Spät zur Party: Ghost in the Shell (2017)

Tun wir mal so, als ob Herr Covid-19 und seine nette Lebensgemeinschaft von Varianten und Mutationen den Weg der Grippe gegangen ist. Teil des Alltags geworden, weil beherrschbar geworden. Alles läuft (fast) wieder so wie früher. Nur, dass ich in der Strassenbahn weiterhin eine Maske tragen werde. Ein ganzes Jahr, ein GANZES EFFIN Jahr ohne bescheuerten grippalen Infekt, hohem Fieber und Schlaflosigkeit … ja, selbstverständlich trage ich weiter eine Maske im ÖPNV, selbst wenn man es nicht mehr muss.

Nehmen wir das also mal an …

Ich würde gerne mehr ins Kino gehen. Aber es ist so teuer geworden. Und ich wohne schon seit einer Weile nicht mehr so praktisch in bequemer Laufreichweite zum elitären Intellelenkino und dem großen Kommerz-Filmpalast. Und es ist alles so lästig geworden. Im Bekannten- und Kollegenkreis geht auch kaum noch jemand ins Kino. Familien lassen locker 100 Ocken pro Besuch liegen. Und das Wohnzimmer mit großem Bildschirm, guten Boxen und Bluray-Qualität ist einfach um GRÖSSENORDNUNGEN bequemer. Und seit es auch noch Streaming gibt …

Ich mag aber das Kino. Es ist eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die ich gerne wieder mehr erfahren wollen würde. Mr. Villeneuves Dune würde ich so gerne im Kino ansehen wollen. Ich DARF diesen Film nur im Kino anschauen. Von daher laufe ich nicht Gefahr mir spontan ein HBO-Streaming-Abo zu kaufen.

Aber weil ich ein alter Sack geworden bin und der Kinobesuch immer weniger die damit verbundenen Mühen und Aufwände wert schien … habe ich die Ghost in the Shell-Realverfilmung damals nicht im Kino gesehen. Ich habe nur mitbekommen, dass es einen kleinen Shitstorm vor Release gab, weil Frau Johansson als Kaukasierin einen asiatischen Charakter spielt.

Ich bin ja sonst ein Freund von mehr Diversität und dem Abbau von Klischees und Vorurteilen, aber das war so ein Fall, wo ich nur kopfschüttelnd daneben stehen konnte. Ist das nicht das zentrale Thema des Filmes gewesen? Dass man menschliche Gehirne in neue Körper packt, die vollkommen anders als der orginale Geburtskörper sein können? Dass diese Menschen daraus erhebliche Probleme mit ihrer Identität bekommen können, weil das so traumatisch ist, dass man sich nicht weiter zu helfen wusste als die Originalerinnerungen zu unterdrücken? Was macht einen Menschen noch aus, wenn man nur noch programmierbare Wetware ist?

Egal, das Thema ist eh durch, die Shitstorm-Karawane längst weitergezogen. Vielleicht zu lohnenderen, passenderen, berechtigten (!) Zielen. Der Film erhielt durchwachsene Kritiken, war kommerziell nicht so der Bringer. Ist daher auch schnell aus meinem Gedächtnis verschwunden. Bis er auf Netflix aufschlug. Oh, stimmt da war doch noch was …

Zwei Stunden später.

Nein, das ist kein Meisterwerk. Ja, der Film kann sich nicht so wirklich entscheiden, ob er jetzt eine Hommage an den Anime aus dem Jahr 1995 sein soll, ob er sich mehr am Manga orientiert oder ein eigenes Ding durchzieht. Deswegen bleibt man als Zuschauer auch zum Schluss etwas ratlos in der Luft hängen und fragt sich, wozu es diesen Film jetzt gegeben hat. Aber wenn man auf die Beantwortung dieser Frage scheisst, weil nicht so wichtig …

GitS 2017 ist eine Augen- und Ohrenweide.

