Risikoabschätzung: Dorfromantik

So aktuell wie hier war ich schon lange nicht mehr. Denn aktuell tobt ein kleiner Hype auf Steam, was wiederum die Spielepresse mitbekommt, was wiederum zu mehr Öffentlichkeit, Aufmerksamkeit und noch mehr Hype führt. Bis dieser Hype so laut wird, dass selbst ich ihn mitbekomme und wider meine übliche, griesgrämige Verweigerungshaltung doch neugierig werde.

Es geht um Dorfromantik, ein kleines, höchst schnuckeliges Spielchen aus den Köpfen und Händen eines kleinen, hoffentlich nicht minder schnuckeligen Studios aus Berlin, Toukana Interactive. Dieses Spiel hat nicht nur die Herzen der dafür empfänglichen Steam-Community erobert, nein, man konnte sich bei Ubisofts Indie Camp 2021 durchsetzen, Preisgeld und viel Unterstützung davontragen.

Und weil das in Videos so schön schnuckelig aussah …

… und mir auch der Soundtrack mit seiner tiefenentspannter Sommermorgenlandluftschwalbenflug-Atmosphäre aus aktuellem Anlaß sehr entgegenkam, freute es mich umso mehr, dass es bei GOG sogar eine Demo gab. Ei subbä!

Spielerisch erinnert Dorfromantik an ähnlich meditative City Builder wie z.B. Islanders oder Townscaper, aber im Gegensatz zu diesen beiden Titel und in leichtem Widerspruch zum Titel baut man hier keine Stadt oder gar ein Dorf, sondern man baut … Landschaften! Inspirationen holte man sich dabei mit Sicherheit bei Siedler von Catan oder Carcassonne. Ein ganz heftiger Tabletop-Flair weht mir aus dem Bildschirm entgegen.

Aus einem Stapel von sechseckigen Landschaftsfliesen mit unterschiedlichen Inhalten zieht man nach Zufallsprinzip und legt diese Fliesen nach Belieben aneinander. Will man Punkte sammeln und mit mehr Punkten neue Inhalte freischalten oder den begrenzten Fliesenstapel mit mehr Fliesen versorgen, legt man die Fliesen so, dass gleiche Landschafttypen wie z.B. Fluß, Häuser oder Wald zusammenhängende Flächen bilden. Und weil je (auch drehbarer) Fliese unterschiedliche Landschaftstypen vereint sein können, muss man sich ein wenig Gedanken machen, wo man wie anbaut.

Denn es gibt kleine Quests zu erfüllen. Eine Fliese erfordert z.B. das Aneinanderfügen von 32 Kornfeldern. Also baut man Kornfeld an Kornfeld, sofern Fliesen dieses Typs gezogen werden und achtet darauf immer mindestens einen Anschluss auf einer freien Fliesenseite offen zu halten, will man nicht den weiteren Ausbau unmöglich machen. Hat man 32 Kornfelder aneinander gereiht, gibt es eine Questbelohnung in Form von besonders vielen Punkten oder eines neuen Landschaftstyps, wie z.B. eine Fliese mit einer Dampflokomotive, die dann auf den angebundenen Bahnstecken lustig hin und her dampft.

Oder man lässt das alles einfach sein und baut ohne Druck lustig vor sich hin. Um nach und nach den Dreh heraus zu bekommen, wie man tolle Landschaften bauen kann und dann eher nebenher Punkte sammelt und neue Fliesen freischaltet.

Nach zwei äusserst stressigen Tagen (und Nächten) mit Nightmare Reaper (nicht wegen des Spieles und doch wegen des Spieles, weil es ganz bestimmte Trigger bei mir auslöst) kommt das gerade richtig.

Was die vier Game Design-Studenten künftig noch alles implementieren werden, wird sich erst zeigen. Eine Releasedate gibt es zumindest derzeit nicht.

Ich persönlich wünsche mir ein Archiv, in dem man nach Fliesenstapelende (oben im Screenshot zu sehen, nur noch 56 Fliesen übrig) besonders hübsch geratene Landschaften abspeichern und zum animierten Anschauen und Drinversinken aufrufen kann. Vielleicht sogar als Screensaver? Andere Vorschläge umfassen Hügel- und Gebirgsfliesen, Strassen mit Autos/Bussen, mehr spielerische Elemente, den unvermeidlichen Ruf nach Multiplayer und was die Leute sich von diesem Titel sonst noch alles erhoffen.

Das hat einfach was. Nicht nur hübsch und niedlich, sondern ein ganz ausdrückliches „Awwwwww!“ 🙂

7 Kommentare zu „Risikoabschätzung: Dorfromantik

  1. Oh nett 🙂 Danke für den Tipp! Und zum Thema, „was Leute sich noch so alles erhoffen“, hoffe ich mal dass es irgendwann mal eine Linuxversion geben wird.

  2. “ … a city-building game about lumberpunk beavers.“

    Hehe, nur deswegen muss ich mir die Demo anschauen. Danke für den Hinweis!

  3. Ich wollte mir grad die Demo (in meinem Fall bei steam) holen, als mir ein Kaufbutton entgegen sprang. Na dann doch gleich so. Beim Tutorial dachte ich noch: nett, aber ob das trägt? Und nun leg ich und leg ich und leg ich Kärtchen aneinander. Sehr sehr nett gemacht. (Hätte ich gerne fürs Tablet…)

  4. „Dorfromantik“ wird wahrscheinlich kein Spiel für den dunklen Herbstabend, wenn’s draussen stürmt und man sich für das komplette Wochenende in Muffbutze zurückzieht. Von wage ich die Frage nach „Ob das trägt?“ bereits jetzt schon mit einem „Wahrscheinlich nicht“ zu beantworten.

    Aber wenn man einfach ne Stunde entspannen will (und halt nur diese Stunde am Tag hat!) … perfekt. Und ja, das würde sehr gut für’s Tablet passen.

  5. „Hat man 32 Kornfelder aneinander gereiht, gibt es eine Questbelohnung in Form von besonders vielen Punkten oder eines neuen Landschaftstyps“

    Viel wichtiger ist, wenn ein Quest fertig ist gibt es neue Karten, man kann also länger bauen 🙂

  6. Ich hätte es mir vielleicht geholt, wenn es soetwas wie eine Kampagne gäbe. Ich fürchte, nur der Highscore ist mir nicht motivierend genug. ^^“

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