Ion Fury – Finale Gedanken und eine wirklich wichtige Frage

Man muss die Dinge positiv sehen.

Dritter Monat Kurzarbeit und Meldungen, nach denen die großen Automobilkonzerne etliche tausend Stellen abbauen wollen (weil sie nämlich keine Lust haben ihre eigenen Geldreserven anzugreifen, weil die Bundesregierung sich derzeit frecherweise weigert ihnen mit Steuergeld auszuhelfen), deuten an, dass sich dies auf absehbare Zeit nicht ändern wird. Ja, auch wenn ich selbst davon betroffen bin … wer aber erneut (!) Rekordumsätze erzielt und dann noch Steuerhilfen haben will, soll gefälligst in der Hölle schmoren!

Gut, machen wir das Beste daraus. Ze Berg of ze reichhaltige Auswahl ist wieder um einen Titel geschrumpft.

Ion Fury wurde durchgespielt. Mit Freude und großem Vergnügen.

Alles, was ich vor ca. 2 Jahren bereits gesagt hatte, trifft auch für das fertige Spiel vollumfänglich zu. Ein klassischer Ego-Shooter auf Basis von eDuke32, dem modernen Source-Port der alten BUILD-Engine.

Unglaublich große, gigantische, irrsinnig detaillierte Maps, wo nicht einfach der Landschaftsgenerator per Kopfdruck fünf Trilliarden Quadratkilometer Landschaft ausspuckt, sondern wo jeder Vektor, jede Textur, jedes Objekt händisch platziert wurden. Maps, die voller Secrets stecken, die ihren Namen zu Recht tragen, so dass Abschluss-Statistiken wie z.B. „Found 03 of 22 Secrets“ nicht Ausdruck der eigenen Unfähigkeit, sondern ganz normal sind.

Mit dem Label „Oldschool“ schmücken sich seit einigen Jahren nicht wenige Spiele, um die Verkaufschancen bei so alten Säcken wie mir zu erhöhen. Nur wenige können dieses Versprechen einhalten. Ion Fury gehört zu diesen wenigen Ausnahmen in einem Meer voller verlogener Werbebotschaften.

Weil die Entwickler wissen und verinnerlicht haben, was die damaligen Shooter ausgemacht hat. So ist Ion Fury schwer, ohne aber unfair zu sein. Sicher, beim allerersten Kontakt bekommt man mitunter heftig auffe Fresse, weil man das Map-Layout und die Item-Platzierungen nicht kennt, aber schon während des Bildschirmtodes weiß man meist, was man falsch gemacht hat und der nächste Versuch verläuft in der Regel umso erfolgreicher. „Save early, save often“ gilt hier genauso wie damals. Quicksave ist nicht der Ausdruck verweichlichten Casualtums, sondern notwendiges Mittel, um diese Art Shooter besser bewältigen zu können. Denn Ion Fury lädt zum Experimentieren ein. Experimente, die selbstverständlich auch nach hinten losgehen können. Was in der Natur eines Experimentes liegt. Was nicht schlimm ist, da man einfach den Zeigefinger auf die Quickload-Taste hämmert. Sicher, wenn man dabei versehentlich die Quicksave-Taste betätigt … aber alte Säcke kennen das. Das scharfe Stecken in den Magengrube, welches einen in genau dem Moment durchfährt, wo die Fingerkuppe die falsche Taste berührt. Dieses wohlbekannte ARGHLLLLLLLL, mit dem man alle Menschen in der näheren Umgebung aufschreckt.

Wie gesagt, Ion Fury ist nie unfair. Die GitGud-Exzesse mancher aktueller Spiele gehen diesem Titel ab. So wie sie auch früher Spielen wie Blood oder Duke Nukem 3D abgingen. Sicher, diese Spiele waren nicht einfach, bisweilen schwer oder gar ziemlich hart. Aber nie unfair. Es gibt immer genug Health und Ammo. Nicht immer direkt sichtbar, aber irgendwann hat man verstanden, welche Ecken und schattigen Abgründe man durchforsten muss, um wieder schlagkräftig zu werden. Und Secrets, die oft hilfreiche Ausrüstung beherbergen, sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt. Und eben Quicksave, mit dem man schwierige Passagen einfacher neu angehen kann, ohne sich wieder x-mal durch Abschnitte zu spielen, die man schon längst gemeistert hat.

Dann jedoch der finale Boss-Kampf. In einem Video vor ein paar Monaten habe ich gesehen, wo und wie man den Boss überhaupt schädigen kann. Ansonsten wäre ich ratlos durch die Gegend geirrt und dabei x-mal gestorben, ohne jedoch schlauer zu werden. Genau das hasse ich an so vielen Boss-Kämpfen. Dieses planlose Herumirren, bis man vielleicht eines Tages erraten hat, was man nach Willen des Gamedesigners eigentlich tun soll. Und wenn man es dann herausgefunden hat, ist der Weg dahin so mühsam und langweilig und voller ödem Grind … Boss-Kämpfe sind scheisse!

