Retro-Surround-Sound: The Dig

Am Sonntag zeigte sich die Oberrheinische Tiefebene wieder von ihrer besten Seite. Sprich, es war schwül und drückend. Und dunkel dräuten schon die Wolken in der Himmelsrichtung, aus der normalerweise alle Gewitter kommen. Alle geplanten Outdoor-Aktivitäten wurden abgesagt, der gemütliche Spaziergang am Fuße des Schwarzwaldes wäre eine schweißtreibende, wenig erfreuliche Angelegenheit geworden.

Und so fand ich dann die Muße für einen schnellen Adventure-Quickie in Form von The Dig.

Das habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr angerührt. Aber weil es rätselmäßig nicht so sehr anspruchsvoll daherkommt und in erster Linie durch Story, Soundtrack und Optik glänzt, eignete es sich perfekt dafür, ein paar schöne, entspannte Stunden damit zu verbringen.

Dem war dann auch so.

Wirklich wunderschöne Pixelgraphik.

Ein phänomenaler Soundtrack, der im Nachhinein betrachtet durchaus als Inspirationsquelle für Hans Zimmers „Interstellar“ gedient haben könnte. Was übrigens in Ordnung ist. Wir alle stehen nur auf den Schultern von Riesen.

Generell ist das Sounddesign von allererster Güte. Das Pfeifen des Windes hört sich fremdartig genug an, um in jedem Hauch die Stimmen längst zu Staub zerfallener Aliens zu vermuten. Die Felsen knacken dramatisch in der steten Abfolge von heißem Sonnenlicht und kaltem Schatten. Erodierter Schotter bröckelt von Felswänden und klackert in den Ozean. Jede Interaktion in der Welt erzeugt charakteristische und stimmige Klänge (das Heraus- und Hereinteleportieren einer Kristallbrücke zum Betreten der Inselbahn ist so, so … wenn es so etwas geben würde, exakt SO würde es klingen. Hach!).

Charaktere und Dialoge waren auch an Erwachsene gerichtet und nicht an Jugendliche, die sich gerne „erwachsen“ fühlen wollen. Die auf dieser Welt gestrandeten Menschen bildeten keine auf Gedeih und Verderb zusammen geschweißte Überlebensgemeinschaft, das waren drei nur wenig miteinander kompatible Persönlichkeiten. Kein plakatives Heldentum, keine Heraufbeschwören der Freundschaft, die schon immer in ihnen steckte. Keine schwiemelige Moral. Aber auch kein wohlfeiler, bequem zu konsumierender Klischeezynismus. Sehr angenehm!

In einem Walkthrough nachschauen musste ich auch nur zweimal (das eine mal wegen der eigenen Ungeduld und das andere Mal die Kapitulation vor dem unlogischen Hirnfick des Rätseldesigners) und so wurde ein angenehmer Sonntag verbracht.

Und als ich entspannt durch diese fremdartige Welt streifte und die bald 30 Jahre alte Arbeit der Leute bei LucasArts bestaunte, hörte ich plötzlich aus dem linken Kopfhörer ein Tier (?) aus weiter Ferne einsam durch die Schlucht krächzen. Positional Audio? Dann kam das Geräusch näher und ich hörte das Viehzeug auf beiden Kanälen. Stereo? Dann bewegte es sich weiter und der Laut verschwand allmählich im rechten Kopfhörer. Dann war nur noch das leise Pfeifen des Windes zu hören.

Hölle, war das ein geiler Moment! In einem DOS-Spiel aus dem Jahre 1995. Aus einem Jahr, in dem Soundkarten noch immer nicht zur Standardausstattung von PCs gehört haben.

Ich weiß nun leider nicht, wieviel Anteil an diesem überraschen Klangerlebnis der Surround-Filter meines Kopfhörers hatte, aber angesichts der technischen Brillianz von iMuse gehe ich davon aus, dass die damaligen Audiogötter bei LucasArts, bei The Dig verantwortlich für das gesamte Sound Design und den Soundtrack, Michael Z. Land und Clint Bajakian hinter diesem Effekt stecken.

Ach, LucasArts … *seufz*

Ich verkneife mir nostalgische Gefühle in der Regel, weil sie auf Grund verfälschter und lückenhafter Erinnerungen einen gerne in die Irre führen. Aber hier wird es mir doch mitunter etwas wehmütig ums Herz, wenn ich daran denke, wie es die oft wechselnde und jedes Mal noch inkompetentere Führung von LucasArts ganz aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe geschafft hat das Goldene Kind der 1990er sukzessive in der Irrelevanz versinken zu lassen.

Wie auch immer … The Dig.

LucasArts auf dem Höhepunkt der kreativen Schaffenskraft. Als Kunst und Kommerz sich noch im Gleichgewicht befunden haben. Wenn mich meine nostalgischen Gefühle nicht in die Irre führen und ich hier mir nur etwas einbilde …

7 Kommentare zu „Retro-Surround-Sound: The Dig

  1. Nach längerer Zeit mal wieder ein kostenloser Steam Key, diesmal für Fantasy General II:

    NHNKX-CQQMA-9FAQD

  2. The Dig spiele ich auch immer wieder leidenschaftlich gerne, und höre den Soundtrack auf YouTube. Es gibt sogar viele von Fans eingespielten Pianoversionen einiger dieser Stücke. Der Unterwasser-Raum zu dem man hinschwimmt hat eine traurige Melodie, welche ein ZEN Artiges Gefühl hinterlässt. Es vermittelt dieses Gefühl davon, wie absolut verlassen alle diese Ruinen sind. Ich habe wenig Platz zuhause, aber die Big Box von The Dig habe ich niemals entsorgt. Zu schön dieses schillern vom aufklappbaren Teil. Und ich liebe die Vertonung so sehr. Die deutsche version sagte mir aber nie zu. Seit The Dig haben nur wenige Abenteuer mich so abgeholt. Ich habe mich stellenweise ausgerechnet in SUBNAUTICA an The Dig erinnert.

  3. The Dig habe ich mittlerweile schon seit Jahrzehnten (seufz) auf dem Zettel der immer noch
    ungespielten „Geheimtipps“.
    Danke für die Erinnerung.
    Lässt es sich (wie üblich) einfach mit ScummVM starten oder gibts irgendwelche Besonderheiten zu beachten?

  4. Wie steht es eigentlich so mit der aktuellen Meinung zu wow classic?

    Finde es persönlich zumindest schade das mit dem level boost der cash shop in classic Einzug erhalten hat.

    Widerspricht doch total dem was Classic eigentlich ausmachen sollte.

  5. Was soll mit WoW Classic sein? Befinde mich in einer längeren WoW-Pause. Keine Ahnung mehr, was da gerade abgeht oder nicht.

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