Was Handtaschen, Schuhe und Werkzeuge mit Spielen gemeinsam haben

Ein Kollege möchte den Boden im Wohnzimmer plan schleifen, weil er Parkett legen will. Jetzt könnte er sich eine passende Schleifmaschine selbstverständlich gegen Gebühr ausleihen. Was klug ist, denn gerade gute Schleifmaschinen, die solche Arbeiten (fast) zu einem Kinderspiel machen, sind teuer. Und dann genügt ja nicht nur eine große für die Hauptfläche. Nein, man muss ja auch die Ecken und Kanten des Zimmerbodens plan schleifen. Also benötigt man im Grunde eine große und eine kleine Schleifmaschine. Als mit Großhirn und entsprechendem Verstand gesegneter Vernunftmensch, der wir selbstverständlich alle sind, entscheiden wir uns selbstverständlich für die Mietlösung.

So dachte mein Kollege, bis er im Baumarkt in der Abteilung mit dem passenden Gerät stand. Jetzt stehen in der Garage zwei niegelnagelneue Bodenschleifmaschinen. Samt Zubehör. Weil … er will dann noch mehr Zimmer im Haus machen. Redet er sich selbst die Sache schön und seiner Frau ein, dass die Vernunft und NUR die Vernunft bei der Kaufentscheidung eine Rolle gespielt hat. Wir alle wissen aber auch, dass das vollkommener Lötzinn ist, weil er im Baumarkt einfach glänzende Augen bekommen hat. Gut, das Gehalt gibt das her, hier hat niemand das Wohl der Familie auf’s Spiel gesetzt, nur weil man schwach geworden ist.

Und so beginnt der dunkle, trübe und kalte (für Gamer daher ideale) Spiele-Herbst mit Baldurs Gate 3 und Cyberpunk 2077..

Nun, rein rational brauche ich beide Spiele natürlich kein Stück. Jetzt nicht, weil ich Spiele, im Gegensatz zu Luft und Nahrung tatsächlich nicht brauche. Sondern weil ich derzeit genug zum Zocken habe. Was ich nicht aus schlechtem Pile-of-Shame induziertem Gewissen sage. Ich kann derzeit entspannt und ohne Druck feststellen, dass mein aktueller Spielebedarf vollumfänglich gedeckt ist. Ich bin zufrieden.

Ein weiterer rationaler Grund, jetzt nicht zu zuschlagen, ist Crunch. Der Druck auf die Angestellten nicht nur mal einen Monat vor Release das Ding noch zu stemmen, sondern der Dauerdruck (!) auf die Angestellten doch bitte mehr als 8 Stunden täglich und am Wochenende zu arbeiten. Über Monate (!) hinweg. Dass Crunch aus vielerlei Gründen eine selten dämliche Idee ist und es nicht nur im Interesse der Angestellten ist, sondern auch die Geschäftsführung von Crunch kein Stück profitiert, werde ich hier jetzt nicht groß und breit ausführen. Ich setze voraus, dass ihr, meine ehrenwerten Leser, Euch dort informieren könnt, wo man das lang und breit und sehr viel besser erklärt.

Man sollte solche Praktiken, die bestimmt auch bei Larian ein Thema war (aber nicht wie im Falle CDP seit geraumer Weile öffentlich thematisiert wurden), nach Möglichkeit nicht unterstützen. Ja, sicher, die Angestellten müssen sich verdammt nochmal effin endlich organisieren, aber zumindest etwas können wir als Kunden hier tun. Nicht sofort kaufen!

So, rein rational ist alles geklärt.

Ja?

Nein.

Zuckt auch Euer Augenlid so verdächtig? Müsst auch ihr euch teilweise bewusst vom „Kaufen“-Button eures Lieblings-Shops abwenden, wenn ihr die Videos und Trailer zu diesen beiden Spielen gesehen habt? Weil schon ziemlich geil!

Wir sind keine Engel. Wir sind nicht perfekt. Wir machen Fehler. Wir sind schwach. Wir sind Getriebene unserer Emotionen und tun manchmal Dinge, die wir nur wenige Minuten vorher als vollkommen abwegig von uns geschoben haben.

Ich nehme es daher niemandem übel, wenn der Finger nicht nur zuckt, sondern der Mauszeiger auf den Kaufen-Button geschoben und dann geklickt wird. Denn ich habe trotz all der vorher angeführten, guten Gründe durchaus mit mir zu kämpfen. Ausgang ungewiß!

