Star Wars es doch noch einmal?

Vor etwa viereinhalb Jahren ist mir bewusst geworden, dass mich mit einem der größten Medien-Franchises der Neuzeit nichts mehr verbindet. Was einst im Frühjahr des Jahres 1978 mit dem fassungslosen Staunen eines zarten zwölfjährigen Knaben begann, endete etwa 38 Jahre später mit dem gelangweilten Achselzucken eines etwas reifer gewordenen (ja, sowohl, als auch 🙂 ) alten Sackes.

Ich bin Disney daher auch nicht böse die Dinge so gehandhabt zu haben, wie man sie gehandhabt hat. Es gibt keine emotionale Bindung mehr zu dieser Welt, zu diesen Geschichten und ihren Charakteren. Wenn mir daher nicht gefällt, was ich sehe, dann geht die Welt davon nicht unter und ich sehe keine Veranlassung andere Menschen mit meinem Weltschmerz vollzuwhinen. Wobei bitte nicht mißverstehen, gekonnte, mit haufenweise cineastischem Fachwissen unterfütterte Verisse gehen immer.

Es ist dann einfach nur ein Film, den man im besten Falle als nettes Popcorn-Kino goutieren kann oder den man wieder vergisst, kaum hat man zum Abspann vorgespult. Und deswegen auch noch ins Kino gehen? Wozu?

Als dann letztes Jahr The Mandalorian veröffentlicht wurde, hat mich das auch ziemlich kalt gelassen. Kritiker UND sogar Fans schienen zwar begeistert, aber die Asche war schon kalt. Ja, vielleicht später. Vielleicht nie. Spielt keine Rolle.

Bis im Frühjahr eine Pandemie über uns alle hereinbrach.

Nun sitzt man also zu Hause herum und hat Dank der auf gewisse Weise zwar nachvollziehbaren, aber nichtsdestotrotz total arschigen Investitionszurückhaltung der deutschen Automobilbauer, die immer noch auf massivste Finanzhilfen der Regierung warten, anstatt ihre eigenen, gut gefüllten Reserven anzubrechen, Kurzarbeit und daher viel Zeit und Muße.

Von daher ist Netflix irgendwann schneller ausgeschaut als man (für mich) halbwegs interessantes Material nachliefern kann. Und während ich mich durch diverse kuliniarische Sendungen, bzw. Dokumentationen schaue und den Umstand bedauere, dass unsere Lieblingsrestaurants geschlossen sind (und leider kaum einer es schafft eine Art Lieferdienst aufzubauen, weil sich viele Gastronomen immer noch in Schockstarre befinden, bzw. glauben, dass dies alles doch schnell wieder vorbei geht … nein, wird es nicht!), stoßen wir auf die Chef Show von und mit Jon Favreau. Jon Favreau? Den kenne ich doch! Ist das nicht Happy Hogan aus den Iron Man-Filmen? Nicht nur das, er ist auch der Regisseur der ersten beiden Iron Man-Filme. Und der Produzent und kreative Kopf hinter The Mandalorian.

Und weil mir auch gefällt, was er in seiner Chef Show macht und mich vor allem sein Kumpel Roy Choi dazu animiert hat, u.a. wieder mehr mit Butter zu kochen (weil Fett ein nicht substituierbarer Geschmacksträger ist) … und weil Netflix leer geschaut ist … ja, warum denn nicht ein oder zwei Monate Disney+ ordern? Kostet derzeit auch nur den Kampfpreis von 7 Euro pro Monat, bzw. 70 Ocken für 12 Monate. Bis man genug Kunden hat und dann natürlich sukzessive die Schrauben anzieht. Aber bis dahin … warum nicht?

Gesagt, getan und die erste Season von The Mandalorian angeschaut.

Auf einen Rutsch.

Weil es geil ist!

Weil es den dafür verantwortlichen Leuten gelingt eine schnuckelige, kleine Geschichte mit überzeugenden Charakteren zu erzählen.

Weil sie einen guten Plan haben und den, wenn man sich das Hintergrundmaterial anschaut, auch sofort über Bord werfen, wenn sie selbst oder der Regisseur einer Episode oder ein Schauspieler am Set eine bessere Idee haben.

Weil sie wissen, was sie tun und dort, wo sie es überhaupt nicht wissen, genau die richtigen Bauchentscheidungen treffen.

Weil ihr kreativer Prozess nicht zerredet wird und nicht die Bürde surreal hoher Umsatzerwartungen tragen muss. The Mandalorian ist nur eine kleine, schmierige TV-Serie und nichts, was der mit Abstand erfolgreichste Film des Jahres werden muss, weil sonst viel Greinen und Weinen in der Chefetage von Disney. Es kann daher mehr riskiert werden, es können die breitgetrampelten Pfade etablierter Star Wars-Tropes verlassen werden, bzw. es kann locker-leicht mit ihnen gespielt werden.

