Wenn Synchronisation mal für was gut ist

Die traditionelle Trailer-Show beim gestrigen Superbowl-Finale zeigte unter anderem den finalen Trailer für den im Mai startenden MCU-Film DSitMoM aka Doctor Stange in the Multiverse of Madness.

In diesem Trailer gibt es eine Szene ab Minute 1:18, in der eine Stimme aus dem Off zu Stephen Strange spricht und die Kamera langsam einen Kopf von hinten im Bild erscheinen lässt. Undeutlich, nicht im Fokus, verschwommen.

Nun, Star Trek-Fans werden instantan, schon beim ersten Wort, die charakteristische und typische Stimme von Patrick Stewart erkennen. Der angedeutete Glatzkopf gehört demnach zu Prof. X, dargestellt von Patrick Stewart in den ersten X-Men-Filmen.

Was jetzt nicht so wirklich überraschend ist, ist Disney nach der kürzlich erfolgten Übernahme von 20th Century Fox doch wieder im Besitz der Filmverwertungsrechte für unter anderem die X-Men und die Fantastic Four. Als Marvel-Fan seit frühen Schultagen, dessen Einstieg in US-Comics die Abenteuer der Fantastischen Vier und der Rächer waren, ist das eine gute Nachricht, denn vor einigen Wochen habe ich mir den FF-Film aus dem Jahr 2015 angetan. Der wenig überraschend NOCH schrecklicher als befürchtet war und somit locker die miserablen Versuche einer Verfilmung aus den Jahren 2005 und 2007 in den Schatten gestellt hat. Jessemaria, mir blutet immer noch das Herz! Die Fantastic Four aus der Feder von Jack Kirby oder John Byrne haben wirklich besseres verdient.

Doch zurück zum oben gezeigten Trailer …

Vor allem in den USA gibt es nicht wenige, die bezweifeln, dass Sir Patrick Stewart tatsächlich hier auftritt. Weil … nein, kann nicht sein, muss ein Gerücht sein!

Doch dann melden sich deutsche Fans, die mit Szenen aus dem deutschsprachigen DSitMoM-Trailer …

… beweisen, dass hier in der Tat Patrick Stewart zu hören UND zu sehen ist. Denn angeblich hört man in dieser Szene die Stimme von Ernst Meincke. Wer das ist? Herr Meincke ist der deutsche Sprecher von Patrick Stewart in so ziemlich allen TV-Episoden und Filmen, in denen Patrick Stewart aufgetreten ist.

Bäng.

Kein Gerücht. Alles wahr! Patrick Stewart tritt wieder als Prof. Charles F. Xavier auf!

Endlich ist Synchronisation für etwas gut!

Sicher, wer da nicht so drinne ist, für den mag das alles ein wenig hysterisch wirken, aber als riesengroßer Marvel-Fan ich bin gestern Abend ein wenig auf dem Boden gekrochen, um meine Kinnlade wieder aufzusammeln.

Hmmm, Ian McKellen ist ja auch noch gesund und munter und Best Buddy und Eheschliessungsbeamter der zweiten Ehe von Stewart. Ich bin mir sicher, dass auch er irgendwann einen Auftritt als Magneto bekommen wird. Das Multiverse machts möglich!

Es macht endlose Umsatzmöglichkeiten wahr, Disney wird immer reicher, die Lex Disney wird auf 500 Jahre ausgedehnt und einmal im Jahr für 30 Tage D+ abonnieren ist trotzdem kein Beinbruch.

12 Kommentare zu „Wenn Synchronisation mal für was gut ist

  1. Ich muss irgendwie der einzige auf der Welt sein, der diesem Genre garnichts (mehr) abgewinnen kann. Wohin das Auge blickt. Superhelden. Superhelden, Superhelden, Superhelden. Aber sei es drum. Ich krieche wieder unter meinen Stein. 😉

  2. Aber wäre das im O-Ton nicht auch möglich gewesen? Patrick Stewarts Synchronstimme hätte ich natürlich eher erkannt als die originale.

    Als Marvel-Fan seit frühen Schultagen, dessen Einstieg in US-Comics die Abenteuer der Fantastischen Vier waren …. fände ich ja mal einen toll gemachten Zeichentrickfilm geil. Im Stil der alten Ikonen wie Rob Liefeld, Greg Capullo, Andy Kubert, Jim Lee, … 🙂

    Bei den Live-Action Filmen habe ich den Anschluß verloren, aber die Nachricht freut mich für alle Fans!