Setdesign, Farben, Formen erwecken eine so genretypische Cyberpunkt-Welt zum Leben, dass zumindest ich mich vom ersten Moment an wie fast zu Hause gefühlt habe. Das hat alles Hand und Fuß, überall sind kleine Details zu entdecken und auch wenn man vieles schon aus anderen Filmen, Serien und Comics kennt … der Moment, als eine Wissenschaftlerin nonchalant ihre gesamte Augenpartie hochklappt, um sich mit dem vollständig mit Implantaten ersetzten Gesicht zu einem Interface zu verbinden … es funktioniert immer noch!

Ich kann es nicht mit letzter Sicherheit sagen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man in Polen diesen Film mehrere Dutzend Mal rauf- und runter gesehen hat, jede Szene gecaptured und in jedem Detail für die Produktion von CP2077 studiert hat.

Dieser Film zeigt das Spiel, welches CDP gerne gemacht hätte. Der Vertical Slice, der 2018 auch bei mir für auf den Boden klatschende Unterkiefer gesorgt hatte … hat sich in vielen Details direkt aus dem Film bedient.

Was ich übrigens nicht verurteile. Wir alle stehen nur auf den Schultern von Riesen. Es zeigt lediglich, wie viel Mühe man sich mit diesem Film in Sachen Produktionsdesign und Setting gegeben hatte. Wäre ich damals bei CDP gewesen, ich hätte auch gesagt: Danke, super, nehmen wir!

Kann man sich den Film also antun? Ja, natürlich. Wenn man keine Sensation, kein die Bildsprache des Kinos veränderndes Meisterwerk erwartet, wie es Mamoru Oshiis Film nunmal gewesen ist … ja, warum nicht? Casting passt, Dialoge, Handlung, alles in Ordnung. Und man muss dafür nicht mehr extra ins Kino gehen 🙂

Übrigens, der Soundtrack hat nie einen offiziellen Release erfahren. Lorne Balfe, einer der Komponisten hat daher ein Jahr später den Soundtrack einfach bei Twitter reingestellt. Aktueller Download-Link der unkomprimierten WAV-Dateien: Dropbox.

Oder auf Youtube:

18 Kommentare zu „Spät zur Party: Ghost in the Shell (2017)

  1. Keine Lust mir den anzuschauen. Nicht jedes Anime muss realverfilmt werden, nicht jeder Manga muss animiert werden und nicht jeder Film braucht eine Fortsetzung.
    Bladerunner 2049 (oder so) mag ich auch nicht ansehen.
    Der Film ist ein Kunstwerk für sich und ich mag ihn weder verwässern noch verlängern.
    Ein gute Geschichte zu erzählen ist ebenfalls eine echte Kunst.

    Muss aber zugeben das die Bilder es mir angetan haben, die erinnern mich and Bladerunner.
    hmmm

    Jetzt wo ich das merke ist es doch kein Anreiz Gits anzuschauen.
    „i am the major“ Nein madame, ich mag sie aber sie sind nicht Major Kusanagi.

  2. Bladerunner 2049 ist gar nicht schlecht und man kann ihn durchaus eigenständig ansehen. Aber jedem das seine.
    Dune wird definitiv im Kino geguckt, da gibts keine Alternative.
    Und was den Mundlappen angeht: Sobald die Pflicht weg ist, ist das Ding im Müll. Ich hab seit Jahrzenten keine Erkältung gehabt, von Grippe ganz zu schweigen…

  3. 2049 wurde mir schon of ans Herz gelegt.
    Ich will nicht. Für mich ist Bladerunner ein Kunstwerk. Ende. Kein Vorwurf.

    Siehs mal so viele Serien oder Geschichten die länger und länger werden verlieren an Qualität.
    Westworld die Serie ist so ein Beispiel.
    Season 1: phänomenal, Season 2… Hoppla?
    War folgendes nicht aus dem Buch „Der Herr der Ringe“?
    Wie ein kleines stück Butter das über zu viel Brot gestrichen wird.