Ach ja, ein vollkommen rationaler Grund FÜR einen Kauf beider (!) Spiele ist die *gnahhhhh* Verschiebung des Kinostarts von Villeneuves Dune auf Oktober 2021 *arghllllllllll*. Die 20-30 Ocken für Kino und Gefresse und Gesaufe können wir schon in Spiele stecken, die ja Dank Crunch nicht verschoben werden müssen. *tiefrot anlauf* *in boden versink*

Videospiele sind eine zu tiefst emotionale Angelegenheit. Sicher, man KANN sich ihnen auch vollkommen rational nähern, man sollte das in einigen Aspekten sogar auch tun. Aber es ist nicht immer einfach den Impulsen und Trieben zu widerstehen, die sie in uns auslösen …

27 Kommentare zu „Was Handtaschen, Schuhe und Werkzeuge mit Spielen gemeinsam haben

  1. Mein Finger zuckt noch immer, jetzt nach dieser Kolumne noch mehr, ich bin schwach….

  2. 65GB für BG3. Und dann keine photorealistischen Texturen. Beschiss!!!! 🙂

    Nein, ernsthaft, habe vorhin doch zugeschlagen. Die Klarheit und Ausführlichkeit der Darstellung der Spielmechanismen erinnert stark an NWN 1 und 2, zwei meiner Lieblings-RPGs. Jeder Würfel-Furz wird dargestellt, nichts bleibt verborgen. Ich weiß immer, warum was geklappt oder eben NICHT geklappt hat. Ich kann auch auf (fast) jeden Furz würfeln lassen. Erinnert natürlich etwas an DOS, aber auch nur in Ton & Atmosphäre. Spielerisch ist das das volle AD&D-Brett! Die beste Annäherung an eine klassische P&P-Session in Corona-Zeiten.

    Am Wochenende mehr.

  3. Ich halte die Verschiebung von Dune für einen absolut legitimen Grund! Und um Eddie Van Halen die letzte Ehre zu erweisen übrigens auch. Cyberpunk 2077 hab ich ja längst vorbestellt, aber BG3… ich weiß leider nicht ob mein i5@750 das stemmt… (Wasteland 3 läuft flüssig!). Refund ginge natürlich. ABER: Trotz das ich heute 2 Umzugskartons mit PC Spielen zu Mutti auf den Dachboden gebracht habe, will ich das Spiel wohl physisch besitzen.

  4. Ich bin mir, was den Crunch bei Cyberpunk 2077 angeht, immer noch etwas unschlüssig.

    Was ich bisher gelesen habe ist, daß einige Mitarbeiter immer mal wieder in der jüngeren Vergangenheit mehr arbeiten mußten; und daß auf den Endspurt in größerem Maßstab eine Sechs-Tage-Woche zu den üblichen Arbeitszeiten für sechs Wochen angesetzt wurde.

    Ersteres klingt eher nach freiwilliger Mehrarbeit (sofern sich aus dem Pool der Mitarbeiter die Leute selbst dafür melden konnten), letzteres nach sechs Acht-Stunden-Tagen pro Woche. Beides würde ich als nicht sonderlich verwerflich ansehen und keines als etwas, daß das Privatleben der Leute zerstört.

    Andererseits redet CDPR selbst von Crunch und gibt sich etwas zerknirscht, daß es dennoch dazu kommen mußte. Ob der Begriff Crunch nun aufgrund des Artikels von Schreier übernommen wurde und es sich tatsächlich eher um akzeptable Überstunden handelt, oder ob da tatsächlich auf relativ kurze Strecken massiv Crunch gefahren wurde, erschließt sich mir da nicht.

    Immerhin werden die zusätzlichen Stunden vergütet (was ja schlimm genug ist, daß das demnach offenbar in der Branche kein Standard ist, sowas sollte doch wohl eigentlich selbstverständlich sein!) und die Mitarbeiter bekommen 10% des Jahresgewinns oben drauf, was durch das Releasedatum noch in diesem Jahr und zum Weihnachtsgeschäft ein erkleckliches Sümmchen sein dürfte.

