Farthest Frontier – Sterben leicht gemacht

Sonderlich viel Glück war mir mit meinen Erwerbungen in letzter Zeit nicht gegönnt. Irgendwas war immer, was mich entweder genug gestört oder einfach nicht genug überzeugt hat, um den jeweiligen Titel zu behalten. Was an sich nicht schlimm ist, weil Refund existiert und sowohl GOG als auch Valve hier inzwischen sehr kulant sind und mir auch dann wieder den Kaufpreis erstatten, wenn ich etwas über dem Spielzeit-Limit liege.

Gut, man kann natürlich auch argumentieren, dass diese leichte und schnelle Möglichkeit den Kaufpreis wieder zurückzubekommen Leute dazu bringt sich nicht in ein Spiel hineinzuknien, um nach 60h dröger, nervender Quälerei endlich das süße Gefühl des Spielspaßes zu schmecken, aber ich war nie ein großer Freund dieser Argumentationsführung. Gerade wenn man mehr als genug Spiele zur Verfügung hat, muss ein Spiel relativ schnell „poppen“ oder es wird wieder zurückgegeben. Ich bin nicht mehr 10 Jahre alt und auf die zwei Termine im Jahr angewiesen, wo es eventuell neue Spiele gibt und es gibt so viele Titel, die mich interessieren und die ich zumindest einmalig ausprobieren will, dass es angesichts einer nicht grenzenlos vorhandenen Freizeit keinen Sinn macht sich an einem Spiel festzubeißen, in der Hoffnung, dass es irgendwann bestimmt, doch, wirklich, doppelschwör, vielleicht Spaß machen könnte. Spiele haben sich meinen Lebensbedingungen anzupassen und nicht umgekehrt.

Von daher gibt es bei dieser Frage auch nicht DIE richtige Antwort, weil das jeder für sich selbst, den eigenen Geschmack und die eigenen Lebensbedingungen entscheiden muss.

Shooter kann ich viele zocken, ARPGs ohne Pause (von Diablo Immoral lasse ich trotzdem die Finger, weil effin Shicendreck aus Prinzip) und RPGs jeglicher Bauart, wenn ich genug Muße finde, gehen immer. Doch vom Builder/Aufbau-Genre vertrage ich nicht viel.

SimCity 2000 habe ich intensiv gespielt und hole es heute immer noch gerne heraus. Aber danach war Schluss. Mit SimCity 3000 bin ich nie warm geworden und SimCity 4 habe ich erst gar nicht mehr angerührt. Nein, dieses Ding da aus dem Jahr 2013 existiert nicht.

Mit Caesar 3 habe ich viele, VIELE Stunden verbracht und meinen inneren Ben Hur entdeckt. Doch alles, was in der CityBuilder-Serie von Impressions dann folgte, hat sich schnell als durchaus bemühtes, aber nicht zünden wollendes Meh! herausgestellt.

Die Anno-Serie, viele Titel aus der Siedler-Serie, die Cultures-Serie, Banished, Timberborn und wie sie alle heißen … nach ein, zwei Stunden schlafe ich ein. Nicht, weil diese Spiele alle schlecht wären. Nein, oft ist das Gegenteil der Fall. Hochwertig produziert, gute bis sehr gute Wertungsschnitte, begeisterte Steam-Reviews … und ich halte nach wenigen Stunden inne und möchte plötzlich diese verlorene Zeit wieder zurück haben.

Dies mit vielen Worten disclaimernd voran geschickt habend, möchte ich meinen geschätzten Lesern mitteilen, dass der alte Sack wohl endlich etwas gefunden hat, was ihn eine Weile beschäftigen wird.

Nach fast einem Dutzend Jahren Dauerbeschäftigung mit der Entwicklung und Produktpflege von Grim Dawn hatte man bei Crate Entertainment nachvollziehbarerweise keinen Bock direkt mit einem Nachfolger weiterzumachen und entschied sich dementsprechend etwas grundsätzlich neues zu beginnen.

Auch mit Farthest Frontier wollte man nicht das Rad neu erfinden, sondern das gut befüllte Aufbau-Genre mit eigenen Ansätzen bereichern. Der Titel ist seit dieser Woche via Steam als Early-Access erhältlich, hatte kurzzeitig die Chartspitze eingenommen und scheint den Nerv von Genre-Fans getroffen zu haben. Gut, das heißt noch lange nix, siehe meine Erfahrungen mit Satisfactory.

Doch nach inzwischen ca. 14h Spielzeit, drei Neuanfängen, viel apokalyptischem Scheitern und erhellenden Geistesblitzen (ahh, SOOO geht das also!) scheint es, als ob ich endlich einen Titel in diesem Genre gefunden habe, der mich eine Weile bei der Stange halten wird.

Ich kann noch nicht genau sagen, woran es liegt, was mich hier fesselt oder warum ich plötzlich beginne eine emotionale Bindung zu den bedauernswerten Dorfbewohnern aufbaue, die meinen inkompetenten Befehlen Folge leisten müssen.

Die Optik ist herzallerliebst und detailliert, der sog. „Wuselfaktor“ strahlt hell in meine Gehirnlappen. Ich könnte stundenlang zusehen.

Die Musik ist ein Ohrwurm, der den durch die Optik geblendeten Schädelnervenzellen nicht mehr entrinnen kann.