    Und Ghost in the Shell? Das kannte ich laaange vor dem Film. Ich habe mit dem Manga angefangen und der Anime Film ist ein Meisterwerk. Sogar die Animeserien sind sehr gut.
    Kein Stress, ich besitze die Bluray(s) (gits und BR 2049) aber die stehen verpackt noch ganz gut wo sie stehen. Ich glaube nicht das ich sie mir ansehen werde.
    Sammle, sammle auch spiele…

  4. Ich heb mir den Film auf, wenn ich mal die ganzen Animesachen in Reihenfolge gesehen habe. Allerdings hat sich herausgestellt, dass dies kein einfaches Unterfangen ist. Da gibt es einigen Kram, der nur bedingt miteinander verbunden ist.

    @CriX
    Ich verstehe Dich gut. Die Herr der Ringe-Trilogie habe ich z.B. abgebrochen. Das einzige mal in meinem Leben, bei dem ich mitten im Film (zweiter Teil) den Kinosaal verlassen habe ^^ – das kannte ich nur von anderen Menschen und eher bei Filmen von lars von Trier z.B. Einfach weil ich das Buchwerk so gut kenne, dass zu viel von dem ungeschickt Hinzugedichteten eine Qual waren.
    Wenn man diesen Anspruch nicht hat, ist die Trilogie bestimmt super (rein filmtechnisch, war es tadellos).

    Oder, besseres Beispiel: Obwohl es mich immer wieder in den Fingern juckt: Ich schaue das pseudofeministische Ghostbusterremake nicht. Es hat so furchtbare Kritiken und die Grundidee ist so lieblos, dass ich einfach nur eine Erinnerung mehr hätte, die mich ärgert.

    Aber das ist eben doch schwieriger, als ich gedacht hätte, denn wenn man ein „Universum“ gerne mag, fühlt es sich seltsam nach Verzicht an etwas daraus nicht anzusehen – selbst, wenn es sich um Schund handelt. Die menschliche Psyche ist schon ulkig. ^^“

  5. Das Ghostbuster-Remake nicht so schröhöcklöch feministisch, wie manche gerne tun. Der Film hat nur ein einziges, aber dafür zentrales Problem: Er ist nicht lustig! Kein Stück!! An den Schauspielerinnen liegt es nicht, aber das Drehbuch, die Dialoge, die Gags … das ist so abgelutscht, nichts neues, nichts eigenständiges. Da wäre auch die damalige Besetzung mit Murray & Co. krachend gescheitert. Von daher, fange besseres mit Deiner Zeit an. Verschwende nicht zwei Stunden Deines Lebens an diesen Film 🙂

    Ansonsten … ja, Werktreue und Sorgfalt, Respekt vor der Vorlage sind wichtig. Und man merkt das auch Verfilmungen/Remakes und Gedöns an, wo die Produzenten die Vorlage nicht als willenlos ausbeutbaren Steinbruch für ihre eigenen Ideen verwenden, sondern respektieren und berücksichtigen, wenn sie Veränderungen vornehmen. Aber Veränderungen vornehmen muss man oft genug, alleine der Medienwechsel vom Buch/Comic zum Film bedingt das. Und bei Remakes, wenn man da zu eng an der Vorlage klebt … wozu dann ein Remake?

  6. Die Realverfilmung von GitS ist eigentlich nur für Leute, die mit Anime nichts anfangen können. Für diese Zuschauer ist es – wie übrigens auch bei der Verfilmung von Alita/Gunm – leidlich unterhaltsames Popcorn-Kino. Wenn man die „Standalone Complex“-Serien und die GitS Feature-Filme kennt, aus denen hier willkürlich Material im Patchwork-Verfahren zusammengetackert wurde, tut es einem aber in der Seele weh. Am Besten funktioniert der Film, wenn er Szenen aus den Originalen einfach plagiiert: Die Szene mit der Medizinerin mit den Augenimplanten ist z.B. direkt aus „GitS – Innocence“ entlehnt. Es lohnt sich auf jeden Fall das Originalmaterial anzuschauen, wobei ich die Neuauflagen und die neue computeranimierte Netflix-Serie (=Müll) nur bedingt empfehlen kann.

