Erste Eindrücke – Iron Harvest

Weil aus ein paar kurzen, zur Einleitung gedachten Sätzen gleich wieder meine übliche Wall of Text wurde, schiebe ich meine Anmerkungen zur Steam-Demo von Iron Harvest in ein eigenes Posting.

Iron Harvest erweckte mein Interesse, weil man das vom polnischen Illustrator Jakub Rozalksi entworfene Dieselpunk-Setting des Brettspiels Scythe für ein RTS verwenden wollte. Und weil hinter dem Projekt King Art Games standen, die seit vielen Jahren unbeirrt in der Diaspora der deutschen Spieleentwicklungszene ausharren. Schnell wurde klar, dass man sich wohl an Company of Heroes orientiert, was grundsätzlich keine schlechte Sache ist, denn CoH ist ein phantastisches Spiel, welches bis heute für Fans dieses RTS-Subgenres unerreicht ist.

Die Kickstarter-Kampagne erzielte fast das Dreifache der angefragten Summe, alles schien gut. Es wurde ein Publisher gefunden, bedauerlicherweise mein guter Freund Deep Silver aka Koch Media, der eine gewisse Tradition darin hat a) mit Abmahnparasiten zusammen zuarbeiten, b) sich höchst inkompetent in die Entwicklung von Projekten einzumischen (X-Rebirth) oder c) kurzerhand Spiele exklusiv in den ESG zu stellen, obwohl Backern ein Steam-Release versprochen wurde (Shenmue 3).

Hrmpf …

Wie auch immer, der Release im kommenden Herbst steht an und es wurde eine Demo veröffentlicht. Yay!

Leider nur Skirmish-Mode und Multiplayer. Dohh!

Also gut, dann halt nur Skirmish-Mode. Ich beginne eine Partie und setze die AI auf „Leicht“, weil ich trotz eklatanter Ähnlichkeiten des UIs und Gameplays mit Company of Heroes natürlich keine Ahnung davon habe, wie die jeweiligen Einheiten gebalanced sind.

Technisch läuft das alles recht rund und flüssig, die Winterlandschaft sieht hübsch aus. Nicht hübscher als in CoH, aber das macht nix. Es ist mir nämlich hübsch genug. In Sachen Animationsqualität hat CoH aber immer noch die Nase vorne. Nachdem ich mich in den letzten Wochen mit Kindoms of Amalur: Reckoning vergnügt hatte, bin ich in Sachen Modellanimation so dermaßen verwöhnt, dass mir eine nicht ganz so perfekte Arbeitsausführung mittlerweile unangenehm auffällt.

Aber gut, King Arts sind kein großes Studio, das Projekt kratzt eh schon hart an dem, was deutsche Entwickler normalerweise auf Grund begrenzter Ressourcen leisten dürfen. Können tut man hierzulande schon, die Expertise ist definitiv da, doch das liebe Geld … wobei mir ja ein halbwegs gescheites Spiel, welches betriebswirtschaftlich sinnig produziert wird, allemal lieber ist als ein maßlos überteuertes Ding wie Kingdoms of Amalur, wo der ganze Aufwand nämlich vollkommen für die Katz war. Denn im ersteren Fall besteht ja die Chance auf ein höheres Budget beim nächsten Mal. Man schaue nur, wie Related in Mainz die Anno-Serie Spiel für Spiel immer geleckter erscheinen lassen können. Denn ich kann mich noch an erste Spielszenen aus No Mans Land erinnern … das wollte man bei CDV nämlich in direkte Konkurrenz zu Age of Mythology stellen, was bei allen ausser dem Vorstand für entsetztes Kopfschütteln und abwehrendes Armwedeln sorgte.

Ok, ich bekomme natürlich heftig von der Easy-AI inne Fresse. Als mein erster Mech scheppernd die Werkstatt verlässt, hat der Gegner inzwischen fast alle Sektoren erobert. Der anschliessende Ansturm auf meine Basis setzen kläglichen Versuchen meinerseits angrenzende Sektoren unter die eigene Kontrolle zu bringen, ein jähes Ende. Ein hübsches, aber jähes Ende.

Ich bin etwas ernüchtert. Ich hatte mir etwas mehr von der Demo erhofft. Vielleicht eine Kampagnen-Mission, wo man ein wenig mehr an Einheiten und Abläufe herangeführt wird? Denn auch wenn alles zu 300% an Company of Heroes erinnert, es ist eben NICHT Company of Heroes. Diese Ernüchterung überlagert meine eigentlich recht positiven Ersteindrücke. Der MP scheint zwar noch heftig von Lags und Disconnects geplagt zu sein, aber solo läuft das Spiel zumindest bei mir sauber und rund.

Und? Immer noch Interesse?

Ja, grundsätzlich schon. Jetzt muss sich zeigen, ob die SP-Kampagne etwas kann. Das Echo im Steam-Forum ist zumindest durchwachsen. Der Mangel an Kampagnen-Inhalten und die Verbindungsqualität in MP-Partien sind hier die größten Kritikpunkte. Ich weiß nicht, ob man sich mit dieser Demo einen Gefallen getan hat …

Es geht demnächst (wahrscheinlich schon morgen) weiter mit Desperados 3

2 Kommentare zu „Erste Eindrücke – Iron Harvest

  1. Finde ich super, wenn Du ein paar Demos durchfuchst und davon berichtest. Ich mag ja das Setting bei dem Spiel und hatte es mal neugierig angeklickt.
    Leider fühle ich mich schon seit Warcraft 3 zu alt für RTS, so sehr ich auch Strategiespiele sonst liebe. ^^“

  2. Für mich ist RTS leider kein interessantes Thema mehr. Liegt aber wohl an mir, ich mag einfach nicht dieses „immer und immer wieder“ von vorn anfagen und neu aufbauen. Dann wenn es gerade Spaß macht ist es auch wieder schnell vorbei und in der nächsten Mission wiiieder von vorn. Och menno, ich hatte doch bereits alles gebaut und jetzt schon wieder? XD Ich mag einfach Fortschritt und wenn nie eine Spielsession umsonst ist, sondern immer wieder Erfahrung oder Ähnliches bringt.

    Freue mich aber weitere Beiträge zu anderen ggf. für mich interessante Titel von dir zu lesen. 🙂

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