    Unterm Strich, trotz etwas bitterem Beigeschmack, scheint es mir trotzdem, daß CDPR sich um das Wohlergehen seiner Angestellten bemüht. Es war bei CP77 halt leider noch nicht optimal, aber die Hoffnung ist, daß es für das nächste Projekt nicht mehr nötig sein wird. Es sei denn, sie schwenken plötzlich um 180 Grad rum und gehen full EA. You never go full EA, unless you’re EA. 😉

  5. Ihr Säcke.
    Hatte bisher BG3 unter „Ganz nett, schau ich mir sicher irgendwann Mal an“ eingeordnet.

    Nach diesem Werbeartikel habe ich Mal bei Twitch reingeschaut und das sieht ja mal echt gut aus.

  6. Harzzach schrieb:
    „Die Klarheit und Ausführlichkeit der Darstellung der Spielmechanismen erinnert stark an NWN 1 und 2, zwei meiner Lieblings-RPGs. Jeder Würfel-Furz wird dargestellt, nichts bleibt verborgen.“

    Gut möglich, dass ich eine Einstellung übersehen habe, aber bei meinem gegenwärtigen Versuch NWN 1 nachzuholen, stößt mir der Mangel an Informationen ziemlich sauer auf.
    Man sieht zwar Angriffswürfe, aber keine gegnerische AC und die Gewichtung anderer Einflüsse.
    Immer Schema 11+16=27*Hit* oder 4+16*Miss*.
    Ausgerechnet das simplifizierte Kotor hatte ein wesentlich ausführlicheres Feedback, zwar versteckt, aber immerhin.

    Bezüglich Cyberpunk will sich bei mir überhaupt kein Hype einstellen.
    Witcher 1-3 hab ich zwar gefeiert, speziell den politischen zweiten Teil, aber in Sachen Gameplay waren diese immer zu bieder und erst mit Mods stimulierend.
    Als FPS Fetischist sehe ich daher mit Sorge auf den Perspektivwechsel.
    Meinen zwangsläufig ablaufenden inneren Abgleich mit Ion Fury und Doom Eternal kann Cyberpunk nur verlieren.

  7. Zum NWN-UI: Nein, man sieht nichts von den Gegner-Werten, aber zumindest für meinen Geschmack sind die Rückmeldungen zu meinen Aktionen ausreichend genug, damit ich nicht blind raten muss, wenn z.B. ein Kampf verloren geht. Auch sehe ich bereits am optischen Feedback, wie die Sache verläuft und brauche das Protokoll nur für Feinheiten. Gegner weichen z.B. aus, wenn ich sie wegen zu schlechter Werte meinerseits nicht treffen kann. Daraus kann ich dann schliessen, dass ich meine Trefferwahrscheinlichkeit erhöhen muss. Eine Dexterity-Potion vielleicht? Jopp, das war’s!

    Auch bei den beiden Original Sin-Spielen blieb nichts verborgen. Ich bekam immer klare Rückmeldungen. Und weil BG3 im Grunde eine Art Total Conversion von Original Sin ist … werden die doch etwas komplexen AD&D-Regeln klar und sauber kommuniziert. Sicher, man kennt nicht auf Anhieb alle Möglichkeiten und Neulinge stehen zuerst vor einer kleinen Wand, wenn es darum geht wirkungsvolle Aktionen auszuwählen, aber man lernt schnell aus eigenen Fehlern.

  8. @Boreas: Spitzenreiter bei Steam und GOG. Wir Konsumschafe sind halt leicht manipulierbar, hehe …

  9. Ich hatte mir geschworen, ich halte mich mit Kommentaren auf deinem Blog zurück. Weil wir ja beide wissen, wohin das führen kann. Schaff ich bei diesem Thema mal wieder nicht. Aber kurz kann ich immerhin doch.

    Was ich bei deinen Worten über den ‚Crunch‘ unwillkürlich denken musste? Wen der Crunch stört, dem die Mitarbeiter von CDP derzeit ausgesetzt sehen, der sollte sich dann in Zukunft aber bitte auch nicht mehr in ein deutsches Krankenhaus einweisen lassen. Crunch ist für mich und meine Kolleginnen und Kollegen schon seit Jahren Normalität. Nur dass die Mitarbeiter von CDP wahrscheinlich finanziell mehr davon haben – lass ich mir Überstunden auszahlen, beim letzten Mal so um die 200, deklariert der Staat das als ‚Sonderzahlung‘ und nimmt mir 70% davon weg. Ja, siebzig. Im Grunde crunche ich für ein Taschengeld.