  7. @Ghostbuster-Remake

    Deswegen schrieb ich ja „pseudofeministisch“. Pseudo! Ich seh mich nämlich durchaus als Feminist. Im ursprünglichen Sinne. : )

    Ja, wenn er wenigstens lustig wäre … das liest man oft. ^^“

  8. P.S.:
    Apropos „Vorlage respektieren“. Die drei Staffeln Discovery schaffen es nicht in meinen Canons. Selten soetwas langweiliges gesehen.
    Außer der Short-Trek-Folge mit Edward – die ist Gold! ^^

    Jetzt hoffe ich, die Serie mit Pike wird was – das war ja auch das Beste in Discovery.

    Sie sollten einfach den Orville-Typen ne Serie in der TnG-Zeit geben und schön wärs. : )

  9. WTF, bitte den vorherigen Kommentar löschen!

    Ich oute mich jetzt mal als Ahnungsloser zum Thema Gits. Fairerweise sollte ich auch noch dazu sagen, dass ich kein großer Anime-Fan bin, ich hab zwar nichts dagegen, aber kann mit Vielem/dem Meisten einfach nichts anfangen. Den ersten Gits-Anime habe ich mal irgendwann in den 90gern – als Teen – auf VHS gesehen (Wamdue Project sei Dank) und ihn zwar als irgendwie optisch cool abgespeichert, aber nicht wirklich verstanden.

    Als generell am Cyberpunkt interessierter Mensch (ja, ich mag auch dieses Spiel aus Polen), schaute ich mir dann im letzten Jahr nochmals den original Anime an (20th Anniversary Edition). Verstanden hab ich das Ganze zwar nun eher, allerdings wirkte die Story doch sehr abgehackt in seiner Erzählunweise auf mich. Nach dem was ich mitbekommen habe, fehlt wohl Einiges aus den Mangas. Letztenendes resümiere ich daher für mich: Auch nach 20 Jahren optisch toller Film, aber zu abgehackt/unverständlich.

    Daher zu meiner Sicht, als „Normalo“, zum 2017er Film: Ich mochte ihn.

    Zwar ganz sicher kein Meisterwerk, aber verständlich und stimmig erzählt. Brauchbare schauspielerische Leistungen und hervorragende Optik (auch wenn mich der Bruch zwischen reinen computeranimierten Landscape-Aufnahmen zu den normalen Straßenaufnahmen ein wenig gestört hat). Wie Harzzach schon schrieb, das Thema Whitewashing ist eigentlich keins, finanzieller Hintergrund mal dahingestellt, aber es ist plausibel und gut im Film erklärt.

    Vielleicht ist der Film wirklich nichts für Hardcore-Fans des Originals, für mich als ahnunglosen aber dennoch interessierten Mensch, finde ich den 2017er Film aber besser geeignet als den Animefilm aus den 90ern. Tatsächlich hat es jetzt mal das Interesse bei mir geweckt sich die Mangas anzuschauen.

  10. @Frank
    Sorry, wenn mein Post oben sehr negativ gewirkt hat. Ich wollte kein Generalurteil über GitS 2017 sprechen. Jeder hat ja seinen individuellen Geschmack und findet einen unterschiedlichen Zugang zu so einem Film. Mein Problem mit dem GitS 2017 war, dass ich die verschiedenen kombinierten Elemente im Film mit ihren Hintergründen aus den Serien/Vorgängerfilmen genau kenne. Deshalb war es für mich sehr frustrierend, wenn Storyelemente bzw. Charaktere umgedichtet und fusioniert wurden. So ist z.B. der Charakter Kaze als Gegenspieler aus SAC 2nd Gig mit Teilen der Story aus dem 1995 Originalfilm kombiniert worden, wobei alle interessanten Charaktereigenschaften von Kaze und der eigentliche AI-Plot aus dem Original entsorgt wurden. Wenn Dich die Cyberpunk-Thematik interessiert kann ich nur empfehlen, die beiden Standalone Complex-Serien anzuschauen. Wenn man über die teilweise sexistische Darstellung des Majors hinwegsehen kann, bringen beide Serie in ihrem teilweise episodischen Format interessante SciFi-Konzepte und soziopolitische Kommentare (Terrorismus, Flüchtlinge etc.). Die späteren Remake-Iterationen sind aber leider weniger gut gelungen.

