer noch phänomenal, vor allem in der letzten Episode werden noch mal alle Register gezogen. Atemberaubend! Screenshots können eigentlich nicht wiedergeben, was hier aus dem Map-Editor der Unreal Engine gefallen ist. Wenn doch auch andere Teams …

Dass ich nicht mehr über die Sturheit, bzw. Ausdauer früherer Jahre verfüge, wo ich Stunde um Stunde solange die Maps gespielt hätte, bis jede Ecke, jedes Item, jeder Gegner samt Strategie auswendig gelernt war, ist hier nicht weiter tragisch. Denn die Entwickler sind nette Menschen, die Cheatcodes ganz offen in den Codex, in das Story-Nachschlagewerk des Spieles schreiben. Also cheate ich mich durch die zweite Hälfte. Achievements werden zudem nicht deaktiviert, wenn man Cheats verwendet. Was die GitGud-Crowd natürlich maßlos ärgert, mich aber sehr erheitert. Ich möchte Amid Evil trotz stark schwankendem Balancing gegen Schluss weiterhin empfehlen. LSD ist ein Scheissdreck dagegen!

Danach war mir weiterhin nach optisch beeindruckenden Spielen, weil 4K und so.

Hmm, Bioshock 2 Remastered … ja, warum nicht? Das hatte ich wegen zahlreicher Crashes schnell zur Seite geschoben, aber andere Hardware, neues Glück? Nä, Pustekuchen, ab Siren Alley, ab hier …

… crasht das Spiel regelmäßig in Kämpfen, sobald eine gewisse Menge oder Art an Effekten gleichzeitig gerendert werden müssen. Intensive Foren-Recherche fördert zwar jede Menge hilfreich sein wollender Tips zu Tage, aber in meinem Falle hilft nichts. Die Ursache, wahrscheinlich eine verbuggte Ansprache des VRAMs der GPU, lässt sich endgültig nur durch einen Codefix beheben, der aber niemals mehr kommen wird. Also passe ich meine Spielweise der Crashursache an und versuche die Gegner möglichst aus der Entfernung zu legen, weil hierbei scheinbar weniger Effekte gleichzeitig gerendert werden müssen. Lasse ich mich jedoch in eine Ecke drängen und mein Driller bohrt sich durch die Panzerung der Big Sister oder das Fleisch von Brutes, vereist, elektroschockt oder verbrüht dabei den Gegner, sowohl durch den Driller als auch durch passive Tonics … PLING! Systemmeldung! Hallo Desktop!

Abgesehen davon crasht das Spiel ab und an auch einfach so.

Aber die Crashes lassen sich minimieren und Bioshock 2 sieht nicht nur immer noch sehr gut aus, es ist meiner Meinung nach spielerisch das beste der drei Serienvertreter. Den Remaster würde ich aus besagten technischen Gründen nicht mehr spielen wollen, aber wenn man sich den Remaster auf Steam kauft, gibt es Bioshock 2-Vanilla dazu. Und das kann man durch diverse Ini-Anpassungen Widescreen- und 4K-fit machen.

Ok, der Abspann läuft, Miss Lamb wird gnädigerweise am Leben gelassen, den Minerva-DLC spare ich mir wegen der ständigen Crashes und bevor ich noch lange überlege, was als nächstes kommt, schmeisse ich Bioshock Infite auf die Platte. Eigentlich schon gespielt, aber leicht bekömmlich, unverschämt gut aussehend … halt jetzt in 4K!

Es hat schon seinen Grund, wenn im Abspann zuerst das Art Department genannt wird und erst danach die Programmierer.

Kaum ist das Finale des zweiten DLC zu Ende, möchte ich mich Dishonored widmen, aber das hat zuviel Ähnlichkeiten mit Bioshock. Von dieser Formel muss ich etwas Abstand gewinnen. Hmmm, was jetzt? *stöber, scroll, blätter* Das hier? Nä. Jenes? Weiß nicht. Oh, spiel doch endlich Divinity Original Sin zu Ende! Ja, stimmt, das ist eine gute Idee. Und während die Leitung glüht. fällt mein Blick aber auf das hier:

Divinity 2 – Ego Draconis

Das ist ständig durch alle Raster gefallen, weil immer was anderes dazwischen kam, aber jetzt, JETZT ist es soweit.

Speedtree-Orgie, ein bisschen cheesy, jede Menge Klischees. Divinity 2 gewinnt keine Preise und man könnte es wenig wohlwollend als Möchtegern-Skyrim für Leute, die kein Eis mögen bezeichnen. Aber es funktioniert, es macht Laune und obwohl meine Rangerin anfänglich ziemlich aufs Maul bekommt, so kämpft sie sich durch den etwas mühseligen Anfang und teilt ein paar Stunden und Level später aber so dermaßen aus, dass ich fast Mitleid mit den Computergegnern bekomme. Aber nur fast.

Nein, jetzt ernsthaft, Divinity 2 ist alles andere als perfekt, aber das Art Design leistet sehr ordentliche Arbeit, technisch schnurrt das Spiel mittlerweile (ich spiele hier den sog. Developers Cut) fehlerfrei dahin. Spielerisch erfindet man das Rad nicht neu und der Fähigkeitenbaum, bzw. dessen Beschreibungen lassen mich manchmal etwas ratlos zurück, doch da man Skillpoints später resetten kann, hat man etwas „Spiel“raum zum Experimentieren. Was jedoch da ist, funktioniert und man sieht, wo Larian Schwächen abgebaut und Stärken ausgebaut hatte, wo noch Verbesserungspotential bestand und was das Team damals schon sehr gut konnte. Ich wandere genüßlich durch das sehr hübsch geratene Tal, genieße die Optik und den dezenten OpenWorld-Charakter des Spieles.

