Planet Crafter – Nette Idee, aber …

Die Kurzbeschreibung von Planet Crafter (derzeit noch im Early Access, regelmäßige Updates) klingt ja ganz nett.

Man landet auf einem lebensfeindlichen Planeten und soll diese Welt nach und nach in ein blühendes, vor Leben nur so wimmelndes Paradies nach Terra-Standard verwandeln. Es gibt keine Kämpfe, keine Konflikte, nur die widrigen Elemente, die einem das Leben schwer machen, weil man stets genug atembare Atmosphäre, Wasser und Nahrung benötigt, bis die Umwelt nicht mehr so lebensfeindlich ist. Jopp. Survival Basics 101.

Sterben ist hier aber nicht weiter tragisch, weil ich einfach wieder im Basis-Modul zu mir komme, wenn mir unterwegs Atemluft, Wasser oder Nahrung ausgeht. Verlustig gehe ich nur eines zufälligen Teils meines Rucksackinhaltes, den man aber wieder am Ort des Dahinscheidens aufsammeln kann. Was schnell dazu führt, dass ich vor allem anfänglich kaum Ressourcen auf Atemluftkanister, Wasserflaschen oder Nahrungspacks verschwende, wenn ich die nähere Umgebung erkunde. Sterben ist ein schneller Weg nach Hause und sofern ich nichts besonders Wertvolles mit mir rumschleppe … wurscht!

Ich baue erste Ausrüstungsgegenstände, erste Atmosphärengeneratoren und Windräder, sammle Ressourcen, baue weitere Basismodule und Einrichtungen und schalte mit der Zeit neue Baupläne frei. Jopp. Basisbau und Crafting 101.

Die Optik ist in Ordnung, Ressourcen sind klar in der Landschaft zu erkennen und zu unterscheiden und ich crafte ziemlich entspannt vor mich hin. Könnte Planet Crafter die entspanntere Alternative zu Factorio sein, wo ich Survival und Basisbau und Crafting endlich mit wenig Druck und Stress genießen (!) kann? Das könnte es durchaus, vor allem weil mir das Setting mehr zusagt als das von Subnautica, wo ich mich beim Schwimmen in dunklen Algenwäldern alles andere als wohl fühle. Schon als Kind konnte ich Bildbände und großformatige Bücher über ozeanisches Leben nur mit vor Ekel leicht verzerrtem Gesicht anschauen.

Dann jedoch, die erste Wand. Ich benötige Iridium, um Hitzegeneratoren zu bauen, welche die Atmosphäre dieser Welt erwärmen sollen. Das ist schön und gut, ich finde aber kein Iridium. Ich laufe hin und her, stelle diesmal sogar Atemluft- und Wasserflaschen her, um weiträumiger erkunden zu können, finde aber kein Iridium. Nichts. Kein Fitzelchen. Ich durchforste ein Raumschiffswrack, finde dort aber kein Iridium. Ich laufe das Tal, in dem ich gelandet bin, rauf und runter, finde aber kein Iridium. Ich finde dafür haufenweise Vorratskisten, die zwar alles mögliche, aber kein Iridium enthalten.

Ich gebe auf und schaue im Internet nach.

Aha! Man kann Iridium offenbar in Höhlen finden. Das ist schön, doch welche Höhlen? Ich bin bei meinen Erkundungen auf keine Höhle gestoßen. Später soll ich Iridium einfacher gewinnen können, doch um für die dafür benötigte Ausrüstung die erforderlichen Technologiestufen zu erreichen … brauche ich wenigstens EIN Iridium für wenigstens EINEN Hitzegenerator.

Null. Nada. Kein Iridium. Keine Höhle. Sicher, gut möglich, dass ich etwas übersehen habe. Doch ich bin mir ziemlich sicher keinem einzigen Höhleneingang über den Weg gelaufen zu sein. Ich starte eine letzte, große Erkundungsmission. Unter erheblichem Ressourcenverbrauch finde ich zwar jede Menge in der Landschaft verstreute Vorratskisten, die zum Glück hin und wieder ausreichend Atemluft und Wasser und Nahrung enthalten, aber ich stoße weder auf Iridium,. noch auf Höhleneingänge.

Ich lese wieder im Internet nach. Da wird ständig davon geschrieben, dass man die Iridiumhöhle (aha, also eine dedizierte Höhle mit Iridium) doch ganz leicht in der Nähe finden würde. Ich komme mir jetzt ein wenig verarscht vor. Da ist keine Höhle in der Nähe. Wobei mir nicht klar ist, wie „Nähe“ hier definiert wurde. Ist das ein „In der Nähe“ ausgehend von den technischen Möglichkeiten eines Endgame-Spielers oder „in der Nähe“ aus der Sicht von jemandem, der gerade erst ein paar Minuten gespielt hat?