  11. @Frank. büdde …

    Ansonsten sei zu GitS 2017 nur noch gesagt, dass ich das Original aus dem Jahr 1995 kenne, die Fortsetzung „Innocence“, die Stand Alone Complex-Serie. Dieser Film trägt nichts neues zum Thema bei und wie Nemo schon schrub, wird beim Durchmengen von Plotelementen aus Vorgängerfilmen und -serien leider zuviel unter den Tisch fallengelassen. Meine erste Reaktion nach dem Abspann war auch: „Wozu war dieser Film jetzt gut?“.

    Die zweite Reaktion war dann aber auch: „Dafür, dass dieser Film eigentlich ziemlich unnötig war, war er sooo schlecht gar nicht mal.“ Hier habe ich mich ein wenig vom Fan-Dasein trennen können und konnte die Schauwerte des Filmes genießen. Ja, als Einstieg ist er gut. Andersherum … eher irrelevant.

    Und er macht Bock auf CP 2077. Jetzt brauche ich nur noch neue Hardware und bis dahin gibt es vielleicht auch eine ordentliche GotY-Edition?

  12. @Harzzach „Ansonsten … ja, Werktreue und Sorgfalt, Respekt vor der Vorlage sind wichtig. [..] wenn sie Veränderungen vornehmen“

    Ist mir letztens auch untergekommen – „Shadow and Bone“ auf Netflix. Gute Kritiken sowohl von Viewern als auch von Kritikern. Kann man sich ja mal geben dachte ich. Kenne die Buchvorlage NICHT, und war schockiert darüber wie man etwas das ich nicht kenne so verwursten kann.

    Nachdem ich mir dieses (in meinen Augen) eher mittelmäßige Teenage Drama angeschaut habe hat da irgendetwas im Hinterkopf gekratzt. Die Welt, die Atmosphäre, die Charaktere – alles wirkte Anfangs durchdacht, vielversprechend und mittendrin brechen Charakterentwicklungen, Storybögen wirken arg gezwungen, und es werden alle Klischees herausgebrochen die sich so finden lassen.

    Habe mal ein wenig zusammengegoogelt und anscheinend wurden da mehrere Bücher in eine Staffel gesteckt, und weil das so etwas zu viel geworden wäre hat man dann andererorts gekürzt.

    Was dann zu Bösewichten führt die von Nachvollziehbaren Charakteren zu „Haha, ich bin Böse weil ich böses tue“-Charakteren werden. Also nicht beim Sprung von Buch zu Serie, sondern die in den ersten Folgen nachvollziehbare Motive haben, und am Ende (aus Zeitmangel(?)) dann auf einmal ohne Nachvollziehbare Entwicklung in Richtung Genozid springen.

    Am besten(schlechtesten) fand ich aber auch die Hauptcharakterin. Also nicht die Schauspielerin, die hat das schon ordentlich gespielt, aber die Serie hat es geschafft mir gleichzeitig das Gefühl zu geben „Uff, jetzt wird mir hier eine gezwungen ’starke‘ Frau aufgedrängt“ als auch „Uff, jetzt drücken sie mir hier eine ‚Damsel in distress‘ rein“.

    Wenn ich dem Internet glauben darf ist sie im Buch eine glaubwürdig geschriebene Frau die sich aus schwierigen Umständen hochkämpft, um dann am Ende den Tag zu retten.

