Erfahrungswerte

Dass Microsoft schlappe 60 Milliarden Dollar hinlegt, um sich Activision-Blizzard einzuverleiben, war zwar nicht absehbar, aber auch nicht wirklich überraschend.

Vor allem der westliche Videospielmarkt ist dermaßen gesättigt (so ziemlich jeder, der irgendwas zocken mag, tut das bereits), dass ein nennenswertes Umsatzwachstum (wichtig für den Kurs und Portfolio-Wert der Anleger) nur noch durch den Aufkauf des Wettbewerbs erzielt werden kann. Wir werden zukünftig noch mehr davon sehen. Bis es den Wettbewerbsbehörden genug ist und Konzerne wieder zerschlagen werden. Zumindest in den USA, wo man in Sachen Marktkonzentration seit der Auflösung von Standard Oil in dieser Hinsicht erstaunlich kapitalismuskritisch ist, wird dieser Merger genau unter die Lupe genommen.

Doch das ist nur der Rahmen zu diesem Post. Denn Phil Spencer, Microsofts Gaming CEO, meinte in einem Interview in der „Washington Post“, er würde gerne ältere ActiBlizz-Marken wie z.B. Hexen oder Kings Quest wiederbeleben.

Nun, früher™ wäre ich ob solcher Aussagen wahrscheinlich extatisch geworden, hätte was von „Die guten, alten Zeiten kommen wieder“ gefaselt und hätte Phil Spencer auf irgendeinen Sockel gestellt. Denn diese Aussage bedeutet doch ganz klar, dass es neue Spiele für Klassiker-Serien geben wird. Ja? Nein?

Heute, geläutert durch umfangreiche Erfahrung mit der Art und Weise, wie global agierende Konzerne ihr tägliches Geschäft betreiben, denke ich mir bei solchen Aussagen nur: “ … ok, das heisst also, dass das Hexen 2-Addon Portal of Praevus endlich Teil des Hexen-Bundles auf GOG wird.“. Denn die Rechte daran liegen nicht bei Bethesda, welches MS letztes Jahr im Sale erstanden hatte, sondern bei Activision. Welches aber jetzt am selben Tisch sitzt.

Mehr interessiert mich bei solchen Aussagen nicht. Die Zielgruppe der alten Säcke, die in nostalgischer Verklärung ihrer Jugend nachtrauern, ist für einen Konzern dieser Größe nicht relevant. Wenn hier alte Marken wiederbelebt werden sollten, dann garantiert NICHT mit Spielen, wie sie damals gemacht wurden. Unter einer bestimmten Umsatzgröße steht da niemand morgens auf. Was nicht beim Release etliche Millionen verkauften Einheiten erzielen kann, ist uninteressant. Die Retro/Klassiker-Welle überlässt eine Firma wie Microsoft gerne Indies und Mittelklasse-Publishern wie Paradox, 1C oder THQ Nordic. Die sind keine Konkurrenz für die großen Konzerne.

Von daher, was nehme ich aus diesem Merger positiv für mich mit: Weniger Lizenzchaos, mehr Franchises vereint unter einem Deckel, weniger Zersplitterung von Rechten.

Gut, für eine Wiedergeburt von No one lives forever wird es weiterhin nicht reichen, denn dafür müsste Warner aufgekauft werden. Dann würden endlich alle Marken- und Vertriebsrechte (die jetzt noch zwischen Warner als Besitzer von Monolith und ActiBlizz als Rechtsnachfolger von Sierra aufgeteilt sind) vereint sein und Stephen Kick von Nightdive könnte endlich so tun, als ob er niemals versucht hat Warner mit einer Markenanmeldung für NOLF zu einer Reaktion zu zwingen, nur um von Warner auf die schwarze Liste gesetzt zu werden.

Nach dem Re-Release beider Teile kann die US-Kartellbehörde den Laden gerne wieder zerschlagen, denn mehr interessiert mich am Angebot der Majors nicht.

Ach ja, und was wird aus Bobby Kotick, der armen Sau? Wird höchstwahrscheinlich nach dem Abschluss des Übernahme-Deals den Konzern mit einem umfangreichen, höchst lukrativen Abschiedspaket verlassen, damit seine Schwester ihr Pudel weiterhin jeden Tag neue Afterabdeckungssteine aus Swarovski-Diamanten tragen kann.

Und die QA bei Raven Software (gehört Activision) hat jetzt endlich eine Gewerkschaft gegründet. Bin gespannt, ob Spencer versucht zu verhindern, dass sich diese phösen Kommunisten im ganzen Konzern ausbreiten oder ob er schlau genug ist, um über eine wohlwollende Kooperation weiterhin die Kontrolle behalten zu können. Denn wo sitzen die Bosse von Traditionsgewerkschaften heute? Richtig, mit fetten Bezügen in den Vorständen, sind selbst Teil des Management-Dolce Vitas geworden.