    Und vorbestellt hab ich Cyberpunk 2077 nicht, ich will nämlich die Retail-Box mit all den CDP-typischen Goodies.

  10. Crunch hier macht Crunch dort ja nicht weniger, oder harmloser. Oder gar „normaler“. Es ist überall scheisse, wo es vorkommt. Und gerade im Gesundheitswesen/Altenpflege ist es seit Jahren katastrophal. Meine Mutter engagiert sich ehrenamtlich in der Pflege von schweren Suchtfällen und wie die Angestellten da seit Jahren ausgebeutet werden, ist eine Frechheit. Aber die Heimleitung hat sich jetzt ne schöne Villa gekauft und will expandieren … *augenroll*

    Zurück zu CDP: Die pikante Sache hier ist ja das hehre Versprechen des CEOs, diesmal gäbe es keinen Crunch. Nun, es gibt ihn doch und jetzt steht er halt blöd da.

  11. Naja, mein oberster Chef hat sich gerade mal eben eine schicke Villa für 4 Millionen Euro gegönnt. Man weiß halt, die richtigen Zeichen zu setzen.

    Was CDP angeht, okay, das Argument kann ich nachvollziehen. Mein Problem hier ist, dass ich viel, viel zu wenig von Software- und Spieleentwicklung weiß um wirklich verstehen zu können, was in so einer Phase vor sich geht.

    Was genau MACHT man da eigentlich? Wieso ist diese Hektik am Schluss so oft nötig, erst recht bei Projekten wie Cyberpunk 2077, bei dem man sich ja durchaus die Zeit genommen zu haben scheint, die man für ein fertiges Produkt benötigte? Ich meine, bei solchen Ausbeuterbuden wie €A und deren mit der heißen Nadel gestrickten Spielen verstehe ich das ja noch, da muss wohl einfach bis zur letzten Sekunden ausgebessert werden.

    Was findet in dieser Phase statt und was macht sie so hektisch? Letzte Anpassungen an die aktuellste Hardware? Quests, die im letzten Moment umgeschrieben, entfernt oder eingefügt werden? Fehlersuche? Ich hab da so überhaupt keine Ahnung, was da passiert und warum.

  12. Etwas übersimplifiziert ausgedrückt: Eine Mischung aus Projektmißmanagement, Feature-Creep und durch Crunch nötige Mehrarbeit, also NOCH mehr Crunch.

    Die Spieleindustrie ist berüchtigt dafür nur in vergleichsweise geringem Ausmaß moderne Projektmanagement-Methoden einzusetzen und wenn, dann diese falsch einzusetzen. Weil immer noch sehr viele Leute in verantwortlichen Positionen das nie richtig gelernt haben und man mit „das haben wir immer schon so gemacht“ und halt viel Crunch trotzdem irgendwie das Release schafft. Da puffern die Mitarbeiter durch Mehrarbeit das ab, was in der Projektleitung falsch gemacht wird. Anstatt dass die Projektleitung entsprechende Pufferzeiten einbaut, weil man nie alles im Griff hat und immer Dinge schief laufen können.

    Falsches Projektmanagement ist auch nicht in der Lage mit kurzfristigen Änderungen umzugehen. Da muss halt unbedingt noch Feature XYZ eingebaut werden, obwohl das nie geplant war, aber das andere erfolgreiche Spiel hat das auch so und das Marketing hat gesagt, wir müssen das auch haben.

    Das führt dann eben dazu, dass man nicht für nur wenige Wochen ranklotzen muss, was zwar auch nicht toll ist, möglichst vermieden werden sollte, aber notfalls (!) halt drin sein muss. Sondern dass die Leute monatelang dauercrunchen. Was die Arbeitsqualität sinken lässt, was die Arbeitseffektivität sinken lässt, was zu mehr Fehlern führt, die erst wieder gefixed werden müssen, was aber wieder zu neuen Fehlern führt, weil die Leute ja im Dauerstress stehen …

    Crunch ist in erster Linie ein Ausdruck von Managementversagen.