    In der Serie ist sie eine Frau die unterdrückt wird, dabei eigentlich immer „die Auserwählte“ war, und den Moment an dem Sie „den Tag rettet“ wurde anscheinend so umgeschrieben dass ihr Love Interest sie als starker Mann aus der Patsche zieht.

    Nebenbei wurde in die Serie dann das übliche „Minderheiten werden Unterdrückt“ und alles was da heute halt so reinmuss reingedrückt. Aber so überdeutlich mit dem Moralhammer dass ich mir nicht sicher bin ob das im Buch überhaupt Teil war und sie es einfach schlecht rübergebracht haben, oder ob das zusätzlich zum Buch dazugedichtet wurde.

    Sorry für den Rant.

  13. Kein Ding. Wenn einem was nicht passt, dann passt es nicht.

    Ich fand S&B hingegen, dafür, dass es eigentlich nur wieder so ein YoungAdult-Gedöns ist, ganz unterhaltsam. Das Setting ist nett, Effekte & Produktion hochwertig, die Hauptdarstellerin macht ihren Job ganz gut und der Schmalz hielt sich in Grenzen. Nichts, was man ums Verrecken sehen müsste, aber für so Zwischendurch kann man sich das schon geben. Es sei aber auch gesagt, dass die Autorin der Bücher die Änderungen der Serienproduzenten ganz ausdrücklich begrüßt hat.

    Ansonsten, Amazon wird gerüchteweise wohl noch dieses Jahr eine neue Stargate-Serie ankündigen. Nach dem Kauf von MGM ist das größte Hindernis, nämlich MGM selbst, entfernt. Brad Wright, einer der Väter der TV-Serie, arbeit wohl schon seit einer Weile an neuen Serien, stets vorsichtiges Interesse seitens MGM, aber nie was konkretes. Jetzt soll er angeblich Volldampf geben können. DARAUF bin mal gespannt. Universe war (leider) einfach zu anders, eine simple Wiederholung des SG-1-Musters, nur mit neuen Gesichtern muss IMHO auch nicht sein. Schau mer mal … grundsätzlich finde ich das gut, denn wenn ich mir in Zukunft vielleicht wieder ein, zwei Monate lange Prime geben will, will ich auch was zu bingen haben 🙂

    Und noch was am Rande … man hat festgestellt, dass je mehr Inhalte exklusiv hinter dem x-ten Streamdienst verschwinden, dass umso mehr User wieder anfangen illegale Portale zu verwenden. Was mich jetzt nicht verwundert. Wer ums Verrecken alles halbwegs aktuell anschauen will, zahlt sich inzwischen dumm & dämlich. Was dann dazu führt, dass man sich das Zeugs halt wieder zusammenpiratiert oder wie ich inzwischen, stinkfingerig den volkswirtschaftschädlichen Konsumverweigerer gibt. Da wird es noch die eine oder andere Pleite in dem Bereich geben.

    In diesem Sinne, Euch einen schönen Wochenanfang wünschend!

  14. Stargate ging aber vollkommen an mir vorbei.
    Vielleicht schaue ich da bei der Neuauflage mal rein. Das Konzept mit einem Tor in andere Welten erscheint mir ohne weitere Informationen erstmal so Interessant wie Dr. Who mit einem Raumschiff in andere Zeiten(und Welten). Und da Dr. Who in den letzten Jahren mehr Geld in Spezialeffekte und weniger Geld in interessante Geschichten und Prämissen/Orte gesetzt hat kommt da ein Ersatz ganz gelegen.

    Und dieses aufteilen auf x Dienste hat bei mir zu einem erhöhten ARTE-Konsum geführt. Aber sollen sie mal machen, ich bin mir sicher das lohnt sich für sie. Für mich als Konsument gibt es so viel zu zocken, lesen und gucken dass ich nicht mehr hinterherkomme selbst wenn ich es drauf anlegen würde.