Ok, also Cheatcodes. Ist ja ein Oldschool-Shooter. Selbstverständlich gibt es Cheatcodes.

Der Kampf ist geschafft, der Abspann läuft und es poppt ein Achievement auf. Boss besiegt. Ohh, Achievements trotz Cheatcodes? Jupp.

Interessant dabei ist, dass lediglich 9.6% aller Spieler dieses Achievement haben. Schaut man sich die Anteile andere Story-Achievements von Ion Fury an, bricht die Quote ab der Hälfte des Spieles stark ein. Ein Boss-Kampf, wo man auf einer engen Plattform gegen zwei Flammenwerfer-Cyborgs bestehen muss, scheint nicht wenigen Spielern den Rest zu geben. Ja, besonders toll war das auch nicht. Beschissener Bosskampf halt.

Interessant dabei, dass danach einfach aufgehört wird. Es wird nicht weitergespielt. Obwohl Cheatcodes keinen Einfluss auf das Auslösen von Achievement-Triggern haben und keiner weiß, dass ich total geil mit Godmode durch den Rest des Spieles gezogen bin, mwahahaha!

Hmmm, was sagt das über die Leute aus? Dass sie nicht wissen, dass es Cheatcodes gibt? Dass sie nicht wissen, dass Cheatcodes keinen Einfluss auf die Vergabe von Gedöns-chievements haben? Dass sie lieber aufhören als zu cheaten, weil Spielerehre und so? Dass sie sich lieber mit Spielen beschäftigen, welche sie nicht frustrieren? Ich vermute eine Mischung aus allem, vornehmlich aber letzteres.

Wie auch immer, herzlichen Dank, liebe Leute von Voidpoint! Nicht nur für diesen netten Nebeneffekt, sondern in erster Linie für einen wirklich gelungenen Shooter. Dass ich persönlich nichts mit Bosskämpfen anfangen kann und sie grundsätzlich für eine kaum ausrottbare Erbsünde aus den Anfangstagen der Videospielgeschichte halte … soll nicht Euer Problem sein. Solange ihr weiterhin Cheatcodes zur Verfügung stellt, damit Idioten wie ich solche Stellen auf der linken Arschbacke runterreissen können, habe ich kein Problem damit.

Bleibt also noch eine Frage über … die letztlich alles entscheidente Frage, weil ich sie gerne beantwortet sehen möchte:

Wird es mehr von Voidpoint geben? Ein Ion Fury 2? Ein anderer Shooter auf Basis von eDuke32? Weil, was ihr könnt, das könnt ihr und das, das könnt ihr richtig gut!

4 Kommentare zu „Ion Fury – Finale Gedanken und eine wirklich wichtige Frage

  1. Als jemand, der die alten Build Engine Spiele zwar mag, aber nie als dermaßen herausragend empfand, (bis auf Blood, Blood ist fantastisch), fühlt sich Ion Fury wie der logische Abschluss der Engine an.
    Das Leveldesign ist durch die gegenwärtige Technik noch mal ausgefeilter, das Gunplay könnte glatt als BrutalDuke durchgehen und der mod-tracker Sound ist einfach nur Sahne.

    Der Schwierigkeitsgrad ist für mich genau richtig. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gibt es nur zwei zu starke Spitzen. Die Arena Reformation Plaza (1-5) und der Endbosskampf.

    Dass die Achievmentdichte der Spielerschafft nach hinten abnimmt, ist normal und vollzieht sich bei jedem längeren Titel.
    Und Ion Fury ist lang, länger als alle anderen Singleplayer Shooter ohne Loot-Komponente, die mir bekannt sind.

  2. Interessant dabei ist, dass lediglich 9.6% aller Spieler dieses Achievement haben.

    Knapp zehn Prozent finde ich schon ganz ordentlich. Wenn man bedenkt, dass auf Steam bei nicht wenigen Spielen selbst die „Press Start to Play“-Errungenschaft bei um 50 % hängt und bei der Mehrheit wohl höchstens 85 % erreicht.

  3. Wenn ich ein Erreichen-des-Spielendes Archievment bekomme, schaue ich auch gerne gleich wie viele es ebenfalls bekommen haben. Und so 10-20% sind nach meiner Erinnerung erschreckend normal. Ich möchte also zu deiner vermuteten Begründung sowas wie „Verlust der Aufmerksamkeitsspanne“ hinzufügen.

    P.S.: Ich hasse Boss-Kämpfe…

  4. Wobei selbst der Endbosskampf in Ion Fury auch nur eine Arena ist.
    Einen hochgezüchtetenen Kugelschwamm gibt es zum Glück nicht.

    Selbst die stärksten Feinde sterben rasch durch eine Salve des Ion Bows.

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