    Ich kenne jemanden, der hat für BMW den Fabrikanlagen-Support neu aufgestellt. Da sitzen in München auf einer Etage ein paar Dutzend Spezialisten, die auf Anruf aus Werk X den Leuten dort sofort Problemlösungen vorschlagen oder gleich die konkrete Lösung parat haben. Denn jede Minute, die das Band steht, kostet verdammt viel Geld! Das war ein Riesenprojekt für alle Werke weltweit. Direkter Vorstandsauftrag, enormer Druck. Und trotzdem hat er seine Leute nach 8h nach Hause geschickt, hat nur kurz vor Projektende etwas Überstunden anordnen müssen, wie er zerknirscht zugeben musste. Diese Expertise und Kompetenz geht vielen Studios und Firmen in der Spieleindustrie einfach ab. Das ändert sich zwar allmählich, aber es dauert noch, bis sich entsprechendes KnowHow durchgesetzt hat.

    Bis dahin dominieren halt weiterhin Leute wie Tim Schafer, Randy Pitchford oder Adam Kiciński die Branche. Leute wie sie sind alles Quereinsteiger und sind groß geworden in den wilden Tagen der „Wir coden uns da mal so ein Spiel zusammen“-Ära, wo halt sechs Leute im Zimmer saßen und von Aussen mit Pizza und Kaffee versorgt wurden. Und so denken sie immer noch, tun sich schwer mit der Professionalisierung ihrer Firmen und halten vor allem gar nix davon, dass sich Entwickler arbeitsrechtlich organisieren. Weil das früher doch nicht nötig war.

    Dass sie selbst mittlerweile Teil des Problems geworden sind, dämmert nur wenigen.

    PS: Ich möchte Kicinski oder Schafer übrigens nicht unterstellen ebenso ein Arschloch wie Pitchford zu sein. Menschlich scheinen die beiden in Ordnung zu sein, ich beziehe mich hier nur auf die Thematik Firmenführung 🙂

  13. Vielen Dank, das erklärt dann doch eine Menge. Und kommt mir verdammt bekannt vor, vom Management das keinen Plan hat, bis zum Bodenpersonal welches diese Inkompetenz dann abpuffern muss und gestresst anfängt, ineffektiv zu werden und Fehler zu machen.

  14. Auch Corona hat dem Zeit-Management etwas in die Kniekehle getreten. Das Weihnachts /Herbstgeschäft sollte man sich in der Spieleindustrie nicht entgehen lassen.

    Ja, Crunch gibt es überall. Auch bei mir im Grafikbüro. Wenn was fertig werden muss, muss es fertig werden und danach bekommt man auch freie Tage als Dank – alles fair und machbar. Man sollte es dennoch ansprechen und bei einem Luxusgut kann man da mal gut und gerne den Konsum verweigern (als Patient im Krankenhaus fällt mir das schon etwas schwerer).

    „Und vorbestellt hab ich Cyberpunk 2077 nicht, ich will nämlich die Retail-Box mit all den CDP-typischen Goodies.“
    – Grade deshalb hab ich vorbestellt 😐 Ich wollte diesen Schuber einfach unbedingt.

  15. Kann das mit dem Crunch aus einer anderen technischen Branche so unterschreiben. Klar kann man 120% geben. Auch über mehrere Jahre.

    Das Ergebnis sind verbrauchte Mitarbeiter, Fehler in Projekten (die Geld kosten) und in letzter Konsequenz Köpfe von Managern die für die leidende Projektqualität sowie das vertreiben von Fachpersonal rollen. Also im besten Fall.

    Kann nur jedem raten so früh wie möglich aus so etwas auszusteigen wie möglich.

  16. Klar, Crunch gibts es in vielen Branchen und wenn es wirklich ein Notfall ist habe ich auch absolut kein Problem Ueberstunden zu schieben.
    Wenn es jedoch einfach mal wieder schlechtes Management oder geplante Ausbeutung ist sag ich einfach „Nein“. Irgendwann haben die Kollegen das auch so gemacht und siehe da ploetzlich aendern sich die Dinge, auf einmal ist Geld fuer mehr Personal da etc. Der Boss versuchts auch gar nicht mehr und laesst mich in Ruhe. Hat weniger Bonus bekommen, aber seitdem strengt er sich deutlich mehr an beim Projektmanagement.
    Gerade im Kranken- und Pflegebereich sollte die Belegschaft mal auf die Barrikaden gehen. Was da abgeht ist einfach nur Ausbeutung.