Und weil fuckin Werner Herzog einen imperialen Offizier spielt, weil fuckin Werner Herzog Kohle für ein neues Filmprojekt brauchte. Hrhrhr!

Und weil der Soundtrack zur Serie in seiner NICHT-John Williamshaftigkeit dennoch ganz hervorragend zum Setting passt:

The Mandalorian ist nach all dem zwar erstklassig produzierten, aber erzählerisch so faden und belanglosen Nummer Sicher-Industriedesign der Hauptserie der frische Wind, der in den erkalteten Aschehaufen meiner Liebe zu Star Wars fährt und ganz tief unten tatsächlich noch einen müde glimmenden Fleck findet und neu befeuert.

So, bin ich wieder ein Star Wars-Fan?

Nope. Ich bin inzwischen ein Jon Favreau-Fan 🙂

Denn als Disney+-Abonnent habe ich mir natürlich endlich die letzten beiden Filme der Hauptserie und Solo angeschaut. Alle drei sind weniger schlimm als befürchtet, sind durchaus akzeptables Popcorn-Kino, aber bei allen drei Filmen ertappe ich mich dabei plötzlich irgendwann etwas anderes zu machen, derweil im Hintergrund der Film läuft. Ich räume die Waschmaschine ein, bzw. aus oder ich surfe thematisch ganz woanders durchs Internet oder, oder, oder. Die Filme plätschern vor sich hin und sind irgendwann zu Ende. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Ok, vielleicht doch eine Anmerkung zu The Last Jedi.

Ich glaube zwar nicht, dass mir das Ergebnis wesentlich besser gefallen würde, aber wenn ich Rian Johnson etwas vorwerfen kann, dann ist es die Feigheit seines Filmes. The Last Jedi als konsequent durchgezogene, ultrafeministische Star Wars-Bilderstürmerei, die radikal mit ALLEM bricht, was seit Jahrzenten etabliert und aufgebaut wurde … wie gesagt, ich weiß nicht, ob das ein besserer Film geworden wäre. Aber er wäre vielleicht interessanter geworden als dieses verworrene, auf halbem Weg stehengebliebene, unfertige Möchtegern-Ding. Vielleicht auch nicht.

Doch zurück zu Dingen, die es wert sind Zeit mit ihnen zu verbringen.

Ich möchte an dieser Stelle keine Empfehlung für Disney+ aussprechen. Die Bildqualität ist im Browser eher meh und die Audiospur ist komisch gemischt. Dialoge sind viel zu leise und Effekte sind viel zu laut. Ständig bin ich am Regeln der Lautstärke, damit man den Dialog versteht, nur um kurze Zeit später die Trommelfelle der Anwesenden vor möglichen Dauerschäden zu schützen. Schaut man das über entsprechende TV- und Boxen-Hardware an, soll das wohl besser sein, aber als Nichtbesitzer solcher Hardware hilft diese Erkenntnis nicht viel.

Aber ich möchte eine Empfehlung für The Mandalorian aussprechen.

Weil diese Serie im Rahmen dessen, was sie sein soll und auch nur sein kann, ganz hervorragend funktioniert.

Und weil es faszinierend ist zu zusehen, mit welchen vergleichsweise bescheidenen Mitteln man mittlerweile beeindruckende Schauwerte produzieren kann. Denn wo z.B. die EFFIN 300.000.000 Dollar geblieben sind, die Solo gekostet haben soll, ist mir ein kleines Rätsel.

Übrigens, CBS wird Discovery und andere Star Trek-Serien demnächst mit der selben Technologie, dem Virtual Set mit gigantischen LED-Wänden, produzieren lassen. Angeblich sollen auch die Produzenten von The Expanse erste Fühler ausgestreckt haben. Was gut ist. Denn teilweise drastisch sinkende Kosten bei sogar steigender filmischer und optischer Qualität bedeutet, dass SF-Serien kommerziell länger am Leben bleiben können, länger laufen können. Anstatt wie z.B. Altered Carbon sang- und klanglos eingestellt zu werden. Ihr Schweine!

4 Kommentare zu „Star Wars es doch noch einmal?

  1. Ja, kann dem nur zustimmen. Ich habe die Serie auch in einem Rutsch gesehen und war ebenfalls sehr positiv überrascht. Auch fand ich die letzten zwei Star Wars Filme genauso enttäuschend. Und auch das Titel-Stück des OST finde ich super. Habe die Anlage beim Gucken da immer besonders laut aufgedreht. Bin gespannt auf Staffel 2.

  2. Werner Herzog und Baby-Yoda. Das ist von außen betrachtet in seiner Gegensätzlichkeit so irre, das musste einfach funktionieren. Wie ein unbekanntes Naturgesetz, welches endlich entdeckt wurde.