Es gibt bereits recht ausführliche Walkthroughs für Planet Crafter, in denen so ziemlich alles beschrieben wird, was das Spiel zum aktuellen Zeitpunkt an Inhalten beinhaltet. Die könnte ich mir jetzt durchlesen und vielleicht auf eine Information stoßen, die mir beim Auffinden von Iridium helfen könnte. Ich könnte es auch sein lassen, weil ich es eigentlich selber herausfinden möchte. Ich frage mich nur, wie viele Stunden ich noch aufwenden muss, um eine EFFIN Ressource zu finden.

Liebe Entwickler von Miju Games, welche ihr im schnuckeligen Frankreich beheimatet seid und aus lediglich zwei Leuten besteht. Was ihr da nur zu zweit auf die Beine gestellt habt, ist schon klasse. Das hat Potential. Aber es kann doch nicht sein, dass man für das Spiel einen externen Walkthrough benötigt oder Youtube durchforsten muss, oder? Gut, ich möchte nicht ausschließen, dass ich mich total behämmert anstelle und seit ner Stunde ständig an diesem besagten Höhleneingang vorbeilaufe und ich beim Öffnen von all diesen Vorratskisten einfach nur das Pech habe, dass der Zufallsalgorithmus jedes Mal KEIN Iridium hineinlegt. Mag sein. Ist trotzdem dämlich. Weil eigentlich möchte ich Euer Spiel mögen. Vielleicht besser das 1.0-Release abwarten?

Ok, wieder ein Refund *seufz* …

Wie ist das denn mit Dyson Sphere Program? Gibt es da auch so bescheuerte Spielphasen, wo man plötzlich plan- und ratlos durch die Gegend eiert, weil die Entwickler anspruchsvolles Gameplay mit indizienfreiem Rätselraten verwechseln?

9 Kommentare zu „Planet Crafter – Nette Idee, aber …

  1. Bin neulich über das hier gestolpert, hab’s aber noch nicht angespielt (Pile of Shame, you know…)
    https://store.steampowered.com/app/383120/Empyrion__Galactic_Survival/

    Ein recht zuverlässiger Rezensent (Space Game Junkie) bei Steam meint dazu:
    „Out of all the spacey survivaley games out there, this is the one I’ve enjoyed the most. It feels the most complete, is a lot of fun, has a great tutorial and is just gorgeous. Definitely worth it.“

  2. Planet Crafter! Das Spiel hatte so ziemlich alles was ich gerne in einem Spiel haben möchte und noch eins zusätzlich: Die Tendenz mir Augenkrebs zu verursachen. Wenn ich in eine abstrus bunte Welt abtauchen möchte dann versuche ich es lieber im IKEA Bällebad.

  3. Wegen Dyson Sphere: So eine Phase hatte ich nie, man kann sich aber auch elend viel Zeit nehmen bei dem Ding. Ich bin da recht langsam vorangegangen und hab mir einfach in Ruhe alles durchgelesen, was das Spiel an Text so ausspuckt 😉
    Aber Du hast ja jetzt Farthest Frontier für dich entdeckt, da wünsche ich viel Spass!

  4. Danke fürs Reinschauen, Harz. Das ist nämlich ein Titel, den ich definitiv haben will, so sie ihn fertig haben und nicht total versemmeln.
    Lustiger Weise aus dem Grund, aus dem Eisenhaupt das Spiel nicht haben will: Ich hab Bock auf genau so ein Spiel in einer hellen und freundlichen Umgebung. Es langweilt mich, dass fast alle Survivaltitel (zumindest auf GoG) düster und bedrohlich sind. Bei manchen Titeln mag ich das, weils gelungen ist (Grim Dawn z.B., dass für mich ein schönes lovecraftches Feeling hat ^^) aber nur zum Selbstzweck bringts mir nichts.
    Also her mit dem Bällebad! : D

    @Harz
    Wenn Du nochmal reinschaust, wenns fertig ist, würd ich gerne nochmal Deine Meinung lesen, wenn Du Bock hast. : )

  5. Es ist wie bei Timberborn oder Satisfactory. Kein schlechtes Spiel, aber noch nicht dort, wo es mich packen würde. Sie bleiben definitiv auf der Follow-Liste bei Steam (man kommt ja kaum hinterher, kann sich doch alles kein Schwein merken 🙂 ).

  6. @Harz
    @Off Topic
    Nebenbei mal ein Danke fürs dran festhalten, dass Warhammer-Mechanicus eine gute Atmosphäre hat und spielbar ist. Habs für 6.- oder so geholt und durchgespielt. Meine einzige Kritik ist, dass es zu einfach ist und dadurch gen Ende die Motivation nachlässt. Den Oberboss zu töten, war auch kein echtes Problem.
    Aber ansonsten sehr fein. : )

  7. Spiele schon einige Zeit dieses Game, doch um die erste Höhle zu finden, braucht man Kein Genie sein, denn man Läuft in Richtung Sandwasserfall hindurch und siehe da, die Iridium Höhle. Im Grunde ist das Spiel auch für Einsteiger sehr einfach gehalten, denn:
    1. Rohstoffe für ein Habitat sind in der näheren Umgebung vorhanden
    2. Wasser und Sauerstoff Flaschen bauen um den Radius um die Basis zu vergrößern
    3. Das Spiel für Dich anhand dem was Du baust im Baum für Freischaltungen von Gebäuden und anderen Dinge einfach durch
    4. Du hast keinen Zeitdruck, Du kannst die Welt erkunden nach belieben
    5. Ich zb. habe alles frei geschaltet und freue mich auf das nächste Update
    6. Ach, bei mir ist genug an Wasser, Grüne Auen, Bäume, Insekten, Fische, etc…