  17. Zum Thema Crunch will ich nicht viel sagen. Das ist so kopmlex. gerade auch, weil ich Jobs in verschiedensten Branchen hatte und vieles was da von den Vorgesetzten verkackt wird (schön beschrieben oben zum Thema Projektmanagement) wird von den Angestellten dann doch ausgelöffelt mit viel zu wenig Widerstand. Gut, ich hatte dann auch manche Jobs nur wirklich kurz. ^^
    Wenn der Chef fair ist und Kulanz keine Einbahnstraße, dann sind sogar Querlulanten wie ich bereit Sachen zu puffern. Aber oft ist mindestens die mittlere Führungsebene meines Erachtens mit Leuten besetzt, die eher dem Peter-Prinzip und ähnlichem entsprechen.
    Dabei müsste man denken, die Erfahrung mache die Leute schlauer. Ich weiß z.B. durch Eigenbeobachtung, dass wenn ich etwas zu bauen plane (z.B. ein neues Bett), ich überlegen muss, wie viel Zeit ich annehme dafür maximal zu brauchen. Und dann muss ich diese Zahl verdoppeln. Und das passt dann auch.
    Ist ja nicht so schlimm, wenn man beim Schießen einen Linksdrall hat – außer man kommt nie auf die Idee, dann eben etwas weiter rechts zu zielen. ; )

    Cyberpunk macht mich schon an, aber ich habe locker genug Geduld da mindestens die ersten Patches abzuwarten.

    Was mich fertig macht ist BG3. ich hatte das selbstherrlich abgehakt unter: „Unnötige 3D-Version“ von altem Lieblingsspiel. Nun lese ich aber überall Sachen, die mir gefallen – gerade z.B. das was auch Harz anspricht. Ich dachte es wird so eine Casual-Variante von BG, aber nun scheint da ja echter D&D-Oldschool-Charme durch.
    Vielleicht werde ich da noch schwach. Mal schauen. ^^

  18. P.S.:
    Ich halte die indirekte Geiselnahme der Mitarbeiter durch „sonst sterben die Patienten“ unmöglich im Pflegebereich. Früh genug angekündigt muss da bei einem Streik die Schuld beim Anbierter liegen, wenn solche Zustände eintreten aufgrund ewigen Missmanagements.
    Im Zweifel muss dann halt der Staat eingreifen, den Streik (bei Lebensgefahr für Gepflegete) abwenden und die Leute entsprechend entlohnen und sich das vom Anbieter wiederholen.

    Wenn man das Pflegepersonal für die Menschenleben dieser Art in Verantwortung nehmen will, müsste man sie faierweise verbeamten. Dann gibts anständige Bezahlung und kein Streikrecht.

  19. Danke füe den Artikel, das kommt mir alles sehr, sehr bekannt vor. Mit dem Unterschied, dass ich an einem ostdeutschen Klinikum arbeite und es bei mir nicht nur um dickere Personaldecken und mehr Zeit für den Patienten, sondern sehr wohl auch um’s Geld geht. Ich musste feststellen, dass ein Freund, der in Köln als Student nebenher als ungelernter Lagerist arbeitet, mehr verdient als ich. Bei niedrigeren Lebenshaltungskosten. 200 Überstunden hatte ich Anfang des Jahres ebenfalls, abbummeln ging ja nicht, also musste ich diese auszahlen lassen. Das erklärt der Staat dann zur Sonderzahlung und nimmt mir statt der üblichen 47% dann 70% an Steuern und Abgaben weg. Im Grunde arbeite ich, wenn ich Überstunden mache, für ein Taschengeld.

    Und die Situation ist doch, wie sie ist, eben weil wir nicht streiken können. Die Politik weiß das sehr genau, deshalb kann man sich doch zurücklehnen, nichts tun und salbungsvoll salbadern. Wir schaffen das. Und im Notfall verbietet eben ein Gericht den Streik.

    Was die Patientenzahlen angeht – in den meisten westlichen Ländern betreut eine Pflegekraft im Schnitt maximal 5 bis 7 Patienten. In Deutschland sind es im Schnitt 15, was auf meiner letzten Station genau so der Fall war. Und im Nachtdienst stand ich dann alleine auf Station mit 30 schwer pflegebedürftigen, teilweise moribunden und in Folge von Hirntumoren oft aggressiv verwirrten Patienten. Da wurde man von einem verwirrten Patienten durchaus einmal ausgeknockt, hat keinen interessiert.