Das Gameplay lädt zum Entdecken ein und wenn nach einigen Jahren das Dorf menschenleer die Jahreszeiten durchläuft, niemand mehr Holz hackt oder die Felder bestellt, auch keine neuen Siedler mehr einziehen (all die toten Siedler in den Häusern und auf den Wegen könnten eventuell nicht gerade einladend wirken) … dann ist es Zeit für einen Neubeginn, um das Gelernte schnellstmöglich wieder anwenden zu können.

Die Komplexität des Ackerbaus (laut Crate will man hier Genre-Maßstäbe setzen) ist mangels eines Tutorials derzeit ein wenig angsteinflößend, da so Dinge wie die richtige Fruchtfolge, um die Böden nicht zu sehr zu beanspruchen, erst durch Trial & Error herausgefunden werden müssen. Aber wie bereits gesagt … ein toter Dorfbewohner ist eine Tragödie, ein ausgestorbenes Dorf nur eine Statistik!

Natürlich gibt es haufenweise Bugs. Und es sind bei weitem nicht alle Features enthalten. Es gibt zwar ca. zwei Dutzend anbaubare und sammelbare Pflanzenarten (Nutzpflanzen, Nahrung, Heilkräuter), aber bislang nur Kühe. Und nur eine Wildart zum Bejagen.

Derzeit sabotiere ich mich noch selbst genug (oder werde Opfer von Bugs), so dass gefährliche Fauna und menschliche Marodeure noch keine große Rolle spielen, auf die ich dann mit Waffenproduktion, Schutztürmen und Wällen reagieren sollte.

Inzwischen habe ich auch gelernt nur voll ausgewachsene Bäume fällen zu lassen (Bäume wachsen von alleine nach) und die Karte weit genug zu erkunden, um genug Steinvorkommen zu haben. Dann habe ich gelernt, dass Arbeitsunterkünfte für die Leute in den abgelegenen Arbeitsstätten sinnvoll sein können, damit diese nicht die ganze Zeit damit beschäftigt sind nach Hause zu laufen, um etwas zu essen und zu trinken, um dann, wenn sie endlich wieder mit der Arbeit anfangen … natürlich wieder hungrig und durstig sind.

Ich habe jetzt endlich Tier 2 der Technologiestufe erreicht und mein Dorf sieht schon „etwas“ zivilisierter aus, aber plötzlich produzieren meine Bauern kein Getreide mehr. Weil sie nur zu Hause rumsitzen und nicht mehr die Felder mit dem Salz ihres Schweißes anreichern. Undankbares Pack! Da baut man inzwischen sogar Hopfen an, damit es endlich Bier gibt und dann so was … höchstwahrscheinlich ein Bug, da man mir eine hohe Zufriedenheit vorgaukelt. Es stört dann auch nicht weiter, dass kurz zuvor alle meine Jäger von der Mutter aller Bären getötet wurden. AHHHHHH!

Ok, ich starte die Map neu. Weil das eine ziemlich gute Map war, mit vielen Ressourcen in nicht allzu ferner Nähe. Ich könnte auch einen ganz neuen Seed erstellen. Risiko!!! Oder Seeds aus der Community verwenden, wo man inzwischen Lucky Numbers für Maps austauscht, die einen besonders leichten Start ermöglichen oder ausgemachten Masochisten ein Maximum an Qualen versprechen.

Ja, das hat was. Ist vielleicht nicht für jeden, aber mir läuft das gerade rein.

Ein Datum oder ein einen groben Zeitraum für den offiziellen Release gibt es noch nicht. Crate Entertainment bestehen immer noch aus sehr wenigen festen Mitarbeitern und einigen Freelancern und der aktuelle Build bedarf noch SO EINIGER Arbeit, um das Spiel halbwegs fertig auf die Menschheit loszulassen.

Aber ich bin guter Hoffnung. Der Support für Grim Dawn ist vorbildlich (erst vor einigen Wochen gab es wieder einen Patch), das Spiel war zum 1.0-Release eine technisch und spielerisch saubere Sache.

Bei Crate Entertainment kann man Early Access.

3 Kommentare zu „Farthest Frontier – Sterben leicht gemacht

  1. Klingt gut! Ich spiele wirklich gerne Anno – aber mir passiert auch jedes Mal das ich mich nach ca. 20 Stunden frage, was ich hier eigentlich tue und lösche es von dem einen auf den anderen Moment. Wenn dieser Titel sich so anfühlt, als würde man nicht nur Malen nach Zahlen betreiben, sondern man ständig Dinge entdeckt und das Spiel interessant bleibt, gib gerne ein Update!

  2. Haha ja.. Jedes Mal nach nem Anno Anfall frage ich mich auch was mich schon wieder geritten hat so viel Zeit in dieses Spiel zu versenken. So ist dann doch das Endlos Spiel immer wieder endlich. Und ein Neueinstieg nach ein, zwei Jahren fast unmöglich dank zig Inseln und Handelsrouten. Also von Vorn und so weiter..
    Schaue auch grad öfter mal Berichterstattung zu Farthest Frontier an und die angebl. Bug-Dichte schreckt mich (noch) etwas ab.

  3. Na, schau ma mal, ob der Titel auch noch irgendwann bei GOG aufschlägt… 🙂

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