  3. Ich habe Stewarts Stimme gleich beim ersten Wort erkannt. So wie viele andere auch. Aber weil es auch genug Leute gab, die das nicht gehört hatten, kam die Bestätigung durch die synchronisierten Trailers, wo inzwischen auch der italienische und spanische Sprecher von Stewart in den jeweiligen Versionen zu hören ist.

    @Rob Liefeld: Ist das nicht der Zeichner, wo die Anatomie des menschlichen Körpers desöfteren einer besonders dramatischen Pose weichen muss? 🙂

    Ansonsten bin ich eher durch die Zeichner des Silver und Bronze Age geprägt, ca. 1960-1980. Was eben in Deutschland damals™ durch den Williams-Verlag veröffentlicht wurde.

  4. Haha, ja! Liefeld hat einige Monstren geschaffen… Dennoch haben seine Zeichnungen meine Kindheit und Jugend definitiv mit begleitet. Ich bin ja „erst“ ’84 geboren. Vor allem finde ich seinen Stil der frühen 90er gar nicht schlecht. Irgendwie dynamisch, scharf, stechend, schnell und brachial. Sofern die Anatomie halt halbwegs passt.

    Hey aber bei besagter, imaginär bleibenden Umsetzung, würde ich mich auch über einen Stil im Bronze Age enorm freuen! Hach.

    Das mit der Synchro ergibt Sinn. Da alle Steward Synchronsprecher transitiert wurden, wird erwähl mitspielen. Fein! Ich mag ihn sehr.

  5. Kennst Du die What If-Serie auf D+? IMHO ein recht ansprechender Look, eine gute Mischung aus CGI und händischen Zeichnungen. Gegen mehr in dieser Art hätte ich nichts 🙂

  6. Jetzt schon 😀 Zumindest einen Trailer.

    Ja, der Look gefällt! Mit einem Filmbudget könnte das noch etwas weniger wie das letzte Baphomets Fluch aussehen. Dann noch etwas Körnung drauf und unschärfe wieder rein und so nen Firlefanz… Jepp, sowas würde ich mir vorstellen!

  7. @ Jammet Mein Problem ist noch nicht einmal die Superheldenschwemme an sich, sondern eher welche Figuren und Geschichten man sich aussucht und was man daraus macht. Die Spider-Man Reboots zum Beispiel sind mir irgendwann richtig auf den Zünder gegangen, mal abgesehen davon, dass sowohl Peter Parker als auch Tante May mit jedem Reboot jünger wurden. Noch ein Reboot und es ist Tante May, die noch in die Schule geht. Und überhaupt, Schule, im Comic ist das sooo ewig her, kann man den Mann nicht endlich mal erwachsen werden lassen?

    Und jaaa, ich WEISS inzwischen, das Batman als Kind erleben musste, wie seine Eltern ermordet wurden, stellt euch vor. Ihr müsst mir das nicht mit. jedem. Film. erneut. erzählen.

    Und ansonsten wird’s halt immer belangloser, zumal die Wokeheit inzwischen stark im MCU ist. Black Whidow kam Jahre zu spät und war unfassbar doof, The Eternals kam… halt einfach obwohl es nach der Geschichte um Thanos nicht wirklich Sinn macht und war unfassbar doof, Wonder Woman 2 kam als von mir tatsächlich mit gewisser Spannung erwarteter Film und war dann unfassbar doof und Captain Marvel kam, obwohl sie keiner wollte und war nicht nur unfassbar doof, sondern auch unfassbar unnütz und gemein.

    Und dabei hätte man sooo viel Auswahl an interessanten Characteren und kompletten, bereits vorgefertigten Storylines für den Fall, dass man kreativ selber gar nichts mehr hinbekommt. Man stelle sich mal vor, ein überraschend risikobereites Studio und ein talentierter, fähiger Regisseur bekämen ‚The Batman Who Laughs‘ in die Hände oder würden sich der ‚One Bad Day‘ Storyline annehmmen, woah, was könnten das für filmische Trips werden!

  8. Erwarte von solchen Unterhaltungsprodukten nicht das Niveau, welches diese Stoffe in anderen Medien erreicht haben. Die MCU-Filme sollen nur möglichst viel Kohle scheffeln und keine künstlerischen Bestmarken setzen.

    Will ich beeindruckt werden, will ich mein Gehirn anregen, lese ich Bücher wie zuletzt die Trisolaris-Reihe.

    Will ich zwei Stunden lang mein Gehirn abschalten, schaue ich mir irgendeinen nicht allzu doofen Blockbuster-Film an.

    Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn jemand Blockbuster-Produktion mit a bisserl Nivea verbindet. So wie das z.B. Denis Villeneuve tut. Aber das ist die große Ausnahme, welche die Regel bestätigt: Ab einer gewissen Produktionssumme kannste jeden künstlerischen Anspruch vergessen, weil es nur noch darum geht das Risiko zu minimieren, diese investierte Summe in einem Flopp zu verlieren. Dass gerade das oft genug zu einem Flopp führt, ist eine der süßen Gerechtigkeiten, die dem Big Biziness im Filmgeschäft widerfährt. Ein Geschäft, welches sich trotz aller Bemühungen die Weltformel für den garantierten Erfolg zu finden, weiterhin all diesen Bemühungen berechenbar zu werden erfolgreich widersetzt.

  9. @ Harrach Ich hab weißgott kein Problem damit, mein Hirn komplett auszuschalten und mich berieseln zu lassen. Zum Geier, mir gefällt sogar das von allen komplett verrissene ‚Jupiter Ascending‘ und ich LIEBE, da steh ich zu, ‚Battleship‘.

    Mir ist auch klar, wie Hollywood inzwischen funktioniert und dass man gerade bei Verfilmungen komplexer Vorlagen Abstriche machen muss. Aber die ersten Phasen der MCU haben doch auch zumindest versucht, den Vorlagen so gerecht zu werden, wie es im Comic halt ging. Mein Problem ist da halt, dass ich mit den Comics recht gut vertraut bin und wenn ich dann im Kino sitze, ein um’s andere mal ‚Blödsinn!‘ denke und innerlich die Hände vor’s Gesicht schlage, dann läuft da schon irgendwas schief. Erst recht, wenn so viele Dinge selbst innerhalb der Kinouniversen dann so häufig keinen Sinn machen und auch der Film- und Comiclogik widersprechen.

    Und MUSS es denn wirklich so phantasielos sein, dass man dem Zuschauer zum bazillionsten Mal erklärt, du, der Bruce, der hatte es ganz schwer als Kind, weil damals in dieser Gasse… gääähn… Dass sowas nicht auch dem hirnamputiertesten und geistig trägsten Publikum irgendwann langweilig wird, versteh ich einfach nicht.

  10. Ja, es muss …

    Nicht, weil das Publikum blöde ist, sondern weil die Executives denken, dass das Publikum blöde ist und ihre Produkte an den niedrigsten gemeinsamsten Nenner ausrichten, um dadurch potentiell am meisten Leute ansprechen zu können. Auch glaubt man Stoffe durch ständige Anpassungen an einen wahrgenommenen „Zeitgeist“ populärer zu machen, in dem man lediglich Versatzstücke aus ihrem Kontext reisst und willenlos in die Handlung einbauen lässt. Was z.B. die von Dir so oft beklagte „Wokeness“ wäre, die aber überhaupt nichts mit tatsächlichen gesellschaftlichen Problemen zu tun hat, sondern ohne Rücksicht auf narrative Erfordernisse in jeden Stoff reingepresst wird. Oft auch gegen den Willen von Drehbuchautoren und Regisseuren, die aber als Profis gute Miene machen und sich nicht anmerken lassen, wie sie das selbst ankäst, solche Themen nicht stimmig und passend in ihre Filme einfließen lassen zu können.

    Dass dies oft genug natürlich dazu führt, dass Franchises sich selbst durch abgenudelte Klischees abwürgen, dass zu viel „Auf Nummer Sicher“ gehen, genau dieses präzise Quentchen Frischheit tötet, welches wir in dem großen vertrauten Rahmen haben wollen … das war schon immer ein Problem in Hollywood. Der ständige Kampf der Kreativen gegen Geldgeber.

    Ich erwarte daher nichts mehr aus dieser Ecke, erfreue mich an überraschenden Ausnahmen und gehe halt hin und wieder das Risiko ein für eine Gurke ins Kino gegangen zu sein. No Way Home war so einer dieser erfrischenden Ausnahmen, Moonfall nexte Woche wird wahrscheinlich eine üble Gurke 🙂

  11. Die erzählen das jedesmal neu, weil die Zielgruppe die 12jährigen sind, die den Vorgänger nicht gesehen haben. Dass wir alte Säcke uns noch an Batman von Tim Burton erinnern (über Adam West will ich mal schweigen) oder Raimis Spider-Man oder … und von Star Wars und Star Trek braucht man gar nicht erst anzufangen.

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