  8. Ich mag das Spiel. Das Iridiumproblem hatte ich auch, bis ich dann eher zufällig und ja, ganz in der Nähe des Startpunktes eine oder vielleicht auch /die/ Iridiumhöhle fand. Das Ding ist nämlich, die Höhle ist nicht unten, also im Sinne von ‚Loch im Boden das nach unten führt‘, die ist /oben/. Da gibt es so ein Plateau, einen Berg mit steiler Wand und diese Wand hat nicht nur ein Loch, dass in eine Höhle führt, sondern da fehlt einfach ein Teil der Wand und das Innere des Plateaus ist ausgehöhlt wie ein hohler Zahn. Und jetzt schwimme ich in Iridium.

    Das Gameplay empfinde ich als sehr gechillt, es gibt keinen immensen Druck einer immer näher rückenden Gefahr oder eine Deadline, man werkelt halt vor sich hin und macht sein Ding. Wobei mich das andererseits und schizophrenerweise dann auch wieder ein wenig stört. Weil…

    Aus welchem Grund auch immer, ich habe in den letzten Jahren einen immensen Hang zum virtuellen Häusle- oder Höhlenbauen entwickelt. Keine Ahnung woher das kommt. Fallout 4 beispielsweise fand ich nicht so prall. Ich bin der totale Fallout-Fan, aber das Spiel hat für mich einfach nur noch wenig mit Fallout und dem Geist der Spiele zu tun. Und das Siedlung bauen und managen habe ich richtig gehasst. Was soll das, warum muss man sowas in ein Fallout Spiel stopfen? Und wenn man es schon macht, warum setzt man es dann so grottenschlecht um?

    Aber dann habe ich beschlossen, Fallout 4 einfach als Hausbau-Simulator zu sehen und meine Basis an der Red Rocket Tanke zur größten, beklopptesten, beeindruckendsten, gemütlichsten und größenwahnsinnigsten Basis aller Zeiten auszubauen und den Rest des Spieles zu ignorieren oder nur spielen, wenn ich halt gerade drüberstolpere und Bock darauf habe. Seitdem fräse ich mich durch Horden von Raidern um an ein paar Säcke Zement zu kommen, atomisiere Horden von Robotern um Elektronik zu ergattern und verkloppe Supermutanten en gros, weil sie zwischen mir und dem Berg Plastik stehen, den ich brauche. Und dann marschiere ich glücklich heim, erweitere die Basis, baue mit der Elektronik noch ein paar Lasertürme und verballere die Plaste für ein paar coole, richtig hochziehbare Jalousien.

    Und so richtig überrascht hat mich damals ‚The Forrest‘. Ich spiele das im Vegetariermode, bei dem die Mutanten nur in Höhlen und ansonsten nur in der Nacht auftauchen und angreifen und baue /dermaßen/ entspannt und happy meine Basis oder Basen aus. The Forrest ist für mich /der/ ideale Mix aus ein wenig Stress und Gefahr und relaxtem Bauen. Ich wundere mich selber, aber das Gefühl, die Kannibalen sind zwar eine reale Gefahr, aber ich habe meine sichere und gemütliche Basis, löst bei mir Ströme von Dopamin aus.

    Das gleiche Gefühl habe ich bei Subnautica, witzigeweise genau aus den Gründen, die für den Chef nur negative Gefühle hervorrufen. Da ist der tiefe Ozen mit seinen seltsamen und gefährlichen Bewohnern, da sind die unendlichen Tiefen, die noch nie ein Mensch zuvor… halt, falscher Film. Aber ich habe ja meine immer größer werdende Basis, die trocken, warm und sicher ist, vollgestopft mit all den U-Booten und Prawn-Suits und Gadgets und dem gemütlichen Wohnraum mitsamt Aquarium, dem Regal mit den Modellen und dem Schnickschnack und dem Katzenposter über dem Bett. Katzenposter machen mich anscheinend auch glücklich, selbst wenn gleich hinter ein paar Zentimetern Titan der Ozean des Todes lauern mag.

    Planet Crafter kommt da /fast/ ran, aber wie gesagt, da ist dann das Fehlen jeglicher Bedrohung und die Tatsache, dass die Basen; die man hier baut, im Grunde rein funktional sind, für mich eher ein Nachteil. Aber das ist eben ein sehr persönliches Ding, im Grunde liefert das Spiel genau das, was es verspricht.

  9. Ich habe die Höhle endlich gefunden, danke für Deinen Hinweis! Denn ich Trottel habe nach Höhleneingängen an der Basis des Gebirgszuges gesucht … hrrrpfglmgnhh!

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