Sind alte DOS-Klassiker etwa Systemseller?

Nach etlichen Jahren auf diesem unseren Erdball wiege ich mich in der Illusion inzwischen begriffen zu haben, dass man nicht immer verstehen muss, warum der Mitmensch von Nebenan die Dinge tut, die er so tut. Dass es mitunter sogar besser sein kann nicht zu wissen, warum diese Dinge geschehen. Man will wirklich nicht alles wissen, was an Grütze durch diverse Gehirne tobt.

Dennoch habe ich mich schon gefragt, was man bei Electronic Arts so raucht, als ich eben bei Kotaku auf folgende Meldung stieß:

EA Is Pulling Some Classics From GOG, And One Will Be Totally Delisted

Ab Dienstag, den 29.06, wird es auf GOG nicht mehr das Ultima Underword-Paket (bestehend aus Teil 1 & 2), Syndicate Plus (Hauptspiel + Addon) und Syndicate Wars geben. Die ersten beiden sind dann nur noch via den Origin-Client zu bekommen, Syndicate Wars verschwindet sogar vollständig.

Warum? Bei GOG gibt es im Forum nur die übliche Standardformulierung „Auf Wunsch des Entwicklers“. Was hier natürlich EA bedeutet, da die produzierenden Studios dieser Spiele längst nicht mehr existieren, alle Rechte durch den Kauf von Origin Systems und Bullfrog auf EA übergegangen sind.

Ja, warum?

Abgelaufene Nutzungslizenzen?

Letztlich hatte EA etliche Serienvertreter der Need for Speed-Reihe vollständig aus diversen Konsolen-Shops entfernen lassen. Die Vermutung ist, dass hier die mit den jeweiligen Automobilherstellern getroffenen Nutzungslizenzen ausgelaufen sind. Was auch der Grund sein dürfte, warum ältere NfS-Spiele nirgendwo angeboten werden. Aber was steckt in diesen alten DOS-Klassikern, was extra lizensiert werden musste? Meines Wissens ist da nix. Und wenn doch, zwei von drei Paketen gibt es weiterhin über EA. Also eher unwahrscheinlich.

Ärger mit Tantiemen für die ehem. Entwickler?

Auch das ist ein Grund, warum manchmal Spiele für eine Weile, bis zur endgültigen rechtlichen Klärung, aus Store-Frontends verschwinden. Aber wie oben, zwei von drei Paketen sind weiterhin via Origin erhältlich und meines Wissens sind alle Ansprüche von Bullfrog- und Origin Systems-Mitarbeitern, inklusive Peter Molyneux und Sir Richard Garriott (jaja, den muss man jetzt so ganz offiziell nennen) längst, LÄNGST abgegolten.

Ein neuer EA-Manager will sich profilieren und veranlasst wirre Scheisse, nur um kurzfristig irgendwelche Effekte auszulösen?

Nun, wir wissen (!) inzwischen, dass einige Jahre lang alle Versuche ein Command & Conquer Generals 2 oder ein C&C 5 zu produzieren, auf Grund interner Streitigkeiten bei EA im Projektabbruch geendet haben. Mindestens zwei Studios haben sich jahrelang unter ständig wechselnden Vorgaben des Managements abgerackert, nur um redundant gemacht zu werden, weil jemand im Management plötzlich beschloß, dass man doch nix dergleichen haben möchte. Mir fällt aber ums Verrecken kein potentieller Grund ein, wie man sich mit einem Delisting alter DOS-Spiele profilieren kann. Selbst unter Berücksichtigung entsprechender Kokain-Level in der Blutbahn

Dann aber, dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen …

In der Annahme, dass hier jemand eine halbwegs, also HALBWEGS rationale Entscheidung getroffen hat, auf was legt man bei EA ganz besonders Wert? Richtig. Geld! Um Geld geht alles, um Geld dreht sich alles.

Warum hat man diese Klassiker bei GOG entfernt?

Weil sie im Laufe der Jahre vergleichsweise hohe Umsätze erzeugt haben. Umsätze, die EA nicht länger mit GOG teilen möchte. Wobei … je länger ich darüber nachdenke … nähhh! Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, obwohl es die Logik eigentlich gebietet.

Ok, ich versuche nun Ockams Rasiermesser anzuwenden. Dieses gedankliche Prinzip besagt folgendes:

  1. Von mehreren hinreichenden möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.
  2. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.