    P.S.: Jon Favreau hat beinahe endlos Kredit bei mir, seit er mit „Kiss the Cook“ den nicht gerade konsistentesten, aber mit Abstand liebenswertesten Fühl-Dich-Gut-Film der letzten 10 Jahre gedreht hat.
    Ansehen!
    Beachte: Ersetzt Antidepressiva, macht aber allein vom Zusehen ein bisschen dick 😉

    P.P.S.: ‚Race into Space‘ + alternative Zeitlinie in sehr guter Serie mit Potential: For all Mankind. Apple. Hatten im ersten Lockdown mal für 1 Monat ausgewählte Serienstaffeln kostenlos. Wenn es hier eine 2. Staffel geben sollte, stehe ich sogar einem einmonatigen Beitrag aufgeschlossen gegenüber.

  3. Seine „Chef Show“ ist von genau diesem Film inspiriert worden.

    Favreau ist natürlich kein Heiliger, aber mir gefällt, dass er Ahnung von dem hat, worüber er redet UND dass er auch klar mitteilt, wenn er von etwas keine Ahnung hat und anderen Wort und Szene überlässt.

  4. Das Virus scheint für die eine oder andere überraschende Neuentdeckung zu sorgen. Mir ist da zum Beispiel Kevin James aufgefallen, den ich zwar ohne Frage in ‚King of Queens‘ sehr mochte und auch sonst hin und wieder einmal ganz gerne gesehen habe, dessen Komödien aber in der Regel vergessbare 08/15-Standardprodukte waren. Der hat während des US-Lockdowns damit angefangen, kleine Filme und Sketche zu drehen und auf YT zu stellen und die sind RICHTIG gut, wesentlich besser als alles, was ich von dem Mann erwartet hätte.

    Disney+ ist das Geld meiner Meinung nach nicht wert, es seid denn, man möchte sich einmal mit allen Marvel- und Star Wars-Filmen und Serien die Kante geben. Der größte Teil des Angebotes hat dann doch eher Kinder und Jugendliche als Zielgruppe und die ganzen Dokus mit ihrem typisch kitschigen Disney-Einschlag gehen mir meilenweit am Allerwertesten vorbei. Ich kann das Abo meiner Schwester und ihrer Familie mitnutzen, die D+ wegen der Kinder abonniert haben und ich hab D+ in einem Jahr vielleicht dreimal genutzt und ansonsten nur ewig geblättert und gesucht, nur um dann doch wieder wegzuklicken.

    Und ich schaue Scifi Serien, die mir gefallen, erst einmal grundsätzlich nicht mehr. Klingt bekloppt, aber ich habe es einfach. so. unfassbar SATT, dass ich eine Serie toll finde, nur um dann zu erleben, dass diese frühzeitig eingestellt wird – vorzugsweise mit riesigem Cliffhanger. Defying Gravity, das ‚V‘ Remake, Firefly, The Crossing, Ghost Wars, Altered Carbon, Star Gate Universe, Constantine, Dark Matter, Helix… alle ohne richtiges Ende und in den meisten Fällen mit richtig fiesen Cliffhangern eingestampft.

    Inzwischen schau ich Serien, die ich mag, erst dann weiter, wenn ich mir sicher sein kann, dass sie nicht gleich nach der ersten Staffel eingestellt werden und dass die Geschichte einen zumindest halbwegs schlüssigen und befriedigenden Abschluss findet.

    Und auf Netflix und Co nervt mich inzwischen massiv, dass viele Filme und Serien für den deutschen Zuschauer entweder gar nicht erhältlich sind, im Falle von Amazon Prime oft noch zusätzlich bezahlt werden müssen und nicht selten nur mit deutscher Synchro erhältlich sind. Warum darf der Netflix-Kunde in den USA Robocop schauen und ich nicht? Und warum warte ich jetzt schon wieder endlos darauf, dass ich Serien wie ‚Life‘ oder auch die fünfte Staffel von ‚Legends of Tomorrow‘ endlich schauen kann, ohne astronomische und kranke 3 Euro pro Folge bezahlen zu müssen? Und warum sind zumindest manche Serien sowohl auf Amazon, als auch auf Netflix oft so ein seltsames Stückwerk, bei dem einzelne Staffeln ohne zusätzliche Kosten geschaut werden können, andere dann aber bezahlt werden müssen? Warum fehlen gerade bei vielen japanischen Serien wahllos einzelne Folgen?

    Mir macht das Stöbern auf Netflix und Co jedenfalls immer weniger Spaß und das nicht nur, weil man gerade im Lockdown schon alles gesehen hat, was man interessant findet, sondern weil die interessanten Sachen für den deutschen Markt oft gleich grundsätzlich fehlen, zusätzlich bezahlt werden müssen oder nur in minderer Qualität und ohne Originalton zu finden sind.

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