Und so nähere ich mich mit jedem Schritt dem Gipfel. Dünn ist die Luft noch lange nicht, ein langer Weg liegt noch vor mir und entgegen geologischer Gepflogenheiten wächst speziell dieser Berg auch jedes Jahr um einige Zentimeter. Aber das macht nichts, denn der Weg ist das Ziel und nicht das Ziel selbst.

Denn „Pile of Shame“ nenne ich den Berg nicht mehr. Viel zu negativ 🙂

10 Kommentare zu „Der Pfad hinauf zum Gipfel des Berges der überreichlichen Auswahl

  1. Uff. Bei Release hat es mich nach ner Stunde kalt gelassen. Die Welt ist schön, die Charakter Animation doch steifer als die eiens Buchhalters. Auch das Charakterdesign hat mich nicht angesprochen. Milde gesagt. Berichte ob du am Ball bleibst und ob ich was verpasst habe 🙂 Ich wünsch auf jeden Fall ne gute Zeit damit!

    Grad The Technomancer für 6,89 bei gog erstanden. Mit Mars War Logs hatte ich ja wie neulich erwähnt ne Menge Spaß. Der Name erinnert mich unfreiwillig ans mittelmäßige Technomage. Das hatte eigentlich ne tolle Optik, bekommt man aber vermutlich nichtmehr zum laufen auf einer aktuellen Maschine.

  2. Was ist denn ein “ GIPEL“?? 😉

    Habe während meiner Kurzarbeit Phase mit Borderlands 3 angefangen.

    Ist genau wie Teil 2,mit den gleichen Stärken und Schwächen. Und leider zündet der Humor irgendwie nicht mehr so.

    Aber gute Abendunterhaltung für mich 🤓

  3. Ha, ich habe am WE Das letzte Addon von Borderlands 2 durchgespielt und bin jetzt Level 46.
    Mal sehen ob ich das 2. Playthrough noch mache bis ich Level 50 bin und dann noch ein oder 2 von den unbesiegbaren umhaue in der 1. Stufe.

    Humor – ja ok.

    Eine Stelle hat mich Tränen lachen lassen:
    Als ein gewisser „x“ ein Tor zu „y“ aufmachen will und das ganze drumherum incl. seinen Kommentaren bis hin zu seinen mit viel Pathos angekündigten Ambitionen bis zur (prima in einer Storymission vorher establishten) auftauchenden Treppe… hach ich muss schon wieder grinsen, wenn ich daran denke.
    „Aaaaand Opeeeeen!“ 😀

    Eine auch sehr lustige Stelle ist in einem DLC, als selbiger „x“ sich als Zauberer versucht 😀

  4. „Was ist denn ein “ GIPEL“?? 😉“

    F war ausgegangen … danke für den Hinweis!

  5. Um Divinity 2 – Ego Draconis würde ich einen großen Bogen machen. Außer, du magst es, stundenlang die Welt zu retten und am Ende zu verlieren 😉

  6. Keine Bange, ich bin kurz zu „Kingdoms of Amalur“ abgebogen, welches zwar auch alles andere als perfekt ist, aber gerade besser reinläuft als Ego Draconis. Vor allem der Unterschied in der Animationsqualität … LICHTJAHRE!

  7. Ego Draconis 2 ist meiner Meinung nach eines der besten Spiele das ich bisher gespielt habe. Aber ich brauchte etwa 3 bis 4 Anläufe weil der Anfang des Spieles irgendwie lahm und langweilig ist.

    Ich wirklich nur schwer sagen wieso aber womöglich spielt da die nett ausgearbeitete Geschichte und Charaktere eine Rolle. Anders als bei einem „Skyrim“ haben fast alle NPCs die man trifft eine richtige nicht generische Persönlichkeit. Auch ist die Welt ein wenig interessanter gestaltet als bei Skyrim und vor allem Oblivion wo wirklich alles überall fast identisch aussah. Außerdem fühlt sich jedes der Kapitel fast wie ein anderes Spiel an und ich habe mich mehrmals gefragt ist das tatsächlich noch Ego Draconis was ich da spiele? Bisher hatte ich ein ähnliches Feeling nur bei Gothic 2 (welches wohl auf eine ähnliche Weise unperfekt ist wie Ego Draconis) und dem ersten Risen Teil.

    Kleiner Tipp: Töte nicht zu früh, zu viele Hasen xD
    (Den Fehler habe ich leider begangen und dachte schon der Spielstand wäre futsch, bis ich es nach einer halben Ewigkeit und zick versuchen doch noch schaffte).

    Und sollte es technisch Probleme machen (Abstürze), empfehle ich dir die Multithreading Unterstützung in den Spieleinstellungen zu deaktivieren, sowie PhysX in deinen Grafikkarteneinstellungen falls du eine NVidia Grafikkarte hast.

    Letzteres hilft generell bei fast allen älteren PhysX Spielen im Zusammenhang mit einer NVidia Grafikkarte und Instabilitätsproblemen (z.B. Sacred 2 stürzt dann ca. 4 mal seltener ab).

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