Die logischte Antwort ist, dass Ultima Underworld und Syndicate Systemseller sind, weil EA in der Regel nur geld-, bzw. umsatzorientierte Entscheidungen trifft.

Die einfachste Antwort ist hingegen … Koks! Viel Koks! Hollywood-Style! Kilometerlange, weiße Spuren auf schicken Glastischen in schicken Executive-Villen. Oder andere Substanzen, mit denen sich diese Menschen jeden Tag zudröhnen, um weiterhin nach Aussen den dynamisch-wirkmächtigen Top-Manager geben zu können.

7 Kommentare zu „Sind alte DOS-Klassiker etwa Systemseller?

  1. Ist ja nur fair. Immerhin hätten sie ohne GoG das meiste dieses Geldes nie gesehen. Dafür sollten sie GoG schon bluten lassen.
    Wichtig ist auch, dass sie die Spiele jetzt mit irgendwelchem DRM-Kram verknüpfen, so dass alle, die keinen Bock darauf haben sich die alten GoG-Versionen vermutlich irgendwo runterladen, wenn diese beo GoG nicht mehr zu bekommen sind.

    Man sollte immer möglichst viele Kunden, die eigentlich bezahlen, aber sich nicht verarschen lassen wollen zu den Piraten rübertreiben.

    Scheint mir alles vollkommen logisch. : )

    Ooooder:
    Man kündigt das an, tausende kaufen es noch schnell bei GoG und dann nimmt man es doch nicht raus. Nen schlechten Ruf hat man eh schon und zumindest würde das vermutlich einige Käufer erzeugen, die immer mit dem Gedanken gespielt, es aber sonst vielleicht doch nie gekauft hätten.
    Das wäre arschig, aber zumindest nicht dämlich (wenn man eben den Rufschaden ignoriert).

  2. Was würde ich nicht alles geben, für einen Ultima Underworld Nachfolger. Einen echten, und würdigen. Zum Glück bleiben mir die alten Spiele zwar erhalten, das ist ein gewisser Trost. Aber mir fällt einfach nicht ein, warum System Shock derart eingeschlagen hat, und Ultima Underworld vergleichsweise wenig, obwohl es sogar zuerst mit der 3D Technik angeben durfte.

  3. „Was würde ich nicht alles geben, für einen Ultima Underworld Nachfolger.“

    Von diesem einen, spirituellen Nachfolger, der nicht auf GOG ist, weil angeblich durch die Qualitätsssicherung gefallen, wollen wir lieber nicht reden. Ja, bin da ganz bei Dir, wie man so schön sagt.

    Ansonsten … Ultima Underworld war in erster Linie ein Ultima und erst dann ein technologischer Meilenstein. Ist mit dem Ende der Ultima-Serie ein wenig in der Versenkung verschwunden.

  4. Ach ja, Hinweis für Klassiker-Nachholer:

    Es gibt in UW1 eine Stelle, wo man sich kinderleicht einen fatalen Plotstopper einfangen kann. Auf der Ebene der menschlichen Paladine gibt es einen Gruftraum, in dem es ein Questitem gibt. Hier bitte NICHT, nur weil es schneller geht, durch die MItte laufen, um diverse Schalter zu betätigen, welche das Questitem zum Vorschein bringen sollen. Weil es dann kein Questitem gibt und damit die Story zu Ende ist. Es soll in vorherigen Dialogen zwar einen zarten Hinweis darauf geben, aber wer ihn übersieht … ist keine Schande. Haben viele damals übersehen 🙂

    Und für UW2 ist ein Walkthrough auch keine Schande, weil man für manche Rätsel die damaligen Designer heute immer noch schlagen könnte.

  5. Aber, aber… entgeht Origin nicht Gewinn wenn sie ihr Produkt von einer attraktiven Seite, mit großer Kundschaft, nehmen und auf ihrer gemiedenen eigenen Plattform anbieten?

  6. Das kommt auf den Sweet Spot an. Da man ja auf der eigenen Plattform 100% vom Umsatz behalten kann, muss man weniger Einheiten verkaufen, um die Gewinnzone zu erreichen.

    Inwiefern Origin vom Markt angenommen wird, ist mir leider nicht bekannt. Wohl genug, um den Dienst weiter zu betreiben, aber doch nicht so viel wie erhofft, so dass man seit letztem Jahr wieder zusätzlich auf Steam veröffentlicht.

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