20 Kommentare zu „Erfahrungswerte

  1. …das Abschiedspaket für Bobby ist auf auf alle Fälle so groß zu wählen, dass neben den Abdeckungssteinen für’n Hund unbedingt auch Einführungssteine für ihn (min. >9 cm Durchmesser, lupenrein) drin sind.
    Diese MÜSSEN ihm vertraglich beim Ausscheiden (aus der Firma, nicht… Herrgott…) eingeführt werden.
    So viele wie möglich. Anschlag was rein geht, unter Börsenaufsicht. Widerstände, z.B. durch innere Organe, sind dabei zwingend zu ignorieren.

  2. Neinnein, da hast Du etwas mißverstanden. Wenn CEOs von der großen Verantwortung reden, welche ihr Job mit sich bringt, dann ist das immer nur in Bezug auf die Höhe ihrer Bezüge und Boni gemeint. Von „Verantwortung tatsächlich übernehmen“ redet hier niemand 🙂

  3. Ich weiß nicht, wie Ihr so böse über jemanden reden könnt, der nach eigener Aussage so viel für uns Spieler getan hat!
    Jemand egoistisches hätte nur sich selbst Dinge eingeführt, aber dieser Mann hat auch ganz vielen anderen Leuten Dinge eingeführt!

    Mich treibt eigentlich nur um, ob ich den BNet-Launcher behalten kann. Das ist imho der letzte Launcher (außer Paradox, aber da bin ich nie eingeloggt), den es bei mir noch gibt. So aus alter Tradition, wenn auch zwischendurch mir Stirnrunzeln. Aber zumindest HS ist dank Klassikmodus weiterhin spielbar. Auch wenn sich für die anderen Modi bereits über hundert ungeöffnete Packungen stapeln, weil sie mir viel zu oft neuen Kram releasen umd die Wale zu melken. ^^“

    Aber nen MS-Launcher wär mir das nicht wert. Schon dreimal nicht, wenn ich kein Win mehr habe, falls um 10 kein Weg herumführt.

    Hmm…

  4. „Jemand egoistisches hätte nur sich selbst Dinge eingeführt, aber dieser Mann hat auch ganz vielen anderen Leuten Dinge eingeführt!“

    Gegen diese Argumentation lässt sich nichts einwenden. Chapeau!

    Ansonsten … ich habe aus Testgründen vor ner Weile AoE 1 Definitive im Win10-Store erworben. Mal schauen, wie das Shopping-, Installations- und Spielerlebnis so ist. Nun habe ich eine Installation, auf die ich keinen Zugriff habe (Modden? Hahahahaha!) und nach (!) dem Deinstallieren Ordner, die ich als Administrator auf meinem eigenen Rechner mangels Zugriffsrechte nicht mit Bordmitteln löschen kann.

    Die Aussicht, dass man künftig PC-Spiele ds Publishers Microsoft nur noch über den MS-Store bekommt, würde mich in Sorge versetzen, wenn es noch AAA-Spiele aus diesem inzwischen großen Hause gäbe, die mich ausreichend interessieren würden. Andererseits … diese Bedrohung durch eine mögliche Store-Verdongelung von Windows ist nie eingetreten, obwohl es MS jederzeit möglich gewesen wäre, so zu handeln. Ob dem auch in Zukunft so ist, werden wir sehen, aber hier scheint man nicht einfach etwas zu machen, nur weil man es so machen könnte.

  5. Habe „Afterabdeckungssteine“ gegoogelt und bin wieder bei dir gelandet. Gib‘s zu, das Wort ist nur ausgedacht 🤨

  6. Der offizielle Begriff lautet „Twinkle Tush“, ist ursprünglich nur für Katzen gedacht, findet bestimmt aber auch Halt an Pudelgesäßen. Pet Accesoirs für Leute, die schon alles haben 🙂

  7. Oh ja, Microsofts Installations „Service“ hat mir beim Flugsimulator auch stirnrunzeln beschert.

    1) Update im Microsoft-Store ziehen und installieren, da das Spiel sonst nicht startet.(Ist im 100er MB Bereich)

    2) Spiel startet, sucht nach Updates. Downloaded und installiert Updates im Ladebildschirm.(Hier ist von 2-200gb alles möglich.)

    3) Jetzt kann man theoretisch spielen. Möchte man jedoch die aktuellste Version mit vollständigem Content genießen, einmal in den vollkommen unübersichtlichen Shop gehen und nach kostenlosen ‚World Updates‘ filtern. Hier das kostenlose Update ‚kaufen und herunterladen‘. (Größe meistens zwischen 5 und 20gb.)

    4) Um sicherzugehen dass das World Update auch aktuell ist, einmal in ein Untermenü (ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern ob es im Shop oder im Nutzer-Tab war) nach Updates für die Content Updates suchen und herunterladen.

    5) Fertig!

    Ich bin mir nicht ganz sicher wer sich diesen Prozess ausgedacht hat, aber er bereitet mich gut auf Linux vor. Viel Nutzerunfreundlicher kann das auch nicht sein.