    Hinzu kommen dann allerlei Possenspiele die dazu führen, dass die Politik einfach keine Ahnung von den Realitäten hat. Da wird, wenn ein Lokalpolitiker im Klinikum liegt, schon einmal dringend benötigtes Personal von anderen Stationen abgezogen, um der Dame oder dem Herrn heile Pflegewelt vorzuspielen.

    Argh, Themenwechsel… @ Askies: Danke für den Hinweis, immer wenn ich nach der Retail-Version geschaut hatte, war die noch nicht vorbestellbar und irgendwann hab ich das dann vergessen. Hab die Box gerade eben vorbestellt und freue mich schon jetzt wie ein Schneemann im Schneesturm. Dabei werde ich das Spiel sicher anspielen, aber wirklich spielen werde ich es wohl erst später, sozusagen das Kronjuwel in meinem Pile of Shame. Es gibt ja immer noch sooo viel, was da auf Halde liegt. Gerade erst habe ich ‚Wasteland 3‘ geschenkt bekommen, das ist ja auch erst einmal dran.

    Wie und warum ich DAS bekommen habe ist übrigens auch spannend. Hat mir mein alter Herr geschenkt, der sich gottseidank noch guter Gesundheit erfreut. Als Dank dafür, dass ich mich um den Kauf und die Einrichtung des Laptops gekümmert habe, den wir meiner Mutter geschenkt haben, damit sie nach dem Kollaps des Vorgängers wieder gepflegt zocken kann. Und für die Bücher, die ich ihm geschenkt habe – ich hab meinen alten Herren doch tatsächlich noch mit Warhammer 40k angefixt. 😀

    Zudem habe ich mir noch einen 2DS XL zugelegt, für die Nichten und Neffen, die hier ständig bei mir einfallen. Mit dem Resultat, dass der Rechner als Spielgerät zur Zeit öfters ungenutzt bleibt, weil ich Steamworld Dig auf dem 2DS spiele.

  20. „Und für die Bücher, die ich ihm geschenkt habe – ich hab meinen alten Herren doch tatsächlich noch mit Warhammer 40k angefixt.“

    YES!!!! More skulls for the Skull Throne!

  21. Heretiker! Man reiche mir meinen Flammenwerfer!

    Imperial Guard forever! Cadia broke before the Guard did!

  22. @ Finrods-Hand

    Schon in meiner Eigenschaft als Krankenpfleger ist das für mich der Erzfeind. Aber du müsstest dich ja zur Zeit eigentlich recht glücklich fühlen, oder? 😀

    Ich bin hier tatsächlich nur von Ketzern umgeben, ihr macht mir Angst. Als nächstes behauptet ihr, Warhammer 40k wäre bei dem ANDEREN Erzfeind gut aufgehoben…

  23. Ach, für das höhere Wohl muss man schon ein paar Opfer bringen! *kicher*

    Abgesehen davon … das Imperium braucht sich gar nicht beklagen. Roboute Guilliman (wie zur Hölle spricht man das eigentlich aus?) ist wieder da, es gibt jetzt Primaris-Astartes und Cawl fängt nach Jahrzehntausenden der Stagnation wieder an neues (!) Tech-Spielzeug zu erfinden. Als nächstes wacht der Heinz auf dem Thron wieder auf, der Eldar-Gott erwacht und Chaos kann endlich einpacken. Oder? Bis endlich der Tyranid-Hauptschwarm eintrifft und die Necrons nur eine Möglichkeit sehen: Den Tyraniden das Futter wegzunehmen, in dem man alles Leben in der Galaxis auslöscht. Yippiee!

    Spannende Zeiten für Setting-Fans!

  24. Ey, die Sache mit den paar dutzend Exterminati am Stück war damals auch nur so ein klitzekleiner Probelauf, endlich sieht das mal jemand ein.

    Und der Heinz auf dem Thron wacht mal besser nicht auf, am Ende zeigt sich dann doch nur, dass er uns alle verladen hat und selbst ein Warpgott wird – und was passiert, wenn da einer entsteht, hat uns ja Slaanesh so schön gezeigt. Puff, Terra weg, dafür schaut das Chaos dann aus ZWEI Augen des Terrors in unser Universum.

    Primaris sind Käse und langweilig, aber schön zu wissen, dass auf Innovation nicht mehr die Todesstrafe steht.

    Ach ja und… Girlyman. Das spricht sich ‚Girlyman‘.

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