  15. @NemoNihil

    Das ist exakt das was ich meine. Ich habe mir den 2017er letzten Freitag auf Netflix angeschaut, bin mit null Erwartungen und quasi null Kenntnis der Materie rangegangen und war, vermutlich dadurch dann, tatsächlich positiv überrascht. Dass da einige Stories vermixt sind, wusste ich nicht, für mich war der Film an sich einfach eine in sich logisch geschlossene Sache, die mir – wie oben bereits erleutert – tatsächlich besser gefällt als der original Anime.

    Dass diese Mixtur der Storylines für Fans natürlich ein Stich ins Herz sein kann, kann ich nachvollziehen, hatte ich an anderer Stelle zu anderen Themen auch schon. Aber hier vielleicht mal ein Tipp: Nimm es wie es ist, man kann bei sowas auch Spass daran finden zu entdecken was sich wie geändert oder vermixt hat. Gutes Beispiel hierfür ist für mich Neon Genesis Evangelion (eine der wenigen Animes, die ich wirklich toll finde), die Story/der Ablauf ist ja über Originalserie, Manga und die neuere Serie (Namen vergessen) auch immer ein wenig geändert worden.

    Vielen Dank übrigens mit dem Tipp zu Standalone Complex, werde ich mal sichten.Zum Thema Sexismus an der Stelle, ich kann damit gut leben, solange die Thematik zu Entstehung des Werkes weniger ein Tabu war. Im Gegenteil, ich finde die Debatte über Pipi Langstrumpf oder auch Vom Winde verweht äußerst dämlich. Es sind Werke ihrer Zeit und die sollte man so belassen und nicht anfangen zu verfälschen. Was natürlich nicht heißt, dass man nicht darüber diskutieren kann/soll.

    Gruß
    Frank

  16. Late to the discussion 🙂
    Ghost in the Shell von 1995, und beinahe noch mehr der 2.Teil Innocence… wenn ich einen Film, einen Soundtrack heiraten könnte…
    Mal ohne Spass. Was kommt heraus, wenn ein Manga-Vorlage mit sehr interessanten, nahezu perfekten Cyberpunk-Ansätzen auf einen Regisseur wie Mamoru Oshii trifft, der einerseits die Vorlage voll versteht und ihr dann noch diese deutlich erwachsenere, sinnsuchende Hauptfigur verpasst? An instant classic.
    Und dennoch hat Hazz Recht, das es ein Jammer ist, weil diese eigentlich zum Scheitern geborene Realverfilmung vom Art Design und den FX an vielen (nicht allen) Stellen die visuelle Stimmung der ursprünglichen Anime-Welt perfekt einfängt. Und dann leistet sie sich solche unverständlichen Schnitzer… Why!!!
    Dieses Video hier erklärt, was genau auch mein Problem mit dem 2017 GitS ist:

  17. Ich habe den damals im Kino gesehen. Nicht viel erwartet, und genau das bekommen was ich erwartet habe.Was ich dem Film wirklich vorwerfe ist, dass er die Geschichte und Charakteure „hollywood“ gerecht umgebaut hat. Sprich man muss meine Vergangenheit kennen, um überhaupt eine Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft zu haben. Im Anime bzw. den Serien ist die Vergangenheit fast egal. Es geht um die Zukunft, und welche Möglichkeiten diese bietet.

    Der Anime endet mit Kusanagi im Körper eines Kindes, was für den Neuanfang und die kindliche Neugierde/Unvorgenommenheit steht. Und ihre Worte „The net is vast and infinite“ stehen für einen Anfang. In der Realverflimung endet alles wie in 99,87% aller Hollyfilme. Ich weiß jetzt wer ich bin, an meinem Leben hat sich ansonsten nicht viel verändert, aber aus irgend einem Grund ist das jetzt wichtig.Und ich habe jemanden gerächt. Gähn.