  8. Linux ist dagegen fast schon casual-tauglich 🙂

    Es gibt hier seit geraumer (!!!) Weile diverse Paketverwaltungen, welche die Installation und Update von Libraries und Tools enorm vereinfachen und narrensicher machen.

    Eine davon, „Chocolatey“ gibt es inzwischen auch für Windows. Ich setze für meine Office-Pakete, Tools und andere Non-Gaming-Anwendungen nichts mehr anderes ein. Sicher, ist alles nur über Kommando-Zeile, aber „choco install XYZ“ oder „choco upgrade all -y“ kann sich jeder merken und eintippen.

  9. Wie heißt es so schön? Linux ist sehr nutzerfreundlich. Es ist aber auch sehr wählerisch, zu wem es freundlich ist.
    Ich würde sagen, dass es seit etwa 15 Jahren Distributionen gibt, die von der Bedienung her für jeden Nutzer, der mit Windows zurecht kommt, geeignet sind. Allerdings erkauft man sich das durch Konzepte, die im Guten wie im Schlechten von Windows inspiriert sind. Manchmal ist es ja auch genau andersherum (Hosts-Datei, Mehrbenutzersystem), aber weil man es unter Linux weiterentwickelt und verbessert hat, tut man sich dann trotzdem schwer, wenn man mit der Windows-Methode arbeitet.

  10. Welche Distributionen sind denn für einen Absoluten Linux-Beginner zu empfehlen wenn man die Vorteile von Linux erfahren will und kein Problem damit hat sich von Windows-Gewohnheiten weg zu bewegen? Habe noch ’nen alten Laptop hier auf dem ich Mal rumtesten will – und ohne Empfehlungen nehme ich einfach die, die mir der hippste Influencer auf YouTube nahelegt.

  11. Ich habe auf meinem kleinen Laptop seit Jahren das jeweils aktuelle Linux Mint installiert und das läuft problemlos.
    Basiert auf Ubuntu, und Windows Nutzer sollten damit gut zurecht kommen.

  12. Ich persönlich hatte damals gefallen an Mandrake gefunden gehabt, allerdings hat mir die Entwicklung mit Mandriva dann schon nicht mehr so zugesagt und ich bin auf Fedora umgestiegen. Das erwähnte Mint oder Ubuntu sind natürlich einsteigerfreundlich, aber Ubuntu war meiner Meinung nach weniger gut für Linux-Erfahrung. Zu Mint kann ich nichts sagen, aber Debian-basierte Distributionen haben für meinen Geschmack grauenvolle Basis-Konfigurationen. 😉 Das fängt schon damit an, dass die allen Ernstes noch den klassischen vi (statt vim) ausliefern und man das „Improvement“ nachinstallieren muss. (Vermutlich wird man als Neuling aber inzwischen eher mit nano oder mcedit oder irgendwas anfangen wollen.) Mich würde aber tatsächlich interessieren, welche Distribution aktuell von der Hippster-Influenza beworben wird. 😀

  13. Bin zwar kein Hipster und habe auch keine Influenza, aber werfe hier mal Solus Linux in dem Raum. In den letzten 15 Jahren hab ich alles Mögliche und Unmögliche (Linux From Scratch) ausprobiert und war damit zuletzt sehr zufrieden. Vorallem wenn es sich um ein altes Gerät handelt, kann man doch nochmal etwas mehr an Leistung rausholen als bei „dickeren“ Distributionen. Das Ding erscheint mir ordentlich konfiguriert zu sein und bleibt einem im täglichen Betrieb angenehm aus den Füßen. Ich persönlich bevorzug den sehr ordentlich Budgie Desktop, aber es gibt da auch alles andere (Cinnamon, Gnome, KDE).

    https://getsol.us/home/

  14. @Boreas Ich find’s schon schick, wenn ich mir 56 Gb ‚Gears of War 5′ herunterlade, damals noch mit 1.6 Mbit-Leitung, das Spiel zwei Stunden antesten kann, ein Update dann zig-tausenden Spielern ein 5 Mb File zerschießt und Microsofts Lösung dafür ist: „Stell dich halt nicht so an und lad‘ einfach die kompletten 56 Gb nochmal runter, tsk…“. Seitdem hab ich seltsamerweise, auch nach Inbetriebnahme einer 100 Mbit-Leitung, bislang keine Lust gehabt, mich noch einmal mit dem Spiel zu beschäftigen. Komisch.

    Und ansonsten kann ich nur sagen, immer, wenn ich denke, wir hätten den Gipfel der Dekadenz erreicht… Ich weiß in meiner Eigenschaft als Krankenpfleger gerade echt nicht mehr, wie ich damit umgehen soll, dass Leute nicht mal mehr den Anblick des Hinterns ihrer Haustiere ertragen. Eigentlich müsste ich mit solchen Leuten genau das Gleiche machen. „Tut mir leid, ich ertrage den Anblick ihres Anus‘ nicht, bitte installieren Sie bei nächster Gelegenheit diesen Afterabdeckungsstein, ansonsten können wir Sie unmoralische Person leider nicht versorgen.“

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