    Das nächste Problem ist, sie haben die Charakteure aus dem Film an vielen Stellen einfach den Schauspielern angepasst. Frau Johansson kann Major Kusanagi nicht spielen? Macht nichts, dann ist Major Kusangi halt genau der Typus Frau, den Frau Johansson spielen kann. Herr Takeshi will keinen Alten spielen, der nur durch Intelligenz, abgebrühtheit und Taktik besticht? Kein Thema, er darf auch ruhig mal mit Pistolen durch die Gegend rennen, und das machen was Herr Takeshi in seinen Rollen am Liebsten macht.

    Bezeichnend ist dann auch, die Szenen die wirklich herausstechen, das sind kopierte Szenen aus dem Anime. Der Rest ist ziemlich uninteressant. Alles in allem ist der Film generisch, flach und „altbacken“. Und Ghost in the Shell hat was besseres verdient, meine Meinung nach. Aber das ist nicht schlimm, weil Fans können ja weiterhin die Animes ankucken. Die zeigen dann nur umso mehr, warum Ghost in the Shell Kultstatus hat, und diese Realverfilmung schnell im Meer des Mittelsmaßes untergegangen ist. Wobei, wenn man sich ankuckt was Hollywood die letzten Jahren an Mist rausgebracht hat, da können wir fast froh sein dass es noch Mittelmaß war. Ich will mir gar nicht ausmalen was passiert wäre, wenn J.J Abrams seine Fingen im Spiel gehabt hätte… *schüttel*.

    Wenn jemand noch nicht die ersten beiden Serien (SAC 1 und 2) angekuckt hat, kann ich nur empfehlen. Die zwei DVD-Boxen habe ich gerne im Regal stehen, die Realverfilmung wird da defintiv keinen Platz erhalten.

  18. Hm, es gibt Filme, die bei mir hängenbleiben, weil sie so gut sind. Es gibt Filme, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weil sie so schlecht, so provokant, so nervtötend, so irgendwas sind. Und es existieren Filme wie die GitS Realverfilmung, die bei mir nur ein gähnendes schwarzes Erinnerungsloch hinterlassen.

    Ja, ich mag Scarlett Johansson als Schauspielerin sehr. Ja, ich bin ein Fan des originalen Animes (finde aber das Remake bzw die überarbeitete Version grauenhaft). Und dennoch ist von GitS bei mir so ziemlich nichts hängengeblieben. Höchstens der Kampf gegen den Spiderbot, den man natürlich kopieren MUSSTE, aber das auch nur, weil der so viel unepischer und schlechter rüberkommt als im Anime. Ich konnte mich schon nach dem ersten Schauen kaum noch an den Film erinnern, nach dem zweiten auch nicht und witzigerweise habe ich mir den Film vor nicht einmal einer Woche noch einmal angeschaut und wieder hatte ich das Meiste davon schon am nächsten Tag wieder vergessen.

    Irgendwie ist es, als ob man sehr zielgerichtet daran gearbeitet hat, jeden einzelnen denkwürdigen Moment, jede Szene, mit der mich das Anime berührt oder in einigen Momenten sogar traurig gemacht hat und jeden Funken Humor mit großer Akribie aus der Realverfilmung herauszuhämmern und was übrig bleibt, sieht zwar atemberaubend aus, atmet aber sozusagen selbst nicht, wirkt auf mich letztlich kalt, glattgebügelt und steril.

    Vielleicht hätte man das besser lassen sollen, wie eigentlich Realverfilmungen von Animes an sich. Irgendwie kommt da selten etwas wirklich Gutes bei rum, jedenfalls fällt mir da außer ‚Cashern‘ nicht viel ein und den finde ich zwar grandios, mit dem Anime hat der Film dann aber auch herzlich wenig zu tun. Und selbst die Realverfilmung von ‚Jin-Roh‘ ist ein Griff in’s Klo – wie üblich ikonische Szenen eins zu eins übernommen, ansonsten wirkt der Film streckenweise arg verworren, die Kampanzüge und Waffen wirken gegen das Anima billig und die letzten 15 Minuten drehen das Ende des Animes und dessen Botschaft komplett und um 180° um.

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